Gericht

OGH

Rechtssatznummer

RS0032212

Entscheidungsdatum

09.12.1964

Geschäftszahl

6Ob316/64; 1Ob87/71; 6Ob147/73; 7Ob90/74; 6Ob175/74; 4Ob354/77; 1Ob652/77 (1Ob653/77); 8Ob550/77; 5Ob674/78; 4Ob32/79; 1Ob743/79; 1Ob689/81; 5Ob518/83; 4Ob338/87; 4Ob598/87; 4Ob80/88; 4Ob2/89; 4Ob162/89; 1Ob2/91; 7Ob535/91; 1Ob41/91; 4Ob31/92; 4Ob75/92; 4Ob109/92; 4Ob19/93; 4Ob40/93; 4Ob171/93; 6Ob20/95; 6Ob32/95; 6Ob24/95; 4Ob1092/95; 6Ob2018/96z; 4Ob2269/96x; 4Ob2382/96i; 6Ob37/98d; 4Ob204/98y; 4Ob119/99z; 4Ob135/99b; 4Ob154/99x; 4Ob138/99v; 4Ob213/99y; 1Ob117/99h; 4Ob286/99h; 6Ob123/00g; 4Ob266/00x; 6Ob265/00i; 6Ob127/01x; 8ObA196/02k; 6Ob246/04a; 6Ob114/05s; 6Ob295/03f; 4Ob172/06g; 4Ob105/06d; 4Ob166/06z; 4Ob97/07d; 6Ob265/09b; 6Ob244/09i; 4Ob39/10d; 6Ob220/10m; 8ObA51/10y; 4Ob83/11a; 6Ob114/11z; 6Ob258/11a; 6Ob243/11w; 6Ob45/14g; 6Ob194/16x; 6Ob116/17b; 6Ob209/17d; 6Ob162/17t

Norm

ABGB §1330 Abs2 BII; UWG §7 Abs1 C

Rechtssatz

"Tatsachen" sind hier Umstände, Ereignisse oder Eigenschaften mit einem greifbaren, für das Publikum erkennbaren und von ihm an Hand bestimmter oder doch zu ermittelnder Umstände auf seine Richtigkeit überprüfbaren Inhalt.

Entscheidungstexte

TE OGH 1964-12-09 6 Ob 316/64

Veröff: SZ 37/176 = ÖBl 1965,69

TE OGH 1971-04-15 1 Ob 87/71

Veröff: SZ 44/45 = RZ 1971,121 = ÖBl 1971,104 = JBl 1972,312 (kritisch Ostheim)

TE OGH 1973-11-08 6 Ob 147/73

Beisatz: Darin liegt der Unterschied gegenüber den bloßen Werturteilen, die erst auf Grund einer Denktätigkeit gewonnen werden können und die eine rein subjektive Meinung des Erklärenden wiedergeben (SZ 11/39). Es ist demnach entscheidend, ob die Unrichtigkeit der in Frage kommenden Behauptungen bewiesen werden kann. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um eine unüberprüfbare Meinungskundgebung des Erklärenden. (T1) Veröff: SZ 46/114

TE OGH 1974-05-30 7 Ob 90/74

Beisatz: Werturteile werden auf Grund einer gedanklichen Reflexion gewonnen und geben nur eine subjektive Meinung des Erklärenden wieder (Nordumfahrung von Igls). (T2) Veröff: JBl 1974,527 = ÖBl 1975,86 hiezu kritisch Schönherr ÖBl 1975,77

TE OGH 1974-09-19 6 Ob 175/74

Veröff: EvBl 1975/146 S 296

TE OGH 1977-06-28 4 Ob 354/77

Beis wie T1

TE OGH 1977-08-31 1 Ob 652/77

Beisatz: Bei sinnvoller Auslegung des Tatbestandes der Kreditschädigung kann es nur darauf ankommen, ob ein Umstand objektiv nachprüfbar sein. (T3) Veröff: SZ 50/111 = EvBl 1978/65 S 182 = ÖBl 1978,34

TE OGH 1977-11-30 8 Ob 550/77

Beis wie T1; Veröff: EvBl 1978/99 S 297 = ÖBl 1978,37

TE OGH 1978-09-19 5 Ob 674/78

Beis wie T1; Veröff: ÖBl 1979,76

TE OGH 1979-05-08 4 Ob 32/79

Beis wie T1; Beisatz: Hier: "Konkursreife früher oder später" (T4) Veröff: Arb 9785 = ÖBl 1979,134 = ZAS 1982,212

TE OGH 1979-10-29 1 Ob 743/79

Veröff: JBl 1980,481 = ÖBl 1980,130

TE OGH 1982-02-07 1 Ob 689/81

Auch

TE OGH 1984-05-22 5 Ob 518/83

Beisatz: Auch Mitteilungen von Gerüchten, Vermutungen oder Behauptungen sowie die verdachtsweise Behauptungen einer Tatsache. (T5)

TE OGH 1987-10-20 4 Ob 338/87

Beis wie T1

TE OGH 1987-11-30 4 Ob 598/87

Vgl; Veröff: SZ 60/255 = MR 1988,11 = ÖBl 1989,80 = JBl 1988,174

TE OGH 1988-09-27 4 Ob 80/88

Beisatz: Hier: § 7 UWG (T6) Veröff: MR 1989,64

TE OGH 1989-01-24 4 Ob 2/89

Beis wie T6

TE OGH 1989-12-19 4 Ob 162/89

Vgl auch; Beisatz: Werturteile geben rein subjektive Meinung des Erklärenden wieder und können daher objektiv nicht überprüft werden. Eine und dieselbe Äußerung kann je nach dem Zusammenhang, in den sie gestellt wird, bald unter den Begriff des reinen Werturteils fallen. (T7) Veröff: SZ 62/208 = MR 1990,66 = ÖBl 1990,253

TE OGH 1991-04-10 1 Ob 2/91

Auch; Beisatz: Die Richtigkeit der verbreiteten Äußerung muss grundsätzlich einem Beweis zugänglich sein, so dass das Verbreitete nicht nur subjektiv angenommen oder abgelehnt, sondern als richtig oder falsch beurteilt werden kann. Wird eine sonst subjektive Wertung, die allein einen Anspruch nach § 1330 Abs 2 ABGB nicht begründen könnte, auf Grund konkreter dargestellter unwahrer Tatsachen gezogen, wird darin insgesamt das Verbreiten von Tatsachen erblickt. (T8) Veröff: EvBl 1992/65 S 295 = JBl 1992,326

TE OGH 1991-05-23 7 Ob 535/91

Auch; Veröff: MR 1991,146 (Korn) = ÖBl 1992,51

TE OGH 1991-12-18 1 Ob 41/91

Auch; Beis wie T8; Veröff: SZ 64/182 = ÖBl 1992,51

TE OGH 1992-05-26 4 Ob 31/92

Auch; Veröff: WBl 1992,377

TE OGH 1992-07-07 4 Ob 75/92

Auch; Beis wie T1; Beisatz: Bei der Beurteilung, ob Tatsachen verbreitet wurden, kommt es immer auf den Gesamtzusammenhang und den dadurch ermittelten Gesamteindruck an, den die beanstandeten Äußerungen hinterlassen; das Verständnis des unbefangenen Durchschnittslesers oder Durchschnittshörers, nicht aber der subjektive Wille des Äußernden ist maßgeblich. (T9); Veröff: JBl 1993,518 (Koziol)

TE OGH 1992-12-15 4 Ob 109/92

Auch; Beisatz: Eine Tatsachenbehauptung enthält die Äußerung, dass jemand vom Gericht zur Wahrheit gezwungen und verhalten worden sei, seine unwahren Behauptungen zurückzunehmen. (T10) Veröff: MR 1993,57 = EvBl 1993/160 S 656

TE OGH 1993-03-23 4 Ob 19/93

TE OGH 1993-05-04 4 Ob 40/93

TE OGH 1993-12-14 4 Ob 171/93

Beis wie T8

TE OGH 1995-05-18 6 Ob 20/95

Beis wie T7; Beis wie T9; Veröff: SZ 68/97

TE OGH 1995-11-09 6 Ob 32/95

Auch; Beis wie T7 nur: Werturteile geben rein subjektive Meinung des Erklärenden wieder und können daher objektiv nicht überprüft werden. (T11) Beis wie T9

TE OGH 1995-10-13 6 Ob 24/95

Beis wie T11

TE OGH 1995-11-21 4 Ob 1092/95

Beisatz: Die Behauptung, dass jemand gelogen habe, ist eine Tatsachenbehauptung, kann doch geprüft werden, ob sie richtig ist (dh ob der der Lüge Beschuldigte tatsächlich gelogen hat). (T12)

TE OGH 1996-05-08 6 Ob 2018/96z

Beis wie T11; Veröff: SZ 69/113

TE OGH 1996-10-01 4 Ob 2269/96x

Vgl auch; Beis wie T12; Beisatz: Der Vorwurf, die Darstellung der Klägerin entspreche nicht den Tatsachen und sie erfolge wider besseres Wissen zu Zwecken der Täuschung, ist eine Tatsachenbehauptung, die nicht nur rufschädigend im Sinn des § 1330 Abs 2 ABGB, sondern zugleich auch eine Ehrenbeleidigung nach Abs 1 leg cit ist. (T13)

TE OGH 1997-01-28 4 Ob 2382/96i

Vgl auch; Beis wie T8 nur: Die Richtigkeit der verbreiteten Äußerung muss grundsätzlich einem Beweis zugänglich sein, so dass das Verbreitete nicht nur subjektiv angenommen oder abgelehnt, sondern als richtig oder falsch beurteilt werden kann. (T14)

TE OGH 1998-11-26 6 Ob 37/98d

Beis wie T11; Beis wie T14; Beisatz: Quiz-Kartenspiel. (T15)

TE OGH 1999-02-04 4 Ob 204/98y

Beis wie T6; Beis wie T9

TE OGH 1999-05-18 4 Ob 119/99z

Auch

TE OGH 1999-05-18 4 Ob 135/99b

Auch; Beis wie T9

TE OGH 1999-06-01 4 Ob 154/99x

Auch; Beis wie T9

TE OGH 1999-07-13 4 Ob 138/99v

Auch; Beis wie T9; Veröff: SZ 72/118

TE OGH 1999-10-19 4 Ob 213/99y

Auch

TE OGH 1999-10-27 1 Ob 117/99h

Beisatz: Werturteile sind dagegen rein subjektive, einer objektiven Überprüfbarkeit entzogene Aussagen. Sie werden von § 1330 Abs 2 ABGB nicht erfasst, können aber als Ehrenbeleidigung gegen § 1330 Abs 1 ABGB verstoßen. (T16)

TE OGH 1999-12-21 4 Ob 286/99h

Auch

TE OGH 2000-06-28 6 Ob 123/00g

Beis wie T16

TE OGH 2000-10-24 4 Ob 266/00x

TE OGH 2000-11-23 6 Ob 265/00i

Vgl auch; Beis wie T11; Beisatz: Hier: Verharmlosung. (T17)

TE OGH 2001-09-27 6 Ob 127/01x

Beis wie T9; Beis wie T16

TE OGH 2002-10-17 8 ObA 196/02k

Beis ähnlich T9; Beis wie T12; Beis wie T14; Beis wie T16 nur: Werturteile sind dagegen rein subjektive, einer objektiven Überprüfbarkeit entzogene Aussagen. (T18)

TE OGH 2004-12-15 6 Ob 246/04a

TE OGH 2005-06-23 6 Ob 114/05s

Vgl auch; Beisatz: Der Vorwurf, jemand sei an einem Ereignis (einer Entwicklung) „schuld", beinhaltet nicht immer eine (wahre oder unwahre) Tatsachenbehauptung. Hier: Der Vorwurf ist ein (kritisierendes) Werturteil, wenn er erst aufgrund einer Denktätigkeit gewonnen wird und die rein subjektive Meinung des Erklärenden wiedergibt. (T19)

TE OGH 2005-07-14 6 Ob 295/03f

Auch; Beisatz: Ob durch eine Äußerung Tatsachen verbreitet werden oder eine wertende Meinungsäußerung vorliegt, richtet sich nach dem Gesamtzusammenhang und dem dadurch vermittelten Gesamteindruck für den unbefangenen Durchschnittsadressaten. Wesentlich ist, ob sich ihr Bedeutungsinhalt auf einen Tatsachenkern zurückführen lässt, der einem Beweis zugänglich ist, sodass sie nicht nur subjektiv angenommen oder abgelehnt, sondern als richtig oder falsch beurteilt werden kann. (T20)

TE OGH 2006-09-28 4 Ob 172/06g

Auch; Beis wie T5

TE OGH 2006-09-28 4 Ob 105/06d

Beis wie T6

TE OGH 2006-11-21 4 Ob 166/06z

Beis ähnlich T1; Beisatz: Hier: Tatsachen im Sinn des § 7 Abs 1 UWG. (T21)

TE OGH 2007-07-10 4 Ob 97/07d

TE OGH 2010-03-19 6 Ob 265/09b

Vgl auch; Beis wie T1

TE OGH 2010-03-19 6 Ob 244/09i

Vgl auch; Beis ähnlich wie T1; Beis ähnlich wie T8; Bem: Hier: Bei der inkriminierten Äußerung handelt es sich also nicht um eine (bloß in Verdachtsform verbrämte) Tatsachenbehauptung, sondern eine auf wahren, offengelegten Tatsachen beruhende wertende Aussage. (T22)

TE OGH 2010-07-13 4 Ob 39/10d

TE OGH 2010-12-17 6 Ob 220/10m

Beis wie T1 nur: Darin liegt der Unterschied gegenüber den bloßen Werturteilen, die erst auf Grund einer Denktätigkeit gewonnen werden können und die eine rein subjektive Meinung des Erklärenden wiedergeben. Es ist demnach entscheidend, ob die Unrichtigkeit der in Frage kommenden Behauptungen bewiesen werden kann. (T23)

TE OGH 2011-03-22 8 ObA 51/10y

Auch; Beis ähnlich wie T1; Beis ähnlich wie T8

TE OGH 2011-06-21 4 Ob 83/11a

TE OGH 2011-07-18 6 Ob 114/11z

Beis wie T1 nur: Darin liegt der Unterschied gegenüber den bloßen Werturteilen, die erst auf Grund einer Denktätigkeit gewonnen werden können und die eine rein subjektive Meinung des Erklärenden wiedergeben (SZ 11/39). (T24)

TE OGH 2012-01-12 6 Ob 258/11a

Beis wie T24; Beis wie T12; Beisatz: Der auf keinem rechtfertigenden Sachverhalt beruhende Lügenvorwurf ist ein ehrverletzendes Werturteil, das als Beschimpfung dem Tatbild des § 1330 Abs 1 ABGB unterliegt. (T25)

TE OGH 2012-06-22 6 Ob 243/11w

Beis wie T11; Beis wie T14; Beisatz: Hier: Bezeichnung als fundamentalistischer Moslem und Hassprediger ist wertende Meinungsäußerung. (T26)

TE OGH 2014-06-26 6 Ob 45/14g

Auch; Beisatz: Hier: Behauptung der Tatsache, Mitarbeiter der Klägerin hätten der Mutter des Beklagten durch Verabreichung eines überdosierten Beruhigungsmedikaments schweren körperlichen Schaden zugefügt. (T27)

TE OGH 2016-10-24 6 Ob 194/16x

Auch; Beis wie T16

TE OGH 2017-10-25 6 Ob 116/17b

TE OGH 2017-12-21 6 Ob 209/17d

Auch; Beis wie T9

TE OGH 2018-01-17 6 Ob 162/17t

Beis wie T5

European Case Law Identifier

ECLI:AT:OGH0002:1964:RS0032212