OGH, AUSL EGMR
RS0119618
11.01.2005
11Os126/04; 14Os28/05g; 15Os25/05y; 12Os67/05b; 12Os69/05x; 11Os37/06k; 13Os11/07b; 15Os55/07p; 15Os72/07p; 13Os73/08x; 15Os5/10i; 14Os156/10p; 12Os53/12d; 11Os45/13x; 14Os132/13p; 14Os110/13b; 17Os30/14m; 12Os39/15z; 14Os113/15x; 11Os40/16s; 12Os5/16a; 13Os19/16t; Bsw54648/09
MRK Art6 V3; MRK Art6 Abs1 II5c; MRK Art6 Abs2 römisch drei; MRK Art34; StPO §5 Abs3 B; StPO §25; StPO §281 Abs1 Z9; StGB §32
Artikel 6, MRK hindert nicht, dass der Angeklagte im Fall des gesetzlichen Nachweises seiner Schuld (Artikel 6, Absatz 2, MRK) selbst im Fall einer einem staatlichen Organwalter zurechenbaren Tatprovokation dennoch für die Tat verurteilt wird. Denn aus diesem Konventionsverstoß ist kein materieller Straflosigkeitsgrund für die provozierte Straftat abzuleiten. Allerdings kann das Vorliegen einer Tatprovokation durch Organwalter des Staates bei der Sanktionsfindung angemessen in Rechnung gestellt und ein gerechter Ausgleich dafür gefunden werden, dass der Angeklagte das - dessen ungeachtet - verpönte Verhalten ohne diese Einflussnahme nicht gesetzt hätte.
TE OGH 2005-01-11 11 Os 126/04
TE OGH 2005-06-07 14 Os 28/05g
Vgl auch
TE OGH 2005-04-21 15 Os 25/05y
Auch
TE OGH 2005-08-04 12 Os 67/05b
Vgl auch
TE OGH 2005-09-15 12 Os 69/05x
Auch; Beisatz: Eine nach Paragraph 25, StPO unzulässige und das fair-trial-Gebot des Artikel 6, Absatz eins, MRK verletzende Tatprovokation bewirkt nach gefestigter Judikatur keinen materiellen Straflosigkeitsgrund, sondern ist (bloß) bei der Strafzumessung zu berücksichtigen. (T1)
TE OGH 2006-05-30 11 Os 37/06k
nur: Artikel 6, MRK hindert nicht, dass der Angeklagte im Fall des gesetzlichen Nachweises seiner Schuld (Artikel 6, Absatz 2, MRK) selbst im Fall einer einem staatlichen Organwalter zurechenbaren Tatprovokation dennoch für die Tat verurteilt wird. Denn aus diesem Konventionsverstoß ist kein materieller Straflosigkeitsgrund für die provozierte Straftat abzuleiten. (T2)
TE OGH 2007-03-07 13 Os 11/07b
Auch; Beis wie T1; Beisatz: Auch kein prozessuales Verfolgungshindernis. (T3)
TE OGH 2007-05-30 15 Os 55/07p
Auch
TE OGH 2007-08-08 15 Os 72/07p
Beisatz: Dabei ist der mit Blick auf die Beseitigung der sog Opfereigenschaft aus Artikel 34, MRK folgenden Verpflichtung zu entsprechen, die Berücksichtigung einer solchen Tatprovokation durch eine ausdrückliche und messbare Strafmilderung zum Ausdruck zu bringen. (T4)
TE OGH 2008-07-23 13 Os 73/08x
nur T2; Beis wie T3; Beis wie T4; Beisatz: Daran änderte auch das Strafprozessreformgesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, 19 aus 2004,) nichts. (T5)
Bem: Mit ausführlicher Auseinandersetzung mit der höchstgerichtlichen Judikatur, mit jener des EGMR sowie mit der Lehre. (T6)
Beisatz: In unzulässiger, dem Staat zuzurechnender Tatprovokation gelegener Konventionsverstoß (Artikel 6, Absatz eins, MRK) ist ausdrücklich im Urteil festzustellen und durch eine ausdrückliche und messbare Strafmilderung auszugleichen. (T7)
TE OGH 2010-04-21 15 Os 5/10i
Vgl auch
TE OGH 2010-12-28 14 Os 156/10p
Vgl auch
TE OGH 2012-05-23 12 Os 53/12d
Auch
TE OGH 2013-04-16 11 Os 45/13x
TE OGH 2013-10-01 14 Os 132/13p
Vgl
TE OGH 2013-11-05 14 Os 110/13b
Vgl
TE OGH 2014-10-13 17 Os 30/14m
Vgl; Beisatz: Die Tatprovokation (hier: Paragraph 304, StGB) durch Journalisten ist nicht mildernd, weil sie nicht staatlich veranlasst war. (T8)
TE OGH 2015-04-09 12 Os 39/15z
Auch
TE OGH 2016-01-26 14 Os 113/15x
Auch
TE OGH 2016-06-14 11 Os 40/16s
Vgl
TE OGH 2016-07-14 12 Os 5/16a
Vgl aber; Beisatz: Die am 1. Juni 2016 mit BGBl I 2016/26 in Kraft getretene Bestimmung des Paragraph 133, Absatz 5, StPO sieht nunmehr ein Verfolgungshindernis bei Vorliegen unzulässiger Tatprovokation vor. (T9)
TE OGH 2016-05-18 13 Os 19/16t
Auch; Beis wie T7
TE AUSL EGMR 2014-10-23 Bsw 54648/09
Abweichend; Beis wie T4; Beisatz: Eine angemessene Wiedergutmachung, die zum Wegfall der Opfereigenschaft führt, verlangt den Ausschluss aller durch polizeiliche Verleitung erlangten Beweise oder die Anwendung eines Verfahrens mit ähnlichen Konsequenzen. Selbst eine erhebliche Milderung der Strafe kann nicht als Verfahren mit ähnlichen Folgen wie ein Ausschluss der umstrittenen Beweise angesehen werden. (Furcht gg. Deutschland) (T10)
Veröff: NL 2014,406
ECLI:AT:OGH0002:2005:RS0119618