Landesrecht konsolidiert Salzburg: Gesamte Rechtsvorschrift für Rotmoos-Käfertal-Europaschutzgebietsverordnung, Fassung vom 19.06.2021

§ 0

Langtitel

Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 12. Dezember 2002, mit der Teile der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße zum Natur- und Europaschutzgebiet erklärt werden (Rotmoos-Käfertal- Europaschutzgebietsverordnung)
StF: LGBl Nr 9/2003

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund der §§ 19 bis 22a des Salzburger Naturschutzgesetzes 1999, LGBl Nr 73, in der geltenden Fassung wird verordnet:

§ 1

Text

Grenzen des Schutzgebietes

§ 1

(1) Der im Talschlussbereich des Fuscher Tales gelegene südliche Teil des "Rotmooses" sowie das südwestlich davon gelegene Käfertal einschließlich seiner Einhänge wird nach Maßgabe des Abs 2 zum Natur- und Europaschutzgebiet erklärt.

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in Lageplänen im Maßstab 1 : 5.000 festgelegt. Diese Pläne sind wesentlicher Inhalt dieser Verordnung und liegen beim Amt der Salzburger Landesregierung, bei der Bezirkshauptmannschaft Zell am See und bei der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße während der für den Parteienverkehr bestimmten Amtsstunden (§ 13 Abs 5 AVG) zur allgemeinen Einsicht auf.

§ 2

Text

Schutzzweck

§ 2

Diese Verordnung dient folgenden Zielen:

1.

der Erhaltung der völligen bis weit gehenden Ursprünglichkeit des Schutzgebietes einschließlich seines besonderen ästhetischen Wertes;

2.

der Erhaltung der vielfältigen Struktur an Biotoptypen unter besonderer Berücksichtigung der nach Anhang I der FFH-Richtlinie zu schützenden Lebensräume (Rotmoos und Moor im Käfertal als kalkreiche Niedermoore, Kalkschutthalden im Käfertal als Kalk- und Schieferschutthalden der montanen bis alpinen Stufe, Moor im Käfertal als Torfmoor-Schlenken);

3.

der Erhaltung des außergewöhnlichen Reichtums an seltenen und gefährdeten Pflanzenarten (zB Orchideengewächse, Sonnentau) und Tierarten (zB zahlreiche Vogel- und Großschmetterlingsarten);

und

4.

der Erhaltung charakteristischer und in den Zentralalpen seltener Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren.

§ 3

Text

Schutzbestimmungen

§ 3

(1) Im Schutzgebiet sind alle Eingriffe in die Natur untersagt.

Als Eingriffe gelten auch folgende Maßnahmen:

1.

die Errichtung, Aufstellung oder wesentliche Änderung baulicher und sonstiger Anlagen;

2.

die Vornahme von Bodenverletzungen oder Aufschüttungen;

3.

die Beeinträchtigung von Gewässern und deren Randbereichen sowie Entwässerungen;

4.

das Befahren des Schutzgebietes mit Fahrzeugen aller Art;

5.

jede vermeidbare Lärmerregung;

6.

das Zelten, Campieren und Abbrennen von Feuer;

7.

die Durchführung von geführten Wanderungen;

8.

das Überfliegen des Naturschutzgebietes mit Luftfahrzeugen aller Art in weniger als 5.000 m Seehöhe einschließlich der Verwendung von Hänge- und Paragleitern sowie die Durchführungen von Außenlandungen.

(2) Vom Verbot ausgenommen sind folgende Maßnahmen:

1.

die bisher ausgeübte Art der landwirtschaftlichen Nutzung oder eine solche landwirtschaftliche Nutzung, die einem im Einvernehmen mit den Grundeigentümern von der Landesregierung erstellten Landschaftspflegeplan entspricht;

2.

die bisher ausgeübte forstwirtschaftliche Nutzung, einschließlich der standortgemäßen Aufforstung mit heimischen Baumarten und der Waldpflege, soweit sie entsprechend den forstrechtlichen Bestimmungen (Forstgesetz 1975, BGBl Nr 440, zuletzt geändert durch das Gesetz BGBl I Nr 65/2002) erfolgt;

3.

die rechtmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.

notwendige Betreuungs- und Erhaltungsarbeiten an bestehenden Anlagen (zB die Instandhaltung von Wegen, Steigen, von landwirtschaftlichen und jagdlichen Einrichtungen wie des vorhandenen Almstalles, von Unterständen und Weidezäunen) einschließlich der notwendigen Räumung von Fließgewässern sowie Aufräumungsarbeiten und Wiederherstellungsmaßnahmen nach Elementarereignissen;

5.

das Befahren von Wegen im Rahmen der Ausübung der Land- und Forstwirtschaft, Jagd oder Fischerei sowie zur Beförderung von Schitourengehern talauswärts;

6.

die Wiedererrichtung von Anlagen, die der Ausübung der Land- und Forstwirtschaft oder Jagd gedient haben, wenn sie für diese Zwecke und in diesem Ausmaß erforderlich sind;

7.

das Verbrennen des zur Aufrechterhaltung der Almwirtschaft geschwendeten Materials;

8.

die Durchführung von Schitouren;

9.

notwendige Ver- und Entsorgungsflüge sowie Überflüge, die im öffentlichen Interesse gelegen sind;

10.

die Entnahme von Fischen und sonstigen Wassertieren oder von Wasserpflanzen für Analysen oder Untersuchungen gemäß den Art 5, 8 oder 11 der Richtlinie 2000/60/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik, ABl L 327 vom 22. Dezember 2000,

S 1.

§ 4

Text

Ausnahmebewilligungen

§ 4

(1) Die Landesregierung kann auf Ansuchen im Einzelfall für die im Abs 2 angeführten Maßnahmen Ausnahmen von den Verboten des § 3 bewilligen, soweit diese Maßnahmen dem Schutzzweck des Schutzgebietes gemäß § 2 Z 1 bis 4 nicht widersprechen und überdies keine erhebliche Beeinträchtigung des Erhaltungszieles gemäß § 2 Z 2 zu erwarten ist.

(2) Als Maßnahmen, die einer Bewilligung im Sinn des Abs 1 zugänglich sind, werden festgelegt:

1.

wissenschaftliche Erhebungen und geführte Wanderungen, die mit Zustimmung der Grundeigentümer vorgenommen werden;

2.

die Errichtung, Aufstellung oder wesentliche Änderung von Anlagen, die für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie für die Ausübung der Jagd erforderlich sind, sowie von Wasserkraftanlagen, die ausschließlich zur Eigenversorgung für die almwirtschaftliche Nutzung notwendig sind;

3.

die im öffentlichen Interesse gelegene Fassung und Ableitung von Quellwasser zur Trinkwasserversorgung.

§ 5

Text

Kennzeichnung des Schutzgebietes

§ 5

Die Kennzeichnung des Schutzgebietes erfolgt durch Tafeln, die die Aufschrift "Natur- und Europaschutzgebiet Rotmoos-Käfertal" und das Salzburger Landeswappen tragen. Weitere, dem Schutzzweck entsprechende Hinweise sind zulässig.

§ 6

Text

Hinweis auf Strafbestimmungen

§ 6

Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des § 3 oder der gemäß § 4 erlassenen Bescheide sowie die Beschädigung, eigenmächtige Entfernung, Verdeckung oder eine sonstige Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Kennzeichnung des Schutzgebietes werden als Verwaltungsübertretungen gemäß § 61 des Salzburger Naturschutzgesetzes 1999 bestraft.

§ 7

Text

Inkrafttreten

§ 7

Diese Verordnung tritt dem auf ihre Kundmachung folgenden Monatsersten in Kraft.