Gericht

OGH

Rechtssatznummer

RS0038663

Entscheidungsdatum

11.11.1971

Geschäftszahl

1Ob296/71; 1Ob11/72; 5Ob116/74; 1Ob654/76; 3Ob518/77; 1Ob570/78; 1Ob10/79; 7Ob621/79; 1Ob529/80; 4Ob567/81; 1Ob12/80; 4Ob505/83; 7Ob501/85; 1Ob606/86; 8Ob619/88; 2Ob591/88; 7Ob720/88; 1Ob23/89; 4Ob512/90; 1Ob596/91; 6Ob612/91; 3Ob1607/92; 8Ob555/91; 1Ob597/93; 7Ob612/93; 9Ob508/94; 4Ob506/95; 1Ob1647/95; 7Ob541/94; 10Ob1619/95; 10Ob2063/96x; 10Ob2113/96z; 6Ob2345/96p; 2Ob2205/96w; 10Ob2360/96y; 7Ob30/98g; 8Ob20/98v; 3Ob30/97a; 16Bkd2/99; 6Ob263/99s; 10Ob167/00g; 1Ob195/00h; 1Ob291/01b; 4Ob52/04g; 9Ob105/03m; 6Ob247/04y; 6Ob110/05b; 9Ob120/06x; 10Ob88/07z; 1Ob97/09k; 7Ob61/12i; 7Ob137/12s; 7Ob59/15z; 9Ob15/15v; 9Ob22/15y; 7Ob31/16h; 4Ob130/16w; 7Ob218/17k; 9Ob85/18t

Norm

ABGB §1002; ABGB §1299 C; RAO §9 Abs1; RAO §17; RATG allg

Rechtssatz

Der Rechtsanwalt haftet seiner Partei gegenüber für Unkenntnis der Gesetze sowie einhelliger Lehre und Rechtsprechung. Er muss, soll diese Haftung ausgeschlossen werden, seine Partei aufklären, wenn nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes oder nach der einhelligen herrschenden Rechtsübung eine Prozessführung aussichtslos erscheint. Tut er dies nicht, ist seine Tätigkeit wertlos. In einem solchen Fall bestehen nicht nur Schadenersatzansprüche des Klienten für ihm erwachsene tatsächliche finanzielle Nachteile, sondern der Anwalt ist auch nicht berechtigt, ein Honorar zu verlangen.

Entscheidungstexte

TE OGH 1971-11-11 1 Ob 296/71

Veröff: EvBl 1972/124 S 234 = NZ 1993,104

TE OGH 1972-02-02 1 Ob 11/72

nur: Der Rechtsanwalt haftet seiner Partei gegenüber für Unkenntnis der Gesetze sowie einhelliger Lehre und Rechtsprechung. (T1) Veröff: JBl 1972,426 = AnwBl 1973,74 = MietSlg 24194

TE OGH 1974-05-15 5 Ob 116/74

nur: Er muss, soll diese Haftung ausgeschlossen werden, seine Partei aufklären, wenn nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes oder nach der einhelligen herrschenden Rechtsübung eine Prozessführung aussichtslos erscheint. Tut er dies nicht, ist seine Tätigkeit wertlos. In einem solchen Fall bestehen nicht nur Schadenersatzansprüche des Klienten für ihm erwachsene tatsächliche finanzielle Nachteile, sondern der Anwalt ist auch nicht berechtigt, ein Honorar zu verlangen. (T2)

TE OGH 1976-02-01 1 Ob 654/76

Auch

TE OGH 1978-04-04 3 Ob 518/77

nur T2; Beisatz: Aber nicht für jede unrichtige Auslegung. (T3)

TE OGH 1978-05-22 1 Ob 570/78

nur T2

TE OGH 1979-03-30 1 Ob 10/79

nur T1; nur T2; Veröff: SZ 52/56 = EvBl 1979/190 S 493 = JBl 1980,156

TE OGH 1979-05-03 7 Ob 621/79

nur T2; Veröff: SZ 52/73

TE OGH 1980-03-19 1 Ob 529/80

TE OGH 1981-12-15 4 Ob 567/81

nur T1; nur: Er muss, soll diese Haftung ausgeschlossen werden, seine Partei aufklären, wenn nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes oder nach der einhelligen herrschenden Rechtsübung eine Prozessführung aussichtslos erscheint. (T5)

TE OGH 1980-05-27 1 Ob 12/80

nur T1; nur T5; Veröff: SZ 53/83

TE OGH 1983-04-26 4 Ob 505/83

Auch; nur T2

TE OGH 1985-11-07 7 Ob 501/85

nur T1; nur T5; Veröff: SZ 58/165

TE OGH 1986-09-03 1 Ob 606/86

nur T1

TE OGH 1988-10-20 8 Ob 619/88

nur T1

TE OGH 1988-10-11 2 Ob 591/88

nur T1; nur T5

TE OGH 1989-02-02 7 Ob 720/88

nur T1; nur T5; Veröff: VersR 1989,180 = ecolex 1991,305

TE OGH 1989-11-15 1 Ob 23/89

Beisatz: Hier: Divergierende Judikatur des VfGH und des VwGH über Ausschöpfung des Instanzenzuges. (T6)

Veröff: AnwBl 1990,457

TE OGH 1990-05-08 4 Ob 512/90

nur T1; Beisatz: Hier: Notar (T7)

TE OGH 1991-09-18 1 Ob 596/91

Auch; nur T1; nur T5; Beisatz: Gerade gegenüber der rechtsunkundigen Partei hat die Belehrung bei Erkennbarkeit der Aussichtslosigkeit des Anspruchs (hier: wegen dessen Verjährung) derart klar und deutlich zu erfolgen, dass der Mandat die Aussichtslosigkeit rechtlicher Schritte und deren Kostenfolgen auch klar erkennen kann. (T8)

TE OGH 1991-12-12 6 Ob 612/91

nur T1; Beisatz: Hier: Steuerberater (T9)

TE OGH 1992-10-14 3 Ob 1607/92

nur T5

TE OGH 1992-10-29 8 Ob 555/91

Auch; Beisatz: Er haftet jedoch nicht für eine unrichtige, aber vertretbare Gesetzesauslegung, auch wenn diese in der Folge vom Gericht nicht geteilt wird; vertretbar ist eine Rechtsmeinung dann, wenn sie in der Rechtsprechung wobei allerdings höchstgerichtliche Rechtsprechung ausschlaggebend ist und Lehre bereits geäußert wurde. (T10)

TE OGH 1993-12-21 1 Ob 597/93

Vgl auch; nur: Tut er dies nicht, ist seine Tätigkeit wertlos. In einem solchen Fall bestehen nicht nur Schadenersatzansprüche des Klienten für ihm erwachsene tatsächliche finanzielle Nachteile, sondern der Anwalt ist auch nicht berechtigt, ein Honorar zu verlangen. (T11)

TE OGH 1994-05-25 7 Ob 612/93

nur T2

TE OGH 1994-11-21 9 Ob 508/94

Auch; nur T1; Beis wie T10; Beisatz: Eine irrige Gesetzesauslegung ist jedoch dann vorwerfbar, wenn die Literatur und die Gesetzesmaterialien für die vorgenommene Auslegung keinen Anhaltspunkt liefern, weil nicht nur der allgemeine Sprachgebrauch für die Gesetzesauslegung maßgeblich sein kann. (T12)

Veröff: SZ 67/206

TE OGH 1995-01-31 4 Ob 506/95

nur T1; nur T5

TE OGH 1995-11-22 1 Ob 1647/95

Auch; nur T2

TE OGH 1996-05-15 7 Ob 541/94

nur T1; nur T5; Beis wie T10 nur: Er haftet jedoch nicht für eine unrichtige, aber vertretbare Gesetzesauslegung, auch wenn diese in der Folge vom Gericht nicht geteilt wird. (T13)

TE OGH 1996-01-09 10 Ob 1619/95

Vgl auch

TE OGH 1996-06-25 10 Ob 2063/96x

Vgl auch; Beisatz: Eine Sicherstellung des Restkaufpreises auf der Liegenschaft hätte einer entsprechenden Belehrung und Beratung durch den Rechtsanwalt bedurft; da die Geschäftsbesorgungsleistung diesbezüglich mangelhaft und fehlerbehaftet war, ist der Rechtsanwalt als Vertragserrichter hiefür auch gemäß §§ 1009, 1010, 1012, 1299 ABGB zum Schadenersatz verpflichtet. Hierin ist auch keine Überspannung des nach § 1299 ABGB geforderten Sorgfaltsmaßstabes zu erblicken. (T14)

TE OGH 1996-09-12 10 Ob 2113/96z

Auch; Beisatz: Da bis zur Einantwortung einer Verlassenschaft immer nur der ruhende Nachlaß Partei in einem Zivilverfahren ist, ist es rechtlich unvertretbar, in einer Klage die erbserklärten Erben anstatt des ruhenden Nachlasses als Kläger anzuführen. Der Rechtsanwalt hat daher im Umfang des vermeidbar aufgelaufenen Streitgenossenzuschlages nicht nur selbst keinen Honoraranspruch, sondern ist insoweit auch - was die Bezahlung eines Streitgenossenzuschlages an den Gegenvertreter anbetrifft - zum Schadenersatz verpflichtet. (T15)

TE OGH 1997-01-16 6 Ob 2345/96p

nur T1

TE OGH 1997-06-26 2 Ob 2205/96w

Beis wie T12

TE OGH 1997-05-07 10 Ob 2360/96y

Vgl auch; Veröff: SZ 70/90

TE OGH 1998-06-23 7 Ob 30/98g

nur T1; Beis wie T3; Beisatz: Hier: Judikaturwandel zum Beginn der Verjährung von Schadenersatzansprüchen. (T16)

TE OGH 1998-11-26 8 Ob 20/98v

Auch; Beis wie T13; Beisatz: Hier: Haftung des Rechtsanwaltes, der über Unzuständigkeitseinrede des beklagten Sozialversicherungsträgers die Überweisung der Sozialrechtssache an das allgemeine Zivilgericht beantragte, für die dadurch - infolge Nichtanwendung des § 77 ASGG durch 1. und 2. Instanz - ausgelöste Kostenersatzpflicht der unterliegenden Klägerin. Adäquanz dieses Schadens ist auch dann anzunehmen, wenn der Oberste Gerichtshof in dieser Sache - erstmals - aussprach, dass auch bei Behandlung einer Sozialrechtssache durch ein allgemeines Zivilgericht § 77 ASGG anzuwenden sei. (T17)

TE OGH 1999-06-28 3 Ob 30/97a

nur T1; nur T2; Beis wie T10; Beisatz: Hier: Wahrung der Frist des § 46 Abs 1 StPO (T18)

TE OGH 2000-03-27 16 Bkd 2/99

nur T5

TE OGH 2000-08-30 6 Ob 263/99s

Vgl auch; Beisatz: Hier: Verjährungsfrage und Judikaturwechsel. (T18a)

Bem: Änderung der versehentlich ein zweites Mal vergebenen Beisatznummer (T18) auf (T18a) - Oktober 2015 (T18b)

TE OGH 2000-10-24 10 Ob 167/00g

Vgl auch; Beis ähnlich T14

TE OGH 2001-05-29 1 Ob 195/00h

Vgl auch; Beisatz: War die Geschäftsbesorgung des Rechtsanwalts mangelhaft, so ist er gemäß §§ 1009, 1010, 1012 und 1299 ABGB dem Mandanten zum Schadenersatz verpflichtet. (T19)

TE OGH 2001-12-17 1 Ob 291/01b

Auch; nur T11; Beis wie T19; Beisatz: Ein rechtskundiger Parteienvertreter muss bei jeder maßgeblichen Änderung der Sachlage oder Rechtslage auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen hinweisen, weil ansonsten von einer "gewissenhaften Vertretungstätigkeit" nicht die Rede sein kann. (T20)

TE OGH 2004-03-16 4 Ob 52/04g

Vgl auch

TE OGH 2004-03-17 9 Ob 105/03m

Vgl auch

TE OGH 2004-10-21 6 Ob 247/04y

Auch

TE OGH 2005-07-14 6 Ob 110/05b

Auch; nur T1; Beis ähnlich wie T10; Beis ähnlich wie T13

TE OGH 2007-03-28 9 Ob 120/06x

nur T11; Beis wie T10

TE OGH 2007-11-06 10 Ob 88/07z

nur T1

TE OGH 2009-06-09 1 Ob 97/09k

Vgl auch; Beisatz: Für wertlose anwaltliche Leistungen steht einem Anwalt grundsätzlich kein Honorar zu. (T21)

TE OGH 2012-05-30 7 Ob 61/12i

nur T1; nur T5

TE OGH 2012-12-19 7 Ob 137/12s

Vgl auch; Beis ähnlich wie T21; Beisatz: Hier: Behandlungsvertrag über Enthaarung. (T22)

TE OGH 2015-07-02 7 Ob 59/15z

Beis wie T8

TE OGH 2015-07-29 9 Ob 15/15v

Beis wie T13

TE OGH 2015-07-29 9 Ob 22/15y

Auch; Beis wie T21

TE OGH 2016-04-27 7 Ob 31/16h

Beisatz: Hier: Rückforderung von Kosten für rechtsanwaltliche Vertretung nach ABHV, EBHV 2000 idF 2009. (T23)

TE OGH 2016-08-30 4 Ob 130/16w

Beis wie T13

TE OGH 2018-02-21 7 Ob 218/17k

Vgl; Beis wie T10

TE OGH 2019-01-24 9 Ob 85/18t

Auch

European Case Law Identifier

ECLI:AT:OGH0002:1971:RS0038663