Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Drechsler/Drechslerin-Ausbildungsordnung, Fassung vom 31.01.2023

§ 0

Langtitel

Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die
Berufsausbildung im Lehrberuf Drechsler/Drechslerin
(Drechsler/Drechslerin-Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 279/2005

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund der §§ 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 79/2003, wird verordnet:

§ 4

Text

Lehrabschlussprüfung

Gliederung

§ 4.
  1. (1) Die Lehrabschlussprüfung gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.
  2. (2) Die praktische Prüfung umfasst die Gegenstände Prüfarbeit und Fachgespräch.
  3. (3) Die theoretische Prüfung umfasst die Gegenstände Holzbearbeitungstechnik, Angewandte Mathematik und Fachzeichnen.
  4. (4) Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrziels der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule oder den erfolgreichen Abschluss einer die Lehrzeit ersetzenden berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nachgewiesen hat.

§ 5

Text

Praktische Prüfung

Prüfarbeit

§ 5.
  1. (1) Die Prüfung hat nach Angabe der Prüfungskommission nachstehend genannte Fertigkeiten zu umfassen:
    1. 1.
      Messen, Anreißen,
    2. 2.
      Sägen, Schleifen,
    3. 3.
      Bohren,
    4. 4.
      Lang-, Plan- und Formdrechseln,
    5. 5.
      Gewindestrählen,
    6. 6.
      Oberflächenbehandlung.
    Die Aufgabe hat sich auf die Herstellung eines Werkstückes unter Einschluss von Arbeitsplanung, Maßnahmen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, allenfalls erforderliche Maßnahmen zum Umweltschutz und Maßnahmen zur Qualitätskontrolle zu erstrecken. Die einzelnen Schritte bei der Ausführung der Aufgabe sind händisch oder rechnergestützt zu dokumentieren. Die Prüfungskommission kann dem Prüfling anlässlich der Aufgabenstellung entsprechende Unterlagen zur Verfügung stellen.
  2. (2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlussprüfung, die Anforderungen der Berufspraxis und das Tätigkeitsgebiet des Lehrbetriebs eine Prüfarbeit zu stellen, die in der Regel in fünf Stunden durchgeführt werden kann.
  3. (3) Die Prüfung ist nach sechs Arbeitsstunden zu beenden.
  4. (4) Für die Bewertung der Prüfarbeit sind folgende Kriterien maßgebend:
    1. 1.
      Maßhaltigkeit und Sauberkeit,
    2. 2.
      fachgerechte Ausführung,
    3. 3.
      Oberflächenbeschaffenheit,
    4. 4.
      fachgerechtes Verwenden der Werkzeuge.

§ 6

Text

Fachgespräch

§ 6.
  1. (1) Das Fachgespräch ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.
  2. (2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hierbei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen des Prüflings festzustellen. Im Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er fachbezogene Probleme und deren Lösungen darstellen, die für einen Auftrag relevanten fachlichen Hintergründe aufzeigen und die Vorgehensweise bei der Ausführung dieses Auftrags begründen kann.
  3. (3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Hierbei können Unterlagen über Maschinen, Geräte, Werkzeuge und Werkstoffe (zB Sicherheitsdaten- und Verarbeitungsblätter) herangezogen werden. Fragen über einschlägige Sicherheitsvorschriften, Schutzmaßnahmen und Unfallverhütung sowie über einschlägige Umweltschutzmaßnahmen und Entsorgungsmaßnahmen sind mit einzubeziehen. Die Prüfung ist in Form eines möglichst lebendigen Gesprächs mit Gesprächsvorgabe durch Schilderung von Situationen oder Problemen durchzuführen.
  4. (4) Das Fachgespräch soll für jeden Prüfling zumindest 15 Minuten dauern. Es ist nach 20 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.

§ 7

Text

Theoretische Prüfung

Allgemeine Bestimmungen

§ 7.
  1. (1) Die theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüflingen gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufs möglich ist. Die theoretische Prüfung kann auch in rechnergestützter Form erfolgen, wobei jedoch alle wesentlichen Schritte für die Prüfungskommission nachvollziehbar sein müssen.
  2. (2) Die theoretische Prüfung ist grundsätzlich vor der praktischen Prüfung abzuhalten.
  3. (3) Die Aufgaben haben nach Umfang und Niveau dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Sie sind den Prüflingen anlässlich der Aufgabenstellung getrennt zu erläutern.
  4. (4) Die schriftlichen Arbeiten des Prüflings sind entsprechend zu kennzeichnen.

§ 8

Text

Holzbearbeitungstechnik

§ 8.
  1. (1) Die Prüfung hat die stichwortartige Beantwortung je einer Frage aus sämtlichen nachstehenden Bereichen zu umfassen:
    1. 1.
      Werkstoffkunde,
    2. 2.
      Arbeitsverfahren,
    3. 3.
      Maschinenkunde,
    4. 4.
      Verbindungselemente,
    5. 5.
      Werkzeuge und Werkzeugmaschinen.
  2. (2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form mit Fragebögen erfolgen. In diesem Fall sind aus jedem Bereich je drei Fragen zu stellen.
  3. (3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.
  4. (4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 9

Text

Angewandte Mathematik

§ 9.
  1. (1) Die Prüfung hat sich auf folgende Gebiete zu erstrecken:
    1. 1.
      Einfache Kalkulation mit Flächen- und Längenberechnung, Volums- und Gewichtsberechnung und Drehzahlberechnung,
    2. 2.
      Materialbedarfsberechnung.
  2. (2) Die Verwendung von Rechenbehelfen, Formeln und Tabellen ist zulässig.
  3. (3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.
  4. (4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 10

Text

Fachzeichnen

§ 10.
  1. (1) Die Prüfung hat das Anfertigen einer Werkzeichnung zu umfassen.
  2. (2) Die Aufgabe ist so zu stellen, dass sie in der Regel in 90 Minuten durchgeführt werden kann.
  3. (3) Die Prüfung ist nach 105 Minuten zu beenden.

§ 11

Text

Wiederholungsprüfung

§ 11.
  1. (1) Die Lehrabschlussprüfung kann wiederholt werden.
  2. (2) Wenn bis zu drei Gegenstände mit „Nicht genügend“ bewertet wurden, ist die Wiederholungsprüfung auf die mit „Nicht genügend“ bewerteten Gegenstände zu beschränken.
  3. (3) Wenn mehr als drei Gegenstände mit „Nicht genügend“ bewertet wurden, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen.