Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Kunststofftechnik-Ausbildungsordnung, Fassung vom 12.04.2024

§ 0

Langtitel

Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die
Berufsausbildung im Lehrberuf Kunststofftechnik (Kunststofftechnik-
Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 23/2004

Änderung

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 177 aus 2005,

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 104 aus 2007,

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 227 aus 2008,

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 117 aus 2023,

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund der Paragraphen 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, Bundesgesetzblatt Nr. 142 aus 1969,, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 79 aus 2003,, wird verordnet:

§ 4

Text

Lehrabschlussprüfung

Gliederung

Paragraph 4,
  1. Absatz einsDie Lehrabschlussprüfung gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.
  2. Absatz 2Die praktische Prüfung umfasst die Gegenstände Prüfarbeit und Fachgespräch.
  3. Absatz 3Die theoretische Prüfung umfasst die Gegenstände Angewandte Mathematik, Fachkunde und Werkstoffkunde.
  4. Absatz 4Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrziels der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule oder den erfolgreichen Abschluss einer die Lehrzeit ersetzenden berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nachgewiesen hat.

§ 5

Text

Praktische Prüfung

Prüfarbeit

Paragraph 5,
  1. Absatz einsDie Prüfarbeit hat nach Angabe der Prüfungskommission nachstehend genannte Bereiche zu umfassen. Die Durchführung ist projektartig in der Form durchzuführen, dass der Prüfling zuerst die Aufgabenstellung, die Begründung der gewählten Formgebung und Gestaltung, der Konstruktion, des eingesetzten Materials und der Arbeitsmittel (Maschinen, Geräte, Werkzeuge usw.) erläutert und anschließend die Prüfarbeit durchführt.

    Folgende Arbeiten sind hierbei auszuführen:

    1. Ziffer eins
      Nach Wahl der Prüfungskommission eine Halbzeugverarbeitung oder die Herstellung eines Faserverbundteils sowie
    2. Ziffer 2
      nach Wahl des Prüflings eine Spritzgussverarbeitung oder eine Extrusion an Maschinen.
  2. Absatz 2Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlussprüfung, die Anforderungen der Berufspraxis und das Tätigkeitsgebiet des Lehrbetriebs eine Prüfarbeit zu stellen, die in der Regel in sechs Stunden durchgeführt werden kann.
  3. Absatz 3Die Prüfarbeit ist nach sieben Stunden zu beenden.
  4. Absatz 4Für die Bewertung der Prüfarbeit sind folgende Kriterien maßgebend:
    1. Litera a
      Auswählen und Prüfen der Werk- und Hilfsstoffe,
    2. Litera b
      Materialaufbereitung,
    3. Litera c
      Oberfläche,
    4. Litera d
      Maßhaltigkeit und Sauberkeit,
    5. Litera e
      Winkeligkeit und Ebenheit,
    6. Litera f
      dem Werkstoff entsprechende Ausführung,
    7. Litera g
      fachgerechtes Verwenden der richtigen Werkzeuge und Maschinen,
    8. Litera h
      Überprüfung der Funktion und Festigkeit,
    9. Litera i
      Qualität,
    10. Litera j
      Parametrisierung,
    11. Litera k
      Prozessfähigkeit,
    12. Litera l
      Fachgerechtes Sammeln und Entsorgen von Rest- und Hilfsstoffen.

§ 6

Text

Fachgespräch

Paragraph 6,
  1. Absatz einsDas Fachgespräch ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.
  2. Absatz 2Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hiebei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen des Prüflings festzustellen.
  3. Absatz 3Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Hiebei sind Unterlagen über Maschinen, Geräte, Werkzeuge oder Werkstoffe (wie Sicherheitsdaten- und Verarbeitungsblätter) heranzuziehen. Die Prüfung ist in Form eines möglichst lebendigen Gesprächs mit Gesprächsvorgabe durch Schilderung von Situationen oder Problemen durchzuführen.
  4. Absatz 4Das Fachgespräch soll für jeden Prüfling 20 Minuten dauern. Es ist nach 30 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.

§ 7

Text

Ablegung der Teilprüfung über den Fachbereich der
Berufsreifeprüfung anlässlich der Lehrabschlussprüfung

Paragraph 7,
  1. Absatz einsGemäß Paragraph 4, Absatz 3, des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 68 aus 1997,, kann anlässlich der erfolgreichen Ablegung der Lehrabschlussprüfung in einem vierjährigen Lehrberuf zur Teilprüfung über den Fachbereich der Berufsreifeprüfung angetreten werden.
  2. Absatz 2Die Teilprüfung über den Fachbereich der Berufsreifeprüfung besteht gemäß Paragraph 3, Absatz eins, Ziffer 4, des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung aus einer schriftlichen Klausurarbeit und einer mündlichen Prüfung. Sie ist mit einer Note zu beurteilen.
  3. Absatz 3Die Klausurarbeit ist fünfstündig. Das Thema muss aus dem Berufsfeld, einschließlich des fachlichen Umfelds, des Kandidaten stammen.
  4. Absatz 4Die mündliche Prüfung ist in Form einer Auseinandersetzung mit der Klausurarbeit unter Einschluss des fachlichen Umfelds auf höherem Niveau durchzuführen. Sie hat vor der gesamten Prüfungskommission stattzufinden.
  5. Absatz 5Die Prüfungskommission für die Teilprüfung über den Fachbereich der Berufsreifeprüfung anlässlich der Lehrabschlussprüfung eines vierjährigen Lehrberufes oder eines modularen Lehrberufes mit vierjähriger Ausbildungszeit gemäß Paragraph 4, Absatz 3, des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung besteht aus einem fachkundigen Experten gemäß Paragraph 8 a, des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung als Vorsitzenden und zwei Beisitzern der Lehrabschlussprüfungskommission, die für die Durchführung der Prüfung und die Beurteilung der Leistungen als Prüfer im Sinne des Paragraph 8 a, des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung fungieren.
  6. Absatz 6Die Lehrlingsstelle hat spätestens drei Monate vor dem voraussichtlichen Prüfungstermin dem Landesschulrat gegenüber die für die Vorsitzführung in Aussicht genommene Person vorzuschlagen und den in Aussicht genommenen Prüfungstermin bekannt zu geben. Die Lehrlingsstelle hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden unverzüglich, längstens jedoch binnen vier Wochen nach dessen Bestellung, die konkreten Prüfungstermine festzulegen.
  7. Absatz 7Gleichzeitig mit dem Vorschlag des für die Vorsitzführung in Aussicht genommenen fachkundigen Experten sind dem Landesschulrat die Aufgabenstellungen der schriftlichen Klausurarbeiten zu übermitteln. Die Aufgabenstellungen der mündlichen Prüfung sind dem Vorsitzenden spätestens am Prüfungstag vor Beginn der Prüfung zur Genehmigung vorzulegen.
  8. Absatz 8Die Beurteilung der Prüfung gemäß Absatz 2, erfolgt durch die Prüfer im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden. Im Zweifel gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag.
  9. Absatz 9Die Prüfung gemäß Absatz 2, kann anlässlich der Lehrabschlussprüfung nicht wiederholt werden. Bei Nichtbestehen erfolgt die Zulassung zur Berufsreifeprüfung nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung.

§ 8

Text

Theoretische Prüfung

Allgemeine Bestimmungen

Paragraph 8,
  1. Absatz einsDie theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüflingen gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufes möglich ist. Die theoretische Prüfung kann auch in rechnergestützter Form erfolgen, wobei jedoch alle wesentlichen Schritte für die Prüfungskommission nachvollziehbar sein müssen.
  2. Absatz 2Die theoretische Prüfung ist grundsätzlich vor der praktischen Prüfung abzuhalten.
  3. Absatz 3Die Aufgaben haben nach Umfang und Niveau dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Sie sind den Prüflingen anlässlich der Aufgabenstellung getrennt zu erläutern.
  4. Absatz 4Die schriftlichen Arbeiten des Prüflings sind entsprechend zu kennzeichnen.

§ 9

Text

Angewandte Mathematik

Paragraph 9,
  1. Absatz einsDie Prüfung hat nach Wahl der Prüfungskommission Aufgaben aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:
    1. Ziffer eins
      Eine einfache Kalkulation nach vorgegebenen Angaben mit Flächen- und Längsberechnung, Volums- und Masseberechnung sowie Prozent- und Proportionsrechnung,
    2. Ziffer 2
      grundlegende Rechnungen aus der Mechanik (Festigkeit, Schwindung, Oberflächenbeanspruchung, Leistung, Kräfte, Wirkungsgrad, Drehzahl),
    3. Ziffer 3
      Rechnungen aus Hydraulik und Wärme,
    4. Ziffer 4
      Mischungsberechnung,
    5. Ziffer 5
      Berechnungen zur Maschinenauslegung.
  2. Absatz 2Das Verwenden von Formeln, Tabellen und Rechenbehelfen ist zulässig.
  3. Absatz 3Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 100 Minuten durchgeführt werden können.
  4. Absatz 4Die Prüfung ist nach 120 Minuten zu beenden.

§ 10

Text

Fachkunde

Paragraph 10,
  1. Absatz einsDie Prüfung hat die stichwortartige Beantwortung je einer Frage aus sämtlichen nachstehenden Bereichen zu umfassen:
    1. Ziffer eins
      Be- und Verarbeitung von Halbzeug und Faserverbund,
    2. Ziffer 2
      Arbeitsverfahren,
    3. Ziffer 3
      Oberflächenveredelungsverfahren,
    4. Ziffer 4
      Geräte, Maschinen und Anlagen, material- und teilespezifische Auswahl und Rüsten,
    5. Ziffer 5
      Wartung und Instandhaltung der Geräte, Maschinen und Anlagen,
    6. Ziffer 6
      Regelung und Steuerung,
    7. Ziffer 7
      CNC und fachspezifisches CAD,
    8. Ziffer 8
      Formen und Werkzeuge,
    9. Ziffer 9
      Mängelanalyse und -behebung,
    10. Ziffer 10
      Funktionsprüfung,
    11. Ziffer 11
      Qualität,
    12. Ziffer 12
      Berufsspezifischer Arbeitnehmer- und Umweltschutz.
  2. Absatz 2Die Fachkunde kann auch in programmierter Form mit Fragebögen erfolgen. In diesem Fall sind aus jedem Bereich je drei Aufgaben zu stellen.
  3. Absatz 3Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel nach 60 Minuten durchgeführt werden können.
  4. Absatz 4Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 11

Text

Werkstoffkunde

Paragraph 11,
  1. Absatz einsDie Werkstoffkunde hat die stichwortartige Durchführung je einer Aufgabe aus sämtlichen nachstehenden Bereichen zu umfassen:
    1. Ziffer eins
      Grundzüge über die Herstellung der Rohstoffe,
    2. Ziffer 2
      Einschlägige Rohstoffe und Hilfsstoffe,
    3. Ziffer 3
      Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten,
    4. Ziffer 4
      Mängelanalyse,
    5. Ziffer 5
      Aufbereitung,
    6. Ziffer 6
      Einschlägige chemische Grundbegriffe,
    7. Ziffer 7
      Prüfverfahren,
    8. Ziffer 8
      Berufsspezifischer Arbeitnehmer- und Umweltschutz.
  2. Absatz 2Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.
  3. Absatz 3Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 12

Text

Wiederholungsprüfung

Paragraph 12,
  1. Absatz einsDie Lehrabschlussprüfung kann wiederholt werden.
  2. Absatz 2Wenn bis zu drei Gegenstände mit “Nicht genügend” bewertet wurden, ist die Wiederholungsprüfung auf die mit “Nicht genügend” bewerteten Gegenstände zu beschränken.
  3. Absatz 3Wenn mehr als drei Gegenstände mit “Nicht genügend” bewertet wurden, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen.
  4. Absatz 4Anmerkung, aufgehoben durch Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 104 aus 2007,)

§ 13

Text

Zusatzprüfung

Paragraph 13,

Nach erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung in den Lehrberufen Bootbauer, Kunststoffformgebung, Kunststoffverarbeitung, Leichtflugzeugbauer, Modellbauer, Schierzeuger oder Werkzeugbautechnik kann eine Zusatzprüfung im Lehrberuf Kunststofftechnik abgelegt werden. Sie erstreckt sich auf die Prüfarbeit und das Fachgespräch. Für die Zusatzprüfung gelten die Paragraphen 5 und 6.

§ 14

Text

Übergangsbestimmungen

Paragraph 14,
  1. Absatz einsLehrlinge, die am 1. Juli 2003 im Lehrberuf Kunststoffverarbeitung gemäß der Ausbildungsordnung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 336 aus 1999, ausgebildet wurden, können entsprechend dieser Ausbildungsordnung weiter ausgebildet werden und können bis ein Jahr nach Ende der Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung auf Grund der darin festgelegten Prüfungsvorschriften antreten.
  2. Absatz 2Lehrzeiten im ersten und zweiten Lehrjahr, die im Lehrberuf Kunststoffverarbeitung entsprechend der in Absatz eins, angeführten Ausbildungsordnung zurückgelegt wurden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Kunststofftechnik voll anzurechnen.
  3. Absatz 3Die Kunststofftechnik - Ausbildungsordnung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 259 aus 2003, tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2003 außer Kraft.
  4. Absatz 4Lehrzeiten, die im Lehrberuf Kunststofftechnik entsprechend der Ausbildungsordnung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 259 aus 2003, Anmerkung, richtig: Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 259 aus 2003,) zurückgelegt wurden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Kunststofftechnik gemäß dieser Verordnung voll anzurechnen.

§ 15

Text

Geltungsdauer

Paragraph 15,
  1. Absatz einsDiese Verordnung tritt am 1. Jänner 2004 in Kraft.
  2. Absatz 2Die Paragraphen eins,, 14 und 15 Absatz eins, in der Fassung der Verordnung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 227 aus 2008, treten mit Ablauf des Tages der Kundmachung der genannten Verordnung in Kraft; gleichzeitig treten die Paragraphen 16 und 17 in der bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung außer Kraft.