Gericht

OGH

Rechtssatznummer

RS0120056

Entscheidungsdatum

25.05.2005

Geschäftszahl

7Ob83/05i; 7Ob105/05z; 7Ob181/04z; 1Ob215/05g; 7Ob278/05s; 10Ob105/05x; 7Ob258/06a; 7Ob111/06h; 7Ob80/07a; 8Ob135/06w; 7Ob125/07v; 1Ob160/07x; 16Ok7/07; 10Ob58/07p; 3Ob244/07i; 3Ob18/08f; 5Ob35/08w; 5Ob18/08w; 5Ob143/08b; 17Ob12/08a; 8Ob77/08v; 16Ok8/08; 3Ob245/08p; 1Ob138/08p; 8Ob168/08a; 5Ob32/09f; 2Ob203/08d; 6Ob18/10f; 4Ob9/10t; 5Ob251/09m; 10Ob62/09d; 6Ob178/10k; 6Ob7/11i; 7Ob223/10k; 4Ob46/11k; 16Ok8/10; 1Ob94/12y; 4Ob118/12z; 2Ob219/11m; 10ObS53/13m; 7Ob211/12y; 7Ob154/13t; 5Ob209/13s; 9Ob61/13f; 2Ob8/14m; 2Ob13/14x; 3Ob178/14v; 3Ob236/14y; 1Ob40/15m; 4Ob197/15x; 6Ob112/16p; 6Ob130/16k; 1Ob7/17m; 8ObA62/16z; 7Ob67/17d; 5Ob90/17x; 7Ob153/17a; 1Ob94/18g; 1Ob155/18b; 5Ob144/18i

Norm

ZPO §182; ZPO §182a; ZPO §503 Z2 C5; AußStrG 2005 §10 Abs4; AußStrG 2005 §14; AußStrG 2005 §66 Abs1 Z2 AIIA3

Rechtssatz

Die Rechtsmeinung, wonach nur eine Rechtsansicht, wenn sie bis zum Schluss der Verhandlung erster Instanz von keiner der Parteien ins Treffen geführt wurde und daher keine Gelegenheit zur Stellungnahme bestand, als überraschend angesehen werden kann, kann nach der ZVN 2002 nicht aufrecht erhalten bleiben. § 182a ZPO erweitert nun die Pflichten der Gerichte, weil eine Partei auch erkennbar rechtliche Gesichtspunkte, die von der Gegenseite bereits ins Spiel gebracht worden waren, übersehen oder für unerheblich gehalten haben kann. Erkennt dies das Prozessgericht, hat es im Rahmen der Erörterung des Sach- und Rechtsvorbringens darauf hinzuweisen; erkannte das Prozessgericht den Irrtum der Parteien nicht, war er aber erkennbar, was nach der Aktenlage überprüfbar ist, liegt ein Verfahrensmangel vor.

Entscheidungstexte

TE OGH 2005-05-25 7 Ob 83/05i

TE OGH 2005-06-08 7 Ob 105/05z

TE OGH 2005-11-28 7 Ob 181/04z

Beisatz: Werden jedoch nur dieselben Tatsachen, die schon der bisher erörterten Rechtslage zu Grunde lagen, rechtlich anders gewertet, liegt keine Verletzung des § 182a ZPO vor. (T1)

TE OGH 2006-01-31 1 Ob 215/05g

Vgl; Beisatz: In einer Verfahrensrüge wegen Verletzung der Pflichten des § 182a ZPO hat der Rechtsmittelwerber darzulegen, welches zusätzliche oder andere Vorbringen er auf Grund der von ihm nicht beachteten neuen Rechtsansicht erstattet hätte. Solches Vorbringen verstößt nicht gegen das Neuerungsverbot, weil es noch nicht als Prozessvorbringen zu werten ist; der Rechtsmittelwerber muss aber dartun, dass der Verfahrensmangel erheblich ist, sich also auf das Ergebnis des Verfahrens auswirken kann; dies kann er nur durch Anführung jenes Vorbringens, das er, über die relevante Rechtsansicht informiert, erstattet hätte. (T2)

TE OGH 2006-05-10 7 Ob 278/05s

Vgl auch; Beis wie T1

TE OGH 2006-06-13 10 Ob 105/05x

nur: Die Rechtsmeinung, wonach nur eine Rechtsansicht, wenn sie bis zum Schluss der Verhandlung erster Instanz von keiner der Parteien ins Treffen geführt wurde und daher keine Gelegenheit zur Stellungnahme bestand, als überraschend angesehen werden kann, kann nach der ZVN 2002 nicht aufrecht erhalten bleiben. § 182a ZPO erweitert nun die Pflichten der Gerichte, weil eine Partei auch erkennbar rechtliche Gesichtspunkte, die von der Gegenseite bereits ins Spiel gebracht worden waren, übersehen oder für unerheblich gehalten haben kann. (T3)

TE OGH 2006-12-20 7 Ob 258/06a

Vgl; Beis wie T2

TE OGH 2007-03-28 7 Ob 111/06h

Beis wie T1

TE OGH 2007-04-18 7 Ob 80/07a

Vgl auch; Beis wie T1

TE OGH 2007-06-27 8 Ob 135/06w

Gegenteilig; Beisatz: § 182a ZPO hat nichts daran geändert, dass es keiner richterlichen Anleitung zu einem Vorbringen bedarf, gegen das der Prozessgegner bereits Einwendungen erhoben hat. Angesichts solcher Einwendungen hat die andere Partei ihren Prozessstandpunkt selbst zu überprüfen und die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. Auch die Pflicht nach § 182a ZPO kann nicht bezwecken, das Gericht zur Erörterung eines Vorbringens zu zwingen, dessen Schwächen bereits der Prozessgegner aufzeigte. (T4)

Veröff: SZ 2007/106

TE OGH 2007-09-26 7 Ob 125/07v

Beisatz: Allein der Umstand, dass die Klägerin in erster Instanz ein bestimmtes Vorbringen erstattet hat, kann eine Überraschungsentscheidung betreffend einen daraus abgeleiteten Anspruch noch nicht ausschließen. (T5)

Beisatz: Hier: Die Beklagte hat eine Anspruchsgrundlage offensichtlich übersehen. Die Möglichkeit eines Zuspruches der Klagsforderung auf der Basis eines Aufwandersatzes wäre daher mit den Parteien zu erörtern gewesen, bevor das Gericht - aufgrund des Fehlens entsprechender Tatsachenbehauptungen der Beklagten - ihrem Prozessstandpunkt nicht Rechnung trägt. (T6)

TE OGH 2007-12-18 1 Ob 160/07x

Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Der Rechtsmittelwerber hat jenes Vorbringen anzuführen, das er - über die Rechtsansicht des Berufungsgerichts informiert - erstattet hätte. (T7)

TE OGH 2008-01-21 16 Ok 7/07

Auch, Beis wie T2 nur: Der Rechtsmittelwerber muss dartun, dass der Verfahrensmangel erheblich ist, sich also auf das Ergebnis des Verfahrens auswirken kann; dies kann er nur durch Anführung jenes Vorbringens, das er, über die relevante Rechtsansicht informiert, erstattet hätte. (T8)

TE OGH 2007-12-18 10 Ob 58/07p

Auch; Beis wie T8; Beis wie T2

TE OGH 2008-02-27 3 Ob 244/07i

Vgl; Beis wie T8

TE OGH 2008-05-08 3 Ob 18/08f

Vgl aber; Beis wie T4; Beis ähnlich wie T8

TE OGH 2008-05-14 5 Ob 35/08w

Vgl; Beis wie T1; Beis ähnlich wie T14; Beisatz: § 182a ZPO erweitert die Pflichten der Gerichte, wenn eine Partei erkennbar rechtliche Gesichtspunkte, die von der Gegenseite bereits ins Spiel gebracht worden waren, übersehen oder für unerheblich gehalten haben kann. Erkennt dies das Prozessgericht, hat es im Rahmen der Erörterung des Sach- und Rechtsvorbringens darauf hinzuweisen. (T9)

TE OGH 2008-06-03 5 Ob 18/08w

Vgl auch; Beis ähnlich wie T7; Beis ähnlich wie T8

TE OGH 2008-07-14 5 Ob 143/08b

Vgl; Beis ähnlich wie T2; Beis ähnlich wie T7; Beis ähnlich wie T8; Beisatz: Hier: Außerstreitiges Verfahren, Schlüssigstellung des Sachantrags. (T10)

TE OGH 2008-09-23 17 Ob 12/08a

Auch; Beis wie T8

TE OGH 2008-09-02 8 Ob 77/08v

Vgl auch; Veröff: SZ 2008/123

TE OGH 2008-10-08 16 Ok 8/08

Vgl auch; Beis wie T4; Beis ähnlich wie T7; Beisatz: Hier: Kartellverfahren. (T11)

Veröff: SZ 2008/144

TE OGH 2008-12-17 3 Ob 245/08p

Vgl auch; Beis wie T7; Beis wie T8

TE OGH 2009-01-28 1 Ob 138/08p

Vgl auch; Beis wie T1

TE OGH 2009-02-23 8 Ob 168/08a

Vgl; Beis wie T1; Beis wie T2 nur: In einer Verfahrensrüge wegen Verletzung der Pflichten des § 182a ZPO hat der Rechtsmittelwerber darzulegen, welches zusätzliche oder andere Vorbringen er auf Grund der von ihm nicht beachteten neuen Rechtsansicht erstattet hätte. (T12)

Beisatz: Die Unterlassung der Erörterung eines bisher unbeachtet gebliebenen rechtlichen Gesichtspunkts kann nur dann einen Verfahrensmangel darstellen, wenn dadurch einer Partei die Möglichkeit genommen wurde, zur bisher unbeachtet gebliebenen Rechtslage entsprechendes Tatsachenvorbringen zu erstatten. Werden hingegen - wie hier - nur dieselben Tatsachen, die schon der bisher erörterten Rechtslage zugrunde lagen, rechtlich anders gewertet, kann die Verletzung des § 182a ZPO keine Rechtsfolgen haben. (T13)

TE OGH 2009-03-24 5 Ob 32/09f

Vgl; Beis ähnlich wie T2; Beis ähnlich wie T7

TE OGH 2009-04-29 2 Ob 203/08d

nur T3; Beis wie T4; Beis wie T9

TE OGH 2010-02-18 6 Ob 18/10f

Vgl; Beis wie T12; Beis wie T13

TE OGH 2010-02-23 4 Ob 9/10t

Vgl auch; Beis wie T8

TE OGH 2010-05-27 5 Ob 251/09m

Gegenteilig; Beis wie T4

TE OGH 2010-08-17 10 Ob 62/09d

Auch; Beis wie T2; Beis wie T8

TE OGH 2010-10-11 6 Ob 178/10k

Vgl; Beis wie T12

TE OGH 2011-02-24 6 Ob 7/11i

Vgl; Beis wie T12; Beis wie T13 nur: Werden hingegen nur dieselben Tatsachen, die schon der bisher erörterten Rechtslage zugrunde lagen, rechtlich anders gewertet, kann die Verletzung des § 182a ZPO keine Rechtsfolgen haben. (T14)

TE OGH 2011-03-30 7 Ob 223/10k

Vgl

TE OGH 2011-05-10 4 Ob 46/11k

Vgl; Beis ähnlich wie T2; Beis ähnlich wie T8; Beis ähnlich wie T12

TE OGH 2011-12-12 16 Ok 8/10

Vgl; Beis ähnlich wie T2; Beis wie T11; Beisatz: Da im Außerstreitverfahren kein förmlicher Schluss der Verhandlung vorgesehen ist, begründet dessen Unterlassung per se keinen Verfahrensmangel; der Rechtsmittelwerber hätte auch darzutun, inwieweit die Abhaltung einer weiteren Tagsatzung relevant gewesen wäre. (T15)

Veröff: SZ 2011/148

TE OGH 2012-05-24 1 Ob 94/12y

Vgl auch; Beis wie T8; Beis wie T12

TE OGH 2012-09-18 4 Ob 118/12z

Vgl; Beis wie T8; Beisatz: Hier: Bestimmtheit des Klagebegehrens. (T16)

TE OGH 2012-09-20 2 Ob 219/11m

Auch; Auch Beis wie T9

TE OGH 2013-05-28 10 ObS 53/13m

Auch; Beis wie T12; Beis wie T13

TE OGH 2013-03-27 7 Ob 211/12y

nur T9

TE OGH 2013-10-16 7 Ob 154/13t

Auch; Auch Beis wie T9; Veröff: SZ 2013/93

TE OGH 2014-01-21 5 Ob 209/13s

Vgl auch

TE OGH 2014-01-29 9 Ob 61/13f

Vgl

TE OGH 2014-07-09 2 Ob 8/14m

Auch; Beis wie T4

TE OGH 2014-09-11 2 Ob 13/14x

Vgl auch; Beis wie T12; Beis wie T13

TE OGH 2014-12-18 3 Ob 178/14v

Auch; Beis wie T4

TE OGH 2015-03-18 3 Ob 236/14y

Auch; Beis ähnlich wie T13

TE OGH 2015-04-23 1 Ob 40/15m

Auch; Beis wie T8

TE OGH 2015-12-15 4 Ob 197/15x

Auch; Beis wie T4

TE OGH 2016-07-20 6 Ob 112/16p

Auch; Beis wie T4

TE OGH 2016-07-20 6 Ob 130/16k

Vgl; Beis ähnlich wie T4; Beis wie T7

TE OGH 2017-01-31 1 Ob 7/17m

Gegenteilig; Beis wie T4

TE OGH 2017-06-29 8 ObA 62/16z

Vgl; Beis wie T2

TE OGH 2017-07-05 7 Ob 67/17d

Vgl aber; Beis wie T4

TE OGH 2017-09-26 5 Ob 90/17x

Auch; Beis wie T8

TE OGH 2017-10-18 7 Ob 153/17a

Auch; Beis wie T12, Beis wie T13; Beis wie T14

TE OGH 2018-07-17 1 Ob 94/18g

Vgl auch; Beis wie T2; Beis wie T4

TE OGH 2018-09-26 1 Ob 155/18b

Auch; Beis wie T8

TE OGH 2018-10-03 5 Ob 144/18i

Auch; Beis wie T7; Beis wie T8

European Case Law Identifier

ECLI:AT:OGH0002:2005:RS0120056