BUNDESGESETZBLATT
FÜR DIE REPUBLIK ÖSTERREICH

Jahrgang 2015

Ausgegeben am 16. Dezember 2015

Teil römisch zwei

423. Verordnung:

Versicherungsunternehmen Kapitalanlageverordnung – VU-KAV

423. Verordnung der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) über qualitative Vorgaben für Kapitalanlagen von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen (Versicherungsunternehmen Kapitalanlageverordnung – VU-KAV)

Auf Grund des Paragraph 126, des Versicherungsaufsichtsgesetzes 2016 – VAG 2016, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 34 aus 2015,, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 112 aus 2015,, wird mit Zustimmung des Bundesministers für Finanzen verordnet:

1. Abschnitt
Allgemeine Anforderungen

Anwendungsbereich

Paragraph eins,

Diese Verordnung gilt für Versicherungsunternehmen gemäß Paragraph 5, Ziffer eins, VAG 2016 und für Rückversicherungsunternehmen gemäß Paragraph 5, Ziffer 2, VAG 2016 mit Sitz im Inland. Die Bestimmungen des 2. Abschnitts sind auf Versicherungsunternehmen anwendbar, die gemäß Paragraph 300, VAG 2016 einen Deckungsstock zu bilden haben.

Asset-Liability-Management (ALM)

Paragraph 2,

Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen haben für die Modellierung des ALM gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 3, in Verbindung mit Paragraph 110, Absatz 2, Ziffer 2, VAG 2016 und Artikel 260, Absatz eins, Litera b, der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 zur Ergänzung der Richtlinie 2009/138/EG, Amtsblatt Nummer L 12 vom 17.01.2015 Seite 1, angemessene Annahmen und Faktoren zu verwenden.

Leitlinien betreffend die Veranlagung

Paragraph 3,

Um die Erfüllung der Anforderungen gemäß Paragraph 124, Absatz eins, VAG 2016 zu gewährleisten, haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen unternehmensinterne schriftliche Leitlinien betreffend ALM und Kapitalanlagen gemäß Paragraph 110, Absatz eins, 2, Ziffer 2 und 3 und Absatz 6, in Verbindung mit Paragraph 107, Absatz 3, VAG 2016 zu erstellen und zu implementieren, die, sofern für die unternehmensinterne Veranlagung relevant, zumindest die folgenden Bestandteile umfassen:

  1. Ziffer eins
    Segmentierung des gesamten Portfolios zumindest auf Ebene der Bilanzabteilungen gemäß Paragraph 140, Absatz eins, VAG 2016;
  2. Ziffer 2
    Veranlagungsziele unter Beachtung von Verpflichtungen aus Versicherungsverträgen und anderen Verbindlichkeiten, Risiko, Ertrag, Zeithorizont und Liquiditätsbedarf;
  3. Ziffer 3
    Prozesse für das ALM;
  4. Ziffer 4
    Kriterien für die Sicherheit, Qualität, Liquidität, Rentabilität und Verfügbarkeit des gesamten Portfolios und das daraus abgeleitete Limitsystem;
  5. Ziffer 5
    Strategische Asset Allokation, geeignete Abweichungsparameter und Regeln für deren Festlegung;
  6. Ziffer 6
    Definition des Anlageuniversums nach Vermögenswertkategorien;
  7. Ziffer 7
    Veranlagungsprozesse in Bezug auf Vermögenswertkategorien gemäß Ziffer 6,;
  8. Ziffer 8
    Beschreibung der Eskalationsmechanismen im Fall einer Überschreitung der gemäß Ziffer 4 und Paragraph 6, festgelegten Limits;
  9. Ziffer 9
    Umfang und Häufigkeit eigener Kreditrisikobeurteilungen gemäß Paragraph 8, einschließlich der Festlegung von Kriterien, die eine erneute Kreditrisikobeurteilung erforderlich machen;
  10. Ziffer 10
    Bedingungen, unter denen das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen Wertpapierleih- und Wertpapierpensionsgeschäfte betreiben kann;
  11. Ziffer 11
    Prozesse für die Bewertung der Vermögenswerte und Überwachung der Wertentwicklung.

Organisatorische Trennung

Paragraph 4,

Um die Erfüllung der Anforderungen des Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer eins bis 4 VAG 2016 zu gewährleisten, ist die Bewertung der Vermögenswerte, die Abwicklung und die Erfassung der Transaktionen im Rechnungswesen im Einklang mit Paragraph 107, Absatz 2, Ziffer eins, VAG 2016 organisatorisch von der Vermögenswertselektion im Rahmen der Veranlagung zu trennen.

Dokumentation

Paragraph 5,

Um die Risiken der Veranlagung im Einklang mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer eins, VAG 2016 angemessen erkennen, messen, überwachen, managen und steuern zu können und um über diese angemessen berichten zu können, sind die Grundlagen für Veranlagungsentscheidungen sowie die laufende Überwachung der Wertentwicklung und des Kreditrisikos angemessen zu dokumentieren. Sämtliche Transaktionen sind zeitnah und vollständig zu erfassen.

Mischung und Streuung

Paragraph 6,

  1. Absatz eins,Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen haben zum Zwecke einer angemessenen Mischung und Streuung gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 7, VAG 2016 ein geeignetes Limitsystem mit quantitativen Anlagegrenzen für alle relevanten Konzentrationsrisiken, jedenfalls aber für die gemäß Paragraph 3, Ziffer 6, definierten Vermögenswertkategorien, für Emittenten bzw. Gegenparteien einschließlich solcher, die derselben Unternehmensgruppe gemäß Paragraph 74, Absatz 7, InvFG 2011, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 77 aus 2011,, in der Fassung des Bundesgesetzes Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 117 aus 2015,, angehören, und für geografische Regionen festzulegen und umzusetzen.
  2. Absatz 2,Bei der Überwachung von quantitativen Anlagegrenzen gemäß Absatz eins, gilt hinsichtlich Anlagen in Anteilen an Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) gemäß Paragraph 2, InvFG 2011, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 77 aus 2011,, in der Fassung des Bundesgesetzes Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 117 aus 2015,, in Anteilen an Alternative Investmentfonds (AIF) gemäß Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer eins, AIFMG, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 135 aus 2013,, in der Fassung des Bundesgesetzes Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 117 aus 2015,, in andere Anlagen in Fondsform sowie in indirekte Risikopositionen gemäß Artikel 84, Absatz 2, der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 Folgendes:
    1. Ziffer eins
      Liegt ein maßgeblicher Einfluss des Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmens auf die Verwaltung oder Veranlagung der im ersten Satz genannten Anlagen vor, so haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen auf die einzelnen den im ersten Satz genannten Anlagen zugrunde liegenden Vermögenswerte durchzuschauen (Look-Through-Ansatz).
    2. Ziffer 2
      Liegt kein maßgeblicher Einfluss vor, so hat die Durchschau zumindest auf Grundlage einer Zielallokation im Sinne des Artikel 84, Absatz 3, der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 auf die einzelnen den im ersten Satz genannten Anlagen zugrunde liegenden Vermögenswertkategorien zu erfolgen.
  3. Absatz 3,Ein maßgeblicher Einfluss des Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmens auf die Verwaltung oder Veranlagung der in Paragraph 6, Absatz 2, erster Satz genannten Anlagen wird vermutet, wenn
    1. Ziffer eins
      die Anlagen gemäß Absatz 2, erster Satz von mit dem Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen verbundenen Unternehmen verwaltet werden, oder
    2. Ziffer 2
      das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen mehr als 50% des Vermögens der Anlage gemäß Absatz 2, erster Satz hält, oder
    3. Ziffer 3
      das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen die Veranlagungspolitik oder Veranlagungsentscheidungen des die Anlagen verwaltenden Unternehmens anderweitig beeinflussen kann. Die Möglichkeit, die Veranlagungspolitik oder Veranlagungsentscheidungen zu beeinflussen, ist jedenfalls dann anzunehmen, wenn eine Auslagerung der Veranlagung der entsprechenden Vermögenswerte durch das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen vorliegt, die als wichtig oder kritisch im Sinne von Paragraph 109, Absatz 2, VAG 2016 anzusehen ist.
  4. Absatz 4,Die Vermutung gemäß Absatz 3, trifft nicht zu, wenn das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen darlegen kann, dass trotz Vorliegen der in Absatz 3, genannten Voraussetzungen ein maßgeblicher Einfluss nicht vorliegt.
  5. Absatz 5,Bei Dachfonds ist im Rahmen der Überwachung der quantitativen Anlagegrenzen gemäß Absatz 2, und 3 eine ausreichende Anzahl von Wiederholungen der Durchschau vorzunehmen.
  6. Absatz 6,Abweichend von Absatz 2, und 3 kann bei Anlagen in OGAW, deren Anlagestrategie auf der Nachbildung der Entwicklung eines oder mehrerer Indizes beruht (indexnachbildende OGAW), die Durchschau nur auf Grundlage einer Zielallokation im Sinne des Artikel 84, Absatz 3, der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 erfolgen.
  7. Absatz 7,Absatz eins, bis 4 finden keine Anwendung auf Vermögenswerte, die gemäß Paragraph 125, VAG 2016 für die fonds- oder indexgebundene Lebensversicherung gehalten werden. Für die Bedeckung des Deckungserfordernisses der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gemäß Paragraph 300, Absatz eins, Ziffer 6, VAG 2016 sind die Bestimmungen der Absatz eins, bis 4 unter Bedachtnahme auf die Besonderheiten der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gemäß den Paragraphen 108 g bis 108 i des Einkommensteuergesetzes 1988 – EStG 1988, Bundesgesetzblatt Nr. 400 aus 1988,, in der Fassung des Bundesgesetzes Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 118 aus 2015,, anzuwenden.

Wesentliche Risikoindikatoren

Paragraph 7,

Um sicherzustellen, dass Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen im Einklang mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer eins, in Verbindung mit Paragraph 110, Absatz 2, Ziffer 3, VAG 2016 nur in Vermögenswerte investieren, deren Risiken sie angemessen erkennen, messen, überwachen, managen, steuern können und über deren Risiken sie angemessen berichten können, haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen eigene Risikoindikatoren zu entwickeln, welche im Rahmen der Veranlagung einzusetzen sind und alle wesentlichen Risikoindikatoren, zumindest jedoch die folgenden umfassen:

  1. Ziffer eins
    Vergleich der Zinssensitivitäten von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten;
  2. Ziffer 2
    Abweichungen von der strategischen bzw. taktischen Asset Allokation
  3. Ziffer 3
    Abweichungen vom Limitsystem für alle anderen relevanten Konzentrationsrisiken gemäß Paragraph 3, Ziffer 4 und Paragraph 6, Absatz eins,;
  4. Ziffer 4
    Anteil nicht notierter und nicht regelmäßig gehandelter Vermögenswerte;
  5. Ziffer 5
    Struktur der Segmente gemäß Paragraph 3, Ziffer eins, nach Kreditqualität, Laufzeit bzw. Zinssensitivität, Währung und geografischer Region;
  6. Ziffer 6
    Basiswertäquivalent des dem Derivat zugrundeliegenden Basiswerts gemäß Paragraph 4, Absatz eins, in Verbindung mit der Anlage 1 Abschnitt A der 4. Derivate-Risikoberechnungs- und Meldeverordnung, Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 266 aus 2011,, in der Fassung der Verordnung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 267 aus 2015,, bei Verwendung von Derivaten zur Erleichterung einer effizienten Portfolioverwaltung gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 5, VAG 2016 sowie Sensitivitätskennzahlen für Derivate bei materiellem Exposure und
  7. Ziffer 7
    Anteil des gesamten Portfolios in Anlagen gemäß Paragraph 6, Absatz 2, erster Satz, auf den die Durchschau auf einzelne Vermögenswerte gemäß Paragraph 6, Absatz 2, Ziffer eins, nicht angewandt wird.

Kreditrisikobeurteilung

Paragraph 8,

Um sicherzustellen, dass Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 2, VAG 2016 sämtliche Vermögenswerte auf eine Art und Weise anlegen, die die Sicherheit, die Qualität, die Liquidität und die Rentabilität des gesamten Portfolios gewährleistet, haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen bei der Beurteilung der Kreditqualität der Emittenten bzw. Gegenparteien Folgendes zu beachten:

  1. Ziffer eins
    Eine angemessene eigene Kreditrisikobeurteilung ist jedenfalls für komplexere oder materielle Anlagen oder Anlagetätigkeiten, welche ein Kreditrisiko aufweisen, sowie für Darlehen durchzuführen. Für die Bestimmung materieller Anlagen oder Anlagetätigkeiten sind Exposures gegenüber demselben Emittenten oder verschiedenen Emittenten derselben Unternehmensgruppe gemäß Paragraph 74, Absatz 7, InvFG 2011 bzw. gegenüber derselben Gegenpartei oder verschiedenen Gegenparteien derselben Unternehmensgruppe gemäß Paragraph 74, Absatz 7, InvFG 2011 zusammenzuzählen.
  2. Ziffer 2
    Die Kreditrisikobeurteilung gemäß Ziffer eins, ist sowohl auf Ebene des einzelnen Emittenten bzw. der einzelnen Gegenpartei als auch, sofern der Emittent bzw. die Gegenpartei einer Unternehmensgruppe gemäß Paragraph 74, Absatz 7, InvFG 2011 angehört, auf Gruppenebene durchzuführen. Maßnahmen, die die Kreditqualität verbessern, wie Garantien oder Sicherheiten, sind dabei zu berücksichtigen.
  3. Ziffer 3
    Die Kreditrisikobeurteilung gemäß Ziffer eins, hat, sofern relevant, die Analyse von makroökonomischen Entwicklungen, Bilanz- und Marktkennzahlen, Berichten externer Ratingagenturen, der Vertragsdokumentation sowie die laufende Überwachung von Nachrichten, welche auf eine Veränderung des Kreditrisikos schließen lassen können, zu umfassen.
  4. Ziffer 4
    Die für die Kreditrisikobeurteilung gemäß Ziffer eins, verwendeten Informationen sind aus verlässlichen Quellen zu beziehen und haben im Hinblick auf den Umfang und die Aktualität eine ausreichende Anzahl von Datenpunkten zu berücksichtigen, die eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Kreditrisikos über mehrere Zeitperioden ermöglichen.

Liquidität

Paragraph 9,

Um sicherzustellen, dass alle übernommenen Verpflichtungen auch aus Wertpapier- und Derivategeschäften zum Zeitpunkt der Fälligkeit in vollem Umfang erfüllt werden können, haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen im Einklang mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 2 und 3 VAG 2016 dafür Sorge zu tragen, dass die Zusammensetzung des gesamten Portfolios die ständige Verfügbarkeit eines angemessenen Betrags an liquiden Mitteln gewährleistet.

Wertpapierleih- und Wertpapierpensionsgeschäfte

Paragraph 10,

  1. Absatz eins,Um die Sicherheit, die Qualität und die Liquidität des gesamten Portfolios gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 2, VAG 2016 zu gewährleisten, sind für Wertpapiere, die Gegenstand von Wertpapierleih- und Wertpapierpensionsgeschäften sind, Sicherheiten zu stellen, die als hochliquide angesehen werden können, wie etwa Guthaben bei Kreditinstituten, Gold, Schuldverschreibungen von Staaten oder Unternehmen mit zumindest hoher Kreditqualität oder gedeckte Schuldverschreibungen gemäß Artikel 46, Absatz 3, Litera a, der Verordnung (EU) Nr. 648 aus 2012, über OTC-Derivate, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister, Amtsblatt Nummer L 201 vom 27.07.2012 Seite 1, zuletzt geändert durch die Richtlinie (EU) 2015/1515, Amtsblatt Nummer L 239 vom 15.09.2015 Seite 63, die zumindest eine hohe Kreditqualität aufweisen.
  2. Absatz 2,Der Marktwert der Sicherheitsleistung darf den Marktwert der verliehenen Wertpapiere zu keinem Zeitpunkt unterschreiten und die Sicherheiten sind auf Depots oder Konten zu hinterlegen, auf die der Wertpapierleihnehmer im Konkurs- oder Insolvenzfall nicht zugreifen kann. Wertpapierleih- und Wertpapierpensionsgeschäfte sind nur auf vorsichtigem Niveau und ausschließlich im besten Interesse aller Versicherungsnehmer und Anspruchsberechtigten zulässig.
  3. Absatz 3,Absatz eins und 2 gelten für Wertpapierleih- und Wertpapierpensionsgeschäfte im Direktbestand sowie sinngemäß innerhalb von Anlagen, auf deren Verwaltung oder Veranlagung ein maßgeblicher Einfluss gemäß Paragraph 6, Absatz 3, vorliegt. Bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gemäß Paragraph 300, Absatz eins, Ziffer 6, VAG 2016 ist das vorsichtige Niveau gemäß Absatz 2, unter Bedachtnahme auf die Besonderheiten der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gemäß den Paragraphen 108 g bis 108 i EStG 1988 zu beurteilen.

Derivative Finanzinstrumente

Paragraph 11,

  1. Absatz eins,Beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten ist der zulässige Verwendungszweck gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 5, VAG 2016 unter Beachtung der folgenden Anforderungen nachzuweisen:
    1. Ziffer eins
      Bei Verwendung zur Verringerung von Risiken haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen jederzeit in der Lage zu sein, den risikoverringernden Effekt für den gesamten Zeitraum des geplanten Einsatzes quantitativ nachzuweisen. Ebenso haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen jederzeit in der Lage zu sein, nachzuweisen, dass durch den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten keine zusätzlichen wesentlichen Risiken entstehen.
    2. Ziffer 2
      Bei Verwendung zur Erleichterung einer effizienten Portfolioverwaltung haben Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen jederzeit in der Lage zu sein, quantitativ nachzuweisen, dass das erzeugte Risikoprofil nicht wesentlich von einem Risikoprofil ohne Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten abweicht und dass durch den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten keine zusätzlichen wesentlichen Risiken entstehen.
  2. Absatz 2,Um die Sicherheit, die Qualität, die Liquidität und die Rentabilität des gesamten Portfolios gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 2, VAG 2016 zu gewährleisten, sind spekulative Investments mit hohem Leverage, kurzer Haltedauer oder hoher Transaktionshäufigkeit oder im Rahmen von Arbitrage-Strategien ebenso wie der Einsatz von Short Put-Optionen nur auf vorsichtigem Niveau zulässig.
  3. Absatz 3,Als abzusichernde Risikopositionen im Sinne von Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 5, VAG 2016 gelten Aktiva als auch Passiva einzeln sowie in Summe für jedes Segment gemäß Paragraph 3, Ziffer eins,
  4. Absatz 4,Für das Risikomanagement in Bezug auf derivative Finanzinstrumente sind zumindest die Kennzahlen gemäß Paragraph 7, Ziffer 6, sowie das operationelle, Liquiditäts- und Gegenparteiausfallsrisiko zu berücksichtigen.
  5. Absatz 5,Absatz eins bis 4 gelten für Anlagen im Direktbestand und Anlagen gemäß Paragraph 6, Absatz 2, erster Satz, auf deren Verwaltung oder Veranlagung ein maßgeblicher Einfluss des Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmens gemäß Paragraph 6, Absatz 3, vorliegt.

2. Abschnitt
Besondere Bestimmungen für den Deckungsstock

Allgemeine Bestimmungen

Paragraph 12,

  1. Absatz eins,Um sicherzustellen, dass Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen im Einklang mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 3, VAG 2016 im besten Interesse aller Versicherungsnehmer und Anspruchsberechtigten angelegt werden, dürfen nur die folgenden Vermögenswerte zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden:
    1. Ziffer eins
      Kapitalanlagen gemäß Paragraph 144, Absatz 2, Posten B.I., B.II. und B.III.1 bis B.III.7 VAG 2016; sonstige Ausleihungen gemäß Paragraph 144, Absatz 2, Posten B.III.6 VAG 2016 jedoch nur insoweit, als es sich um einmal ausnutzbare Darlehen gemäß Paragraph 13, Ziffer 3, handelt;
    2. Ziffer 2
      anteilige Zinsen und Mieten gemäß Paragraph 144, Absatz 2, Posten E VAG 2016 nur insoweit, als es sich um anteilige Zinsen handelt;
    3. Ziffer 3
      laufende Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks und Kassenbestand gemäß Paragraph 144, Absatz 2, Posten F.II VAG 2016 nur insoweit, als es sich um laufende Guthaben bei Kreditinstituten und Kassenbestand handelt.
  2. Absatz 2,Unbeschadet Absatz eins, dürfen jedenfalls die folgenden Vermögenswerte nicht zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden
    1. Ziffer eins
      Vermögenswerte, die zur Wertpapierdeckung gemäß Paragraph 14, Absatz 5 und Absatz 7, EStG 1988 verwendet werden;
    2. Ziffer 2
      Wertpapiere aus eigener Emission;
    3. Ziffer 3
      Anteile an Unternehmen, auf die kritische oder wichtige operative Funktionen oder Tätigkeiten durch Auslagerung gemäß Paragraph 109, VAG 2016 übertragen worden sind;
    4. Ziffer 4
      Anteile an Unternehmen, für dessen Verpflichtungen das Versicherungsunternehmen als persönlich haftender Gesellschafter haftet oder dessen Gewinne und Verluste im Rahmen von Gewinn- und Verlustabführungsverträgen vom Versicherungsunternehmen übernommen werden.
  3. Absatz 3,Für die fonds- und indexgebundene Lebensversicherung gelten abweichend von Absatz eins und Paragraph 13, die Bestimmungen der Paragraphen 16 und 17,

Besondere Bestimmungen für einzelne Vermögenswerte

Paragraph 13,

Um sicherzustellen, dass Vermögenswerte, die zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, im Einklang mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 3 und 4 VAG 2016 im besten Interesse aller Versicherungsnehmer und Anspruchsberechtigten angelegt werden, sind folgende Grundsätze zu beachten:

  1. Ziffer eins
    Sofern Schuldverschreibungen nicht bloß in geringfügigem Umfang zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, hat ein Großteil dieser Schuldverschreibungen zumindest über eine hohe Kreditqualität im Sinne der Kreditrisikobeurteilung gemäß Paragraph 8, zu verfügen.
  2. Ziffer 2
    Anteile an AIF dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 nur auf vorsichtigem Niveau gehalten werden; diese Beschränkung gilt nicht für
    1. Litera a
      Spezialfonds gemäß Paragraph 163, InvFG 2011 und solche, die von einer Kapitalanlagegesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat verwaltet werden und die Merkmale gemäß Paragraph 163, InvFG 2011 aufweisen und
    2. Litera b
      Immobilienfonds gemäß Paragraph eins, des Immobilien-Investmentfondsgesetzes, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 80 aus 2003,, in der Fassung des Bundesgesetzes Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 115 aus 2015,, und mit diesen vergleichbare Immobilienfonds, die von einer Kapitalanlagegesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat verwaltet werden und einer öffentlichen Aufsicht unterliegen.
  3. Ziffer 3
    Darlehen dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 nur auf vorsichtigem Niveau und nur dann gehalten werden, wenn sie einmal ausnutzbar und nicht nachrangig sind. Darüber hinaus haben sie über eine zumindest hohe Kreditqualität im Sinne der Kreditrisikobeurteilung gemäß Paragraph 8, oder über ausreichende Sicherheiten zu verfügen. Bei Hypothekardarlehen haben die Liegenschaften im Inland oder in einem anderen Mitgliedstaat belegen und ausreichend elementarversichert zu sein und der Verkehrswert der Liegenschaft darf bis zu 60% belastet werden.
  4. Ziffer 4
    Derivative Finanzinstrumente gemäß Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer 2, dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 nur auf vorsichtigem Niveau gehalten werden. Derivative Finanzinstrumente gemäß Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer eins, haben sich auf Risikopositionen in der gleichen Deckungsstockabteilung gemäß Paragraph 300, VAG 2016 zu beziehen.
  5. Ziffer 5
    Strukturierte Schuldverschreibungen dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 nur auf vorsichtigem Niveau gehalten werden.

Tilgungen, Rücklösungen und Zinsen

Paragraph 14,

  1. Absatz eins,Vermögenswerte gemäß Paragraph 12, Absatz eins, dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 nur dann gehalten werden, wenn sichergestellt ist, dass Tilgungen und Rücklösungen auf ein gemäß Paragraph 302, Absatz 3, VAG 2016 gesondert nach Deckungsstockabteilungen geführtes und in ein Deckungsstockverzeichnis gemäß Paragraph 249, VAG 2016 eingetragenes und zu derselben Abteilung des Deckungsstocks wie der Deckungsstockwert gehörendes Bankkonto eingehen.
  2. Absatz 2,Anteilige Zinsen von Vermögenswerten, die zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, können zur Bedeckung des Deckungserfordernisses derselben Abteilung gemäß Paragraph 300, Absatz eins, Ziffer eins bis 8 VAG 2016 herangezogen werden, sofern die Gutschrift der Zinsen auf ein Bankkonto derselben Abteilung erfolgt.

Verfügbarkeit

Paragraph 15,

  1. Absatz eins,Darlehen gemäß Paragraph 13, Ziffer 3,, Forderungen wie etwa anteilige Zinsen und Guthaben bei Kreditinstituten dürfen nur dann zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, wenn der Schuldner, bei treuhändiger Verwaltung der Treuhänder, und der Bürge auf jedes Aufrechnungs- und Zurückbehaltungsrecht schriftlich verzichtet haben. Wertpapiere dürfen nur dann zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, wenn der Verwahrer auf jedes Aufrechnungs- und Zurückbehaltungsrecht schriftlich verzichtet hat.
  2. Absatz 2,Um die Verfügbarkeit gemäß Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer 2, VAG 2016 sicherzustellen, sind auf Inhaber lautende Wertpapiere, die zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 gehalten werden, bei einem Kredit- oder Finanzinstitut, welches als Verwahrer zum Betrieb des Depotgeschäftes berechtigt ist, zu hinterlegen, wobei sicherzustellen ist, dass die jeweils hinterlegten Wertpapiere beim Verwahrer ein Sondervermögen darstellen, das im Falle eines Konkurs- oder Insolvenzverfahrens kein Teil der Masse ist. Die Haftung des Verwahrers oder des Zwischenverwahrers für das Verschulden von Drittverwahrern darf vertraglich weder beschränkt noch ausgeschlossen werden.
  3. Absatz 3,Auf Namen lautende Wertpapiere sowie sonstige zu verwahrende Vermögenswerte sind ausreichend sicher zu verwahren.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Paragraph 16,

  1. Absatz eins,Um sicherzustellen, dass die Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen bei der fondsgebundenen Lebensversicherung im Einklang mit Paragraph 125, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer eins bis 4 VAG 2016 dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht entsprechen und insbesondere im besten Interesse aller Versicherungsnehmer und Anspruchsberechtigten angelegt werden, haben Versicherungsunternehmen angemessene Sorgfalt bei der Auswahl von Kapitalanlagefonds und deren Verwaltern anzuwenden. Hierbei sind insbesondere die Organisation des Verwalters und dessen Dienstleister, die Dokumentation betreffend den Fonds sowie dessen Ertrags- und Risikoprofil zu berücksichtigen.
  2. Absatz 2,Außer den betreffenden Anteilen an Kapitalanlagefonds gemäß Paragraph 125, Absatz 2, VAG 2016 dürfen zur Bedeckung des Deckungserfordernisses gemäß Paragraph 301, VAG 2016 in Verbindung mit Paragraph 300, Absatz eins, Ziffer 3, VAG 2016 in der fondsgebundenen Lebensversicherung in einem geringfügigen Ausmaß nur Guthaben bei Kreditinstituten gemäß Paragraph 15, Absatz eins, für Zwecke der vorübergehenden Veranlagung und Vorauszahlungen auf Polizzen nach Maßgabe des Paragraph 302, Absatz 2, VAG 2016 gehalten werden.
  3. Absatz 3,Sofern im Leistungsfall ein Wahlrecht über den Bezug von Anteilen an Kapitalanlagefonds oder Geldleistungen vorgesehen ist, müssen im jeweiligen Mitgliedstaat, in dem Versicherungsverträge angeboten werden, die dem Versicherungsnehmer zur Auswahl stehenden Kapitalanlagefonds zum öffentlichen Vertrieb registriert sein.

Indexgebundene Lebensversicherung

Paragraph 17,

Um sicherzustellen, dass die Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen bei der indexgebundenen Lebensversicherung im Einklang mit Paragraph 125, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 124, Absatz eins, Ziffer eins bis 4 VAG 2016 dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht entsprechen und insbesondere im besten Interesse aller Versicherungsnehmer und Anspruchsberechtigten angelegt werden, haben Versicherungsunternehmen insbesondere dafür Sorge zu tragen, dass

  1. Ziffer eins
    die Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen sowie die Emittenten dieser Vermögenswerte, soweit ein Kreditrisiko vorliegt, zum Zeitpunkt des Erwerbs zumindest eine hohe Kreditqualität im Sinne der Kreditrisikobeurteilung gemäß Paragraph 8, aufweisen;
  2. Ziffer 2
    die Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen und die Werte, auf denen der Referenzwert beruht, in Form von exakten, verlässlichen und gängigen Preisen, die entweder Marktpreise sind oder aufgrund eines emittentenunabhängigen Bewertungssystems bewertet werden, und extern nachvollziehbar sind;
  3. Ziffer 3
    die Vermögenswerte zur Bedeckung der versicherungstechnischen Rückstellungen eine angemessene Risikodiversifizierung aufweisen;
  4. Ziffer 4
    im Falle einer externen Kapitalgarantie der Garantiegeber bei der Kreditrisikobeurteilung gemäß Paragraph 8, zumindest eine hohe Kreditqualität aufweist;
  5. Ziffer 5
    die Zuordnung von Vermögenswerten zu Versicherungsprodukten und Gruppen von Versicherungsverträgen nachvollziehbar gestaltet und ausreichend dokumentiert ist.

3. Abschnitt

Übergangs- und Schlussbestimmungen

Paragraph 18,

  1. Absatz eins,Die Verordnung tritt mit 1. Jänner 2016 in Kraft.
  2. Absatz 2,Abweichend von den Paragraphen 12, 16 und 17 dürfen die zum 31. Dezember 2015 im Einklang mit den Bestimmungen der Kapitalanlageverordnung, BGBl. römisch zwei Nr. 2002/383, in der Fassung der Verordnung Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 409 aus 2013,, dem Deckungsstock gewidmeten Vermögenswerte auch nach dem 31. Dezember 2015 dem Deckungsstock gewidmet bleiben.

Ettl   Kumpfmüller