Gericht

Verwaltungsgerichtshof

Entscheidungsdatum

01.09.1999

Geschäftszahl

98/16/0133

Rechtssatz

Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes (Hinweis auf das zur Börsenumsatzsteuer ergangene E 5.3.1990, 89/15/0125 und das E 6.7.1967, 1278/66 ÖStZB 1967, 170) sowie dem Schrifttum (Dorazil, KVG Kurzkommentar 2151 Anm IV 5 zu § 5 KVG und Kotschnigg, Drei Gedanken zur Gesellschaftsteuer, ÖStZ 1997, 147 ff, 149) ist ein Volltreuhänder (Fiduciar) Gesellschafter iSd § 5 KVG. Unter der Ermächtigungstreuhand versteht die herrschende Auffassung in Österreich eine Treuhandvariante, bei der dem Treuhänder (im Gegensatz zur Fiducia) nicht das Vollrecht am Treugut übertragen wird, sondern nur Verfügungsrechte (meist Verwaltungsrechte) über das Vollrecht (vgl in diesem Sinn Kastner, Gesellschafts- und Unternehmensrecht, gesammelte Aufsätze 595 und 616; Strasser in Rummel, ABGB I2 Rz 42 zu § 1002 ABGB; Klicka in Schwimann, Praxiskommentar zum ABGB2 Rz 1 zu § 358 ABGB; OGH 19.6.1986, 7 Ob 520/86 JBl 1986, 647). Einer der Hauptanwendungsfälle einer Ermächtigungstreuhand ist die Stimmrechtsermächtigung gemäß § 114 Abs 4 AktG (Kastner aaO 595; OGH 28.9.1960, 6 Ob 245/60 SZ 33/95). (Hier: Insb der Umstand, dass die Treuhänderin kraft Vereinbarung verpflichtet wurde, 99 % der Dividende weiterzugeben, spricht für ihr Vollrecht.)