Landesrecht konsolidiert Salzburg: Gesamte Rechtsvorschrift für Zeller See-Naturschutzgebietsverordnung, Fassung vom 20.02.2019

§ 0

Beachte für folgende Bestimmung

Erfassungsstichtag: 1.3.1992

Langtitel

Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 23. November 1983, mit der Teile der Stadtgemeinde Zell am See und der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße zu einem Naturschutzgebiet erklärt werden (Zeller See-Naturschutzgebietsverordnung)
StF: LGBl. Nr. 99/1983

Änderung

idF:

LGBl. Nr. 7/1992

LGBl. Nr. 48/2000

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 19 des Salzburger Naturschutzgesetzes 1999, LGBl Nr 73, in der geltenden Fassung wird verordnet:

§ 1

Text

§ 1

 

(1) Das in der Stadtgemeinde Zell am See und in der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße, politischer Bezirk Zell am See, gelegene Flachmoor- und Feuchtwiesengebiet südlich des Zeller Sees wird samt demjenigen vorgelagerten Teil des Zeller Sees, der mit Schilf, Binsen und sonstigen Wasserpflanzen bewachsen ist, jedoch ohne die im Ortsteil Schüttdorf gelegenen Grundstücke Nr. 381/24 und 381/445 KG Zell am See zum Naturschutzgebiet erklärt.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in Lageplänen im Maßstab 1:5000 festgelegt. Diese Pläne sind wesentlicher Inhalt dieser Verordnung und liegen beim Amt der Salzburger Landesregierung, bei der Bezirkshauptmannschaft Zell am See, bei der Stadtgemeinde Zell am See und bei der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße während der für den Parteienverkehr bestimmten Amtsstunden (§ 13 Abs. 5 AVG) zur allgemeinen Einsicht auf.

§ 1a

Text

§ 1a

 

Diese Verordnung dient der Erhaltung:

1.

der weitgehenden Ursprünglichkeit des im § 1 bezeichneten Gebietes einschließlich seines besonderen ästhetischen Wertes im vorhandenen Landschaftsraum;

2.

geschützter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten (zB Eiderente, Schwarzkehlchen, Mittelmeerschafstelze, Kiebitz, Austernfischer);

3.

der ökologischen Funktion des im § 1 bezeichneten Gebietes, besonders des Niedermoores und der in den Alpen einmaligen Flachwasserlagunen mit großen Schlammbänken, einschließlich der Übergangszonen und Randbereiche, als Lebensraum für die typischen Lebensgemeinschaften, insbesondere als Brutplatz für geschützte und gefährdete Vogelarten und als Rastplatz für Zugvögel.

§ 2

Text

§ 2

 

(1) In dem gemäß § 1 festgelegten Naturschutzgebiet sind alle Eingriffe in die Natur untersagt.

(2) Vom Verbot ausgenommen sind lediglich:

a)

die bisher übliche land- und forstwirtschaftliche Nutzung, ausgenommen Wegbauten und Kahlschläge;

b)

die notwendigen Betreuungsarbeiten an behördlich genehmigten öffentlichen Betriebsanlagen und sonstigen Einrichtungen;

c)

die rechtmäßige Ausübung der Jagd mit der Einschränkung, daß alle Sumpfschnepfen und Entenarten - ausgenommen Stock- und Krickenten - sowie Birkwild nicht bejagt werden dürfen;

d)

die rechtmäßige Ausübung der Fischereiwirtschaft;

e)

der Besuch des Naturschutzgebietes auf öffentlichen Wegen, markierten Wanderwegen und Reitwegen sowie der Aufenthalt auf gekennzeichneten Plätzen;

f)

das Baden an gekennzeichneten Badeplätzen, das Schwimmen im freien See und das Befahren der Seefläche außerhalb der Schilfzonen mit Ruderbooten, Segelbooten und Elektrobooten.

(3) Als verbotene Eingriffe im Sinne des Abs. 1 gelten insbesondere:

a)

das Befahren mit Kraftfahrzeugen außerhalb öffentlicher Verkehrsflächen und das Abstellen von Kraftfahrzeugen und Wohnwagen aller Art, ausgenommen für Zwecke der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung von Grundstücken;

b)

die Anlage von Reitwegen;

c)

das Zelten, Lagern, Errichten von Feuerstellen;

d)

jede Bodenverletzung, wie Aufschüttungen und Abtragungen, das Lagern und Stapeln von Materialien jeder Art, Sprengarbeiten, die Beseitigung oder Beschädigung von Felsen, Findlingsteinen u.dgl., Anlage und Betrieb von Gräben, Torfstichen, Schottergruben und Steinbrüchen u.dgl.;

e)

alle Baumaßnahmen wie auch die Errichtung von Hütten, Unterständen, Sichtschutzwänden, Zäunen und Einfriedungen jeder Art, Tischen, Sitz- und Liegegelegenheiten u.dgl.;

f)

die Errichtung von Boots- und Badestegen, die Einbringung von Schwimmflößen, Haus- und Kajütbooten;

g)

jede Veränderung des natürlichen Ufers, wie die Anlage von Ufermauern, Uferbefestigungen, Einbringung von Trittplatten, Sand, Kies u.dgl.;

h)

jede Beeinträchtigung oder Beschädigung der Pflanzenwelt außerhalb der forstwirtschaftlichen Nutzung - das ist die Fällung von Baumgruppen und Einzelbäumen außerhalb des geschlossenen Waldes; die Beseitigung von Gebüsch, Latschen und Hecken, das Abreißen von Ästen, die Beseitigung von Schilf- und Binsen sowie das Pflücken und Ausgraben von Pflanzen; die Durchführung von Drainagen, Meliorationen;

i)

die Anlage künstlicher Teiche oder Wasserläufe;

j)

der Einsatz und die Anwendung von Mineraldünger, Schädlingsbekämpfungsmitteln u.dgl. über den Umfang des Abs. 2 lit. a hinaus, sofern dies nicht behördlich angeordnet wurde;

k)

jede Veränderung des ortsgemäßen Pflanzenbestandes;

l)

jegliches nicht unter Abs. 2 lit. f fallende Baden;

m)

jede Beunruhigung des Wildes und jede Störung der Kleintierwelt;

n)

jede Verunreinigung, das Ablagern von Abfällen, Müll und Schutt jeder Form außerhalb von Müllablagerungsstätten (§ 19 des Salzburger Müllabfuhrgesetzes 1974);

o)

die Erregung von ungebührlichem Lärm und Unfug, der Betrieb von Kofferradios u.dgl.;

p)

die Errichtung von Energiefreileitungen oder sonstigen Drahtleitungen, die Einbringung von Leitungen unter der Erdoberfläche zur Versorgung mit Wasser, Gas, elektrischer Energie oder zur Ableitung von Wasser und Abwässern;

q)

unbeschadet der Kennzeichnung nach § 4 jede Anbringung von Werbe- und Inschrifttafeln oder sonstigen Schildern.

§ 3

Text

§ 3

 

Die Landesregierung kann auf Ansuchen im Einzelfall Ausnahmen von den Verboten des § 2 bewilligen, soweit diese Maßnahmen dem Schutzzweck des Naturschutzgebietes nicht widersprechen. Eine solche Bewilligung kann auch unter Auflagen und befristet erteilt werden.

§ 4

Text

§ 4

 

Die Kennzeichnung des Naturschutzgebietes erfolgt durch Tafeln, die die Aufschrift "Naturschutzgebiet Zeller See" und das Salzburger Landeswappen tragen. Weitere, dem Schutzzweck entsprechende Hinweise sind zulässig.

§ 5

Text

§ 5

 

Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des § 2 oder der gemäß § 3 erlassenen Bescheide sowie die Beschädigung, eigenmächtige Entfernung, Verdeckung oder eine sonstige Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Kennzeichen des Naturschutzgebietes werden als Verwaltungsübertretung gemäß § 61 des Salzburger Naturschutzgesetzes 1999 bestraft.

§ 6

Text

§ 6

 

(1) Diese Verordnung tritt mit Beginn des ihrer Kundmachung folgenden Monats in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 20. November 1972, LGBl. Nr. 124, mit der Teile der Stadtgemeinde Zell am See, politischer Bezirk Zell am See, zum Naturschutzgebiet erklärt werden (Zeller-See-Naturschutzgebiets-Verordnung), in der Fassung der Verordnungen LGBl. Nr. 15/1974 und Nr. 94/1974 außer Kraft.