Gericht

OGH

Rechtssatznummer

RS0008880

Entscheidungsdatum

05.04.1972

Geschäftszahl

1Ob60/72; 1Ob211/72; 1Ob90/74; 1Ob121/74; 1Ob170/74; 8Ob79/75; 1Ob222/75; 5Ob140/75; 4Ob16/78; 3Ob515/80; 7Ob65/80; 4Ob156/80; 7Ob5/82 (7Ob6/82); 7Ob4/83; 4Ob353/83 (4Ob354/83); 1Ob604/84; 4Ob27/85; 2Ob80/90; 4Ob541/91; 4Ob542/91; 6Ob2325/96x; 9Ob96/98b; 10ObS245/98x; 10ObS392/98i; 7Ob246/99y; 6Ob240/99h; 8ObA30/00w; 10ObS252/01h; 6Ob251/01g; 10ObS24/02f; 10ObS226/01k; 5Ob36/02h; 9ObA289/01t; 10ObS146/02x; 8ObS13/03z; 8ObA42/05t; 6Ob92/07h; 9ObA52/07y; 6Ob200/08t; 6Ob219/08m; 8ObA74/09d; 8ObA54/10i; 9ObA53/11a; 9ObA112/11b; 2Ob131/11w; 9Ob65/11s; 2Ob165/13y; 9Ob27/14g; 6Ob187/14i; 10ObS17/15w; 6Ob30/15b; 2Ob207/14a; 10ObS23/16d; 10Ob64/17k; 8Ob79/18b; 7Ob19/19y; 5Ob19/19h; 5Ob70/19h; 9ObA87/19p; 2Ob35/20s; 9ObA93/20x; 9ObA103/20t; 2Ob85/21w; 10ObS176/21m

Norm

ABGB §6; ABGB §7

Rechtssatz

Unbefriedigende Gesetzesbestimmungen zu ändern, ist nicht Sache der Rechtsprechung, sondern der Gesetzgebung; die Gerichte haben nur die bestehenden Gesetze anzuwenden; es ist hingegen keineswegs ihre Aufgabe, im Wege der Rechtsfortbildung oder einer allzu weitherzigen Interpretation möglicher Intentionen des Gesetzgebers Gedanken in eine Gesetz zu tragen, die darin nicht enthalten sind (vgl SZ 40/154). Als maßgebend kann vielmehr nur der objektive Sinn eines gehörig kundgemachten Gesetzeswortlautes angesehen werden (SZ 41/119). Ein Rechtssatz, der im Gesetz nicht einmal angedeutet ist, kann auch nicht im Wege der Auslegung Geltung erlangen (SZ 39/102; JBl 1961,425).

Entscheidungstexte

TE OGH 1972-04-05 1 Ob 60/72

Veröff: SZ 45/41 = EvBl 1972/159 S 298 = JBl 1972,538

TE OGH 1972-10-25 1 Ob 211/72

Veröff: RZ 1973/1 S 15 = JBl 1974,99

TE OGH 1974-05-22 1 Ob 90/74

nur: Ein Rechtssatz, der im Gesetz nicht einmal angedeutet ist, kann auch nicht im Wege der Auslegung Geltung erlangen. (T1) Veröff: SZ 47/65 = EvBl 1974/285 S 631 = JBl 1974,472 = NZ 1975,30

TE OGH 1974-08-28 1 Ob 121/74

TE OGH 1974-10-23 1 Ob 170/74

nur: Unbefriedigende Gesetzesbestimmungen zu ändern, ist nicht Sache der Rechtsprechung, sondern der Gesetzgebung. (T2) Veröff: JBl 1975,379 = RZ 1975/76 S 177 (krit Morscher)

TE OGH 1975-05-14 8 Ob 79/75

Veröff: EvBl 1976/22 S 44 = RZ 1976/2 S 15

TE OGH 1975-10-29 1 Ob 222/75

nur: Unbefriedigende Gesetzesbestimmungen zu ändern, ist nicht Sache der Rechtsprechung, sondern der Gesetzgebung; die Gerichte haben nur die bestehenden Gesetze anzuwenden; es ist hingegen keineswegs ihre Aufgabe, im Wege der Rechtsfortbildung oder einer allzu weitherzigen Interpretation möglicher Intentionen des Gesetzgebers Gedanken in eine Gesetz zu tragen, die darin nicht enthalten sind (vgl SZ 40/154). (T3)

Veröff: SZ 48/114 = EvBl 1977/42 S 101

TE OGH 1975-11-04 5 Ob 140/75

nur T3; Beisatz: Hier Pflicht zur vollständigen Entscheidungsbegründung, auch wenn das entscheidende Gericht an die rechtliche Beurteilung eines Aufhebungsbeschlusses gebunden ist. (T4)

Veröff: RZ 1976/45 S 77

TE OGH 1978-06-06 4 Ob 16/78

nur T3; Veröff: EvBl 1971/35 S 97

TE OGH 1981-03-25 3 Ob 515/80

nur T2; Veröff: SZ 54/40 = EvBl 1981/167 S 490 = JBl 1982,99 = ÖA 1983,47

TE OGH 1981-06-25 7 Ob 65/80

nur T2

TE OGH 1981-09-15 4 Ob 156/80

nur T3; Beisatz: § 4 Abs 2 DHG. (T5)

Veröff: SZ 54/120 = EvBl 1981/237 S 662 = Arb 10015

TE OGH 1982-02-11 7 Ob 5/82

Auch; nur T2

TE OGH 1983-01-27 7 Ob 4/83

nur T2

TE OGH 1983-06-14 4 Ob 353/83

nur T2; Veröff: ÖBl 1984,14

TE OGH 1984-06-27 1 Ob 604/84

nur: Als maßgebend kann vielmehr nur der objektive Sinn eines gehörig kundgemachten Gesetzeswortlautes angesehen werden (SZ 41/119). (T6)

nur T1

Veröff: EvBl 1984/133 S 519

TE OGH 1985-03-19 4 Ob 27/85

nur T1; nur T2; Beisatz: Hier Kollektivvertrag. (T7)

Veröff: Arb 10447

TE OGH 1990-11-21 2 Ob 80/90

nur T2

TE OGH 1991-09-24 4 Ob 541/91

nur T2; Veröff: SZ 64/161 = ÖA 1992,60

TE OGH 1991-09-24 4 Ob 542/91

nur T2; Veröff: NZ 1992,270 = ÖA 1992,92

TE OGH 1996-12-05 6 Ob 2325/96x

nur T3

TE OGH 1998-04-01 9 Ob 96/98b

nur T3; Beisatz: Hier: Gleichstellung von Ehe und Lebensgemeinschaft. (T8)

TE OGH 1998-08-18 10 ObS 245/98x

nur T2

TE OGH 1998-12-01 10 ObS 392/98i

nur T2

TE OGH 1999-11-10 7 Ob 246/99y

Auch; Beisatz: Dass es durch Mehrfachauszahlungen seitens der Einlagensicherungseinrichtung nach § 93 BWG "zwangsläufig zu einer Mehrbelastung des Kreditinstitutes (beziehungsweise der Konkursmasse) kommen muss", mag zutreffen, ist jedoch eine vom Gesetzgeber (offenbar bewusst) in Kauf genommene Folge, die hintanzuhalten wohl nicht Aufgabe der diese Rechtsnorm anwendenden Gerichte und ihrer Rechtsprechung sein kann. (T9)

Veröff: SZ 72/170

TE OGH 1999-11-11 6 Ob 240/99h

Vgl auch; Beisatz: Hier: §§ 12,13 1. Euro-JuBe Euro-Umstellung. (T10)

Veröff: SZ 72/176

TE OGH 2000-11-09 8 ObA 30/00w

Vgl; nur T3; Beis wie T7

TE OGH 2001-09-04 10 ObS 252/01h

Auch; nur T3

TE OGH 2001-10-18 6 Ob 251/01g

nur T2

TE OGH 2002-01-29 10 ObS 24/02f

Auch; nur T3

TE OGH 2002-04-16 10 ObS 226/01k

Auch; nur T3

TE OGH 2002-02-26 5 Ob 36/02h

nur T2

TE OGH 2002-04-17 9 ObA 289/01t

nur T2

TE OGH 2002-08-27 10 ObS 146/02x

Auch; Bem: Die ursprünglich an dieser Stelle aus Versehen mit der Kennzeichnung nur T11 erfolgte Wiederholung des Teilsatzes T2 wurde gelöscht. - April 2022 (T11)

Beisatz: Es ist nicht Aufgabe der Gerichte, durch zu weitherzige Interpretation rechtspolitische Aspekte zu berücksichtigen, die den Gesetzgeber bisher (bewusst oder unbewusst) nicht veranlasst haben, Gesetzesänderungen vorzunehmen. (T12)

TE OGH 2004-04-29 8 ObS 13/03z

Auch; nur T2; Beisatz: Hier: Europarechtswidrige Bestimmung des § 1 Abs 6 Z 3 IESG. (T13)

Veröff: SZ 2004/67

TE OGH 2005-09-08 8 ObA 42/05t

Ähnlich; nur T2; Beis wie T7

TE OGH 2007-05-25 6 Ob 92/07h

Auch; nur T11; Beisatz: Hier: § 5 Z 7 GenG. (T14)

Veröff: SZ 2007/87

TE OGH 2008-08-20 9 ObA 52/07y

Vgl auch; Beisatz: Verändern sich die tatsächlichen Umstände dergestalt, dass die Regelungen der Kollektivverträge unzweckmäßig oder unbefriedigend werden, so sind nicht die Gerichte, sondern die Kollektivvertragsparteien gehalten, den Kollektivvertrag zu ändern. Gleiches muss für die Parteien einer Betriebsvereinbarung gelten. (T15)

TE OGH 2008-11-06 6 Ob 200/08t

Auch; Beisatz: Hier: § 42 KBGG idF BGBl I 2007/76. (T16)

TE OGH 2008-11-06 6 Ob 219/08m

Auch; Beis wie T16

TE OGH 2010-02-18 8 ObA 74/09d

Auch; nur T2

TE OGH 2011-05-25 8 ObA 54/10i

Vgl; nur T2; Beis wie T7

TE OGH 2011-06-28 9 ObA 53/11a

Auch

TE OGH 2011-10-25 9 ObA 112/11b

Auch; nur T2; Beis wie T7; Beis wie T15 nur: Verändern sich die tatsächlichen Umstände dergestalt, dass die Regelungen der Kollektivverträge unzweckmäßig oder unbefriedigend werden, so sind nicht die Gerichte, sondern die Kollektivvertragsparteien gehalten, den Kollektivvertrag zu ändern. (T17)

TE OGH 2012-02-14 2 Ob 131/11w

Auch

TE OGH 2012-02-27 9 Ob 65/11s

nur T2

Veröff: SZ 2012/23

TE OGH 2013-11-14 2 Ob 165/13y

Beisatz: Hier: Problematik des Mietzinsminderungsanspruchs nach Mängelbehebung durch den Mieter; keine analoge Anwendung des § 1096 ABGB mangels planwidriger Gesetzeslücke. Mit ausführlicher Darstellung der Gesetzesmaterialien zur WRN 2006. (T18)

TE OGH 2014-06-25 9 Ob 27/14g

nur T2

TE OGH 2014-11-19 6 Ob 187/14i

Vgl auch; Beisatz: Eine Analogie ist jedenfalls dann unzulässig, wenn Gesetzeswortlaut und klare gesetzgeberische Absicht in die Gegenrichtung weisen. (T19)

Beisatz: Hier: Keine analoge Anwendung des § 1 Abs 1 lit b NotariatsaktG auf Darlehensverträge zwischen Lebensgefährten. (T20)

TE OGH 2015-04-28 10 ObS 17/15w

Auch; Veröff: SZ 2015/43

TE OGH 2015-03-19 6 Ob 30/15b

Vgl auch; nur T19; Beisatz: Hier: § 23 MedienG (T21)

TE OGH 2015-11-19 2 Ob 207/14a

Vgl; Beisatz: Dem Quotenvorrecht der Sozialversicherungsträger seine „Schärfe“ zu nehmen, ist in erster Linie eine rechtspolitische Frage und damit Aufgabe des Gesetzgebers und nicht Sache der Rechtsprechung. (T22)

TE OGH 2016-04-13 10 ObS 23/16d

Auch

TE OGH 2018-02-20 10 Ob 64/17k

Auch

TE OGH 2018-05-29 8 Ob 79/18b

nur T3

TE OGH 2019-02-27 7 Ob 19/19y

Vgl

TE OGH 2019-05-21 5 Ob 19/19h

nur T2

TE OGH 2019-06-13 5 Ob 70/19h

Auch

TE OGH 2019-07-23 9 ObA 87/19p

Auch; nur T11

TE OGH 2020-04-07 2 Ob 35/20s

nur T2; Beisatz: Eine teleologische Reduktion ist – ebenso wie eine Analogie – unzulässig, wenn Gesetzeswortlaut und klare gesetzgeberische Absicht in die Gegenrichtung weisen. (T23)

Beisatz: Hier: Erfordernis des eigenhändig geschriebenen Zeugenzusatzes in § 579 Abs 2 ABGB idF ErbRÄG 2015. (T24)

TE OGH 2020-12-17 9 ObA 93/20x

Beisatz: Hier: Erschwernisabgeltung in Wiener Vertragsbedienstetenordnung 1995 nicht vorgesehen. (T25)

TE OGH 2020-12-17 9 ObA 103/20t

Beis wie T25

TE OGH 2021-08-05 2 Ob 85/21w

Vgl; Beis wie T19

TE OGH 2022-02-22 10 ObS 176/21m

nur T2; nur T3

European Case Law Identifier

ECLI:AT:OGH0002:1972:RS0008880