OGH
RS0116021
11.06.2026
15Os164/01; 14Os38/02 (14Os39/02); 15Os110/02; 11Os81/02; 13Os7/03 (13Os8/03); 12Os18/03; 13Os16/04; 12Os45/04; 11Os26/05s; 14Os84/06v; 13Os35/07g; 14Os76/07v; 15Os128/07y; 14Os32/08z (14Os33/08x); 15Os64/08p (15Os65/08k); 15Os162/08z; 12Os27/09a; 13Os87/11k; 12Os151/11i; 11Os64/12i (11Os65/12m); 15Os61/12b; 12Os100/12s; 17Os15/13d; 15Os154/13f; 17Os34/14z; 12Os113/15g; 15Os110/16i; 14Os12/17x; 13Os18/17x; 17Os5/17i; 17Os28/16w; 14Os52/17d; 17Os16/17g; 11Os30/18y; 15Os118/18v; 12Os111/18t (12Os112/18i; 12Os142/18a; 12Os143/18y); 14Os110/19m; 14Os87/19d; 14Os141/19w; 14Os89/20z; 12Os71/20p; 14Os11/21f; 14Os150/21x; 12Os144/21z; 14Os63/23f; 14Os18/24i; 14Os119/24t; 14Os111/25t; 14Os92/25y; 15Os59/26d
StPO §90a Abs2 Z2
StPO §90b
StPO §198 Abs2 Z2 B
StPO §198 Abs2 Z3 B
StPO §281 Abs1 Z10a
Nach Paragraph 90 a, Absatz 2, Ziffer 2, in Verbindung mit Paragraph 90 b, StPO sind diversionelle Maßnahmen unter anderem nur dann zulässig, wenn die Schuld des Verdächtigen (Angeklagten) nicht als schwer anzusehen wäre. Für den Begriff "schwere Schuld" ist jener Schuldbegriff maßgebend, der in Paragraph 32, Absatz eins, StGB als Grundlage für die Bemessung der Strafe vorausgesetzt wird, wobei die Prüfung dieser Frage stets nach Lage des konkreten Falles eine ganzheitliche Abwägung aller unrechtsrelevanten und schuldrelevanten Tatumstände verlangt. Handlungsunwert und Gesinnungsunwert müssen insgesamt eine Unwerthöhe erreichen, die im Wege einer überprüfenden Gesamtbewertung als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist. Ob schwere Schuld vorliegt, ist nach Strafbemessungsgrundsätzen (Paragraph 32, StGB) zu beurteilen, wobei hiefür keineswegs ein Überwiegen der Erschwerungsumstände vorausgesetzt wird (13 Os 111/00 mit weiteren Judikaturhinweisen und Literaturhinweisen).
TE OGH 2002-01-10 15 Os 164/01
TE OGH 2002-05-07 14 Os 38/02
TE OGH 2002-11-28 15 Os 110/02
nur: Für den Begriff "schwere Schuld" ist jener Schuldbegriff maßgebend, der in Paragraph 32, Absatz eins, StGB als Grundlage für die Bemessung der Strafe vorausgesetzt wird, wobei die Prüfung dieser Frage stets nach Lage des konkreten Falles eine ganzheitliche Abwägung aller unrechtsrelevanten und schuldrelevanten Tatumstände verlangt. Handlungsunwert und Gesinnungsunwert müssen insgesamt eine Unwerthöhe erreichen, die im Wege einer überprüfenden Gesamtbewertung als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist. Ob schwere Schuld vorliegt, ist nach Strafbemessungsgrundsätzen (Paragraph 32, StGB) zu beurteilen. (T1)
TE OGH 2002-10-01 11 Os 81/02
nur T1
TE OGH 2003-01-29 13 Os 7/03
Vgl auch
TE OGH 2003-03-27 12 Os 18/03
TE OGH 2004-05-19 13 Os 16/04
Auch; Beisatz: Bei der Frage nach schwerer Schuld fällt neben dem Gesinnungsunwert und den Strafbemessungsgründen der Paragraphen 32, ff StGB auch das vom Täter verwirklichte Handlungs- und Erfolgsunrecht ins Gewicht. (T2)
TE OGH 2004-08-05 12 Os 45/04
Auch; Beisatz: Bei der Prüfung der Diversionsvoraussetzung nach Paragraph 90 a, Absatz 2, Ziffer 2, StPO im Sinn einer umfassenden Strafzumessungsschuld ist das Handlungs- und Erfolgsunrecht sowie der Gesinnungsunwert jeweils tat- und täterbezogen einer Bewertung zu unterziehen. (T3)
TE OGH 2006-01-31 11 Os 26/05s
Auch; nur: Handlungsunwert und Gesinnungsunwert müssen insgesamt eine Unwerthöhe erreichen, die im Wege einer überprüfenden Gesamtbewertung als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist. (T4)
TE OGH 2006-11-14 14 Os 84/06v
Auch; Beis wie T2; Beisatz: Hier: Angesichts des - nach den Urteilsannahmen - grundlosen brutalen Angriffs gegen ein dem Angeklagten völlig unbekanntes Opfer auf offener Straße schlagen diese Kriterien insgesamt zu Ungunsten des Beschwerdeführers aus, sodass sich die vom Schuldspruch (Paragraph 83, Absatz eins, StGB) umfasste Tat nicht für eine diversionelle Erledigung eignet. (T5)
TE OGH 2007-05-02 13 Os 35/07g
Auch; Beis wie T2; Beisatz: Hier: falsche Beweisaussage eines Polizeibeamten vor einer Verwaltungsbehörde - keine diversionelle Erledigung. (T6)
TE OGH 2007-08-28 14 Os 76/07v
Auch; Beis wie T2; Beisatz: Unter dem Aspekt spezialpräventiver Notwendigkeit einer Bestrafung ist auch eine gänzlich leugnende Verantwortung des Angeklagten durchaus beachtlich. (T7)
TE OGH 2007-11-22 15 Os 128/07y
Beisatz: Bei der Gesamtwertung kommt auch der vom Gesetzgeber in der Strafdrohung zum Ausdruck gebrachten Vorbewertung des deliktstypischen Unrechts- und Schuldgehaltes eine Indizwirkung für die Schuldabwägung zu (WK-StPO Paragraph 90 a, Rz 13f, 16, 21f und 27ff). (T8)
TE OGH 2008-04-15 14 Os 32/08z
Auch; Beisatz: Bei der Bewertung des Grades der Schuld als „schwer" ist von jenem Schuldbegriff auszugehen, der nach Paragraphen 32, ff StGB die Grundlage für die Strafbemessung bildet, wobei stets nach Lage des konkreten Falls eine ganzheitliche Abwägung aller unrechts- und schuldrelevanten Tatumstände vorzunehmen ist. Demnach müssen sowohl das Handlungs-, Erfolgs- als auch das Gesinnungsunrecht insgesamt eine Unwerthöhe erreichen, die im Wege einer überprüfenden Gesamtwertung als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist. (T9)
Beis wie T8; Beisatz: Nunmehr „schwere Schuld" im Sinn des Paragraph 198, Absatz 2, Ziffer 2, StPO. (T10)
TE OGH 2008-08-21 15 Os 64/08p
Beisatz: Hier: Angesichts der vollkommen grundlosen Aggressionshandlung, die sich einer vorsätzlichen Tatbestandsverwirklichung annähert, der dabei vorhersehbaren Nähe eines Schadenseintritts, des nicht bloß geringfügigen verschuldeten Erfolgsunrechts und vor allem der sich in den gesamten Umständen der Tat konkretisierenden, gravierenden täterspezifischen Schuld erreichen Handlungs- und Gesinnungsunwert insgesamt eine Unwerthöhe, die als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist, und die auch nicht durch das Nachtatverhalten des Verurteilten gemindert werden kann. Die Schuld des Täters ist im konkreten Fall als schwer zu qualifizieren, sodass sich die vom Schuldspruch umfasste Tat - auch im Hinblick auf den nicht unerheblichen sozialen Störwert - nicht für eine diversionelle Erledigung eignet. (T11)
TE OGH 2008-11-13 15 Os 162/08z
Auch; Beis wie T9; Beisatz: Dabei kommt auch der vom Gesetzgeber in der Strafdrohung zum Ausdruck gebrachten Vorbewertung des deliktstypischen Unrechts- und Schuldgehalts eine Indizwirkung für die Schuldabwägung zu. (T12)
TE OGH 2009-05-28 12 Os 27/09a
Vgl; Beisatz: Das Unterbleiben einer diversionellen Erledigung durch die Staatsanwaltschaft (Paragraph 7, JGG) ist einer Anfechtung im Nichtigkeitsverfahren nicht zugänglich. (T13)
Beisatz: Im Übrigen liegen bei der gebotenen Gesamtbetrachtung aller maßgeblichen Kriterien, insbesondere des vom Gesetzgeber nicht nur durch die Strafdrohung, sondern auch durch die Bezeichnung des Verbrechens nach Paragraph 206, Absatz eins, StGB als schweren sexuellen Missbrauch als hoch eingestuften Tatunrechts und der vielfachen Tatwiederholung im Tatzeitraum 14 bis 15-jährigen Angeklagten zum Nachteil der eigenen, erst 8 bzw 9-jährigen Schwester, die Voraussetzungen für ein diversionelles Vorgehen nach dem 11. Hauptstück der StPO nicht vor. (T14)
TE OGH 2011-10-13 13 Os 87/11k
Auch; Beisatz: Bei der Frage nach schwerer Schuld (neben dem Gesinnungsunwert, den Strafzumessungsgründen und dem Erfolgsunrecht) fällt auch das vom Täter verwirklichte Handlungsunrecht ins Gewicht. (T15)
TE OGH 2011-11-15 12 Os 151/11i
Auch; Beis wie T10; Beis wie T12
TE OGH 2012-06-28 11 Os 64/12i
Auch; nur: Für den Begriff "schwere Schuld" ist jener Schuldbegriff maßgebend, der in Paragraph 32, Absatz eins, StGB als Grundlage für die Bemessung der Strafe vorausgesetzt wird, wobei die Prüfung dieser Frage stets nach Lage des konkreten Falles eine ganzheitliche Abwägung aller unrechtsrelevanten und schuldrelevanten Tatumstände verlangt. (T16)
TE OGH 2012-06-27 15 Os 61/12b
Auch; Beisatz: Bei der Bewertung des Grades der Schuld als „schwer“ ist von jenem Schuldbegriff auszugehen, der nach Paragraphen 32, ff StGB die Grundlage für die Strafbemessung bildet, wobei stets nach Lage des konkreten Falls eine ganzheitliche Abwägung aller unrechts- und schuldrelevanten Tatumstände vorzunehmen ist. Demnach müssen sowohl das Handlungs-, Erfolgs- als auch das Gesinnungsunrecht insgesamt eine Unwerthöhe erreichen, die im Wege einer überprüfenden Gesamtwertung als auffallend und ungewöhnlich zu beurteilen ist. Dabei kommt auch der vom Gesetzgeber in der Strafdrohung zum Ausdruck gebrachten Vorbewertung des deliktstypischen Unrechts- und Schuldgehalts eine Indizwirkung für die Schuldabwägung zu. (T17)
TE OGH 2013-03-07 12 Os 100/12s
Beis wie T17
TE OGH 2013-09-30 17 Os 15/13d
Auch; Beis wie T17; Beisatz: Hier: Ungerechtfertigte Datenabfrage. (T18)
TE OGH 2014-02-19 15 Os 154/13f
Auch; Beis wie T9
TE OGH 2014-10-13 17 Os 34/14z
Auch; Beisatz: Die Anwendung der Diversion ist bei Missbrauch der Amtsgewalt auf leichte Fälle beschränkt, wie sich schon aus dem Ausnahmecharakter des Paragraph 198, Absatz 3, (gegenüber Absatz 2, Ziffer eins,) StPO ergibt. (T19)
Beisatz: Die Voraussetzung bloß geringfügiger oder sonst unbedeutender Schädigung an Rechten stellt nach ihrem Wortlaut und den eindeutigen Gesetzesmaterialien nicht bloß auf Vermögensrechte ab, weshalb auch jeder „Schaden an immateriellen Rechten und Persönlichkeitsrechten sowie an öffentlichen Rechten“ bei Beurteilung dieses Ausschlusskriteriums ins Kalkül zu ziehen ist. (T20)
Beisatz: Das Tatbild des Paragraph 302, Absatz eins, StGB verlangt keinen tatsächlichen Schadenseintritt. Auch deshalb ist die von Paragraph 198, Absatz 3, StPO, der überdies an die „Tat“ und nicht an die strafbare Handlung anknüpft, angesprochene (wirkliche) Herbeiführung einer Schädigung an Rechten dem Bezugspunkt des tatbestandsmäßigen Schädigungsvorsatzes nicht gleichzusetzen. (T21)
Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T17
TE OGH 2015-10-22 12 Os 113/15g
Auch; Beis wie T8; Beisatz: Bei Jugendlichen ist von dem durch Paragraph 5, Ziffer 4, JGG modifizierten Strafrahmen auszugehen. (T22)
TE OGH 2016-12-14 15 Os 110/16i
Auch; Beis wie T17
TE OGH 2017-04-04 14 Os 12/17x
Vgl; Beis ähnlich wie T17; Beisatz: Bei einer (hier gemäß Paragraph 87, Absatz eins, StGB in Verbindung mit Paragraph 19, Absatz eins, JGG) maßgeblichen Strafdrohung von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe könnten nur besonders mildernde Umstände der Annahme nicht schwerer Schuld rechtfertigen. (T23)
TE OGH 2017-05-17 13 Os 18/17x
Vgl; Beis ähnlich wie T5
TE OGH 2017-06-12 17 Os 5/17i
Vgl auch; Beis ähnlich wie T17
TE OGH 2017-06-12 17 Os 28/16w
Auch; Beis ähnlich wie T17; Beisatz: Hier: Zu Paragraph 198, Absatz 2, Ziffer eins, StPO idFd StRÄG 2015 betreffend Missbrauch der Amtsgewalt. (T24)
TE OGH 2017-09-05 14 Os 52/17d
Auch
TE OGH 2017-09-25 17 Os 16/17g
Auch; Beis wie T17
TE OGH 2018-04-10 11 Os 30/18y
Vgl
TE OGH 2018-09-26 15 Os 118/18v
Vgl; Beis wie T23
TE OGH 2019-01-24 12 Os 111/18t
Auch; Beis wie T8; Beis wie T22
TE OGH 2019-10-07 14 Os 110/19m
Vgl; Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T17; Beis wie T24
TE OGH 2019-10-07 14 Os 87/19d
Vgl; Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T17
TE OGH 2020-04-14 14 Os 141/19w
Vgl; Beis wie T17; Beis wie T24
TE OGH 2020-09-29 14 Os 89/20z
Vgl; Beis wie T19
TE OGH 2020-10-15 12 Os 71/20p
Vgl; Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T17
TE OGH 2021-03-23 14 Os 11/21f
Vgl; Beis wie T8
TE OGH 2022-02-22 14 Os 150/21x
Vgl; Beis wie T17; Beis wie T24
TE OGH 2022-03-31 12 Os 144/21z
Vgl; Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T17
TE OGH 2023-08-01 14 Os 63/23f
vgl; Beisatz wie T17; Beisatz wie T24
TE OGH 2024-06-19 14 Os 18/24i
vgl; Beisatz wie T17; Beisatz wie T19; Beisatz wie T24
TE OGH 2025-02-25 14 Os 119/24t
vgl; Beisatz wie T8
Beisatz: Hier zu Bestechlichkeit (T25)
TE OGH 2026-02-17 14 Os 111/25t
vgl; Beisatz wie T8; Beisatz wie T12; Beisatz wie T17
TE OGH 2026-04-21 14 Os 92/25y
vgl; Beisatz wie T8; Beisatz wie T12; Beisatz wie T17; Beisatz wie T24
TE OGH 2026-06-11 15 Os 59/26d
vgl; Beisatz wie T8; Beisatz wie T12; Beisatz wie T17
ECLI:AT:OGH0002:2002:RS0116021