Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Abkommen über Geld und sonstiges Vermögen (Vereinigtes Königreich), Fassung vom 09.12.2019

§ 0

Langtitel

Abkommen zwischen der Bundesregierung der Republik Österreich und der Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland über Geld und sonstiges Vermögen.
StF: BGBl. Nr. 193/1952 (NR: GP VI RV 442 AB 451 S. 66. BR: S. 69.)

Sonstige Textteile

Nachdem das am 30. Juni 1952 in London unterzeichnete Abkommen zwischen der Bundesregierung der Republik Österreich und der Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland über Geld und sonstige Vermögen samt einem Notenwechsel, welches also lautet:

die verfassungsmäßige Genehmigung des Nationalrates erhalten hat, erklärt der Bundespräsident dieses Abkommen samt Notenwechsel für ratifiziert und verspricht im Namen der Republik Österreich die gewissenhafte Erfüllung der in diesem Abkommen enthaltenen Bestimmungen.

Zu Urkund dessen ist die vorliegende Ratifikationsurkunde vom Bundespräsidenten unterzeichnet, vom Bundeskanzler, vom Bundesminister für Finanzen und vom Bundesminister für die Auswärtigen Angelegenheiten gegengezeichnet und mit dem Staatssiegel der Republik Österreich versehen worden,

Geschehen zu Wien, den 26. August 1952.

Ratifikationstext

Gemäß seinem Artikel 13 ist das Abkommen am 30. Juni 1952 in Kraft getreten.

Präambel/Promulgationsklausel

In dem Bestreben, ein Abkommen zur Erleichterung der Freigabe, Überweisung, Rückgabe und Wiederherstellung von Geld und sonstigem Vermögen abzuschließen, das sich im Vereinigten Königreich und in Österreich befindet und das infolge des Kriegszustandes mit Deutschland oder der deutschen Besetzung Österreichs Sondermaßnahmen unterworfen war, sind die Bundesregierung der Republik Österreich (im folgenden „Österreichische Bundesregierung” genannt) und die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland (im folgenden „Regierung des Vereinigten Königreiches” genannt), wie folgt übereingekommen:

Art. 1

Text

ABSCHNITT I.

Geltungsbereich und Zweck

Artikel 1.

Im Sinne dieses Abkommens bedeutet:

a)

Der Ausdruck “österreichische Personen” Personen (einschließlich juristischer Personen),

i)

die bei Inkrafttreten dieses Abkommens die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und in Österreich wohnhaft sind oder daselbst einem Erwerbe nachgehen;

und

ii)

deren Geld oder sonstiges Vermögen ausschließlich aus dem Grunde, daß sie in Österreich wohnhaft sind und waren oder hier ihrem Erwerbe nachgehen und nachgegangen sind, den Bestimmungen der Trading with the Enemy (Custodian) Order 1939 samt Ergänzungen (im folgenden “Custodian Order” genannt) unterworfen waren.

b)

der Ausdruck “Personen des Vereinigten Königreiches” Personen (einschließlich juristischer Personen), deren Geld oder sonstiges Vermögen ausschließlich aus dem Grunde, daß sie im Vereinigten Königreich wohnhaft waren oder dort ihrem Erwerbe nachgingen, in Österreich Sondermaßnahmen unterworfen waren.

c)

Im Sinne dieses Abkommens wird unter Österreich das Gebiet innerhalb jener Grenzen verstanden, die am 31. Dezember 1937 bestanden haben.

Art. 2

Text

Artikel 2.

Keine der Bestimmungen dieses Abkommens darf dahingehend ausgelegt werden, daß für Geld oder sonstiges Vermögen eine Ausnahme oder Befreiung von den im Vereinigten Königreich geltenden Vorschriften der Steuer- und Devisengesetzgebung verlangt werden kann.

Art. 3

Text

ABSCHNITT II

Anwendung auf verschiedene Gruppen von Geld und sonstigem Vermögen.

Artikel 3.

Überweisung der Geldbeträge, die an die “Custodians of Enemy Property” im Vereinigten Königreich gezahlt worden sind.

a)

Im Hinblick darauf, daß die Österreichische Bundesregierung sich verpflichtet, den Bestimmungen der österreichischen Devisengesetzgebung entsprechend den Schilling-Gegenwert der unter diesen Artikel fallenden Geldbeträge den berechtigten Personen auszuzahlen, hat die Regierung des Vereinigten Königreiches alle Geldbeträge, die einem Custodian of Enemy Property im Vereinigten Königreich gezahlt wurden und bei Inkrafttreten dieses Abkommens in dessen Händen sind oder ihm nachher eingezahlt wurden, und die ohne das Vorhandensein der Custodian Order an eine österreichische Person oder zu deren Gunsten zahlbar gewesen wäre, auf ein Konto im Vereinigten Königreich zu überweisen, das auf den Namen der Österreichischen Bundesregierung oder eines von ihr namhaft gemachten Institutes lautet.

b)

Indem die Österreichische Bundesregierung zur Kenntnis nimmt, daß Personen, die in Übereinstimmung mit den Vorschriften der Custodian Order Zahlungen geleistet haben, dadurch im Vereinigten Königreich bis zur Höhe der geleisteten Zahlungen einen gesetzlichen Schuldbefreiungstitel erlangt haben, hat sie, soweit sich dies als notwendig erweist, dafür zu sorgen, daß die derart geleistete Zahlung auch nach österreichischem Recht als Schuldbefreiungstitel anerkannt wird, insofern als der Schilling-Gegenwert gemäß dem ersten Absatz dieses Artikels bezahlt wurde.

c)

Die Österreichische Bundesregierung verpflichtet sich, die Regierung des Vereinigten Königreiches in allen Fällen, in denen erwiesenermaßen Geldbeträge zu Unrecht auf das im Absatz a) dieses Artikels erwähnte Konto überwiesen wurden, für jeden Anspruch, der aus der Überweisung solcher Geldbeträge entsteht, schadlos zu halten.

Art. 4

Text

Artikel 4.

Freigabe von Vermögen im Vereinigten Königreich.

Die Regierung des Vereinigten Königreiches hat den berechtigten Personen das Vermögen freizugeben, das am Tage des Inkrafttretens dieses Abkommens kraft der Custodian Order unter Kontrolle steht oder nachher unter Kontrolle kommt und einer österreichischen Person gehört oder für dieselbe verwahrt oder verwaltet wird, mit dem Vorbehalt, daß eine notwendige Liquidation oder ein ähnliches Verfahren, das am obengenannten Tage bereits im Gange ist, zu Ende geführt wird.

Art. 5

Text

Artikel 5.

Vermögen im Vereinigten Königreich von verstorbenen Personen.

Geld und sonstiges Vermögen, das im Vereinigten Königreich der Custodian Order unterworfen ist und verstorbenen Personen gehört hat, die österreichische Staatsbürger und in Österreich wohnhaft waren, ist, nachdem die gesetzlichen Erfordernisse im Vereinigten Königreich erfüllt wurden, in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des vorliegenden Abkommens zu überweisen oder freizugeben, so zwar, daß das Geld oder sonstige Vermögen an österreichische Personen gezahlt oder übertragen werden kann.

Art. 6

Text

Artikel 6.

Geld und sonstiges Vermögen in Österreich.

a)

Im Rahmen der Bestimmungen der österreichischen Gesetzgebung hat die Österreichische Bundesregierung mit den in ihrer Macht stehenden Mitteln die Rückstellung aller Rechte jedweder Art von Personen des Vereinigten Königreiches in Österreich und die Rückgabe von in Österreich befindlichem Geld und sonstigem Vermögen, so wie es derzeit vorhanden ist, an die berechtigten Personen des Vereinigten Königreiches zu erleichtern, ohne daß die Österreichische Bundesregierung in diesem Zusammenhang irgendwelche Gebühren einhebt. Keine der Bestimmungen dieses Absatzes darf dahingehend ausgelegt werden, daß für Geld oder sonstiges Vermögen eine Ausnahme oder Befreiung von den Bestimmungen der österreichischen Steuer- und Devisengesetzgebung oder der österreichischen Währungsgesetze Nr. 231/1945 und 250/1947 verlangt werden kann.

b)

Die Österreichische Bundesregierung verpflichtet sich unter Berücksichtigung der Erfordernisse der österreichischen Devisengesetzgebung alle Maßnahmen, die bisher von ihr oder von den Landesregierungen oder von irgendeiner Regierungsbehörde in Österreich getroffen wurden oder in Zukunft getroffen werden und Privilegien, Befreiungen, Erleichterungen, Ausnahmen und ähnliche Vorteile für österreichische Personen vorsehen, die Verlust oder Nachteil bezüglich Geld oder sonstiges Vermögen in Österreich auf Grund des Kriegszustandes oder der deutschen Besetzung Österreichs erlitten haben, auch auf Personen des Vereinigten Königreiches und auf deren Geld und sonstiges Vermögen in Österreich anzuwenden. Dieser Grundsatz ist vor allem in Ermessensfällen und bei allen Maßnahmen anzuwenden, die die Österreichische Bundesregierung, die Landesregierungen oder Regierungsbehörden in Österreich treffen mögen, um im Rechts- oder im Gnadenwege Rechte oder Verpflichtungen wiederherzustellen, deren vertragliche Grundlage seit dem 13. März 1938 willkürlich verändert worden ist.

Art. 7

Text

Artikel 7.

Schulden.

a)

Hinsichtlich Verbindlichkeiten österreichischer Personen an Personen des Vereinigten Königreiches und von Personen des Vereinigten Königreiches an österreichische Personen verpflichten sich die vertragschließenden Regierungen, das Bestmögliche zu machen, um den Gläubigern bei der Ausforschung und Identifizierung der Schuldner, deren Erben oder Rechtsnachfolger Beistand zu leisten.

b)

Bezüglich Verbindlichkeiten österreichischer Personen an Personen des Vereinigten Königreiches verpflichtet sich die Bundesregierung, soweit es in ihrer Macht steht, die Zahlung nach Maßgabe der Bedingungen der in Frage kommenden Verpflichtung und die Überweisung von flüssiggemachten Summen an den Gläubiger zu erleichtern:

c)

Die vertragschließenden Regierungen stimmen darin überein, daß die Maßnahmen zur Beseitigung gesetzlicher Hindernisse (einschließlich Verjährungsfristen) in Erwägung ziehen wollen, die sich aus dem Kriegszustand ergaben und die eine den Billigkeitsgrundsätzen entsprechende Regelung ausstehender Schuldforderungen verhindern könnten.

Art. 8

Text

ABSCHNITT III

Verschiedene Bestimmungen.

Artikel 8.

Verzicht auf Ansprüche seitens der Österreichischen Bundesregierung.

Die Österreichische Bundesregierung verzichtet für sich und ihre Staatsbürger gegenüber der Regierung des Vereinigten Königreiches oder irgendeinem in der ordnungsgemäßen Erfüllung seiner Pflicht handelnden Beamten der Regierung des Vereinigten Königreiches auf jeglichen Anspruch, der sich aus Handlungen oder Unterlassungen ergibt, die mit der Kontrolle, der Freigabe von der Kontrolle, der Überweisung, der Rückgabe, der Wiederherstellung, dem Verkauf oder der Liquidierung irgendeines Geldbetrages oder Vermögens, auf das sich das vorliegende Abkommen bezieht, im Zusammenhang stehen.

Art. 9

Text

Artikel 9.

Gebühren der Custodians of Enemy Property im Vereinigten Königreich.

Für allgemeine Verwaltungsausgaben haben die “Custodians of Enemy Property” im Vereinigten Königreich gemäß den Bestimmungen der “Custodian Order” angemessene Gebühren auf Geldbeträge und sonstiges Vermögen einzuheben, die auf Grund des vorliegenden Abkommens überwiesen oder freigegeben wurden. Sonstige Gebühren dürfen von einem “Custodian of Enemy Property” im Vereinigten Königreich im Zusammenhange mit der Überweisung oder Freigabe von Geldbeträgen oder Vermögen nicht eingehoben werden.

Art. 10

Text

Artikel 10.

Das vorliegende Abkommen erstreckt sich auch auf die Kanalinseln und die Insel Man.

Art. 11

Text

Artikel 11.

Die Regierung des Vereinigten Königreiches verpflichtet sich, die Regierungen jener Gebiete, für deren internationale Beziehungen sie verantwortlich ist, zu ersuchen, ihrerseits den Bestimmungen des vorliegenden Abkommens analoge Vorkehrungen zu treffen.

Art. 12

Text

Artikel 12.

Die vertragschließenden Regierungen werden die Einzelheiten des Verfahrens zur Durchführung dieses Abkommens nach gemeinsamer Beratung festsetzen.

Art. 13

Text

Artikel 13.

Das vorliegende Abkommen tritt mit Unterzeichnung in Kraft und bleibt in Kraft bis in Übereinstimmung mit dessen Bestimmungen alle Geldbeträge und sonstige Vermögenswerte freigegeben oder rückgestellt wurden, es sei denn, daß vor diesem Zeitpunkte eine der vertragschließenden Regierungen der anderen ihren Wunsch nach Außerkraftsetzung zur Kenntnis bringt. Im Falle einer derartigen Mitteilung hat das Abkommen an einem zwischen den vertragschließenden Regierungen einverständlich zu vereinbarenden Tag außer Kraft zu treten.

Urkund dessen haben die Unterfertigten, von ihren Regierungen gehörig bevollmächtigt, das vorliegende Abkommen unterzeichnet und ihre Siegel beigesetzt.

Gegeben in London, am 30. Juni 1952 in zweifacher Ausfertigung in deutscher und englischer Sprache, wobei beide Texte gleiche Authentizität haben.

Anl. 1

Text

(Übersetzung)

London, am 30. Juni 1952

Euere Exzellenz,

mit Bezug auf das am heutigen Tage zwischen der Österreichischen Bundesregierung und der Regierung Ihrer Majestät im Vereinigten Königreich unterzeichnete Abkommen über Geld und sonstiges Vermögen beehre ich mich, Euerer Exzellenz mitzuteilen, daß bei der Durchführung des Abkommens die Österreichische Bundesregierung sich an die Bestimmungen der nachstehenden Erklärung, die ich Ihnen abzugeben beauftragt bin, für gebunden erachten wird:

“Die Österreichische Bundesregierung gibt ihre Absicht bekannt, die Regelung von Pfund-Verbindlichkeiten zu erleichtern, die Personen im Vereinigten Königreich geschuldet werden und noch offenstehen und durch Verpflichtungen entstanden sind, die vor dem 3. September 1939 eingegangen wurden, und wird zu diesem Zwecke Pfundbeträge zur Überweisung auf einer der Billigkeit Rechnung tragenden Grundlage in einer Höhe zur Verfügung stellen, die mindestens dem Betrage gleichkommt, der auf Grund des Abkommens über Geld und sonstige Vermögen auf das Konto der Österreichischen Regierung überwiesen wird.”

Ich habe die Ehre, als Eurer Exzellenz gehorsamer Diener zu verbleiben.

Dr. L. Wimmer

Österreichischer Botschafter

Dem sehr ehrenwerten Anthony Eden,

M. C., M. P.,

Ihrer Majestät Hauptstaatssekretär der Auswärtigen Angelegenheiten,

Auswärtiges Amt,

London, S. W. 1

Auswärtiges Amt, S. W. 1.

30. Juni

1952.

No. CA 1501/20.

Euere Exzellenz,

ich beehre mich, den Empfang der heutigen Note Nr. 1 zu bestätigen, worin Euere Exzellenz die Freundlichkeit hatten, mich zu verständigen, daß bei der Durchführung des heute unterzeichneten Abkommens über Geld und sonstiges Vermögen die Österreichische Bundesregierung sich durch die Bestimmungen der nachstehenden Erklärung für gebunden erachten wird:

“Die Österreichische Bundesregierung gibt ihre Absicht bekannt, die Regelung von Pfund-Verbindlichkeiten zu erleichtern, die Personen im Vereinigten Königreiche geschuldet werden und noch offenstehen und durch Verpflichtungen entstanden sind, die vor dem 3. September 1939 eingegangen wurden, und wird zu diesem Zwecke Pfundbeträge zur Überweisung auf einer der Billigkeit Rechnung tragenden Grundlage in einer Höhe zur Verfügung stellen, die mindestens dem Betrage gleichkommt, der auf Grund des Abkommens über Geld und sonstiges Vermögen auf das Konto der Österreichischen Regierung überwiesen wird”.

Ich habe die Ehre, mit dem Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu verbleiben, Eurer Exzellenz gehorsamer Diener

(Für den Staatssekretär)

(Selwyn Lloyd)

Seiner Exzellenz

Dr. Lothar Wimmer,

usw., usw., usw.