Kurztitel

Lehrplan – buddhistischer Religionsunterricht

Kundmachungsorgan

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 241 aus 2008, zuletzt geändert durch Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 311 aus 2024,

Typ

K

Paragraph/Artikel/Anlage

Anlage 2,

Inkrafttretensdatum

14.11.2024

Index

70/07 Schule und Kirche

Text

Anlage 2 Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe I Erläuterungen zu den Lehrplänen

Die Lehrpläne wurden im Auftrag des Schulamtes der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) erstellt. Die Inhalte des Lehrplans beziehen alle Traditionslinien des Buddhismus mit ein und jene wurden von den zuständigen Fachgremien erstellt. Entsprechend der österreichischen Lehrplanarchitektur werden die weiteren Ausführungen in der folgenden Struktur dargelegt:

Erstellung des Unterrichtsmaterials:

Für den Lehrplan der Sekundarstufe römisch eins wird eine Auflistung mit buddhistischen Basistexten und Inhalten erstellt.

Die konkrete Unterrichtsvorbereitung und -planung obliegt den Lehrpersonen und ist unter besonderer Berücksichtigung der großen Heterogenität buddhistischer Klassen (alters-, schulstufen-, schularten- und schulübergreifend) zu gestalten.

Als Hilfestellung sind Unterrichtsentwürfe, Materialien und Stundenbilder (evtl. in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Institut an der KPH Wien/Krems oder in beauftragten Arbeitsgruppen) in Vorbereitung.

Lehrplan für die Sekundarstufe I Bildungs- und Lehraufgabe des Buddhistischen Religionsunterrichtes

Der Buddhistische Religionsunterricht (BRU) hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule entsprechend Paragraph 2, des Schulorganisationsgesetzes. In diesem Rahmen leistet er einen grundlegenden Beitrag zur religiös-, ethisch-, philosophischen Bildungsdimension der Schule. Über den Erwerb von methodischer und fachlicher Kompetenz hinaus, unterstützt er Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung von Persönlichkeits-, Selbst- und Sozialkompetenzen zur Lebensgestaltung und zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im privaten und schulischen Leben.

Grundzüge einer buddhistischen Sichtweise werden im Folgenden skizziert:

Der Geist des Menschen mit seinen Faktoren von Denken, Empfinden und Wollen, kann durch Schulung, Bildung und eigenverantwortliche meditative Übungen in positive und heilsame Zustände transformiert werden. Wie ein Spiegel reagiert er auf innere und äußere Wahrnehmungen und Eindrücke und beeinflusst so das individuelle Weltbild (Samskara) eines Menschen und dessen Leben und Lebensgestaltung. Dieser Umstand soll von den Lehrerinnen und Lehrern des BRU bewusst genützt werden, um die Inhalte der buddhistischen Ethik, Anschauung und Meditation durch das eigene Vorbild im Kind bzw. Jugendlichen anzuregen. Der BRU unterstützt den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag der öffentlichen Schule, indem er eigenständiges und kritisches Denken, Ehrfurcht vor allem Lebendigen und der Mitwelt anregt und fördert. Dies impliziert auch einen respektvollen Umgang mit anderen religiösen oder säkularen Systemen.

Über den holistischen Ansatz des bedingten Entstehens aller Phänomene – Pratitya Samutpada – begründet sich die Motivation zum Überwinden von Samsara (des Kreislaufs von Werden und Vergehen). Zwei grundlegende, zu erlernende und durch Meditation zu vertiefende Werkzeuge stehen zur Verfügung: Einsicht in die Natur der Leerheit, gewonnen aus dem Erkennen von Anatta (Nicht-Selbst) und das Mitgefühl, das als praktische Methode, für Buddhisten und Buddhistinnen der tiefere Beweggrund für ihr Handeln zum Wohle aller fühlenden Wesen ist.

Dementsprechend sind gewaltfreie Konfliktlösungen, Toleranz und Friedfertigkeit vorrangige Bildungsziele.

Den Schülerinnen und Schülern möge zur Gestaltung einer buddhistischen Lebensführung das „Buddhistische Bekenntnis“ dienen, das von den Unterrichtenden nicht als Dogma zu vermitteln ist, sondern als Angebot und Hilfe, um den jungen Menschen einen spirituellen Leitgedanken nahe zu legen. Dadurch wird die Freiheit der eigenen Entscheidung, den Weg des Buddha zu gehen, gewahrt.

Der Unterricht hat das Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu selbstverantwortlichem Handeln (Sila) anzuregen, Selbstbewusstsein (Samadhi) zu entwickeln und Selbständigkeit (Prajna) zu fördern.

In diesem Sinne trägt der BRU zu einer toleranten Weltoffenheit in der Begegnung mit anderen Menschen, Anschauungen und Bekenntnissen bei und hilft den eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu vertiefen. Somit leistet der BRU einen Beitrag im Sinne des interreligiösen und interkulturellen Lernens.

Der Unterricht bestärkt die Einsicht, dass die Lehre des Buddha die Wertschätzung aller anderen Lebewesen einfordert und eigene gedankliche Fixierungen, sowie emotionale Muster zu überwinden sind, um so eine positive Kommunikation bzw. Interaktion zu erreichen. Sichtweise, Meditation und Lebensführung sind die im BRU zu vermittelnden Orientierungen für eine hilfreiche Praxis für die jungen Menschen, die letztlich vom Individuum ausgehend Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat.

Kompetenzmodell

Der BRU führt zum Erwerb von Kompetenzen in den Kompetenzbereichen:

Dabei greift der BRU auf folgende inhaltsbezogene Kompetenzdimensionen von Religion zurück:

Menschen und ihre Lebensorientierung

Gelehrte und gelebte Bezugsreligion

Religion in Gesellschaft und Kultur

Religiöse und weltanschauliche Vielfalt

Grundkompetenzen für die Sekundarstufe I

Durch den BRU werden Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe römisch eins beim Erwerb folgender Kompetenzen (aus den 14 interreligiös vereinbarten Grundkompetenzen in altersadäquater Gewichtung) unterstützt:

Didaktische Grundsätze

1. Die Lebenswelten und -erfahrungen der Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer stehen im Mittelpunkt. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.

Es ist ein Grundanliegen den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck über die Vielfalt der buddhistischen Sangha Österreichs zu geben, die Schulen und Orden aller drei Fahrzeuge (Nikayavada, Mahayana/Bodhisattvayana und Vajrayana) umfasst. Daher richtet der BRU besondere Aufmerksamkeit darauf, dialogische Fähigkeiten zu entwickeln und einzuüben.

2. Der BRU nimmt auf die unterschiedliche buddhistische Sozialisation bzw. Erfahrung der Schülerinnen und Schüler durch Individualisierung und Differenzierung Bedacht. Er wendet sich an alle Schülerinnen und Schüler, wie unterschiedlich ihre Einstellungen auch sein mögen.

3. Diese Auseinandersetzung begünstigt für alle am Lernprozess Beteiligten einen selbständigen, selbstbewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit sich und der Mitwelt.

4. Die Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsgegenstand Buddhistische Religion bieten vielfältige, schulartspezifische, individualisierte, subjektbezogene und die Gruppendynamik berücksichtigende Lernformen. Um den Lebenswelten und -erfahrungen von Schülerinnen und Schülern entgegenzukommen, werden Formen wie Abteilungsunterricht, offene Lernformen, eigenverantwortliches Lernen, Projektunterricht etc. empfohlen.

Didaktisch- methodische Entscheidungen orientieren sich an den kanonischen Schriften des Buddhismus und sind dem intrabuddhistischen- und dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Zudem werden folgende fachspezifische Besonderheiten berücksichtigt: Kleingruppen; Klassen-, Jahrgangs-, ggf. Schularten- und Standort übergreifende Gruppen; Anzahl der Wochenstunden.

Blockungen von Unterrichtsstunden zu größeren Einheiten können unter bestimmten organisatorischen und pädagogischen Bedingungen sinnvoll sein.

Zentrales fachliches Konzept

Der BRU leistet als Unterricht der einzigen anerkannten non-theistischen Religion einen grundlegenden Beitrag sowohl zur religiösen als auch zur philosophisch-ethischen Bildungsdimension, indem er Schülerinnen und Schülern eine Orientierung für eine sinnvolle und heilsame Lebensgestaltung zum Wohle aller fühlenden Lebewesen anbietet.

Der BRU ist ein gelebtes Beispiel interreligiösen Dialogs, umfasst er doch alle in Österreich vertretenen buddhistischen Schulen und Traditionen. Das Kennenlernen der unterschiedlichen buddhistischen Traditionen mit ihren kulturellen Besonderheiten, unterschiedlichen Praxiswegen, Festen und Feiertagen ist ein wesentlicher Teil des BRU, der es ermöglicht, die Vielfalt buddhistischer Sangha in Österreich zu erleben. Darüber hinaus werden auch Grundlagen der Weltreligionen vermittelt und Begegnungsräume mit Bezug zum religiösen und weltanschaulichen Lebensumfeld der Schülerinnen und Schülern eröffnet.

Themenschwerpunkte liegen neben buddhistischen Inhalten und Übungen (für Körper, Rede und Geist: Achtsamkeit, Meditation, Yoga) im Sozialen Lernen, in der Friedenserziehung und gewaltlosen Konfliktlösung im Gruppen- bzw. Klassenverband. Ein weiteres Anliegen des BRU ist eine grundlegende Offenheit für aktuelle Erkenntnisse der (Natur-) Wissenschaften, wie es in der Lehre des Buddha bereits empfohlen wird. Diese fördert eine Kultur der kritischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Leben und Gesellschaft. Gesellschaftlich relevante Themen mit lebensweltlichem Bezug finden ebenso Eingang, wie das Einüben eines respektvollen, verantwortungsvollen Umgangs mit allen Lebewesen und dem gemeinsamen Kosmos.

Der BRU findet meist in Gruppen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (China, Thailand, Vietnam, …, Österreich) statt, und stellt somit einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen und inklusiven Bildung und Erziehung innerhalb der österreichischen Bildungslandschaft dar.

Das Mitwirken bei und das Gestalten von multireligiösen Projekten, Feiern und Festen im Schulumfeld ist ein wesentlicher Beitrag zur Schulentwicklung.

Kompetenzbeschreibungen pro Schulstufe

Die beschriebenen Grundkompetenzen gelten in unterschiedlicher Gewichtung für die jeweiligen Sekundarstufen.

Lehrplan für die Sekundarstufe I

Anwendungsbereiche

Für jede Schulstufe umfasst der Lehrplan zwei Lernschwerpunkte, die jeweils in mehrere Kernbereiche untergliedert sind. Aus beiden Lernschwerpunkten sind in der jeweiligen Schulstufe zwei Kernbereiche zu unterrichten. Weitere Kernbereiche aus beiden Lernschwerpunkten sind nach Maßgabe von Stundenanzahl und Gruppensituation zu behandeln.

Jeder Kernbereich umfasst mehrere mögliche Themenfelder, die zur Auswahl stehen und ggf. ergänzt werden können. Aufgrund der heterogenen Gruppensituation ist abzuwägen welches Themenfeld sich für den jeweiligen Lernstand anbietet. Unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der praktischen Umsetzung sind aufgrund oben beschriebener Gruppensituation pädagogisch sinnvoll und ausdrücklich empfohlen. Für alle Kompetenz- und Inhaltsformulierungen des Lehrplans gilt: Die Aufstellung beschreibt keine Reihenfolge der einzelnen Elemente, vielmehr erfordert sie deren Verschränkung. Die Inhalte sind den Grundkompetenzen zuzuordnen.

5. Schulstufe: Miteinander unterwegs

1. Semester

Lernschwerpunkt: Ich – Du – Wir

Kernbereich 1: Mensch sein

Kernbereich 2: Wie Gemeinschaft gelingen kann

2. Semester

Lernschwerpunkt: Buddha begegnen

Kernbereich 1: Wahrheit

Kernbereich 2: Der Buddha ist weit gegangen

Kernbereich 3: Zur Ruhe kommen

6. Schulstufe: Siddhartha, Buddha und sein Orden

1. Semester

Lernschwerpunkt: Buddha in seiner Zeit

Kernbereich 1 Siddhartha wird Buddha

Kernbereich 2: Der Buddha schließt niemanden aus

2. Semester

Lernschwerpunkt

Kernbereich 1: Buddhas Leben geht zu Ende

Kernbereich 2: Besondere Tage

Kernbereich 3: Zeichen buddhistischen Lebens in der Welt

7. Schulstufe: Identität und Begegnung

1. Semester

Lernschwerpunkt: Buddhistisch-Sein

Kernbereich 1: Wir laden den Buddha ein

Kernbereich 2: Berührt von den Unberührbaren

Kernbereich 3: Buddhistisch in Österreich

2.Semester

Lernschwerpunkt: Religiöse Vielfalt und Dialog

Kernbereich 1: Wurzeln des Buddhismus

Kernbereich 2: Abrahamitische Religionen

Kernbereich 3: Dialog – heilsam miteinander umgehen

8. Schulstufe: Freiheit und Verantwortung

1. Semester

Lernschwerpunkt: Freiheit gestalten

Kernbereich 1: Sila: Persönlichkeitsentwicklung; „Zum Wohle aller Wesen“

Kernbereich 2: Samadhi

Kernbereich 3: Prajna

2. Semester

Lernschwerpunkt: Ambivalenz von Religion

Kernbereich 1: Überprüfe alles, glaube nichts…

Kernbereich 2: … mehr als die Summe seiner Teile?

Kernbereich 3: „Sei dir selbst eine Zuflucht!“

Zuletzt aktualisiert am

14.11.2024

Gesetzesnummer

20005883

Dokumentnummer

NOR40266267