Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Vulkanisierung-Ausbildungsordnung, Fassung vom 31.05.2017

§ 0

Langtitel

Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten über die Berufsausbildung im Lehrberuf Vulkanisierung (Vulkanisierung-Ausbildungsordnung)
StF: BGBl. II Nr. 343/1999

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund der §§ 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch die Berufsausbildungsgesetz-Novelle 1998, BGBl. I Nr. 100/1998, wird – hinsichtlich des § 12 im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales – verordnet:

§ 1

Text

Lehrberuf in der Vulkanisationstechnik

§ 1.

(1) In der Vulkanisationstechnik ist der Lehrberuf Vulkanisierung mit einer dreijährigen Lehrzeit eingerichtet.

(2) In den Lehrverträgen, Lehrzeugnissen, Lehrabschlußprüfungszeugnissen und Lehrbriefen ist der Lehrberuf in der dem Geschlecht des Lehrlings entsprechenden Form (Vulkaniseur oder Vulkaniseurin) zu bezeichnen.

§ 2

Text

Berufsprofil

§ 2.

Durch die Ausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule soll der ausgebildete Lehrling befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbständig und eigenverantwortlich auszuführen:

1.

Arbeitsplatz einrichten,

2.

technische Unterlagen lesen und anwenden,

3.

Arbeitsschritte, Arbeitsmittel und Arbeitsmethoden festlegen,

4.

erforderliche Materialien fachgerecht auswählen, beschaffen und überprüfen,

5.

Gummi- und Kunststoffprodukte messen und prüfen,

6.

Heiß- und Kaltvulkanisieren,

7.

Reifenschäden erkennen und beurteilen,

8.

Gummi- und Kunststoffprodukte, insbesondere Reifen einsetzen, pflegen und reparieren,

9.

kundenorientiertes Verhalten und Kundenberatung,

10.

Arbeiten ausführen unter Berücksichtigung der einschlägigen Sicherheitsvorschriften, Normen und Umweltstandards,

11.

technische Daten über den Arbeitsablauf und die Arbeitsergebnisse erfassen.

§ 3

Text

Berufsbild

§ 3.

(1) Für die Ausbildung wird folgendes Berufsbild festgelegt. Die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sind spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, daß der Lehrling zur Ausübung qualifizierter Tätigkeiten im Sinne des Berufsprofils befähigt wird, die insbesondere selbständiges Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.

Pos.

1. Lehrjahr

2. Lehrjahr

3. Lehrjahr

1.

Handhaben und Instandhalten der zu verwendenden Formen, Werkzeuge, Maschinen, Vorrichtungen, Einrichtungen und Arbeitsbehelfe, auch unter Verwendung von rechnergestützten Systemen

2.

Kenntnis der einschlägigen Druckluft- und Vulkanisiereinrichtungen sowie der Arten der Wärmeerzeugung

3.

Grundausbildung in der mechanischen Bearbeitung von Metallen und Kunststoffen (wie Messen, Anreißen, Scharfschleifen, Schneiden, Trennen, Feilen, Bohren) auch unter Verwendung von Maschinen und Geräten

4.

Kenntnis der Werk- und Hilfsstoffe, ihrer Eigenschaften, Verwendungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten

5.

Rauhen von Gummiprodukten

Rauhen von Gummiprodukten mit Maschinen

6.

Schärfen, Trennen, Schneiden von Gummiprodukten

7.

Einstreichen von Gummiprodukten

8.

Auslegen und Anrollen von Gummiprodukten

9.

Heizen

Berechnen der Heizzeit

10.

Grundkenntnisse über Hydraulik, Pneumatik, Luftversorgung und Elektrik

Kenntnis über Hydraulik, Pneumatik, Luftversorgung und Elektrik

11.

Kenntnis über die Herstellung und Reparatureinschlägiger Gummi- und Kunststofferzeugnisse

Reparieren und Bestimmen der Reparaturfähigkeit von Erzeugnissen aus Gummi- und Kunststoffen

12.

Messen und Prüfen von Gummi- und Kunststoffprodukten

13.

Anfertigen von einfachen Werkzeichnungen und Skizzen

14.

Lesen von Skizzen, Werkzeichnungen und technischen Unterlagen

15.

Kenntnis über Aufbau von Förderbändern und Riemen aus Gummi und Kunststoff

Reparieren und Endlosmachen von Förderbändern und Riemen aus Gummi und Kunststoff

16.

Herstellen und Bearbeiten von Gummi- und Metallverbindungen

17.

Profilschneiden

18.

Grundkenntnisse der Herstellung von Kautschuk- und Kunststoffmischungen

Kenntnis der Herstellung von Kautschuk- und Kunststoffmischungen

19.

Kenntnis des Vulkanisiervorganges

Kalt- und Heißvulkanisieren

20.

Kenntnis über die Herstellung und den Aufbau von Reifen

Reparieren von Reifen und Schläuchen

21.

Kenntnis der Reifen- und Räderbezeichnung

Beurteilen und Zuordnen der Reifen und Räder

22.

Kenntnis über die Aufgaben und Belastung eines Reifens im Fahrbereich

Reifen dem richtigen Verwendungszweck zuordnen, die richtige Auswahl für definierte Anforderungen treffen

23.

Beurteilung der Reparaturfähigkeit von Gummiprodukten, bei Reifen auch der Pflasterbestimmung und Runderneuerungsfähigkeit auch mit Maschine
(nach ECE-Regelungen für runderneuerte Reifen)

24.

Kenntnis der Reifenrunderneuerungsarten und Verfahrensunterschiede im Kalt- und Heißsystem

25.

Montieren von Rädern und Reifen

Wuchten, Matchen und Egalisieren

26.

Kenntnis der kraftfahrrechtlichen Bestimmungen über Reifen, Räder und Fahrwerk sowie Quellennachweis, bei Reifen auch über deren Verwendung, Montage und Bearbeitung

27.

Grundkenntnisse über den Aufbau von Fahrzeugen

28.

Kenntnis über Meß- und Einstellsysteme in der Fahrzeuggeometrie

29.

Auswerten von Abnützungserscheinungen am Reifen bezüglich Fahrwerk bzw. Beschädigung und Ermüdung

30.

Pflege und Lagerung von Gummi- und Kunststoffprodukten, insbesondere Reifen

31.

Erfassen von Daten über den Arbeitsablauf und die Arbeitsergebnisse (Dokumentation)

32.

Kenntnis der einschlägigen Sicherheitsvorschriften sowie der sonstigen in Betracht kommenden Vorschriften zum Schutze des Lebens und der Gesundheit

33.

Kenntnis und Anwendung der englischen Fachausdrücke

34.

Die für den Lehrberuf relevanten Maßnahmen und Vorschriften zum Schutz der Umwelt: Grundkenntnisse der betrieblichen Maßnahmen um sinnvollen Energieeinsatz im berufsrelevanten Arbeitsbereich; Grundkenntnisse der im berufsrelevanten Arbeitsbereich anfallenden Reststoffe und über deren Trennung, Verwertung sowie über die Entsorgung des Abfalls

35.

Kundenorientiertes Verhalten und Kundenberatung

36.

Kenntnis der sich aus dem Lehrvertrag ergebenden Verpflichtungen (§§ 9 und 10 des Berufsausbildungsgesetzes)

37.

Grundkenntnisse der aushangpflichtigen arbeitsrechtlichen Vorschriften

(2) Bei der Ausbildung in den fachlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ist – unter besonderer Beachtung der betrieblichen Erfordernisse und Vorgaben – auf die Persönlichkeitsbildung des Lehrlings zu achten, um ihm die für eine Fachkraft erforderlichen Schlüsselqualifikationen bezüglich Sozialkompetenz (wie Offenheit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit), Selbstkompetenz (wie Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Belastbarkeit), Methodenkompetenz (Präsentationsfähigkeit, Rhetorik in deutscher Sprache, Verständigungsfähigkeit in den Grundzügen der englischen Sprache) und Kompetenz für das selbstgesteuerte Lernen (wie Bereitschaft, Kenntnis über Methoden, Fähigkeit zur Auswahl geeigneter Medien und Materialien) zu vermitteln.

§ 4

Text

Lehrabschlußprüfung

Gliederung

§ 4.

(1) Die Lehrabschlußprüfung gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.

(2) Die praktische Prüfung umfaßt die Gegenstände Prüfarbeit und Fachgespräch.

(3) Die theoretische Prüfung umfaßt die Gegenstände Fachkunde, Fachrechnen und Fachzeichnen.

(4) Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrziels der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule oder den erfolgreichen Abschluß einer die Lehrzeit ersetzenden berufsbildenden mittleren oder höheren Schule nachgewiesen hat.

§ 5

Text

Praktische Prüfung

Prüfarbeit

§ 5.

(1) Die Prüfarbeit hat die Durchführung von Arbeiten nach Angabe zu umfassen, wobei folgende Fertigkeiten nachzuweisen sind:

1.

Auswählen des Reifens,

2.

Beurteilen der Reparaturfähigkeit,

3.

Rauhen,

4.

Schärfen,

5.

Belegen,

6.

Anrollen,

7.

Profilschneiden,

8.

Durchführen des Vulkanisiervorganges,

9.

Aufziehen,

10.

Wuchten und Montieren von Rädern und Reifen.

(2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlußprüfung und die Anforderungen der Berufspraxis jedem Prüfling eine Prüfarbeit zu stellen, die in der Regel in sieben Arbeitsstunden ausgeführt werden kann.

(3) Die Prüfarbeit ist nach acht Arbeitsstunden zu beenden.

(4) Für die Bewertung der Prüfarbeit sind folgende Kriterien maßgebend:

1.

Maßhaltigkeit und Sauberkeit,

2.

Verwenden der richtigen Werkzeuge bei der Ausführung der Prüfarbeit,

3.

funktionsgerechte Ausführung.

§ 6

Text

Fachgespräch

§ 6.

(1) Das Fachgespräch ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.

(2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit heraus zu entwickeln. Hiebei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen des Prüflings festzustellen.

(3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlußprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Hiebei sind Materialproben, Demonstrationsobjekte, Werkzeuge, Bauteile oder Schautafeln heranzuziehen. Fragen über einschlägige Sicherheitsvorschriften, Schutzmaßnahmen, Unfallverhütung und umweltrelevante Maßnahmen sind einzubeziehen. Die Prüfung ist in Form eines möglichst lebendigen Gesprächs mit Gesprächsvorgabe durch Schilderung von Situationen oder Problemen zu führen.

(4) Die Prüfung soll für jeden Prüfling zumindest 15 Minuten dauern. Sie ist nach 20 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.

§ 7

Text

Theoretische Prüfung

Allgemeine Bestimmungen

§ 7.

(1) Die theoretische Prüfung hat schriftlich zu erfolgen. Sie kann für eine größere Anzahl von Prüflingen gemeinsam durchgeführt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Prüfungsablaufs möglich ist. Die theoretische Prüfung kann auch in rechnergestützter Form erfolgen, wobei jedoch alle wesentlichen Schritte für die Prüfungskommission nachvollziehbar sein müssen.

(2) Die theoretische Prüfung ist grundsätzlich vor der praktischen Prüfung abzuhalten.

(3) Die Aufgaben haben nach Umfang und Niveau dem Zweck der Lehrabschlußprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Sie sind den Prüflingen anläßlich der Aufgabenstellung getrennt zu erläutern.

(4) Die schriftlichen Arbeiten des Prüflings sind entsprechend zu kennzeichnen.

§ 8

Text

Fachkunde

§ 8.

(1) Die Prüfung hat die stichwortartige Durchführung je einer Prüfungsaufgabe aus den nachstehenden Bereichen zu umfassen:

1.

Werk- und Hilfsstoffe,

2.

Fahrzeugbereifung,

3.

Werkzeuge, Geräte und Bearbeitungsmaschinen,

4.

Reparaturtechnik.

(2) Die Prüfung kann auch in programmierter Form mit Fragebögen erfolgen. In diesem Fall sind aus jedem Bereich je fünf Aufgaben zu stellen.

(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, daß sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.

(4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 9

Text

Fachrechnen

§ 9.

(1) Die Prüfung hat je eine Aufgabe aus sämtlichen nachstehenden Bereichen zu umfassen:

1.

Längenberechnung,

2.

Flächenberechnung,

3.

Körperberechnung,

4.

Masseberechnung,

5.

Geschwindigkeitsberechnung.

(2) Die Verwendung von Rechenbehelfen, Formeln und Tabellen ist zulässig.

(3) Die Aufgaben sind so zu stellen, daß sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden können.

(4) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 10

Text

Fachzeichnen

§ 10.

(1) Die Prüfung hat das Anfertigen einer einschlägigen Werkzeichnung nach Angabe zu umfassen.

(2) Die Aufgabe ist so zu stellen, daß sie in der Regel in 60 Minuten durchgeführt werden kann.

(3) Die Prüfung ist nach 80 Minuten zu beenden.

§ 11

Text

Wiederholungsprüfung

§ 11.

(1) Die Lehrabschlußprüfung kann wiederholt werden, wenn sie nicht bestanden wurde.

(2) Wenn bis zu drei Gegenstände mit „Nicht genügend“ bewertet wurden, ist die Wiederholungsprüfung auf die mit „Nicht genügend“ bewerteten Gegenstände zu beschränken. Die Prüfungskommission hat in diesem Fall unter Berücksichtigung der festgestellten Mängel an Fertigkeiten und Kenntnissen festzusetzen, wann innerhalb des Zeitraumes von drei bis sechs Monaten nach der nicht bestandenen Lehrabschlußprüfung frühestens die Wiederholungsprüfung abgelegt werden kann.

(3) Wenn mehr als drei Gegenstände mit „Nicht genügend“ bewertet wurden, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. In diesem Fall kann die Wiederholungsprüfung frühestens sechs Monate nach der nicht bestandenen Lehrabschlußprüfung abgelegt werden.

§ 13

Text

Übergangsbestimmungen

§ 13.

(1) Die Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Vulkaniseur, BGBl. Nr. 35/1978, in der Fassung der Verordnung BGBl. Nr. 291/1979 treten unbeschadet Abs. 3 mit Ablauf des 30. Juni 2000 außer Kraft.

(2) Die Prüfungsordnung für die Lehrabschlußprüfung im Lehrberuf Vulkaniseur, BGBl. Nr. 33/1978, tritt unbeschadet Abs. 3 mit Ablauf des 30. Juni 2000 außer Kraft.

(3) Lehrlinge, die am 30. Juni 2000 im Lehrberuf Vulkaniseur im ersten oder zweiten Lehrjahr ausgebildet werden, sind entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften weiter auszubilden und können bis ein Jahr nach Ende der Lehrzeit zur Lehrabschlußprüfung auf Grund der in Abs. 2 angeführten Prüfungsordnung antreten.

(4) Die Lehrzeiten, die im Lehrberuf Vulkaniseur entsprechend den in Abs. 1 angeführten Ausbildungsvorschriften zurückgelegt wurden, sind auf die Lehrzeit im Lehrberuf Vulkanisierung voll anzurechnen.