Landesrecht konsolidiert Steiermark: Gesamte Rechtsvorschrift für Europaschutzgebiet Nr. 17 - Ennstaler Alpen/Gesäuse (AT 2210000), Fassung vom 27.07.2021

§ 0

Langtitel

Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. Oktober 2006 über die Erklärung des Gebietes „Ennstaler Alpen/Gesäuse“ (AT 2210000) zum Europaschutzgebiet Nr. 17

Stammfassung: LGBl. Nr. 132/2006 (CELEX-NR. 379L0409, 32003R0807, 392L0043, 32003R1882)

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 13a Abs. 1 des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976, LGBl. Nr. 65, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 56/2006, wird verordnet:

§ 1

Text

§ 1

Gegenstand

Im Bereich der Ennstaler Alpen und des Gesäuses wird ein in den Gemeinden Weng im Gesäuse, Admont, Gaishorn am See, St. Gallen, Landl, Johnsbach, Hieflau und Radmer gelegenes Gebiet zum Europaschutzgebiet erklärt. Dieses Gebiet wird als Europaschutzgebiet Nr. 17 „Ennstaler Alpen/Gesäuse“ bezeichnet.

§ 2

Text

§ 2

Schutzzweck

Die Unterschutzstellung dient:

1.

den in der Anlage A genannten Schutzgütern nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und bezweckt

a)

die Bewahrung des günstigen Erhaltungszustandes der mit A und B bewerteten Schutzgüter;

b)

die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes (Verschlechterungsverbot) der mit C bewerteten Schutzgüter;

2.

den in der Anlage A genannten Schutzgütern nach der Vogelschutz-Richtlinie und bezweckt

a)

die Erhaltung und Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume für die im Anhang I genannten Vogelarten;

b)

die Bewahrung des günstigen Erhaltungszustandes der mit B bewerteten Vogelarten;

c)

die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes der mit C bewerteten Vogelarten;

d)

die Erhaltung der Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie der Rastplätze in den Wanderungsgebieten für die Zugvögel.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 2a

Text

§ 2a

Maßnahmen

Der Schutzzweck ist durch Managementmaßnahmen, vorrangig im Wege des Vertragsnaturschutzes, anzustreben. Solche Maßnahmen sind insbesondere die Erhaltung und Entwicklung von

1.

Wiesen- und Weideflächen,

2.

großflächigen störungsarmen Zonen durch Besucherlenkung und

3.

naturnahen Waldbeständen mit hohen Alt- und Totholzanteilen.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 2b

Text

§ 2b

Verbote

(1)Im Europaschutzgebiet sind nachstehende Handlungen verboten:

1.

in den in der Anlage B und im Detailplan näher bestimmten Flächen

a)

jede ungebührliche Lärmerregung;

b)

Hunde frei laufen zu lassen, ausgenommen zur Jagdausübung oder beim Einsatz von Diensthunden der Exekutive, des Militärs und von Rettungshunden;

c)

der Einsatz von Motorschlitten, ausgenommen zu Wildfütterungen;

d)

die Neuanlage von Klettersteigen;

e)

das Klettern sowie

f)

das Hängegleiten, Paragleiten und der Einsatz sonstiger Fluggeräte und

2.

das Baden außerhalb der gekennzeichneten Bereiche.

(2) Alle anderen Projekte (Vorhaben, Maßnahmen), wie die Anlegung von Wegen, die Veränderung des Wasserhaushalts, dürfen erst nach Prüfung der Erheblichkeit von Auswirkungen auf die in der Anlage A genannten Schutzgüter bzw. bei Unerheblichkeit oder nach Erteilung der Bewilligung ausgeführt werden.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 3

Text

§ 3

Abgrenzung des Schutzgebietes

(1) Die Abgrenzung des Schutzgebietes erfolgt durch planliche Darstellung in Form eines Übersichtsplanes im Maßstab 1 : 70.000 (Anlage B) und eines Detailplanes.

(2) Der Übersichtsplan (Anlage B) und der Detailplan werden durch Auflage zur öffentlichen Einsichtnahme kundgemacht. Einsicht kann während der Amtsstunden genommen werden:

1.

in den Übersichtsplan (Anlage B):

a)

beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle,

b)

bei den Bezirkshauptmannschaften Liezen und Leoben sowie

c)

bei allen Gemeindeämtern der in § 1 genannten Gemeinden;

2.

in den Detailplan beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 3a

Text

§ 3a

Kennzeichnung des Schutzgebietes

Die Kennzeichnung des Schutzgebietes erfolgt durch Tafeln gemäß § 24 Abs. 1 Steiermärkisches Naturschutzgesetz 1976.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 4

Text

§ 4

Gemeinschaftsrecht

Durch diese Verordnung werden folgende Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft umgesetzt:

1.

Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten, ABl. Nr. L 103, S.1, zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 807/2003 des Rates vom 14. April 2003, ABl. Nr. L 122, 36 ff, Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL);

2.

Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen, ABl. Nr. L 206/S.7, zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 1882/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. September 2003, ABl. Nr. L 284, S. 1 ff, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL).

§ 5

Text

§ 5

Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 11. November 2006, in Kraft.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 69/2012, LGBl. Nr. 75/2021

§ 6

Text

§ 6

Inkrafttreten von Novellen

(1) Die Änderung des § 2, der Anlage A und die Einfügung der §§ 2a, 2b, und 3a sowie die Neuerlassung der Anlage B und des Detailplanes durch die Novelle LGBl. Nr. 69/2012 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 26. Juli 2012, in Kraft.

(2) In der Fassung der Verordnung LGBl. Nr. 75/2021 tritt Anlage A mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 29. Juni 2021, in Kraft.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 75/2021

Anl. 1

Text

Anlage A

Schutzgüter sind folgende prioritäre natürliche Lebensraumtypen und prioritäre Tierarten gemäß § 4 Z 18 und Z 19 StNSchG 2017:

Lebensräume nach der FFH-RL Anhang I

Code-Nr.

Lebensraumtyp

4070*

Latschenbuschwald

6230*

Bürstlingsrasen

7110*

Lebende Hochmoore

7220*

Kalktuffquellen

8160*

Kalkschutthalden der kollinen bis montanen Stufe

8240*

Kalk-Felspflaster

9180*

Schlucht- und Hangmischwälder

91E0*

Auenwälder mit Erle und Esche (Weichholzau)

Wirbellose nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1087*

Alpenbock

Rosalia alpina

6199*

Spanische Flagge

Euplagia quadripunctaria

Schutzgüter sind folgende natürliche Lebensraumtypen, Pflanzen-, Tier- und Vogelarten gemäß § 4 Z 11, Z 20 lit. a und b und Z 25 StNSchG 2017:

Lebensräume nach der FFH-RL Anhang I

Code-Nr.

Lebensraumtyp

3220

Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation

3240

Alpine Flüsse und ihre Ufervegetation mit Lavendelweide

4060

Alpine Zwergstrauchheiden

6150

Alpine Silikat-Urheiden

6170

Subalpin-alpine Kalkmagerrasen

6430

Feuchte Hochstaudenfluren

6510

Magere Flachland-Mähwiesen

7140

Übergangs- und Schwingrasenmoore

7230

Kalkreiche Niedermoore

8120

Kalk- und Kalkschieferschutthalden der montanen bis alpinen Stufe

8210

Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation

8310

Nicht touristisch erschlossene Höhlen

9130

Waldmeister-Buchenwald

9140

Mitteleuropäischer subalpiner Buchenwald mit Ahorn

9150

Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald

9410

Bodensaure Fichtenwälder

9420

Lärchen-Zirbenwälder

Pflanzen nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1381

Grünes Gabelzahnmoos

Dicranum viride

1386

Grünes Koboldmoos

Buxbaumia viridis

1902

Frauenschuh

Cypripedium calceolus

Säugetiere nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1303

Kleine Hufeisennase

Rhinolophus hipposideros

1308

Mopsfledermaus

Barbastella barbastellus

1355

Fischotter

Lutra lutra

Amphibie nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1193

Gelbbauchunke

Bombina variegata

Fische nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1163

Koppe

Cottus gobio

2484

Ukrainisches Neunauge

Eudontomyzon mariae

Wirbelloser nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1065

Skabiosenscheckenfalter

Euphydryas aurinia

Vögel nach der VS-RL Anhang I

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

A072

Wespenbussard

Pernis apivorus

A091

Steinadler

Aqulia chrysaetos

A103

Wanderfalke

Falco peregrinus

A104

Haselhuhn

Bonasa bonasia

A215

Uhu

Bubo bubo

A217

Sperlingskauz

Glaucidium passerinum

A223

Rauhfußkauz

Aegolius funereus

A234

Grauspecht

Picus canus

A236

Schwarzspecht

Dryocopus martius

A239

Weißrückenspecht

Dendrocopos leucotos

A241

Dreizehenspecht

Picoides tridactylus

A320

Zwergschnäpper

Ficedula parva

A659

Auerhuhn

Tetrao urogallus

A713

Alpenschneehuhn

Lagopus muta helvetica

A876

Birkhuhn

Lyrurus tetrix tetrix

Regelmäßig vorkommende Zugvögel

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

A155

Waldschnepfe

Scolopax rusticola

A168

Flußuferläufer

Actitis hypoleucos

A250

Felsenschwalbe

Ptyonoprogne rupestris

A253

Mehlschwalbe

Delichon urbica

A256

Baumpieper

Anthus trivialis

A259

Bergpieper

Anthus spinoletta

A266

Heckenbraunelle

Prunella modularis

A267

Alpenbraunelle

Prunella collaris

A277

Steinschmätzer

Oenanthe oenanthe

A282

Ringdrossel

Turdus torquatus

A314

Waldlaubsänger

Phylloscopus sibilatrix

A333

Mauerläufer

Tichodroma muraria

A313

Berglaubsänger

Phylloscopus bonelli

A574

Klappergrasmücke

Sylvia curruca“

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 69/2012, LGBl. Nr. 75/2021