Landesrecht konsolidiert Steiermark: Gesamte Rechtsvorschrift für Europaschutzgebiet Nr. 17 - Ennstaler Alpen/Gesäuse (AT 2210000), Fassung vom 23.06.2021

§ 0

Langtitel

Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. Oktober 2006 über die Erklärung des Gebietes „Ennstaler Alpen/Gesäuse“ (AT 2210000) zum Europaschutzgebiet Nr. 17

Stammfassung: LGBl. Nr. 132/2006 (CELEX-NR. 379L0409, 32003R0807, 392L0043, 32003R1882)

Änderung

LGBl. Nr.°69/2012 (CELEX-Nr. 32003R1882, 32003R0807, 31992L0043, 31979L0409)

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 13a Abs. 1 des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976, LGBl. Nr. 65, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 56/2006, wird verordnet:

§ 1

Text

§ 1

Gegenstand

Im Bereich der Ennstaler Alpen und des Gesäuses wird ein in den Gemeinden Weng im Gesäuse, Admont, Gaishorn am See, St. Gallen, Landl, Johnsbach, Hieflau und Radmer gelegenes Gebiet zum Europaschutzgebiet erklärt. Dieses Gebiet wird als Europaschutzgebiet Nr. 17 „Ennstaler Alpen/Gesäuse“ bezeichnet.

§ 2

Text

§ 2

Schutzzweck

Die Unterschutzstellung dient:

1.

den in der Anlage A genannten Schutzgütern nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und bezweckt

a)

die Bewahrung des günstigen Erhaltungszustandes der mit A und B bewerteten Schutzgüter;

b)

die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes (Verschlechterungsverbot) der mit C bewerteten Schutzgüter;

2.

den in der Anlage A genannten Schutzgütern nach der Vogelschutz-Richtlinie und bezweckt

a)

die Erhaltung und Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume für die im Anhang I genannten Vogelarten;

b)

die Bewahrung des günstigen Erhaltungszustandes der mit B bewerteten Vogelarten;

c)

die Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes der mit C bewerteten Vogelarten;

d)

die Erhaltung der Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie der Rastplätze in den Wanderungsgebieten für die Zugvögel.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 2a

Text

§ 2a

Maßnahmen

Der Schutzzweck ist durch Managementmaßnahmen, vorrangig im Wege des Vertragsnaturschutzes, anzustreben. Solche Maßnahmen sind insbesondere die Erhaltung und Entwicklung von

1.

Wiesen- und Weideflächen,

2.

großflächigen störungsarmen Zonen durch Besucherlenkung und

3.

naturnahen Waldbeständen mit hohen Alt- und Totholzanteilen.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 2b

Text

§ 2b

Verbote

(1)Im Europaschutzgebiet sind nachstehende Handlungen verboten:

1.

in den in der Anlage B und im Detailplan näher bestimmten Flächen

a)

jede ungebührliche Lärmerregung;

b)

Hunde frei laufen zu lassen, ausgenommen zur Jagdausübung oder beim Einsatz von Diensthunden der Exekutive, des Militärs und von Rettungshunden;

c)

der Einsatz von Motorschlitten, ausgenommen zu Wildfütterungen;

d)

die Neuanlage von Klettersteigen;

e)

das Klettern sowie

f)

das Hängegleiten, Paragleiten und der Einsatz sonstiger Fluggeräte und

2.

das Baden außerhalb der gekennzeichneten Bereiche.

(2) Alle anderen Projekte (Vorhaben, Maßnahmen), wie die Anlegung von Wegen, die Veränderung des Wasserhaushalts, dürfen erst nach Prüfung der Erheblichkeit von Auswirkungen auf die in der Anlage A genannten Schutzgüter bzw. bei Unerheblichkeit oder nach Erteilung der Bewilligung ausgeführt werden.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 3

Text

§ 3

Abgrenzung des Schutzgebietes

(1) Die Abgrenzung des Schutzgebietes erfolgt durch planliche Darstellung in Form eines Übersichtsplanes im Maßstab 1 : 70.000 (Anlage B) und eines Detailplanes.

(2) Der Übersichtsplan (Anlage B) und der Detailplan werden durch Auflage zur öffentlichen Einsichtnahme kundgemacht. Einsicht kann während der Amtsstunden genommen werden:

1.

in den Übersichtsplan (Anlage B):

a)

beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle,

b)

bei den Bezirkshauptmannschaften Liezen und Leoben sowie

c)

bei allen Gemeindeämtern der in § 1 genannten Gemeinden;

2.

in den Detailplan beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 3a

Text

§ 3a

Kennzeichnung des Schutzgebietes

Die Kennzeichnung des Schutzgebietes erfolgt durch Tafeln gemäß § 24 Abs. 1 Steiermärkisches Naturschutzgesetz 1976.

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012

§ 4

Text

§ 4

Gemeinschaftsrecht

Durch diese Verordnung werden folgende Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft umgesetzt:

1.

Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten, ABl. Nr. L 103, S.1, zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 807/2003 des Rates vom 14. April 2003, ABl. Nr. L 122, 36 ff, Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL);

2.

Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen, ABl. Nr. L 206/S.7, zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 1882/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. September 2003, ABl. Nr. L 284, S. 1 ff, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL).

§ 5

Text

§ 5

Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 11. November 2006, in Kraft.

(2) Die Änderung des § 2, der Anlage A und die Einfügung der §§ 2a, 2b, und 3a sowie die Neuerlassung der Anlage B und des Detailplanes durch die Novelle LGBl. Nr. 69/2012 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 26. Juli 2012, in Kraft.

Anl. 1

Text

Anlage A

Schutzgüter sind folgende natürliche Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten gemäß § 13 Abs. 3 Z 5 lit. a des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976:

Lebensräume nach der FFH-RL Anhang I

Code-Nr.

Lebensraumtyp

Bewertung

3220

Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation

A

3240

Alpine Flüsse und ihre Ufervegetation mit Lavendelweide (Salix eleagnos)

B

3270

Flüsse mit Schlammbänken mit Vegetation der Zweizahn-Fluren

B

4060

Alpine und boreale Heiden

A

6170

Alpine und subalpine Kalkrasen

A

6430

Feuchte Hochstaudenfluren

A

6520

Berg-Mähwiesen (Goldhaferwiesen)

B

7140

Übergangs- und Schwingrasenmoore

C

7230

Kalkreiche Niedermoore

C

8120

Kalk- und Kalkschieferschutthalden der montanen bis alpinen Stufe

B

8130

Thermophile Schutthalden im westlichen Mittelmeerraum

B

8210

Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation

A

8310

Nicht touristisch erschlossene Höhlen

A

9110

Hainsimsen-Buchenwald

B

9130

Waldmeister-Buchenwald

B

9140

Subalpiner Buchenwald mit Ahorn

A

9150

Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald

B

9410

Bodensaure Fichtenwälder

B

9420

Alpiner Lärchen- und/oder Zirbenwald

A

Säugetiere nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1303

Kleine Hufeisennase

Rhinolophus hipposideros

C

1308

Mopsfledermaus

Barbastella barbastellus

B

1355

Fischotter

Lutra lutra

C

Amphibie nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1193

Gelbbauchunke

Bombina variegata

C

Fische nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1098

Ukrainisches Bachneunauge

Eudontomyzon mariae

B

1163

Koppe

Cottus gobio

B

Pflanzen nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1381

Grünes Gabelzahnmoos

Dicranum viride

C

1386

Grünes Koboldmoos

Buxbaumia viridis

C

1902

Frauenschuh

Cypripedium calceolus

B

Schutzgüter sind folgende Vogelarten gemäß § 13 Abs. 3 Z 5 lit. b des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976:

Vögel nach der VS-RL Anhang I

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

A072

Wespenbussard

Pernis apivorus

C

A091

Steinadler

Aqulia chrysaetos

B

A103

Wanderfalke

Falco peregrinus

B

A104

Haselhuhn

Bonasa bonasia

B

A108

Auerhuhn

Tetrao urogallus

B

A215

Uhu

Bubo bubo

B

A217

Sperlingskauz

Glaucidium passerinum

B

A223

Rauhfußkauz

Aegolius funereus

B

A234

Grauspecht

Picus canus

C

A236

Schwarzspecht

Dryocopus martius

B

A239

Weißrückenspecht

Dendrocopos leucotos

B

A241

Dreizehenspecht

Picoides tridactylus

B

A320

Zwergschnäpper

Ficedula parva

C

A408

Alpenschneehuhn

Lagopus mutus

B

A409

Birkhuhn

Tetrao tetrix

B

Regelmäßig vorkommende Zugvögel

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

A005

Haubentaucher

Podiceps cristatus

A028

Graureiher

Ardea cinerea

A155

Waldschnepfe

Scolopax rusticola

A168

Flußuferläufer

Actitis hypoleucos

A226

Mauersegler

Apus apus

A247

Feldlerche

Alauda arvensis

A251

Rauchschwalbe

Hirundo rustica

A253

Mehlschwalbe

Delichon urbica

A250

Felsenschwalbe

Ptyonoprogne rupestris

A391

Kormoran

Phalacrocorax carbo sinsensis

Schutzgüter sind folgende prioritäre Lebensräume gemäß § 3 Abs. 3 Z 7 und Z 8 des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976:

Prioritäre Lebensräume nach der FFH-RL Anhang I

Code-Nr.

Lebensraumtyp

Bewertung

4070

Buschvegetation mit Latsche und Almrausch

A

7220

Kalktuff-Quellen

B

9180

Schlucht- und Hangmischwälder

C

91E0

Auenwälder mit Erle und Esche (Weichholzau)

B

6230

Bürstlingsrasen

B

8240

Kalk-Felspflaster (nackter kalkreicher Fels)

A

Säugetier nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1354

Braunbär

Ursus arctos

C

Gliederfüßler nach der FFH-RL Anhang II

Code-Nr.

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Bewertung

1087

Alpenbock

Rosalia alpina

B

Anm.: in der Fassung LGBl. Nr.°69/2012