BUNDESGESETZBLATT
FÜR DIE REPUBLIK ÖSTERREICH

Jahrgang 2005

Ausgegeben am 17. Juni 2005

Teil römisch drei

92. Verordnung:

Entlastung von der Abzugsbesteuerung auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA-Entlastungsverordnung)

92. Verordnung des Bundesministers für Finanzen betreffend die Entlastung von der Abzugsbesteuerung auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA-Entlastungsverordnung)

Zur Durchführung von Doppelbesteuerungsabkommen wird auf deren Grundlage verordnet:

Paragraph eins,

Sind Einkünfte von im Ausland ansässigen Personen auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen ganz oder teilweise von einer inländischen Abzugsbesteuerung zu entlasten, kann diese Entlastung in unmittelbarer Anwendung der Doppelbesteuerungsabkommen vorbehaltlich der nachfolgenden Bestimmungen vom Vergütungsschuldner (vom Abfuhrpflichtigen) herbeigeführt werden (Entlastung an der Quelle). Der Vergütungsschuldner ist in diesem Fall verpflichtet, die Richtigkeit der Unterlassung oder Einschränkung des Steuerabzuges zu beweisen oder nach Maßgabe des Paragraph 138, BAO glaubhaft zu machen.

Paragraph 2,

  1. Absatz eins,Die Abkommensberechtigung des ausländischen Einkünfteempfängers kann dem Grunde nach durch eine von der ausländischen Steuerverwaltung ausgestellte Ansässigkeitsbescheinigung unter Verwendung der Vordrucke ZS-QU1 (für natürliche Personen) oder ZS-QU2 (für juristische Personen) glaubhaft gemacht werden.
  2. Absatz 2,Sofern die vom Schuldner der Einkünfte an den einzelnen Einkünfteempfänger geleisteten Vergütungen 10 000 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen und in Österreich kein Wohnsitz des Einkünfteempfängers besteht, kann die Abkommensberechtigung dem Grunde nach als glaubhaft gemacht angesehen werden, wenn anstelle einer Ansässigkeitsbescheinigung eine schriftliche Erklärung des Einkünfteempfängers vorliegt, die folgende Angaben enthält:
    1. Ziffer eins
      bei natürlichen Personen den Familien- und Vornamen und bei juristischen Personen die genaue Bezeichnung (z.B. den Firmennamen),
    2. Ziffer 2
      bei natürlichen Personen die Erklärung, dass sich in Österreich kein weiterer Wohnsitz (keine Wohnstätte) befindet,
    3. Ziffer 3
      bei natürlichen Personen die Anschriften aller in verschiedenen ausländischen Staaten unterhaltenen Wohnungen sowie die Bezeichnung jener Wohnung, an der sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet,
    4. Ziffer 4
      bei juristischen Personen die Angabe des Gründungsstaates und die Anschrift des Ortes der tatsächlichen Geschäftsleitung,
    5. Ziffer 5
      die Erklärung, dass keine Verpflichtung zur Weitergabe der Einkünfte an andere Personen besteht,
    6. Ziffer 6
      die Erklärung, dass die Einkünfte nicht einer vom Einkünfteempfänger unterhaltenen inländischen Betriebstätte zufließen,
    7. Ziffer 7
      Art und Höhe der bezogenen Vergütung.

Paragraph 3,

  1. Absatz eins,Ist der Einkünfteempfänger eine juristische Person oder eine als solche im anderen Staat behandelte Personengesellschaft, dann ist neben den in Paragraph 2, genannten Dokumentationserfordernissen noch eine Erklärung abzugeben, dass der Einkünfteempfänger
    1. Ziffer eins
      eine Betätigung entfaltet, die über den Rahmen der Vermögensverwaltung hinausgeht,
    2. Ziffer 2
      eigene Arbeitskräfte beschäftigt und
    3. Ziffer 3
      über eigene Betriebsräumlichkeiten verfügt.
  2. Absatz 2,Die Erklärung im Sinn von Absatz eins, kann durch einen Nachweis ersetzt werden, aus dem sich ergibt, dass innerhalb der letzten drei Jahre einem Antrag des Einkünfteempfängers auf abkommenskonforme Steuerrückzahlung in Bezug auf Einkünftezahlungen des Vergütungsschuldners von der Abgabenbehörde stattgegeben worden ist.

Paragraph 4,

Ist der Empfänger eine im ausländischen Staat als steuerlich transparent behandelte Personengesellschaft, sind der Firmenname und die Anschrift der Gesellschaft anzugeben. Ansässigkeitsbescheinigungen unter Verwendung der Vordrucke ZS-QU1 oder ZS-QU2 sind für jene Gesellschafter erforderlich, deren Anteil an den abkommensrechtlich zu entlastenden Vergütungen 10.000 Euro im Kalenderjahr überschreiten. Für andere Gesellschafter muss der Vergütungsschuldner Namen und Anschriften in Evidenz nehmen, sofern nicht auf andere Weise die Entlastungsberechtigung auf Grund des Abkommens glaubhaft gemacht werden kann.

Paragraph 5,

  1. Absatz eins,Eine Entlastung an der Quelle ist in folgenden Fällen unzulässig :
    1. Ziffer eins
      wenn den Dokumentationsanforderungen der Paragraphen 2 bis 4 nicht ausreichend entsprochen wird,
    2. Ziffer 2
      wenn dem Vergütungsschuldner Umstände bekannt sind oder bei Anwendung der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes hätten bekannt sein müssen, dass die Einkünfte dem ausländischen Empfänger der Vergütung steuerlich nicht zuzurechnen sind,
    3. Ziffer 3
      wenn Vergütungen aus einer Tätigkeit im Sinne des Paragraph 99, Absatz eins, Ziffer eins, EStG nicht an den Erbringer der dort genannten Tätigkeiten, sondern an Dritte gezahlt werden und keine Belege über Name und Anschrift des Erbringers der Tätigkeit sowie Angaben über die Höhe der an ihn fließenden Vergütungen vorliegen,
    4. Ziffer 4
      wenn Vergütungen für die Gestellung von Arbeitskräften zur inländischen Arbeitsausübung gezahlt werden (ausgenommen konzerninterne Personalüberlassung von Angestellten),
    5. Ziffer 5
      wenn der Einkünfteempfänger eine ausländische Stiftung, ein ausländischer Trust oder ein ausländischer Investmentfonds ist,
    6. Ziffer 6
      wenn der Einkünfteempfänger eine juristische Person ist, deren Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung sich nicht im Gründungsstaat befindet,
    7. Ziffer 7
      wenn Kapitalerträge im Zeitpunkt der Fälligkeit oder anlässlich der Veräußerung von Wertpapieren von Kreditinstituten in ihrer Funktion als Verwahrer oder Verwalter von Wertpapieren ausbezahlt werden.
  2. Absatz 2,Werden zur beschränkten Steuerpflicht zu erfassende Vergütungen im Sinn des Paragraph 99, Absatz eins, Ziffer eins, EStG nicht an den Erbringer der dort genannten Tätigkeiten, sondern an Dritte gezahlt, kann der Steuerabzug auf den an den Erbringer der Tätigkeit weiter fließenden Teil der Vergütungen eingeschränkt werden; für diesen Teil ist eine Entlastung an der Quelle auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen unzulässig.

Paragraph 6,

  1. Absatz eins,Die Verordnung tritt am 1. Juli 2005 in Kraft und ist auf Einkünfte anzuwenden, die ab diesem Zeitpunkt zufließen.
  2. Absatz 2,Ab dem Wirksamkeitsbeginn dieser Verordnung sind hinsichtlich der Steuerentlastung in Österreich nicht mehr anzuwenden:
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Belgien, Bundesgesetzblatt Nr. 216 aus 1974,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Brasilien, Bundesgesetzblatt Nr. 633 aus 1976,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-CSSR (betreffend Tschechien und Slowakei), Bundesgesetzblatt Nr. 484 aus 1979,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Großbritannien, Bundesgesetzblatt Nr. 505 aus 1979,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Irland, Bundesgesetzblatt Nr. 154 aus 1970,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Kanada, Bundesgesetzblatt Nr. 318 aus 1982,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Niederlande, Bundesgesetzblatt Nr. 83 aus 1972,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Polen, Bundesgesetzblatt Nr. 472 aus 1977,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Portugal, Bundesgesetzblatt Nr. 469 aus 1975,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Spanien, Bundesgesetzblatt Nr. 266 aus 1973,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsverordnung zum DBA-Ungarn, Bundesgesetzblatt Nr. 101 aus 1978,.
  3. Absatz 3,Nachstehende Durchführungsvereinbarungen stehen der Anwendung des Systems der Entlastung an der Quelle nach dieser Verordnung nicht entgegen:
    • Strichaufzählung
      Durchführungsvereinbarung zum DBA-Dänemark, Bundesgesetzblatt Nr. 172 aus 1972,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsvereinbarung zum DBA-Liechtenstein, Bundesgesetzblatt Nr. 437 aus 1971,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsvereinbarung zum DBA-Luxemburg, Bundesgesetzblatt Nr. 143 aus 1964,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsvereinbarung zum DBA-Schweden, Bundesgesetzblatt Nr. 298 aus 1972,
    • Strichaufzählung
      Durchführungsvereinbarung zum DBA-Schweiz, Bundesgesetzblatt Nr. 65 aus 1975,.

Grasser