Jahrgang 2015

Kundgemacht am 26. August 2015

86.

Tiroler EU-Berufsqualifikationen-Anerkennungsgesetz

86. Gesetz vom 1. Juli 2015 über die Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Rahmen der europäischen Integration und den Europäischen Berufsausweis (Tiroler EU-Berufsqualifikationen-Anerkennungsgesetz)

Der Landtag hat beschlossen:

1. Abschnitt
Allgemeine Bestimmungen

Paragraph eins,

Sachlicher Geltungsbereich

Dieses Gesetz regelt:

  1. Litera a
    die Anerkennung beruflicher Qualifikationen in den nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufen im Rahmen der europäischen Integration,
  2. Litera b
    die Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Dienstrecht der öffentlich-rechtlichen Bediensteten des Landes, der Gemeinden und der Gemeindeverbände im Rahmen der europäischen Integration,
  3. Litera c
    den Europäischen Berufsausweis und
  4. Litera d
    die Verwaltungszusammenarbeit in den Angelegenheiten der Richtlinie 2005/36/EG.

Paragraph 2,

Persönlicher Geltungsbereich

  1. Absatz einsDieses Gesetz gilt für Personen, die nach den den jeweiligen Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften
    1. Litera a
      als Unionsbürger, Staatsangehörige anderer Vertragsstaaten des EWR-Abkommens oder der Schweiz oder als deren begünstigte Angehörige,
    2. Litera b
      als Staatsangehörige anderer Staaten, die Unionsbürgern aufgrund von Verträgen im Rahmen der europäischen Integration hinsichtlich der Bedingungen der Niederlassung oder der Arbeitsbedingungen gleichgestellt sind, oder
    3. Litera c
      aufgrund ihres fremden- oder asylrechtlichen Status
    das Recht auf Zugang zu diesem Beruf haben.
  2. Absatz 2Dieses Gesetz gilt weiters für Personen im Sinn des Absatz eins,, die die Aufnahme in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis zum Land, zu einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband anstreben oder in einem solchen Dienstverhältnis stehen.
  3. Absatz 3Dieses Gesetz gilt auch für andere Personen als solche im Sinn des Absatz eins,, sofern die den jeweiligen Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften den Zugang zu diesem Beruf nicht auf diesen Personenkreis einschränken.

2. Abschnitt
Verfahren über den einheitlichen Ansprechpartner

Paragraph 3,

Einheitlicher Ansprechpartner, Anträge

  1. Absatz einsEinheitlicher Ansprechpartner ist das Amt der Tiroler Landesregierung (Paragraph 2, des Tiroler Dienstleistungsgesetzes, Landesgesetzblatt Nr. 124 aus 2011,).
  2. Absatz 2Im Geltungsbereich dieses Gesetzes können schriftliche Anträge auch beim einheitlichen Ansprechpartner eingebracht werden. Dies gilt nicht im Verfahren vor dem Landesverwaltungsgericht. Für die Einbringung von Anträgen und deren Behandlung durch den einheitlichen Ansprechpartner gilt Paragraph 3, Absatz 2 bis 6 des Tiroler Dienstleistungsgesetzes sinngemäß.

Paragraph 4,

Informationspflichten des einheitlichen Ansprechpartners

  1. Absatz einsDer einheitliche Ansprechpartner hat folgende allgemeine und aktuelle Informationen umfassend in klarer und leicht verständlicher Form sowie aus der Ferne und elektronisch leicht zugänglich zur Verfügung zu stellen:
    1. Litera a
      ein Verzeichnis aller reglementierten Berufe im Sinn des Artikel 3, Absatz eins, Litera a, der Richtlinie 2005/36/EG sowie die Kontaktdaten der für die einzelnen reglementierten Berufe zuständigen Behörden und der Beratungszentren nach Artikel 57 b, der Richtlinie 2005/36/EG,
    2. Litera b
      ein Verzeichnis aller Berufe, für die ein Europäischer Berufsausweis verfügbar ist, der Funktionsweise des Ausweises – einschließlich aller für die Berufsangehörigen anfallenden Gebühren – und der für die Ausstellung zuständigen Behörden,
    3. Litera c
      ein Verzeichnis aller nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufe, auf die Artikel 7, Absatz 4, der Richtlinie 2005/36/EG Anwendung findet,
    4. Litera d
      ein Verzeichnis der reglementierten Ausbildungslehrgänge und der besonders strukturierten Ausbildungslehrgänge nach Artikel 11, Litera c, Z ii der Richtlinie 2005/36/EG,
    5. Litera e
      die in den Artikel 7,, 50, 51 und 53 der Richtlinie 2005/36/EG angeführten Anforderungen und Verfahren für reglementierte Berufe, einschließlich aller damit für den Antragsteller verbundenen zu entrichtenden Gebühren und aller bei den Behörden vorzulegenden Unterlagen,
    6. Litera f
      Angaben über das Einlegen von Rechtsbehelfen gegen aufgrund der Richtlinie 2005/36/EG erlassene Entscheidungen der Behörde.
  2. Absatz 2Im Fall von Auskunftsersuchen, die über die im Absatz eins, Litera a bis f genannten Informationen hinausgehen, hat der einheitliche Ansprechpartner den Einschreiter an die zuständigen Stellen bzw. Behörden zu verweisen.
  3. Absatz 3Der einheitliche Ansprechpartner hat Auskunftsersuchen betreffend die im Absatz eins, Litera a bis f genannten Informationen ohne unnötigen Aufschub zu beantworten oder den Einschreiter davon in Kenntnis zu setzen, dass das Ersuchen fehlerhaft oder unbegründet ist.
  4. Absatz 4Die Landesregierung hat im Rahmen ihres gesetzmäßigen Wirkungsbereiches dafür zu sorgen, dass dem einheitlichen Ansprechpartner die nach Absatz eins, Litera a bis f erforderlichen Informationen zur Verfügung stehen.

Paragraph 5,

Elektronische Verfahren

  1. Absatz einsBeim einheitlichen Ansprechpartner und bei der Behörde müssen die technischen Voraussetzungen im Sinn des Paragraph 13, Absatz 2, AVG gegeben sein, damit Anbringen in elektronischer Form eingebracht werden können.
  2. Absatz 2Bei der Behörde müssen die technischen Voraussetzungen gegeben sein, damit Zustellungen auch elektronisch nach den Bestimmungen des 3. Abschnitts des Zustellgesetzes erfolgen können.

3. Abschnitt
Anerkennung beruflicher Qualifikationen

Paragraph 6,

Qualifikationsniveaus

Die Landesregierung hat als Grundlage für die Anerkennung beruflicher Qualifikationen in Angelegenheiten nach

  1. Litera a
    Paragraph eins, Litera a, die betreffenden Berufe entsprechend den für sie geltenden Zugangsvoraussetzungen durch Verordnung,
  2. Litera b
    Paragraph eins, Litera b, die beabsichtigte Verwendung im Zug des jeweiligen Anerkennungsverfahrens
dem jeweiligen Qualifikationsniveau im Sinn des Artikel 11, der Richtlinie 2005/36/EG zuzuordnen.

Paragraph 7,

Anerkennungsvoraussetzungen

  1. Absatz einsDie Behörde hat auf Antrag eine erfolgreich absolvierte Ausbildung zu einem Beruf oder einer Verwendung im öffentlichen Dienst anzuerkennen, wenn
    1. Litera a
      diese Ausbildung in einem EU-Mitgliedstaat, in einem anderen Vertragsstaat des EWR-Abkommens, in der Schweiz oder in einem anderen Staat im Sinn des Paragraph 2, Absatz eins, Litera b, Voraussetzung für die Ausübung des betreffenden Berufes ist oder
    2. Litera b
      diese Ausbildung in einem der in der Litera a, genannten Staaten reglementiert im Sinn des Artikel 3, Absatz eins, Litera e, der Richtlinie 2005/36/EG ist oder
    3. Litera c
      es sich bei dieser Ausbildung um eine gleichgestellte Ausbildung im Sinn des Artikel 12, der Richtlinie 2005/36/EG handelt.
  2. Absatz 2Die Behörde hat auf Antrag einer Person, welche die Voraussetzungen nach Absatz eins, nicht erfüllt, die Ausübung des betreffenden Berufes im Sinn des Absatz eins, anzuerkennen, wenn sie
    1. Litera a
      diese Tätigkeit in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung in einem im Absatz eins, Litera a, genannten Staat, nach dessen Recht diese Tätigkeit auch ohne eine bestimmte fachliche Befähigung ausgeübt werden darf, mindestens ein Jahr lang vollzeitlich bzw. im Fall einer Teilzeitbeschäftigung entsprechend länger ausgeübt hat und
    2. Litera b
      für die Ausübung der Tätigkeit eine Ausbildung erfolgreich absolviert hat, die zumindest dem Niveau nach Artikel 11, Litera a, der Richtlinie 2005/36/EG entspricht.
  3. Absatz 3Die Ausbildung im Sinn des Absatz eins, oder Absatz 2, Litera b, ist durch von den nach den Rechtsvorschriften des betreffenden Staates zuständigen Behörden oder Stellen ausgestellte Befähigungs- oder Ausbildungsnachweise nachzuweisen. Die Ausbildung muss überwiegend in einem oder mehreren der im Absatz eins, Litera a, genannten Staaten absolviert worden sein. Dies gilt nicht, wenn die betreffende Tätigkeit in einem im Absatz eins, Litera a, genannten Staat aufgrund einer von diesem anerkannten, in einem Drittstaat absolvierten Ausbildung zumindest drei Jahre lang vollzeitlich bzw. im Fall einer Teilzeitbeschäftigung entsprechend länger ausgeübt wurde. Die Ausübung der Tätigkeit ist durch eine Bescheinigung des betreffenden Staates nachzuweisen.

Paragraph 8,

Anerkennungsverfahren

  1. Absatz einsDie Behörde hat über Anträge auf Anerkennung mit schriftlichem Bescheid zu entscheiden.
  2. Absatz 2Die Anerkennung ist unter der aufschiebenden Bedingung auszusprechen, dass der Antragsteller nach seiner Wahl entweder einen Anpassungslehrgang nach Paragraph 9, Absatz eins, absolviert oder eine Ergänzungsprüfung nach Paragraph 9, Absatz 2, ablegt, wenn
    1. Litera a
      seine Ausbildung im betreffenden Beruf sich auf Fächer bezieht, die sich inhaltlich wesentlich von jenen nach den den jeweiligen Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften unterscheiden oder
    2. Litera b
      der Beruf nach den jeweiligen landesgesetzlichen Vorschriften reglementiert ist und eine oder mehrere reglementierte Tätigkeiten umfasst, die nach den Rechtsvorschriften des Herkunftsstaates des Antragstellers nicht Teil des Berufsbildes sind, und sich die geforderte Ausbildung auf Fächer bezieht, die sich inhaltlich wesentlich von der Ausbildung des Antragstellers unterscheiden.

Unter Fächern im Sinn der Litera a und b sind jene zu verstehen, die Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen vermitteln, die eine wesentliche Voraussetzung für die Ausübung des betreffenden Berufes sind.

  1. Absatz 3Abweichend vom Grundsatz der Wahlfreiheit des Antragstellers kann die Behörde entweder die Absolvierung eines Anpassungslehrganges oder die Ablegung einer Ergänzungsprüfung vorschreiben, wenn dessen Ausbildung
    1. Litera a
      dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera a, der Richtlinie 2005/36/EG entspricht, der betreffende Beruf dagegen dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera c, der Richtlinie 2005/36/EG entsprechend eingestuft ist oder
    2. Litera b
      dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera b, der Richtlinie 2005/36/EG entspricht, der betreffende Beruf dagegen dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera d, oder e der Richtlinie 2005/36/EG entsprechend eingestuft ist.
  2. Absatz 4Die Behörde kann dem Antragsteller die Absolvierung eines Anpassungslehrganges und zusätzlich die Ablegung einer Ergänzungsprüfung vorschreiben, wenn dessen Qualifikation dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera a, der Richtlinie 2005/36/EG entspricht, der betreffende Beruf dagegen dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera d, der Richtlinie 2005/36/EG entsprechend eingestuft ist.
  3. Absatz 5Die Behörde hat den Antrag auf Anerkennung abzuweisen, wenn die Ausbildung des Antragstellers dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera a, der Richtlinie 2005/36/EG entspricht, der betreffende Beruf dagegen dem Qualifikationsniveau nach Artikel 11, Litera e, der Richtlinie 2005/36/EG entsprechend eingestuft ist.
  4. Absatz 6Anträge auf Anerkennung sind schriftlich einzubringen. Der Antrag hat die Ausbildung einschließlich allfälliger Zeiten der Berufsausübung, aufgrund deren die Anerkennung vorgenommen werden soll, zu bezeichnen. Dem Antrag sind weiters die entsprechenden Befähigungs- oder Ausbildungsnachweise und gegebenenfalls die Bescheinigungen über die Berufsausübung im Sinn des Paragraph 7, Absatz 3, anzuschließen. Diese Nachweise sind im Original oder als Kopien vorzulegen. Die Behörde hat dem Antragsteller das Einlangen des Antrages unverzüglich, längstens jedoch innerhalb eines Monats, zu bestätigen. Liegen die erforderlichen Nachweise nicht oder nicht vollständig vor, so ist innerhalb derselben Frist ein Mängelbehebungsauftrag nach Paragraph 13, Absatz 3, AVG zu erteilen.
  5. Absatz 7Die Behörde hat über Anträge auf Anerkennung ohne unnötigen Aufschub, spätestens aber innerhalb von vier Monaten nach Vorliegen der vollständigen Unterlagen, zu entscheiden.

Paragraph 9,

Anpassungslehrgang, Ergänzungsprüfung

  1. Absatz einsDer Anpassungslehrgang hat in der Ausübung des betreffenden Berufes unter der unmittelbaren Leitung und Aufsicht einer hierzu befugten Person im Ausmaß von höchstens drei Jahren, allenfalls in Verbindung mit der Absolvierung einer Zusatzausbildung zu bestehen. Die Zusatzausbildung ist möglichst in das für den jeweiligen Beruf vorgesehene Ausbildungs- und Prüfungswesen zu integrieren. Die Dauer des Anpassungslehrganges und gegebenenfalls auch der Umfang der Zusatzausbildung sind in der Anerkennung unter Berücksichtigung der dem Antragsteller fehlenden Fertigkeiten und Kenntnisse festzulegen.
  2. Absatz 2Die Ergänzungsprüfung hat in der Ablegung einer Prüfung zu bestehen. Dem Antragsteller ist die Gelegenheit zu geben, die Ergänzungsprüfung innerhalb von sechs Monaten nach der Anerkennung der beruflichen Qualifikation abzulegen. Die Ergänzungsprüfung ist möglichst in das für den jeweiligen Beruf vorgesehene Prüfungswesen zu integrieren. Die Prüfungsgegenstände sind in der Anerkennung unter Berücksichtigung der dem Antragsteller fehlenden Fertigkeiten und Kenntnisse auf der Grundlage eines Verzeichnisses jener Sachgebiete, auf die sich die Ausbildung nach den jeweiligen landesgesetzlichen Vorschriften bezieht, die jedoch von der Ausbildung des Antragstellers nicht abgedeckt sind, festzulegen.
  3. Absatz 3Bei der Festlegung des Umfanges des Anpassungslehrganges oder der Ergänzungsprüfung ist zu berücksichtigen, ob der Antragsteller im Rahmen einer Berufspraxis oder durch lebenslanges Lernen in einem im Paragraph 7, Absatz eins, Litera a, genannten Staat oder in einem Drittstaat Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die von einer einschlägigen Stelle als gültig anerkannt worden sind, erworben hat, die die Unterschiede in der Ausbildung teilweise ausgleichen. Werden diese Unterschiede zur Gänze ausgeglichen, so darf ein Anpassungslehrgang bzw. eine Ergänzungsprüfung nicht vorgeschrieben werden.
  4. Absatz 4Die Absolvierung des Anpassungslehrganges oder die Ablegung der Ergänzungsprüfung hat innerhalb von vier Jahren nach der Anerkennung der Ausbildung zu erfolgen. Wird diese Frist nicht eingehalten, so ist die Anerkennung für erloschen zu erklären. Anlässlich der Anerkennung ist auf diese Rechtsfolge hinzuweisen.
  5. Absatz 5Die Landesregierung kann unter Berücksichtigung der Ausbildungs- und Prüfungsvorschriften für die nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufe allgemein oder für einzelne dieser Berufe durch Verordnung nähere Vorschriften über den Anpassungslehrgang einschließlich einer allfälligen Zusatzausbildung sowie über die Ergänzungsprüfung erlassen. Dabei kann insbesondere die Art der Integration der Zusatzausbildung bzw. der Ergänzungsprüfung in das für die betreffenden Berufe vorgesehene Ausbildungs- und Prüfungswesen näher geregelt werden, soweit diese nicht bereits in den Vorschriften über die betreffenden Berufe geregelt ist. Weiters kann unter Berücksichtigung der Dauer der Ausbildung für die betreffenden Berufe die Höchstdauer der Zusatzausbildung abweichend von Absatz eins, erster Satz in einem geringeren zeitlichen Ausmaß festgelegt werden. Ferner kann vorgesehen werden, dass abweichend vom Grundsatz der Wahlfreiheit die Absolvierung eines Anpassungslehrganges oder die Ablegung einer Ergänzungsprüfung vorzuschreiben ist, wenn die Voraussetzungen nach Artikel 14, Absatz 2, der Richtlinie 2005/36/EG vorliegen oder die Europäische Kommission einen entsprechenden Durchführungsrechtsakt erlassen hat.

Paragraph 10,

Partieller Berufszugang

  1. Absatz einsDie Behörde hat auf Antrag eine erfolgreich absolvierte Ausbildung für einen partiellen Zugang zu einem nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Beruf anzuerkennen, wenn
    1. Litera a
      der Antragsteller in einem im Paragraph 7, Absatz eins, Litera a, genannten Staat sämtliche fachliche Voraussetzungen zur Ausübung der betreffenden beruflichen Tätigkeit erfüllt,
    2. Litera b
      die Unterschiede zwischen der betreffenden beruflichen Tätigkeit in jenem Staat und dem nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Beruf so groß sind, dass die Anerkennung der Ausbildung einen Anpassungslehrgang bzw. eine Ergänzungsprüfung in einem Umfang erfordern würde, der (die) der nach diesem Gesetz vorgesehenen Ausbildung vollständig entspräche und
    3. Litera c
      sich die betreffende berufliche Tätigkeit in jenem Staat abhängig davon, ob diese dort eigenständig ausgeübt werden kann, nach objektiven Kriterien von dem nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Beruf trennen lässt.
  2. Absatz 2Die Anerkennung einer Ausbildung ist ungeachtet des Vorliegens der Voraussetzungen nach Absatz eins, zu verweigern, wenn dies durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses, denen anderweitig nicht oder nicht ausreichend Rechnung getragen werden kann, gerechtfertigt ist.
  3. Absatz 3Für Anträge nach Absatz eins, gelten die Paragraphen 7 und 8 Absatz eins,, 5, 6 und 7 sinngemäß mit der Maßgabe, dass die betreffende berufliche Tätigkeit sowie die hierfür erforderlichen fachlichen Voraussetzungen im Antrag genau zu bezeichnen sind.
  4. Absatz 4Im Fall eines partiellen Berufszuganges hat die Berufsausübung unter der in jenem Staat vorgesehenen Berufsbezeichnung zu erfolgen. Der zulässige Umfang der beruflichen Tätigkeiten ist Dritten gegenüber in ausreichend erkennbarer Weise ersichtlich zu machen.

Paragraph 11,

Anerkennung auf Grundlage gemeinsamer Ausbildungsrahmen bzw. Ausbildungsprüfungen

  1. Absatz einsIn den Fällen des Paragraph 8, Absatz 2,, 3 und 4 bedarf es für die Anerkennung nicht der Absolvierung eines Anpassungslehrganges oder der Ablegung einer Ergänzungsprüfung, wenn der Antragsteller eine Ausbildung absolviert hat, die einem von der Europäischen Kommission nach Artikel 49 a, Absatz 4, der Richtlinie 2005/36/EG festgelegten und von Österreich eingeführten gemeinsamen Ausbildungsrahmen entspricht.
  2. Absatz 2In den Fällen des Paragraph 8, Absatz 2,, 3 und 4 bedarf es für die Anerkennung nicht der Absolvierung eines Anpassungslehrganges oder der Ablegung einer Ergänzungsprüfung, wenn der Antragsteller eine Prüfung abgelegt hat, die einer von der Europäischen Kommission nach Artikel 49 b, Absatz 4, der Richtlinie 2005/36/EG festgelegten und von Österreich eingeführten gemeinsamen Ausbildungsprüfung entspricht.

Paragraph 12,

In anderen Ländern erworbene Berufsqualifikationen

Die auf Staaten abstellenden Bestimmungen dieses Abschnittes gelten sinngemäß auch in Bezug auf andere Länder, soweit die den jeweiligen Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften nicht ohnehin die Gleichstellung bzw. Anerkennung der nach den Vorschriften anderer Länder geregelten Ausbildungen hinsichtlich eines Berufes bzw. einer Verwendung im öffentlichen Dienst vorsehen.

4. Abschnitt
Europäischer Berufsausweis

Paragraph 13,

Allgemeines

  1. Absatz einsEin Europäischer Berufsausweis ist ein elektronisches Dokument, mit dem bescheinigt wird, dass der Inhaber des Ausweises
    1. Litera a
      alle notwendigen Voraussetzungen für die gelegentliche und vorübergehende Ausübung eines Berufes in einem anderen Staat erfüllt oder
    2. Litera b
      die fachliche Qualifikation zur Ausübung eines selbstständigen oder unselbstständigen Berufes in einem anderen Staat aufweist.
  2. Absatz 2Ein Europäischer Berufsausweis darf nur Unionsbürgern und diesen nach den einschlägigen unionsrechtlichen Vorschriften hierfür gleichgestellten Personen und überdies nur für Berufe ausgestellt werden, für welche die Europäische Kommission die nach Artikel 4 a, Absatz 7, der Richtlinie 2005/36/EG notwendigen Durchführungsrechtsakte erlassen hat.
  3. Absatz 3Das Vorliegen der Voraussetzungen für die gelegentliche und vorübergehende Ausübung eines Berufes in einem anderen Staat kann statt durch den Europäischen Berufsausweis auch nach den den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften nachgewiesen werden. Ebenso kann die fachliche Qualifikation zur Ausübung eines selbstständigen oder unselbstständigen Berufes statt durch den Europäischen Berufsausweis auch im Rahmen des Verfahrens nach dem 3. Abschnitt dieses Gesetzes in Verbindung mit den den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften nachgewiesen werden.

Paragraph 14,

Berechtigungsumfang

  1. Absatz einsEin Europäischer Berufsausweis darf ausgestellt werden:
    1. Litera a
      zum Nachweis der fachlichen Qualifikation zur Ausübung eines nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufes in Tirol,
    2. Litera b
      für die gelegentliche und vorübergehende Ausübung eines Berufes, der die öffentliche Gesundheit oder Sicherheit betrifft und für den nach den betreffenden landesgesetzlichen Vorschriften die Nachprüfung der Berufsqualifikation des Antragstellers nach Artikel 7, Absatz 4, der Richtlinie 2005/36/EG vorgesehen ist, in Tirol.
    3. Litera c
      für die gelegentliche und vorübergehende Ausübung eines nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufes, der nicht unter Litera b, fällt, in bestimmten EU-Mitgliedstaaten,
  2. Absatz 2Ein Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Absatz eins, Litera a, berechtigt nur dann ohne weiteres zur Ausübung des betreffenden Berufes in Tirol, wenn die den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften außer der erforderlichen fachlichen Qualifikation keine weiteren Voraussetzungen für die Berechtigung zur Berufsausübung vorsehen.
  3. Absatz 3Den nach landesgesetzlichen Vorschriften geregelten Berufen sind in die Zuständigkeit des Landesgesetzgebers fallende, nicht geregelte Berufe gleichzuhalten.

Paragraph 15,

Antragstellung

  1. Absatz einsAnträge auf Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises sind schriftlich oder im Weg der von der Europäischen Kommission hierfür zur Verfügung gestellten Datenanwendung, durch die für den Antragsteller eine eigene IMI-Datei erstellt wird, einzubringen. Wird der Antrag schriftlich gestellt, so hat die Behörde die IMI-Datei zu erstellen.
  2. Absatz 2Die Behörde hat dem Antragsteller das Einlangen des Antrages nach Paragraph 17, Absatz 2, oder Paragraph 19, Absatz eins, binnen einer Woche zu bestätigen und einen Mängelbehebungsauftrag nach Paragraph 13, Absatz 3, AVG zu erteilen, wenn der Antrag nicht alle erforderlichen Angaben enthält oder die erforderlichen Dokumente nicht oder nicht vollständig vorliegen.

Paragraph 16,

Europäischer Berufsausweis für die Niederlassung sowie für Dienstleistungen in die öffentliche Sicherheit oder Gesundheit betreffenden Berufen

  1. Absatz einsEin Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera a, darf nur Personen ausgestellt werden, die für den betreffenden Beruf über eine Ausbildung im Sinn des Paragraph 7, Absatz eins, verfügen oder die sonst die Voraussetzungen nach Paragraph 7, Absatz 2, erfüllen.
  2. Absatz 2Ein Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera b, darf nur Personen ausgestellt werden, die zur Ausübung des betreffenden Berufes in einem anderen EU-Mitgliedstaat berechtigt sind.
  3. Absatz 3Anträge auf Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera a, oder b sind im Weg der zuständigen Behörde des Herkunftsstaates des Antragstellers einzubringen.
  4. Absatz 4Entspricht die Ausbildung des Antragstellers einem gemeinsamen Ausbildungsrahmen oder einer gemeinsamen Ausbildungsprüfung für den betreffenden Beruf, so hat die Behörde den Europäischen Berufsausweis auszustellen. Anderenfalls ist nach Absatz 5, vorzugehen.
  5. Absatz 5Besteht für den betreffenden Beruf weder ein gemeinsamer Ausbildungsrahmen noch eine gemeinsame Ausbildungsprüfung oder verfügt der Antragsteller für den betreffenden Beruf über eine Ausbildung, die einem bestehenden gemeinsamen Ausbildungsrahmen oder einer bestehenden gemeinsamen Ausbildungsprüfung nicht entspricht, so hat die Behörde wie folgt vorzugehen:
    1. Litera a
      ein Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera a, ist auszustellen, wenn der Antragsteller die Anerkennungsvoraussetzungen nach Paragraph 7, erfüllt; anderenfalls ist seine Ausbildung nach Maßgabe des Paragraph 8, Absatz 2,, 3 und 4 unter der Bedingung der Absolvierung eines Anpassungslehrganges bzw. der Ablegung einer Ergänzungsprüfung anzuerkennen;
    2. Litera b
      ein Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera b, ist auszustellen, wenn der Antragsteller aufgrund seiner Ausbildung nach den den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften ohne weitere Ausgleichsmaßnahmen im Sinn des Artikel 7, Absatz 4, der Richtlinie 2005/36/EG zur gelegentlichen und vorübergehenden Ausübung des betreffenden Berufes berechtigt ist; anderenfalls ist nach den den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften vorzugehen.
  6. Absatz 6Bestehen begründete Zweifel, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung des Europäischen Berufsausweises vorliegen, so hat die Behörde vom Herkunftsstaat des Antragstellers weitere Informationen oder beglaubigte Kopien von Dokumenten anzufordern. Wird einem solchen Ersuchen vom Herkunftsstaat nicht entsprochen und kann anderweitig nicht festgestellt werden, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises vorliegen oder nicht, so ist der Antrag abzuweisen. Dies gilt auch, wenn die Voraussetzungen nach Absatz eins, bzw. 2 oder 3 nicht vorliegen.
  7. Absatz 7Der Europäische Berufsausweis ist im Fall des Absatz 4, binnen eines Monats nach dem Einlangen des im Weg des Herkunftsstaates des Antragstellers übermittelten Antrages auszustellen. Im Fall des Absatz 5, ist binnen zweier Monate nach diesem Zeitpunkt entweder der Europäische Berufsausweis auszustellen oder sonst nach Litera a, oder b dieser Bestimmung vorzugehen. Die Behörde kann diese Fristen erforderlichenfalls um höchstens zwei Wochen verlängern. Eine nochmalige Verlängerung einer Frist wiederum um höchstens zwei Wochen ist nur einmalig und überdies nur dann zulässig, wenn dies aus besonderen, insbesondere im Interesse des Schutzes der Sicherheit der Dienstleistungsempfänger gelegenen Gründen zwingend notwendig ist. Die Fristverlängerung ist dem Antragsteller jeweils unter Angabe der hierfür maßgebenden Gründe mitzuteilen.
  8. Absatz 8Stellt die Behörde innerhalb der Frist nach Absatz 7, erster oder zweiter Satz oder innerhalb der nach Absatz 7, dritter oder vierter Satz verlängerten Frist den Europäischen Berufsausweis nicht aus und geht sie auch sonst nicht nach Absatz 5, Litera a, oder b vor, so gilt der Europäische Berufsausweis als ausgestellt. Er wird dem Antragsteller im Weg über das Binnenmarkt-Informationssystems (IMI) übermittelt.
  9. Absatz 9Ein Antrag auf Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises ersetzt sonstige Anträge auf Anerkennung beruflicher Qualifikationen nach diesem Gesetz bzw. den den betreffenden Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften.

Paragraph 17,

Europäischer Berufsausweis für sonstige Dienstleistungen

  1. Absatz einsEin Europäischer Berufsausweis mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera c, darf nur Personen ausgestellt werden, die zur Ausübung des betreffenden Berufes in Tirol berechtigt sind.
  2. Absatz 2Der Antrag auf Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises mit dem Berechtigungsumfang nach Paragraph 14, Absatz eins, Litera c, hat den Staat oder die Staaten, für den bzw. die dieser Gültigkeit haben soll, anzugeben und alle sonst zur Beurteilung des Vorliegens der Voraussetzungen zur Berufsausübung erforderlichen Angaben zu enthalten. Weiters sind alle hierfür erforderlichen Dokumente anzuschließen. Die Behörde hat die entsprechenden Angaben und Dokumente in die IMI-Datei einzugeben, soweit die Eingabe nicht bereits durch den Antragsteller erfolgt ist.
  3. Absatz 3Die Behörde hat innerhalb von drei Wochen nach dem Ablauf der im Paragraph 15, Absatz 2, oder in einem Mängelbehebungsauftrag nach Paragraph 15, Absatz 2, gesetzten Frist den Europäischen Berufsausweis auszustellen oder, wenn die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen, den Antrag mit schriftlichem Bescheid abzuweisen.
  4. Absatz 4Wird innerhalb der im Absatz 3, genannten Frist weder der Europäische Berufsausweis ausgestellt noch der darauf gerichtete Antrag bescheidmäßig abgewiesen, so ist der Antragsteller berechtigt, wegen der Nichtausstellung des Europäischen Berufsausweises Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht nach Artikel 130, Absatz 2, Ziffer eins, B-VG zu erheben.
  5. Absatz 5Das Landesverwaltungsgericht hat über Beschwerden gegen Bescheide nach Absatz 3 und über Beschwerden nach Absatz 4, innerhalb von sechs Wochen zu entscheiden; eine Beschwerdevorentscheidung ist ausgeschlossen. Gelangt das Landesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Ausstellung des Europäischen Berufsausweises vorliegen, so hat es dies festzustellen; andernfalls hat es den Antrag abzuweisen.
  6. Absatz 6Stellt das Landesverwaltungsgericht fest, dass die Voraussetzungen für die Ausstellung des Europäischen Berufsausweises vorliegen, so hat die Behörde diesen unverzüglich auszustellen.
  7. Absatz 7Die Behörde hat die Ausstellung des Europäischen Berufsausweises dem Staat oder den Staaten, für den bzw. die dieser Gültigkeit haben soll, mitzuteilen und gleichzeitig den Antragsteller hiervon zu verständigen.
  8. Absatz 8Die Absatz eins bis 7 gelten für Anträge, die die Erweiterung der Gültigkeit des Europäischen Berufsausweises auf einen oder mehrere weitere Staaten zum Gegenstand haben, sinngemäß.

Paragraph 18,

Verordnung über den Europäischen Berufsausweis

Die Landesregierung hat nach Maßgabe der jeweiligen Durchführungsrechtsakte nach Artikel 4 a, Absatz 7, der Richtlinie 2005/36/EG erforderlichenfalls durch Verordnung nähere Vorschriften zu erlassen, insbesondere über:

  1. Litera a
    die Form und den Inhalt des Europäischen Berufsausweises,
  2. Litera b
    die erforderlichen Angaben und vorzulegenden Dokumente einschließlich allfälliger Beglaubigungen und Übersetzungen und
  3. Litera c
    die Art der Überprüfung der Echtheit und Gültigkeit des Europäischen Berufsausweises und den Kreis der hierzu Berechtigten.

Paragraph 19,

Ausstellung von Europäischen Berufsausweisen durch andere Staaten

  1. Absatz einsIm Fall der Einbringung von Anträgen auf Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises nach Artikel 4 d, Absatz eins, der Richtlinie 2005/36/EG hat die Behörde die in der zugehörigen IMI-Datei hinterlegten Dokumente binnen eines Monats auf ihre Echtheit und Gültigkeit hin zu überprüfen und den Antrag in weiterer Folge unverzüglich der Behörde des betreffenden Aufnahmestaates zu übermitteln. Gleichzeitig hat sie den Antragsteller von der Übermittlung des Antrages zu verständigen.
  2. Absatz 2Die Behörde hat auf Ersuchen der Behörden des betreffenden Aufnahmestaates weitere Informationen zu erteilen und beglaubigte Kopien von Dokumenten zu übermitteln.

5. Abschnitt
Verwaltungszusammenarbeit, Vorwarnmechanismus

Paragraph 20,

Verwaltungszusammenarbeit

  1. Absatz einsZum Zweck der Erleichterung der Anwendung der Richtlinie 2005/36/EG hat die Behörde im Rahmen der ihr nach diesem Gesetz zukommenden Zuständigkeiten mit den zuständigen Behörden der anderen EU-Mitgliedstaaten, der anderen Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und der Schweiz zusammenzuarbeiten und diesen Behörden Amtshilfe zu leisten.
  2. Absatz 2Die Verwaltungszusammenarbeit nach Absatz eins, umfasst insbesondere den gegenseitigen Austausch von Informationen nach Artikel 8 und Artikel 56, Absatz 2, der Richtlinie 2005/36/EG. Dabei ist die Vertraulichkeit der ausgetauschten Informationen sicherzustellen.
  3. Absatz 3Die Behörde hat die ihr im Rahmen des Informationsaustausches nach Absatz 2, von den Behörden anderer EU-Mitgliedstaaten, anderer Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und der Schweiz übermittelten Informationen zu prüfen und diese über die aufgrund der übermittelten Informationen allenfalls gezogenen Konsequenzen zu unterrichten.
  4. Absatz 4Soweit in den durch die Artikel eins bis 13 des Gesetzes über die aufgrund des EU-Berufsqualifikationen-Anerkennungsgesetzes erforderliche Anpassung der Tiroler Landesrechtsordnung, Landesgesetzblatt Nr. 87 aus 2015,, geänderten Gesetzen auf Ausbildungen nach diesem Gesetz Bezug genommen wird, gelten die entsprechenden Bestimmungen in gleicher Weise für die entsprechenden Ausbildungen nach den einschlägigen Bestimmungen dieser Gesetze in der bis zum 31. Dezember 2015 in Geltung gestandenen Fassung.

Paragraph 21,

Bescheinigungen zum Zweck der grenzüberschreitenden Erbringung von Dienstleistungen

Die Behörde hat einem Dienstleister, der im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit in einem anderen EU-Mitgliedstaat, in einem anderen Vertragsstaat des EWR-Abkommens, in der Schweiz oder in einem anderen Land beabsichtigt, auf Antrag die rechtmäßige Niederlassung zu bescheinigen, wenn der betreffende Staat oder das betreffende Land eine vorherige Meldung nach Artikel 7, der Richtlinie 2005/36/EG verlangt.

Paragraph 22,

Vorwarnmechanismus

  1. Absatz einsDie Behörde hat in den gesetzlich vorgesehenen Fällen die zuständigen Behörden anderer EU-Mitgliedstaaten, anderer Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und, sobald diese am IMI teilnimmt, auch der Schweiz von jeder Untersagung der Ausübung der beruflichen Tätigkeit eines Berufsangehörigen im Sinn des Artikel 56 a, der Richtlinie 2005/36/EG zu benachrichtigen; dies gilt auch dann, wenn die Untersagung nur teilweise oder vorübergehend erfolgt ist.
  2. Absatz 2Die Behörde hat die im Absatz eins, genannten Angaben den dort genannten Behörden spätestens drei Tage nach einer Entscheidung über die vollständige oder teilweise Beschränkung oder Untersagung der Ausübung der beruflichen Tätigkeit unter Anschluss der folgenden Daten zu übermitteln:
    1. Litera a
      die Identität des Berufsangehörigen,
    2. Litera b
      den betroffenen Beruf,
    3. Litera c
      die Angabe der entscheidenden Behörde oder des entscheidenden Gerichts,
    4. Litera d
      den Umfang der Beschränkung oder der Untersagung der Ausübung der beruflichen Tätigkeit.
  3. Absatz 3Die Behörde hat die im Absatz eins, genannten Behörden unverzüglich vom Datum des Ablaufs der Geltungsdauer einer Untersagung oder einer Beschränkung der Ausübung der beruflichen Tätigkeit oder von einer Änderung dieses Datums zu unterrichten.
  4. Absatz 4Die Behörde hat die im Absatz eins, genannten Behörden binnen drei Tagen nach Vorliegen einer gerichtlichen Entscheidung über die Identität eines Berufsangehörigen im Sinn des Artikel 56 a, Litera l, der Richtlinie 2005/36/EG, der die Anerkennung einer Qualifikation nach diesem Gesetz beantragt hat und bei dem gerichtlich festgestellt wurde, dass er gefälschte Berufsqualifikationsnachweise verwendet hat, zu benachrichtigen.
  5. Absatz 5Die Behörde hat dem betroffenen Berufsangehörigen unverzüglich schriftlich über eine Meldung nach Absatz eins und Absatz 4, zu informieren. Dieser kann eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Meldung in einem mit Bescheid zu erledigenden Verfahren bei der Behörde, die die Meldung erstattet hat, beantragen. Wurde die Meldung vom Landesverwaltungsgericht erstattet, so ist die Überprüfung bei der im betreffenden Verfahren belangten Behörde zu beantragen. Wird im Rahmen einer Überprüfung die Rechtswidrigkeit der Meldung festgestellt, so hat die Behörde die Meldung richtigzustellen oder zurückzuziehen.

Paragraph 23,

Abwicklung

Die Angelegenheiten nach diesem Abschnitt sind über das Binnenmarkt-Informationssystem (IMI) abzuwickeln. Für die Abwicklung über die Verbindungsstelle nach Paragraph 12, Absatz eins, des Tiroler Dienstleistungsgesetzes gilt dessen Paragraph 12, Absatz 2,, 3 Litera a und c, 5 und 6 sinngemäß. Gegenüber der Schweiz ist die Verwaltungszusammenarbeit über das IMI abzuwickeln, sobald sie daran teilnimmt.

6. Abschnitt
Schluss- und Übergangsbestimmungen

Paragraph 24,

Zuständigkeit

  1. Absatz einsBehörde im Sinn dieses Gesetzes sind, soweit in den Absatz 2,, 3 und 4 nichts anderes bestimmt ist, die nach den den jeweiligen Beruf regelnden landesgesetzlichen Vorschriften zuständigen Behörden.
  2. Absatz 2Im Geltungsbereich des Dienstrechtes der öffentlich-rechtlichen Bediensteten des Landes, der Gemeinden und der Gemeindeverbände ist Behörde im Sinn dieses Gesetzes die Landesregierung.
  3. Absatz 3Behörde im Sinn des 4. Abschnittes ist die Landesregierung.
  4. Absatz 4Behörde im Sinn des 5. Abschnittes ist auch das Landesverwaltungsgericht.

Paragraph 25,

Verwendung personenbezogener Daten

  1. Absatz einsDie nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf von Personen, die um die Anerkennung einer Ausbildung nach Paragraph 7, angesucht haben, folgende Daten verwenden, sofern diese Daten zur Beurteilung des Vorliegens der Anerkennungsvoraussetzungen erforderlich sind:
    1. Litera a
      Identifikationsdaten, Adressdaten, Erreichbarkeitsdaten, Staatsangehörigkeit,
    2. Litera b
      ausbildungs- und prüfungsbezogene Daten und die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit bzw. die Verwendung als Bediensteter des Landes, einer Gemeinde oder eines Gemeindeverbandes betreffende Daten in Bezug auf die Beurteilung der fachlichen Befähigung,
    3. Litera c
      fortbildungsbezogene Daten.
  2. Absatz 2Das Amt der Tiroler Landesregierung darf die Daten nach Absatz eins,, sofern ein Antrag auf Anerkennung einer Ausbildung nach Paragraph 7, oder damit im Zusammenhang stehende Anbringen beim einheitlichen Ansprechpartner eingebracht werden, an die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat übermitteln.
  3. Absatz 3Das Amt der Tiroler Landesregierung darf von Personen, die um die Ausstellung eines Europäischen Berufsausweises angesucht haben, die Daten nach Absatz eins, verwenden, sofern diese Daten hierfür erforderlich sind. Die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf diese Daten dem Amt der Tiroler Landesregierung übermitteln.
  4. Absatz 4Die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf die Daten nach Absatz eins, und, soweit diese nach den jeweiligen berufs- bzw. dienstrechtlichen Vorschriften relevant sind, weiters
    1. Litera a
      Daten über Verurteilungen wegen strafbarer Handlungen in Bezug auf die Beurteilung der Verlässlichkeit bzw. der Voraussetzungen für die Verwendung als Bediensteter des Landes, einer Gemeinde oder eines Gemeindeverbandes,
    2. Litera b
      Gesundheitsdaten in Bezug auf die Beurteilung der gesundheitlichen Eignung,
    3. Litera c
      Daten über die Erteilung und das Erlöschen bzw. Enden von berufsrechtlichen Bewilligungen oder über die Begründung bzw. Beendigung von Dienstverhältnissen zum Land, zu einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband,
    4. Litera d
      Daten über Disziplinarstrafen sowie über die Bestrafung wegen Verwaltungsübertretungen nach den jeweiligen berufsrechtlichen Vorschriften
    an die Behörden der anderen Länder und, soweit im Rahmen der Verwaltungszusammenarbeit nach Paragraph 20, hierzu eine Verpflichtung besteht, an die zuständigen Behörden der anderen EU-Mitgliedstaaten, der anderen Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und der Schweiz übermitteln, sofern diese Daten für die Erfüllung der diesen Behörden auf berufs- bzw. dienstrechtlichem Gebiet obliegenden Aufgaben jeweils erforderlich sind.
  5. Absatz 5Die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf die Daten nach Absatz eins, Litera a und weiters die selbstständige Niederlassung von Berufsangehörigen betreffende Daten an die Behörden der anderen Länder und, soweit im Rahmen der Verwaltungszusammenarbeit nach Paragraph 20, hierzu eine Verpflichtung besteht, an die zuständigen Behörden der anderen EU-Mitgliedstaaten, der anderen Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und der Schweiz übermitteln, sofern diese Daten für die Erfüllung der diesen Behörden auf berufs- bzw. dienstrechtlichem Gebiet obliegenden Aufgaben jeweils erforderlich sind.
  6. Absatz 6Die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf Daten nach Absatz eins, Litera a und 4 Litera c und weiters berufsbezogene Daten an die Behörden der anderen Länder und, soweit im Rahmen des Vorwarnmechanismus nach Paragraph 22, hierzu eine Verpflichtung besteht, an die zuständigen Behörden der anderen EU-Mitgliedstaaten, der anderen Vertragsstaaten des EWR-Abkommens und der Schweiz übermitteln, sofern diese Daten für die Erfüllung der diesen Behörden auf berufs- bzw. dienstrechtlichem Gebiet obliegenden Aufgaben jeweils erforderlich sind.
  7. Absatz 7Soweit die Angelegenheiten der Verwaltungszusammenarbeit und des Vorwarnmechanismus nach Paragraph 22, über die Verbindungsstelle abgewickelt werden, gelten die Absatz 4,, 5 und 6 in gleicher Weise für das Amt der Tiroler Landesregierung. Die nach Paragraph 24, jeweils zuständige Behörde bzw. deren Geschäftsapparat darf die entsprechenden Daten an das Amt der Tiroler Landesregierung übermitteln.
  8. Absatz 8Die nach Paragraph 24, zuständigen Behörden bzw. deren Geschäftsapparate und das Amt der Tiroler Landesregierung haben die Daten zu löschen, sobald diese für die Erfüllung der ihnen auf berufs- bzw. dienstrechtlichem Gebiet obliegenden Aufgaben nicht mehr benötigt werden.

Paragraph 26,

Verweisungen

  1. Absatz einsSoweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist, beziehen sich Verweisungen auf Landesgesetze auf die jeweils geltende Fassung.
  2. Absatz 2Soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt, beziehen sich Verweisungen auf Bundesgesetze auf die im Folgenden jeweils angeführte Fassung:
    1. Ziffer eins
      Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 – AVG, BGBl. Nr. 51, zuletzt geändert durch das Gesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 161 aus 2013,,
    2. Ziffer 2
      Asylgesetz 2005, BGBl. römisch eins Nr. 100, zuletzt geändert durch das Gesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 144 aus 2013,,
    3. Ziffer 3
      Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz – NAG, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 100 aus 2005,, zuletzt geändert durch das Gesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 40 aus 2014,,
    4. Ziffer 4
      Zustellgesetz – ZustG, Bundesgesetzblatt Nr. 200 aus 1982,, zuletzt geändert durch das Gesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 33 aus 2013,.

Paragraph 27,

Anhängige Verfahren

  1. Absatz einsIm Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes nach landesgesetzlichen Vorschriften anhängige Verfahren zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen sind nach diesem Gesetz weiterzuführen.
  2. Absatz 2Die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes nach landesgesetzlichen Vorschriften anhängigen Fälle der Verwaltungszusammenarbeit sind nach diesem Gesetz weiterzuführen.

Paragraph 28,

Umsetzung von Unionsrecht

Mit diesem Gesetz werden folgende Richtlinien umgesetzt:

  1. Ziffer eins
    Richtlinie 2003/109/EG des Rates betreffend die Rechtsstellung der langfristig aufenthaltsberechtigten Drittstaatsangehörigen, ABl. 2004 Nr. L 16, S. 44, in der Fassung der Richtlinie 2011/51/EU, ABl. 2011 Nr. L 132, S. 1,
  2. Ziffer 2
    Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten, ABl. 2004 Nr. L 229, S. 35,
  3. Ziffer 3
    Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, ABl. 2005 Nr. L 255, S. 22, zuletzt geändert durch die Richtlinie 2013/55/EU, ABl. 2013 Nr. L 354, S. 132,
  4. Ziffer 4
    Richtlinie 2006/123/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über Dienstleistungen im Binnenmarkt, ABl. 2006 Nr. L 376, S. 36,
  5. Ziffer 5
    Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes, ABl. 2011 Nr. L 337, S. 9,
  6. Ziffer 6
    Richtlinie 2011/98/EU über ein einheitliches Verfahren zur Beantragung einer kombinierten Erlaubnis für Drittstaatsangehörige, sich im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats aufzuhalten und zu arbeiten, sowie über ein gemeinsames Bündel von Rechten für Drittstaatsarbeitnehmer, die sich rechtmäßig in einem Mitgliedstaat aufhalten, ABl. 2011 Nr. L 343, S. 1.

Paragraph 29,

Inkrafttreten

  1. Absatz einsDieses Gesetz tritt mit 1. Jänner 2016 in Kraft.
  2. Absatz 2Verordnungen aufgrund dieses Gesetzes können bereits von dem Tag seiner Kundmachung an erlassen werden. Sie dürfen frühestens mit dem im Absatz eins, genannten Zeitpunkt in Kraft gesetzt werden.

Der Landtagspräsident:

van Staa

Der Landeshauptmann:

Platter

Das Mitglied der Landesregierung:

Geisler

Der Landesamtsdirektor:

Liener