Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Tischler-Meisterprüfungsordnung, Fassung vom 31.12.1999

§ 0

Langtitel

Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten vom 28. Feber 1989 über die Durchführung der Meisterprüfung für das Handwerk der Tischler (Tischler-Meisterprüfungsordnung)
StF: BGBl. Nr. 182/1989

Änderung

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 21 und des § 18 Abs. 8 der Gewerbeordnung 1973, BGBl. Nr. 50/1974, in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. Nr. 399/1988 wird - hinsichtlich des § 3 Abs. 4 im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Unterricht, Kunst und Sport - verordnet:

§ 1

Text

Anwendung der Allgemeinen Meisterprüfungsordnung

§ 1. Auf die Durchführung der Meisterprüfung für das Handwerk der Tischler (§ 94 Z 78 GewO 1973) ist die Allgemeine Meisterprüfungsordnung, BGBl. Nr. 356/1979, anzuwenden.

§ 2

Text

Fachlich-praktischer Teil der Meisterprüfung

§ 2. (1) Der fachlich-praktische Teil der Meisterprüfung umfaßt die Ausführung von Meisterarbeiten (Abs. 2) zum Nachweis folgender Fertigkeiten:

1.

Sägen,

2.

Furnieren,

3.

Hobeln,

4.

Leimen,

5.

Herstellen von Holzverbindungen,

6.

Behandeln der Oberfläche,

7.

Anschlagen,

8.

Zusammenbauen.

(2) Entsprechend der Aufgabenstellung durch die Meisterprüfungskommission sind auszuführen:

1.

Meisterarbeiten, die der Anfertigung eines Prüfungsstückes dienen, sowie

2.

gegebenenfalls auch Meisterarbeiten zum Nachweis jener Fertigkeiten (Abs. 1), die bei den unter Z 1 fallenden Meisterarbeiten nicht nachgewiesen werden können.

(3) Die Ausführung der Meisterarbeiten muß vom Prüfling in 44 Stunden erwartet werden können. Der fachlich-praktische Teil der Meisterprüfung ist nach 48 Stunden zu beenden.

§ 3

Text

Fachlich-theoretischer Teil der Meisterprüfung

§ 3. (1) Der fachlich-theoretische Teil der Meisterprüfung besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung.

(2) Die schriftliche Prüfung hat sich auf die Gegenstände Fachrechnen und Fachkalkulation (§ 4) und Fachzeichnen (§ 5) zu erstrecken. Die Erledigung der Prüfungsaufgaben muß vom Prüfling im Gegenstand Fachrechnen und Fachkalkulation in drei Stunden, im Gegenstand Fachzeichnen in vier Stunden erwartet werden können. Die Prüfung ist im Gegenstand Fachrechnen und Fachkalkulation nach dreieinhalb Stunden, im Gegenstand Fachzeichnen nach viereinhalb Stunden zu beenden.

(3) Die mündliche Prüfung hat sich auf den Gegenstand Fachkunde (§ 6) zu erstrecken. Sie darf außer in begründeten Ausnahmefällen nicht kürzer als 30 Minuten und nicht länger als eine Stunde dauern.

(4) Der erfolgreiche Besuch folgender Schulen ersetzt den fachlich-theoretischen Teil der Meisterprüfung:

1.

Höhere Lehranstalt für Möbelbau,

2.

Höhere Lehranstalt für Möbelbau und Innenausbau,

3.

Sonderformen der unter Z 1 und 2 angeführten Lehranstalten gemäß § 73 Abs. 1 lit. a bis c des Schulorganisationsgesetzes.

§ 4

Text

Fachrechnen und Fachkalkulation

§ 4. (1) Die Prüfung im Gegenstand Fachrechnen und Fachkalkulation hat zu umfassen:

1.

je eine Aufgabe aus folgenden Bereichen:

a)

Berechnungen von Flächen- und Körperinhalten,

b)

Materialbedarfsberechnung,

c)

Drehzahl- und Übersetzungsberechnung und

d)

Auswahl und Berechnung der Wärme- und Schalldämmung von Fenster- und Türelementen

und

2.

die Ausführung eines fachlichen Kalkulationsbeispieles (Materialkostenermittlung, Reparaturkostenermittlung, Anboterstellung).

(2) Der Prüfungsaufgabe gemäß Abs. 1 Z 2 darf die bei der Prüfung im Gegenstand Fachzeichnen angefertigte Fertigungs-(Werk-)Zeichnung nur dann zugrundegelegt werden, wenn sie keine die Kalkulation beeinflussenden Fehler aufweist.

§ 5

Text

Fachzeichnen

§ 5. Die Prüfung im Gegenstand Fachzeichnen hat nach Angabe die Anfertigung

1.

einer Fertigungs-(Werk-)Zeichnung und

2.

einer Entwurf-Skizze

zu umfassen.

§ 6

Text

Fachkunde

§ 6. Im Gegenstand Fachkunde sind dem Prüfling Fragen aus folgenden Sachgebieten zu stellen:

1.

Werkstoffkunde

a)

Arten, Eigenschaften, Bezeichnungen, Verwendung und Verarbeitung der Werkstoffe und der Hilfsstoffe,

b)

Natur- und beschichtete Platten und Profile,

c)

Holzkrankheiten, Holzschädlinge,

d)

Holz- und Kunststoff-Fehler,

e)

Leime und Kleber,

f)

Oberflächenbehandlungsmaterialien,

g)

Beschläge;

2.

Arbeitskunde

a)

Schlägerung, Lagerung und Trocknung von Holz,

b)

Konstruktionslehre (Dimensionierung von verschiedenen Werkstücken),

c)

Stilkunde,

d)

Maschinen und Werkzeuge (Arten, Verwendung und Wartung);

3.

Werkstattkunde

a)

Ausrüstung einer Tischlerwerkstatt,

b)

einschlägige Sicherheitsvorschriften der Unfallverhütung und des Arbeitsschutzes;

4.

Fachliche Sondervorschriften

einschlägige ÖNORMEN (insbesondere betreffend Wärme- und Schallschutz und die Vergabe von Leistungen).

§ 7

Text

Zusatzprüfung für das Handwerk der Tischler

§ 7. (1) Die Zusatzprüfung für das mit dem Handwerk der Binder (§ 94 Z 3 GewO 1973), dem Handwerk der Drechsler (§ 94 Z 10 GewO 1973) und dem Handwerk der Wagner (§ 94 Z 81 GewO 1973) verwandte Handwerk der Tischler hat sich auf jene für das Handwerk der Tischler erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu erstrecken, die nicht schon im Rahmen des Befähigungsnachweises für das Handwerk der Binder, das Handwerk der Drechsler oder das Handwerk der Wagner nachzuweisen waren. Sie gliedert sich in einen fachlich-praktischen Teil (Abs. 2) und einen fachlich-theoretischen Teil (Abs. 3).

(2) Der fachlich-praktische Teil der Zusatzprüfung umfaßt die Ausführung von Meisterarbeiten zum Nachweis folgender Fertigkeiten:

1.

Furnieren,

2.

Oberflächenbehandlung,

3.

Holzverbindungen,

4.

Anschlagen.

Die Ausführung der Meisterarbeiten muß vom Prüfling in acht Stunden erwartet werden können. Der fachlich-praktische Teil der Zusatzprüfung ist nach neun Stunden zu beenden.

(3) Der fachlich-theoretische Teil der Zusatzprüfung besteht aus einer schriftlichen Prüfung im Gegenstand Fachzeichnen (§ 5) und einer mündlichen Prüfung im Gegenstand Fachkunde (§ 6). Die schriftliche Prüfung im Gegenstand Fachzeichnen hat die Anfertigung einer Entwurf-Skizze (§ 5 Z 2) zu umfassen. Die Erledigung dieser Aufgabe muß vom Prüfling in zwei Stunden erwartet werden können. Die schriftliche Prüfung ist nach drei Stunden zu beenden. Die mündliche Prüfung darf außer in begründeten Ausnahmefällen nicht kürzer als 30 Minuten und nicht länger als eine Stunde dauern.

§ 8

Text

Schlußbestimmungen

§ 8. (1) Diese Verordnung tritt mit 1. Jänner 1990 in Kraft.

(2) Die den fachlich-praktischen und den fachlich-theoretischen Teil der Meisterprüfung betreffenden Bestimmungen der im § 8 Abs. 2 der Allgemeinen Meisterprüfungsordnung zitierten Meisterprüfungsordnungen treten, soweit sie sich auf das Handwerk der Tischler beziehen, gemäß § 375 Abs. 1 GewO 1973 mit Ablauf des 31. Dezember 1989 außer Kraft.