Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Orthopädietechnik-Ausbildungsordnung, Fassung vom 09.07.2020

§ 0

Langtitel

Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Berufsausbildung im Lehrberuf Orthopädietechnik (Orthopädietechnik-Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 306/2003

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund der §§ 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 111/2002, wird verordnet:

§ 1

Text

Lehrberuf Orthopädietechnik

§ 1. (1) Der Lehrberuf Orthopädietechnik ist mit einer Lehrzeit von dreieinhalb Jahren und folgenden Schwerpunkten eingerichtet:

1.

Prothesentechnik,

2.

Orthesentechnik,

3.

Rehabilitationstechnik.

(2) Der Lehrbetrieb hat neben dem Allgemeinen Teil (Basismodul) zumindest zwei Schwerpunkte (Schwerpunktmodule) zu vermitteln.

(3) In den Lehrverträgen, Lehrzeugnissen, Lehrabschlussprüfungszeugnissen und Lehrbriefen ist der Lehrberuf in der dem Geschlecht des Lehrlings entsprechenden Form (Orthopädietechniker oder Orthopädietechnikerin) zu bezeichnen.

(4) Die Schwerpunktausbildung ist jedenfalls im Lehrvertrag durch einen entsprechenden Hinweis neben der Bezeichnung des Lehrberufs zu vermerken. Die Schwerpunktausbildung kann auch im Lehrzeugnis, im Lehrbrief und im Lehrabschlussprüfungszeugnis vermerkt werden.

(5) Sofern ein Wechsel der Schwerpunktausbildung innerhalb der ersten 18 Monate der festgesetzten Lehrzeit erfolgt, sind die im Lehrberuf Orthopädietechnik zurückgelegten Lehrzeiten voll anzurechnen.

§ 2

Text

Berufsprofil

§ 2. Durch die Berufsausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule soll der ausgebildete Lehrling allgemeine Kenntnisse in allen Schwerpunkten der Orthopädietechnik erwerben und befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbstständig und eigenverantwortlich auszuführen:

1.

Orthopädietechnik - Schwerpunkt Prothesentechnik:

a)

Einschlägige Ausrüstungen, Maschinen und Werkzeuge pflegen und warten und einfache Instandhaltungsarbeiten durchführen;

b)

Anwendung des Medizinproduktegesetzes;

c)

Auf Basis einer ärztlichen Verordnung Patienten fachgerecht mit den orthopädischen Mitteln versorgen und über deren fachgerechte Anwendung beraten;

d)

Technische und medizinische Unterlagen lesen, anfertigen und anwenden;

e)

Beurteilen und Einsetzen von Werkstoffen;

f)

Konstruieren, Aufbauen und Anpassen von Prothesen an den oberen und unteren Extremitäten;

g)

Anatomie, Physiologie und Pathologie des Stütz- und Bewegungsapparates,

h)

Messen, Abformen und Modellieren,

i)

Reparieren und Instandhalten von Prothesen;

j)

Orthopädische Schuhzurichtung als Ergänzung von Prothesen am Konfektionsschuh durchführen;

k)

Elektronische Datenverarbeitung;

l)

Tarifabrechnungen und Patientenrechnungen;

m)

Hygiene.

2.

Orthopädietechnik - Schwerpunkt Orthesentechnik:

a)

Einschlägige Ausrüstungen, Maschinen und Werkzeuge pflegen und warten und einfache Instandhaltungsarbeiten durchführen;

b)

Anwendung des Medizinproduktegesetzes;

c)

Auf Basis einer ärztlichen Verordnung Patienten fachgerecht mit den orthopädischen Mitteln versorgen und über deren fachgerechte Anwendung beraten;

d)

Technische und medizinische Unterlagen lesen, anfertigen und anwenden;

e)

Beurteilen und Einsetzen von Werkstoffen;

f)

Konstruieren, Aufbauen und Anpassen von Orthesen an den oberen und unteren Extremitäten;

g)

Anatomie, Physiologie und Pathologie des Stütz- und Bewegungsapparates;

h)

Messen, Abformen und Modellieren;

i)

Reparieren und Instandhalten von Orthesen und Epithesen;

j)

Anpassen von Stoma- und Inkontinenzartikeln;

k)

Konstruieren und Aufbauen von Kompressionsbandagen;

l)

Orthopädische Schuhzurichtung als Ergänzung von Orthesen am Konfektionsschuh durchführen;

m)

Elektronische Datenverarbeitung;

n)

Tarifabrechnungen und Patientenabrechnungen;

o)

Hygiene.

3.

Orthopädietechnik - Schwerpunkt Rehabilitationstechnik:

a)

Einschlägige Ausrüstungen, Maschinen und Werkzeuge pflegen und warten und einfache Instandhaltungsarbeiten durchführen;

b)

Anwendung des Medizinproduktegesetzes;

c)

Auf Basis einer ärztlichen Verordnung Patienten fachgerecht mit den orthopädischen Mitteln versorgen und über deren fachgerechte Anwendung beraten;

d)

Technische und medizinische Unterlagen lesen, anfertigen und anwenden;

e)

Beurteilen und Einsetzen von Werkstoffen;

f)

Anatomie, Physiologie und Pathologie des Stütz- und Bewegungsapparates;

g)

Konstruieren, Aufbauen und Anpassen von Sitz- und Liegehilfen;

h)

Messen, Abformen und Modellieren;

i)

Anpassen von Rollstühlen, Sitzschalen und rehabilitationstechnischen Geräten, sowie Lagerungssysteme als Sitz- und Liegehilfen;

j)

Reparieren und Instandhalten von rehabilitationstechnischen Geräten;

k)

Elektronische Datenverarbeitung;

l)

Tarifabrechnungen und Patientenabrechnungen;

m)

Hygiene.

§ 3

Text

Berufsbild

§ 3. (1) Für die Ausbildung wird folgender Allgemeiner Teil (Basismodul) festgelegt. Die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sind spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, dass der Lehrling zur Ausübung qualifizierter Tätigkeiten im Sinne des Berufsprofils befähigt wird, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.

____________________________________________________________________

Pos.    1. Lehrjahr    2. Lehrjahr    3. Lehrjahr    4. Lehrjahr

____________________________________________________________________

1.     Kenntnis und funktionsgerechte Anwendung der betrieblichen

       Einrichtungen, der technischen Betriebsmittel und Hilfsmittel

____________________________________________________________________

2.    Aufbau, Organisation und Aufgaben des ausbildenden Betriebes

____________________________________________________________________

3.    Kenntnis der Werkstoffe und Hilfsstoffe, ihrer Eigenschaften,

          Verwendungsmöglichkeiten und Bearbeitungsmöglichkeiten

____________________________________________________________________

4.           Gebräuchliche Fachtermini lesen und anwenden

____________________________________________________________________

5.                    Grundbegriffe der Normung

____________________________________________________________________

6.          Stücklisten, Tabellen, Diagramme, Handbücher und

                 Bedienungsanleitungen lesen und anwenden

____________________________________________________________________

7.     Kenntnis der Herstellerrichtlinien und Formblätter, sowie

                    dazugehörige technische Unterlagen

____________________________________________________________________

8.         Arbeitsergebnisse kontrollieren und beurteilen

____________________________________________________________________

9.              Skizzen und Stücklisten anfertigen

____________________________________________________________________

10.     Teil-, Gruppen- und Gesamtzeichnungen lesen und anwenden

____________________________________________________________________

11.       Grundausbildung in der

        Bearbeitung von Metallen,

          Kunststoffen und Holz

            (Sägen, Formen,

       Gewindeschneiden, Zuschnitte         -              -

            von Hand, Löten,

        Schmelzschweißen, Kleben,

         Leimen, Feilen, Raspeln,

       Schleifen, Polieren, Bohren,

        Anreißen, Drehen, Fräsen)

____________________________________________________________________

12.      Oberflächen metallischer

         Werkstücke oder Bauteile

           schleifen, polieren,             -              -

          lackieren oder sintern

____________________________________________________________________

13.    Bauteile aus Holz lackieren

             und laminieren                 -              -

____________________________________________________________________

14.         Arbeitsschritte unter

              Berücksichtigung

               konstruktiver,

           fertigungstechnischer,           -              -

            organisatorischer und

              wirtschaftlicher

          Gesichtspunkte festlegen

____________________________________________________________________

15.    Arbeitsplatz in Werkstätten

          und in Bereichen der              -              -

      Patientenbetreuung einrichten

____________________________________________________________________

16.     Werkstoffe wie Holz, Leder,

          Stoffe, Metalle, und

        Kunststoffe sowie Silicone

       unter Berücksichtigung ihrer

          fertigungstechnischen,            -              -

          gerätetechnischen und

            physiologischen

             unbedenklichen

             Verwendbarkeit

       patientengerecht einsetzen

____________________________________________________________________

17.    Störungen an Messgeräten,

       Bearbeitungsmaschinen und

       technischen Einrichtungen            -              -

       feststellen und Maßnahmen

         zur Mängelbeseitigung

              ergreifen

____________________________________________________________________

18.    Kenntnis und Anwendung von

            messtechnischen

           Einrichtungen und                -              -

             Hilfsmitteln

____________________________________________________________________

19.    Einhaltung und Prüfung von

              Toleranzen                    -              -

____________________________________________________________________

20.       Maschinenwerte von

          handgeführten oder

         ortsfesten Maschinen

        bestimmen und einstellen;           -              -

       Arbeitstemperatur beachten

           sowie Kühl- und

       Schmiermittel zuordnen und

              anwenden

____________________________________________________________________

21.   Patientenberatung und -betreuung und deren Dokumentation

____________________________________________________________________

22.    Bedrohliche Zustände bei Patienten erkennen und entsprechende

                     Sofortmaßnahmen veranlassen

____________________________________________________________________

23.                                  Verfahren der Terminplanung und

              -              -         Patientenbestellung anwenden

____________________________________________________________________

24.    Kenntnis über Zusammenhänge,

         Aufbau und Funktion des

         Skelettes, des Muskel-,            -              -

         Haut- und Nervensystems

____________________________________________________________________

25.      Kenntnis über Lage der

       einzelnen Organe und ihre

           Beziehungen zur

       Körperoberfläche in Bezug            -              -

           auf den Einsatz

         orthopädietechnischer

             Hilfsmittel

____________________________________________________________________

26.                                   Kenntnis über statische und

                                       dynamische Funktionen des

                                        Bewegungsapparates beim

              -              -       gesunden und kranken Menschen,

                                      insbesondere im Stehen, beim

                                          Gehen und im Sitzen

____________________________________________________________________

27.                                   Kenntnis über die wichtigsten

              -              -       orthopädischen Erkrankungen und

                                              ihre Folgen

____________________________________________________________________

28.                                  Negativ- und Positivmodelle von

              -              -         Körperteilen herstellen und

                                              modellieren

____________________________________________________________________

29.    Grundkenntnisse der Hygiene

        beim Umgang mit Patienten           -              -

____________________________________________________________________

30.    Grundkenntnisse der Hygiene

        als Konstruktionsmerkmal

          bei der Anfertigung               -              -

         orthopädietechnischer

              Hilfsmittel

____________________________________________________________________

31.          Kenntnis über

        Konstruktionsmerkmale und

         technische Standards von

          Prothesen, Orthesen und           -              -

        anderen Hilfsmitteln, wie

       Rollstühlen, Lagerungs- und

             Bettungshilfen

____________________________________________________________________

32.           Kenntnis über

           Arbeitsorganisation,

          Arbeitsgestaltung und             -              -

               Teamarbeit

____________________________________________________________________

33.        Kenntnisse und Maßnahmen der Qualitätssicherung

____________________________________________________________________

34.    Kenntnis der betrieblichen Produktplanung, Lagerwirtschaft

                           und Logistik

____________________________________________________________________

35.                                     Automationsunterstützte

              -              -             Datenverarbeitung

____________________________________________________________________

36.                                     Formulare und Vordrucke

              -              -           zuordnen und ausfüllen

____________________________________________________________________

37.                                      Ärztliche Verordnungen

              -              -           auswerten und umsetzen

____________________________________________________________________

38.                                        Grundkenntnisse der

              -              -             Betriebswirtschaft

____________________________________________________________________

39.                                   Bei der Rechnungslegung unter

                                         Anwendung der geltenden

              -              -            Abrechnungsrichtlinien

                                                mitwirken

____________________________________________________________________

40.                                       Vorschriften aus dem

              -              -              Kaufvertragsrecht

____________________________________________________________________

41.                                          Geschäfts- und

                                           Werkstättenbedarf

              -              -         einschließlich Büromaterial

                                         bestellen und verwalten

____________________________________________________________________

42.    Die für den Beruf relevanten Maßnahmen und Vorschriften zum

        Schutz der Umwelt: Grundkenntnisse über die betrieblichen

       Maßnahmen zum sinnvollen Energieeinsatz; Kenntnis über die im

           Arbeitsbereich anfallenden Reststoffe und über deren

        Trennung, Verwertung sowie über die Entsorgung des Abfalls

____________________________________________________________________

43.         Kenntnis der sich aus dem Lehrvertrag ergebenden

       Verpflichtungen (§§ 9 und 10 des Berufsausbildungsgesetzes)

____________________________________________________________________

44.      Kenntnis der einschlägigen Sicherheitsvorschriften und

        Schutzmaßnahmen sowie der sonstigen in Betracht kommenden

        Vorschriften und Maßnahmen zum Schutze des Lebens und der

                            Gesundheit

____________________________________________________________________

45.    Kenntnis über Suchtgefahren durch Missbrauch bestimmter Werk-

                          und Hilfsstoffe

____________________________________________________________________

46.     Grundkenntnisse der aushangpflichtigen arbeitsrechtlichen

                            Vorschriften

____________________________________________________________________

(2) Für die Ausbildung in den Schwerpunkten wird folgendes ergänzendes Berufsbild (Schwerpunktmodul) festgelegt. Die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sind spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, dass der Lehrling zur Ausübung qualifizierter Tätigkeiten im Sinne des Berufsprofils befähigt wird, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.

                 1. Schwerpunkt Prothesentechnik

____________________________________________________________________

Pos.    1. Lehrjahr    2. Lehrjahr    3. Lehrjahr    4. Lehrjahr

____________________________________________________________________

1.                                  Die häufigsten Amputationsarten

              -              -            im Zusammenhang mit der

                                                Versorgung

____________________________________________________________________

2.                                    Geeignete Passteile unter

                                         Berücksichtigung der

              -              -       Herstellerrichtlinien und des

                                      Verwendungszweckes auswählen

____________________________________________________________________

3.                                  Kenntnis über die Wirkungsweise

                                     mechanischer, hydraulischer und

              -              -          elektronisch gesteuerter

                                     Gelenke und Passteile und deren

                                               Einsatz

____________________________________________________________________

4.                                  Orthopädietechnische Maßsysteme

              -              -                anwenden

____________________________________________________________________

5.                                  Deformitäten, Fehlbildungen und

              -              -         Amputationsstümpfe abformen

____________________________________________________________________

6.                                        Positivmodelle von

              -              -       Deformitäten, Fehlbildungen und

                                       Amputationsstümpfen formen

____________________________________________________________________

7.                                      Prothesenbauteile nach

              -              -           Positivmodellen formen

____________________________________________________________________

8.                                    Innen- und Außenflächen an

              -              -        Prothesenbauteilen bearbeiten

____________________________________________________________________

9.                                   Dreidimensionalen statischen

              -              -           Lotaufbau für Prothesen

                                        durchführen und montieren

____________________________________________________________________

10.                                       Gelenke, insbesondere

                                      mechanische, hydraulische und

              -              -           elektronisch gesteuerte

                                       installieren und justieren

____________________________________________________________________

11.                                   Schaftanproben für untere und

              -              -            für obere Extremitäten

                                               durchführen

____________________________________________________________________

12.           -              -       Dynamische Anproben durchführen

____________________________________________________________________

13.                                      Elektronisch gesteuerte

              -              -          Prothesen anpassen und die

                                           Funktion optimieren

____________________________________________________________________

14.                                     Prothesen nach Wartungsplan

              -              -            warten und instandhalten

____________________________________________________________________

                   2. Schwerpunkt Orthesentechnik

____________________________________________________________________

Pos.    1. Lehrjahr    2. Lehrjahr    3. Lehrjahr    4. Lehrjahr

____________________________________________________________________

1.                                   Kenntnis über den Einsatz von

                                           Orthesen, Bandagen,

                                       Bruchbändern, medizinischen

              -              -              Hilfsmitteln zur

                                          Kompressionstherapie,

                                     Leibbinden und Hilfsmitteln zur

                                               Stoma- und

                                       Inkontinenzversorgung sowie

                                         medizinischer Fußstützen

____________________________________________________________________

2.                                  Orthopädietechnische Maßsysteme

              -              -                  anwenden

____________________________________________________________________

3.                                   Kopf, Rumpf und Extremitäten

              -              -                  abformen

____________________________________________________________________

4.           -              -             Orthesenteile formen

____________________________________________________________________

5.                                    Innen- und Außenflächen an

              -              -             Orthesen bearbeiten

____________________________________________________________________

6.                                    Dreidimensionalen Lotaufbau

              -              -        durchführen und Orthesenteile

                                               montieren

____________________________________________________________________

7.                                        Mechanische Gelenke

              -              -          installieren und einrichten

____________________________________________________________________

8.                                   Bauteile mit textilen Stoffen,

              -              -        Leder und anderen Materialien

                                     polstern, füttern und beziehen

____________________________________________________________________

9.                                  Schuhzurichtungen als Ergänzung

                                      zu Orthesen oder medizinischen

              -              -        Fußstützen am Konfektionsschuh

                                               durchführen

____________________________________________________________________

10.                                       Medizinische Fußstützen

              -              -            herstellen und anpassen

____________________________________________________________________

11.                                       Dynamische Anproben zur

              -              -          Korrektur der Passform der

                                             Orthese vornehmen

____________________________________________________________________

12.                                    Medizinische Hilfsmittel zur

                                      Kompressionstherapie, Bandagen

                                            sowie Stoma- und

              -              -       Inkontinenzartikel anpassen und

                                     auf funktionsgerechten Sitz und

                                         Passform kontrollieren

____________________________________________________________________

13.           -              -             Epithesen anpassen

____________________________________________________________________

14.                                    Warten und Instandhalten von

              -              -          Orthesen und Epithesen nach

                                              Wartungsplan

____________________________________________________________________

15.                                     Bruchpforten und künstlich

              -              -         angelegte Ausgänge erläutern

____________________________________________________________________

                3. Schwerpunkt Rehabilitationstechnik

____________________________________________________________________

Pos.    1. Lehrjahr    2. Lehrjahr    3. Lehrjahr    4. Lehrjahr

____________________________________________________________________

1.                                       Orthopädietechnische

              -              -             Maßsysteme anwenden

____________________________________________________________________

2.                                    Kopf, Rumpf und Extremitäten

              -              -                  abformen

____________________________________________________________________

3.           -              -         Sitz- und Liegeschalen formen

____________________________________________________________________

4.                                     Innen- und Außenflächen an

              -              -            Sitz- und Liegeschalen

                                               bearbeiten

____________________________________________________________________

5.                                  Steh-, Mobilitäts-, Lagerungs-

                                       oder Bettungshilfen sowie

              -              -          weitere Hilfsgeräte zur

                                       Rehabilitation herstellen

____________________________________________________________________

6.                                  Lagerungs- und Bettungshilfen

              -              -          für alle Körperregionen

                                              herstellen

____________________________________________________________________

7.                                   Vorgefertigte und individuell

                                     gefertigte Rehabilitations- und

              -              -               Therapiesysteme

                                      patientengerecht zurichten und

                                               anpassen

____________________________________________________________________

8.                                    Sitz- und Liegeschalen sowie

                                        rehabilitationstechnisches

              -              -             Gerät nach Warteplan

                                              instandhalten

____________________________________________________________________

9.                                         Geh- und Stehhilfen,

                                       Rollstühle, Lifter und Betten

                                               sowie andere

              -              -             Rehabilitationsmittel

                                         patientengerecht anpassen,

                                           warten und reparieren

____________________________________________________________________

10.                                    Hydraulische, elektrische und

              -              -         elektronische Bauteile warten

                                             und instandhalten

____________________________________________________________________

(2) Bei der Ausbildung in den fachlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ist ( unter besonderer Beachtung der betrieblichen Erfordernisse und Vorgaben ( auf die Persönlichkeitsbildung des Lehrlings zu achten, um ihm die für eine Fachkraft erforderlichen Schlüsselqualifikationen bezüglich Sozialkompetenz (wie Offenheit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit), Selbstkompetenz (wie Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Belastbarkeit), Methodenkompetenz (wie Präsentationsfähigkeit, Rhetorik in deutscher Sprache, Verständigungsfähigkeit in den Grundzügen der englischen Sprache) und Kompetenz für das selbstgesteuerte Lernen (wie Bereitschaft, Kenntnis über Methoden, Fähigkeit zur Auswahl geeigneter Medien und Materialien) zu vermitteln.

§ 4

Text

Lehrabschlussprüfung

Gliederung

§ 4. (1) Die Lehrabschlussprüfung gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.

(2) Die praktische Prüfung umfasst die Gegenstände Prüfarbeit und Fachgespräch.

(3) Die theoretische Prüfung umfasst die Gegenstände Grundlagen der Orthopädietechnik, Technologie und Angewandte Mathematik.

(4) Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrziels der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule oder den erfolgreichen Abschluss einer die Lehrzeit ersetzenden berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nachgewiesen hat.

§ 5

Text

Praktische Prüfung

Prüfarbeit

§ 5. (1) Die Prüfung besteht aus dem Ausmessen von Körperteilen unter Anwendung orthopädietechnischer Maßsysteme und Dokumentieren der Patientendaten, sowie den Bauteilen

1.

Herstellen einer Prothese, wobei die Aufgabenstellung insbesondere das Installieren und Justieren mechanischer, hydraulischer und elektronisch gesteuerter Bauteile umfassen soll,

2.

Herstellen sowie Anpassen von Orthesen und Bandagen unter Benutzung vorgegebener Modelle,

3.

Herstellen bzw. Anpassen von rehabilitationstechnischen Geräten aus unterschiedlichen Materialien, wobei nach Wahl der Prüfungskommission eine Sitz- oder Liegeschale oder ein Rehabilitationsgerät in Sonderbau herzustellen, oder ein Rollstuhl anzupassen ist,

wobei der Prüfling zwei Bereiche zu wählen hat, aus denen die Prüfungskommission Aufgaben in der Form eines betrieblichen Arbeitsablaufes stellt.

(2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlussprüfung, die Anforderungen der Berufspraxis und die Schwerpunktausbildung jedem Prüfling eine Aufgabe zu stellen, die in der Regel in sechs Stunden ausgeführt werden kann.

(3) Die Prüfung ist nach sieben Stunden zu beenden.

(4) Der Prüfling kann eigene Materialien mit der Maßnahme verwenden, dass die Prüfungskommission im Einzelfall Materialien von der Verwendung ausschließen kann.

(5) Für die Bewertung sind folgende Kriterien maßgebend:

1.

Genauigkeit,

2.

fachgerechte Ausführung,

3.

Funktionalität und Wirtschaftlichkeit der technischen Umsetzung,

4.

fachgerechtes Verwenden der richtigen Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen,

5.

fachgerechtes Anwenden von Umweltschutzmaßnahmen und Arbeitsschutzmaßnahmen.

§ 6

Text

Fachgespräch

§ 6. (1) Das Fachgespräch ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.

(2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hiebei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen des Prüflings festzustellen. Der Prüfling hat fachbezogene Probleme und deren Lösungen darzustellen, die für den Auftrag relevanten fachlichen Hintergründe aufzuzeigen und die Vorgehensweise bei der Ausführung des Auftrags zu begründen. Die Prüfung ist in Form eines möglichst lebendigen Gesprächs mit Gesprächsvorgabe durch Schilderung von Situationen und Problemen zu führen.

(3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlussprüfung, den Anforderungen der Berufspraxis und der Schwerpunktausbildung des Prüflings zu entsprechen. Hiebei sind Materialproben, Werkzeuge, Demonstrationsobjekte oder Schautafeln heranzuziehen. Fragen über einschlägige Sicherheitsvorschriften, Schutzmaßnahmen und Unfallverhütung sind mit einzubeziehen.

(4) Das Fachgespräch soll für jeden Prüfling zumindest 20 Minuten dauern. Es ist nach 30 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.

§ 7

Text

Theoretische Prüfung

Allgemeine Bestimmungen

§ 7. (1) Die theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüflingen gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufes möglich ist. Die theoretische Prüfung kann auch in rechnergestützter Form erfolgen, wobei jedoch alle wesentlichen Schritte für die Prüfungskommission nachvollziehbar sein müssen.

(2) Die theoretische Prüfung ist grundsätzlich vor der praktischen Prüfung abzuhalten.

(3) Die Aufgaben haben nach Umfang und Niveau dem Zweck der Lehrabschlussprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Sie sind den Prüflingen anlässlich der Aufgabenstellung getrennt zu erläutern.

(4) Die schriftlichen Arbeiten des Prüflings sind entsprechend zu kennzeichnen.

§ 8

Text

Grundlagen der Orthopädietechnik

§ 8. (1) Die Prüfung hat die stichwortartige Beantwortung je einer Aufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:

1.

Wirkprinzipien von Prothesen, Orthesen und Bandagen sowie rehabilitationstechnischen Geräten,

2.

Konstruktionsmerkmale und Aufbau von Prothesen, Orthesen und Bandagen sowie rehabilitationstechnischen Geräten,

3.

biomechanische Grundlagen,

4.

Anatomie, Physiologie, Pathologie des Stütz- und Bewegungsapparates,

5.

technische und medizinische Indikationen; Bewertung der orthopädischen Situation des Patienten und Auswahl des orthopädischen Hilfsmittels.

(2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form mit Fragebögen geprüft werden. In diesem Fall sind aus jedem Bereich sechs Aufgaben zu stellen.

(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.

(4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 9

Text

Technologie

§ 9. (1) Die Prüfung hat die stichwortartige Beantwortung je einer Aufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:

1.

Verfahren und Technologien in der Oberflächentechnik,

2.

Maschinen und Anlagen,

3.

Qualitätssicherung.

(2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form mit Fragebögen geprüft werden. In diesem Fall sind aus jedem Bereich sechs Aufgaben zu stellen.

(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.

(4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 10

Text

Angewandte Mathematik

§ 10. (1) Die Prüfung hat je eine Aufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:

1.

Längenberechnung und Flächenberechnung,

2.

Volumenberechnung und Masseberechnung,

3.

oberflächentechnische Berechnungen.

(2) Das Verwenden von Rechenbehelfen, Tabellen und Richtlinien ist zulässig.

(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, dass sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.

(4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 11

Text

Wiederholungsprüfung

§ 11. (1) Die Lehrabschlussprüfung kann wiederholt werden.

(2) Wenn bis zu drei Gegenstände mit "Nicht genügend" bewertet wurden, ist die Wiederholungsprüfung auf die mit "Nicht genügend" bewerteten Gegenstände zu beschränken. Die Prüfungskommission hat in diesem Fall unter Berücksichtigung der festgestellten Mängel an Fertigkeiten und Kenntnissen festzusetzen, wann innerhalb des Zeitraumes von drei bis sechs Monaten nach der nichtbestandenen Lehrabschlussprüfung frühestens die Wiederholungsprüfung abgelegt werden kann.

(3) Wenn mehr als drei Gegenstände mit "Nicht genügend" bewertet wurden, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. In diesem Fall kann die Wiederholungsprüfung frühestens sechs Monate nach der nichtbestandenen Lehrabschlussprüfung abgelegt werden.

§ 12

Text

Zusatzprüfung

§ 12. (1) Nach erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Orthopädieschuhmacher kann eine Zusatzprüfung im Lehrberuf Orthopädietechnik abgelegt werden. Diese erstreckt sich auf die Gegenstände "Prüfarbeit" und "Fachgespräch". Für die Zusatzprüfung gelten §§ 5 und 6 sinngemäß.

(2) Nach erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Bandagist kann eine eingeschränkte Zusatzprüfung im Lehrberuf Orthopädietechnik abgelegt werden. Diese erstreckt sich auf den Gegenstand Prüfarbeit im Umfang des § 5 Abs. 1 Z 1 und 3. Für die Zusatzprüfung gilt § 5 sinngemäß.

(3) Nach erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Orthopädiemechaniker kann eine eingeschränkte Zusatzprüfung im Lehrberuf Orthopädietechnik abgelegt werden. Diese erstreckt sich auf den Gegenstand Prüfarbeit im Umfang des § 5 Abs. 1 Z 2 und 3. Für die Zusatzprüfung gilt § 5 sinngemäß.

§ 14

Text

Übergangsbestimmungen

§ 14. (1) Die Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Orthopädiemechaniker, BGBl. Nr. 533/1976 in der Fassung BGBl. Nr. 277/1980, treten unbeschadet Abs. 3 außer Kraft.

(2) Die Prüfungsordnung für die Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Orthopädiemechaniker, BGBl. Nr. 264/1977, tritt unbeschadet Abs. 3 außer Kraft.

(3) Lehrlinge, die mit In-Kraft-Treten dieser Ausbildungsordnung im Lehrberuf Orthopädiemechaniker ausgebildet werden, können entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften weiter ausgebildet werden und können bis zwei Jahre nach Ende der Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung auf Grund der in Abs. 2 angeführten Prüfungsordnung antreten.

(4) Die Lehrzeiten, die im Lehrberuf Orthopädiemechaniker entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften zurückgelegt werden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Orthopädietechniker voll anzurechnen.

(5) Die Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Bandagist, BGBl. Nr. 533/1976 in der Fassung BGBl. Nr. 277/1980, treten unbeschadet Abs. 7 außer Kraft.

(6) Die Prüfungsordnung für die Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Bandagist, BGBl. Nr. 254/1977, tritt unbeschadet Abs. 7 außer Kraft.

(7) Lehrlinge, die mit In-Kraft-Treten dieser Ausbildungsordnung im Lehrberuf Bandagist ausgebildet werden, können entsprechend den in Abs. 5 angeführten Ausbildungsvorschriften weiter ausgebildet werden und können bis zwei Jahre nach Ende der Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung auf Grund der in Abs. 6 angeführten Prüfungsordnung antreten.

(8) Die Lehrzeiten, die im Lehrberuf Bandagist entsprechend den in Abs. 5 angeführten Ausbildungsvorschriften zurückgelegt werden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Orthopädietechniker voll anzurechnen.