Der Nationalrat hat beschlossen: § 1. (1) Der Bundesminister für Finanzen wird ermächtigt, namens des Bundes Haftungen zu übernehmen, und zwar a) gemäß Paragraph 1357, des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches für im In- und Ausland von der Österreichischen Industrieverwaltungs- Aktiengesellschaft durchzuführende Kreditoperationen (Anleihen, Darlehen und sonstige Kredite), b) gemäß Paragraph 1348, des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches für Haftungen, die die Österreichische Industrieverwaltungs- Aktiengesellschaft gemäß Paragraph 1357, des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches für im In- und Ausland durchzuführende Kreditoperationen (Anleihen, Darlehen und sonstige Kredite) der in der Anlage zum ÖIG-Gesetz, Bundesgesetzblatt Nr. 23 aus 1967,, in der geltenden Fassung angeführten Gesellschaften und deren Tochtergesellschaften übernimmt. (2) Der Bundesminister für Finanzen darf von der im Absatz eins, erteilten Ermächtigung nur dann Gebrauch machen, wenn a) der jeweils ausstehende Gesamtbetrag (Gegenwert) der Haftung gemäß Absatz eins, lit. a und b 3000 Millionen Schilling an Kapital und 3000 Millionen Schilling an Zinsen und Kosten nicht übersteigt; b) die Kreditoperation im Einzelfall den Betrag von 800 Millionen Schilling an Kapital nicht übersteigt; c) die Laufzeit der Kreditoperation 30 Jahre nicht übersteigt; d) die prozentuelle Gesamtbelastung der Kreditoperation in inländischer Währung unter Zugrundelegung der folgenden Formel nicht mehr als das Zweieinhalbfache des im Zeitpunkt der Kreditoperation geltenden Zinsfußes für Eskontierungen der Oesterreichischen Nationalbank (Paragraph 48, Abs. 2 des Nationalbankgesetzes 1955, BGBl. Nr. 184, in der Fassung der Bundesgesetze Bundesgesetzblatt Nr. 276 aus 1969, und 494/ 1974) beträgt: Nettoerlös der Kreditoperation in Hundertsätzen; e) die prozentuelle Gesamtbelastung der Kreditoperation in ausländischer Währung nach der Formel laut Litera d, nicht mehr als das Zweieinhalbfache des arithmetischen Mittels aus den im Zeitpunkt der Kreditaufnahme geltenden offiziellen Diskontsätzen in Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und den USA (New York) beträgt und f) der Erlös aus Kreditoperationen, für welche gemäß Absatz eins, Litera b, die Haftung übernommen wird, ausschließlich zur Durchführung von Investitionen und Rationalisierungsmaßnahmen in den in der Anlage zum ÖIG-Gesetz, Bundesgesetzblatt Nr. 23 aus 1967,, in der geltenden Fassung angeführten Gesellschaften und deren Tochtergesellschaften verwendet wird. (3) Zur Feststellung des Nettoerlöses gemäß Abs. 2 Litera d und e sind die Emissions- oder Zuzählungsverluste, Begebungsprovisionen, Werbe- und Druckkosten (Begebungskosten) vom Bruttoerlös in Abzug zu bringen. (4) Für die Beurteilung der Gesamtbelastung bei Darlehen und sonstigen Krediten, bei welchen die Zinssätze jeweils für bestimmte Zeitabschnitte variabel festgesetzt werden, ist für die vertragliche Laufzeit die Gesamtbelastung nach der Formel laut Absatz 2, Litera d und e zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses maßgebend. Für die Gesamt-

belastung bei Anleihen sind vertraglich vorgesehene Tilgungsmöglichkeiten durch freihändigen Rückkauf nicht zu berücksichtigen. (5) Vorzeitige Rückzahlungsermächtigungen (Kündigungsrechte) sind für die Beurteilung der Laufzeit nicht zu berücksichtigen. § 2. (1) Der Bundesminister für Finanzen ist ermächtigt, für Kredite, die der Vorfinanzierung von Anleihen gemäß Paragraph eins, Absatz eins, dienen, namens des Bundes die Haftung als Bürge und Zahler (Paragraph 1357, des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches) unter der Voraussetzung zu übernehmen, daß a) die Laufzeit mit höchstens zwei Jahren begrenzt ist, b) das Ausmaß des im Paragraph eins, Absatz 2, Litera a und b genannten Betrages (Gegenwertes) an Kapital und Zinsen nicht überschritten wird und c) bei zeitlicher Kreditüberschneidung die Summe aus Vor- und Endfinanzierung bei Kreditoperationen im Einzelfall nicht mehr als 1000 Millionen Schilling und die Summe aller Vor- und Endfinanzierungen nicht mehr als 4000 Millionen Schilling beträgt. (2) Kredite, die der Vorfinanzierung solcher Anleihen dienen, sind auf den im Paragraph eins, Absatz 2, lit. a genannten Haftungsrahmen nicht anzurechnen. § 3. Der Bundesminister für Finanzen ist ermächtigt, für eine von der Österreichischen Industrieverwaltungs-Aktiengesellschaft in der Zeit zwischen 1. Jänner 1975 und dem Inkrafttreten dieses Bundesgesetzes begebene, auf den Gesamtbetrag gemäß Paragraph eins, Absatz 2, Litera a, anrechenbare Anleihe im Nominalbetrag von 450 Millionen Schilling zuzüglich der Zinsen und Kosten namens des Bundes die Haftung als Bürge und Zahler (Paragraph 1357, des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches) zu übernehmen. § 4. Der Bundesminister für Finanzen darf Haftungen gemäß Paragraph eins, Absatz eins und 2 sowie Paragraphen 2, und 3 überdies nur dann übernehmen, wenn die Österreichische Industrieverwaltungs-Aktiengesellschaft die verbindliche Erklärung abgibt, daß a) dem Bundesministerium für Finanzen die Prüfung der zweckgebundenen Verwendung des bundesverbürgten Kredites und im Zuge dieser Prüfung die Einsicht in alle Bücher, Urkunden und sonstigen Schriften der Österreichischen Industrieverwaltungs- Aktiengesellschaft gewährleistet wird, b) sie dem Bundesministerium für Finanzen für die Dauer der Laufzeit des bundesverbürgten Kredites den jährlichen Geschäftsbericht samt Gewinn- und Verlustrechnung und den Prüfungsbericht eines im Sinne der Wirtschaftstreuhänder-Berufsordnung, BGBl. Nr. 125 aus 1955,, in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. Nr. 26/ 1965 befugten Prüfers vorlegen wird und c) im Falle des Paragraph eins, Absatz eins, Litera b, die Gesellschaft für deren Kreditoperation eine Rückbürgschaft des Bundes übernommen werden soll, die gleichen verbindlichen Erklärungen, wie sie in Litera a und b angeführt sind, gegenüber der Österreichischen Industrieverwaltungs-Aktiengesellschaft abgibt. § 5. Wird die Haftung des Bundes gemäß Paragraph eins, Abs. 1 und 2 und Paragraph 2, für Fremdwährungsbeträge übernommen, so sind diese zu den im Zeitpunkt der Haftungsübernahme vom Bundesminister für Finanzen jeweils festgesetzten Kassenwerten auf die genannten Höchstbeträge anzurechnen. § 6. (1) Der Bundesminister für Finanzen ist ermächtigt, die gemäß Paragraph eins, Absatz eins und 2 für Darlehen und sonstige Kredite übernommenen Haftungen über die vertraglich vereinbarte Laufzeit zu erstrecken, wenn a) eine Prolongierung der Fälligkeiten von Verpflichtungen aus Kreditoperationen der Österreichischen Industrieverwaltungs- Aktiengesellschaft oder aus Kreditoperationen einer der in der Anlage zum ÖIG- Gesetz angeführten Gesellschaft und deren Tochtergesellschaften, für welche die Österreichische Industrieverwaltungs-Aktiengesellschaft die Haftung übernommen hat, zur Vermeidung einer Inanspruchnahme des Bundes aus der Haftung aus welchem Grund immer geboten ist, b) durch die Prolongierung die vertraglich vereinbarte Laufzeit um nicht mehr als fünf Jahre überschritten wird und c) die Mehrleistungen an Zinsen im Haftungsrahmen für Zinsen und Kosten Deckung finden. (2) Die sich jeweils ergebende Gesamtlaufzeit darf die im Paragraph eins, Absatz 2, Litera c, festgesetzte Laufzeit nicht überschreiten. § 7. Die gemäß Paragraph 11, der ÖIG-Gesetz-Novelle 1969, Bundesgesetzblatt Nr. 47 aus 1970,, übernommenen Haftungen sind mit dem Betrag, mit dem sie zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes aushaften, auf den im Paragraph eins, Absatz 2, Litera a, festgesetzten Haftungsrahmen anzurechnen. § 8. Wird der Bund auf Grund einer gemäß §§ 1 bis 3 und Paragraph 11, der ÖIG-Gesetz-Novelle 1969 übernommenen Haftung in Anspruch genommen, so steht ihm neben dem Recht auf Ersatz der bezahlten Schuld (Paragraph 1358, des allgemeinen bürger-

lichen Gesetzbuches) auch das Recht zu, von der Österreichischen Industrieverwaltungs- Aktiengesellschaft den Ersatz aller im Zusammenhang mit der Einlösung der übernommenen Haftung entstandenen Aufwendungen, insbesondere die vom Bund in einem Rechtsstreit mit den Gläubigern aufgewendeten Kosten, zu fordern. § 9. Für die Übernahme der Bürgschaft durch den Bund ist kein Entgelt zu entrichten. § 10. Die durch dieses Bundesgesetz unmittelbar veranlaßten Rechtsgeschäfte und Rechtsvorgänge sind von der Gesellschaftsteuer und von den Stempel- und Rechtsgebühren befreit. § 11. Die Bestimmung des Paragraph 3, tritt mit 1. Jänner 1975 in Kraft. § 12. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundesminister für Finanzen betraut.

Kirchschläger Kreisky Androsch