BUNDESGESETZBLATT
FÜR DIE REPUBLIK ÖSTERREICH

Jahrgang 2004

Ausgegeben am 30. August 2004

Teil römisch zwei

342. Verordnung:

Grundausbildungsverordnung – Allgemeine Verwaltung des BMI

342. Verordnung des Bundesministers für Inneres über die Grundausbildung für Bedienstete der Allgemeinen Verwaltung (Grundausbildungsverordnung – Allgemeine Verwaltung des BMI)

Gemäß Paragraph 26, Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), Bundesgesetzblatt Nr. 333 aus 1979,, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 130 aus 2003,, wird verordnet:

Anwendungsbereich

Paragraph eins,

Diese Verordnung regelt die Grundausbildung für jene Bediensteten im Ressortbereich des Bundesministeriums für Inneres (BMI), die aufgrund des Vertragsbedienstetengesetzes 1948 (VBG 1948), Bundesgesetzblatt Nr. 86 aus 1948,, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 130 aus 2003, oder dienstvertraglicher Vereinbarungen zur Absolvierung einer Grundausbildung verpflichtet sind, oder für die gemäß BDG 1979 der erfolgreiche Abschluss einer Grundausbildung als Ernennungs- oder Definitivstellungserfordernis vorgesehen ist.

Ziele und Grundsätze der Grundausbildung

Paragraph 2,

  1. Absatz eins,Die Grundausbildung zielt inhaltlich und methodisch nicht nur auf die Vermittlung von Sachwissen, sondern auch vermehrt auf den Erwerb von Methoden- und Handlungswissen im Sinne einer praxisorientierten Ausbildung ab.

    Dabei werden unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden die persönliche Kompetenz sowie berufspraktische Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die zu einer qualitativ hochwertigen Erfüllung der Aufgaben erforderlich sind, um den Anforderungen professionell und verantwortungsvoll nachkommen zu können. Die Entwicklung der Mitarbeiter soll durch die Grundausbildung unterstützt und die persönliche Arbeitszufriedenheit gefördert werden.

  2. Absatz 2,Bei der Ausbildung sind folgende Grundsätze besonders zu beachten:
    1. Ziffer eins
      Der Lehrstoff ist dem neuesten Stand der Wissenschaft und den dienstlichen Erfordernissen des Allgemeinen Verwaltungsdienstes entsprechend zu vermitteln.
    2. Ziffer 2
      Der Unterricht ist anschaulich und gegenwartsbezogen zu gestalten.
    3. Ziffer 3
      Die Lehrgangsteilnehmer sind zu Selbständigkeit und Mitarbeit anzuleiten.

Organisation der Grundausbildung

Paragraph 3,

Für die im Paragraph eins, angeführte Grundausbildung sind nach Maßgabe des dienstlichen Bedarfes durch die Sicherheitsakademie (SIAK) Grundausbildungslehrgänge zu organisieren.

Leitung der Grundausbildungslehrgänge

Paragraph 4,

Die Leitung der Grundausbildungslehrgänge obliegt der SIAK. Mit der unmittelbaren organisatorischen Durchführung sowie der allenfalls erforderlichen Wahrnehmung der unmittelbaren Dienst- und Fachaufsicht ist für den jeweiligen Lehrgang vom Direktor der SIAK ein Lehrgangsleiter zu betrauen.

Aufbau der Grundausbildung

Paragraph 5,

  1. Absatz eins,Die Grundausbildung besteht aus
    1. Ziffer eins
      einer modulartig aufgebauten theoretischen Ausbildung sowie
    2. Ziffer 2
      einer praktischen Verwendung.
  2. Absatz 2,In der theoretischen Ausbildung werden folgende Ausbildungsmodule angeboten:
    1. Ziffer eins
      juristische Module,
    2. Ziffer 2
      ökonomische und organisatorische Module,
    3. Ziffer 3
      IT-Module,
    4. Ziffer 4
      Module für persönliche Kompetenz und
    5. Ziffer 5
      verwendungsspezifische Module.
  3. Absatz 3,Die theoretische Ausbildung hat folgende Unterrichtseinheiten zu umfassen:
    1. Ziffer eins
      Die Anzahl der Unterrichtseinheiten beträgt für:

A1/v1              (Rechtskundiger Dienst)

min. 240 UE

max. 320 UE

A1/v1              (sonstige wissenschaftliche Verwendung)

min. 220 UE

max. 320 UE

A2/v2              

min. 210 UE

max. 280 UE

A3/v3              

min. 154 UE

max. 220 UE

A4/v4,              A5

min. 126 UE

max. 190 UE

  1. Ziffer 2
    Die Bediensteten der Verwendungs-/Entlohnungsgruppe A1/v1 (Rechtskundiger Dienst) sowie A2/v2 haben zusätzlich eine verwendungsspezifische Ausbildung von min. 30 UE zu absolvieren.
  1. Absatz 4,Neben der theoretischen Ausbildung hat noch vor Abschluss der Grundausbildung eine praktische Verwendung in der Dauer von wenigstens zwei Monaten zu erfolgen, die auch in Form einer Jobrotation festgelegt werden kann. Die Jobrotation bedeutet, dass von der Gesamtdauer der praktischen Verwendung ein Teil an einem anderen als dem Stammarbeitsplatz verrichtet wird. Näheres wird im Ausbildungsplan festgelegt.
  2. Absatz 5,Für die Ausbildungsmodule sind pädagogisch und fachlich qualifizierte Vortragende heranzuziehen.
  3. Absatz 6,Die Bestellung der Vortragenden erfolgt durch die SIAK.
  4. Absatz 7,Die Koordinierung der Vortragenden und die notwendige inhaltliche Abstimmung und Vernetzung ist von der Lehrgangsleitung sicherzustellen.

Form und Inhalte der Grundausbildung

Paragraph 6,

  1. Absatz eins,Die Grundausbildung ist in Form von Ausbildungsmodulen durchzuführen. Die Ausbildungsmodule ergeben sich aus der Anlage.
  2. Absatz 2,Bei Durchführung der Ausbildungsmodule sollen alle zeitgemäßen und zweckmäßigen Formen der Vermittlung von Wissen zur Steigerung der Qualifikation genutzt werden. Diese werden zum Beispiel als Seminar, Vorlesung, Training, Projektarbeit, Hausarbeit, als Übung mit Teilnahmeschein, in Form von computerunterstütztem Lernen (e-Learning) oder als Selbststudium organisiert.
  3. Absatz 3,Für jede Verwendungs-/Entlohnungsgruppe sind in der theoretischen Ausbildung die in der Anlage festgelegten Ausbildungsmodule nach Maßgabe des Ausbildungsplanes zu absolvieren.

Ausbildungsplan

Paragraph 7,

Von der SIAK ist ein Ausbildungsplan für die Durchführung der jeweiligen Module festzulegen. Der Ausbildungsplan hat jedenfalls zu umfassen:

  1. Ziffer eins
    welche Ausbildungsmodule zu absolvieren sind,
  2. Ziffer 2
    die Dauer der zu absolvierenden Module,
  3. Ziffer 3
    die Festlegung der praktischen Verwendung,
  4. Ziffer 4
    die allfällige Festlegung einer Jobrotation,
  5. Ziffer 5
    die allfällige Festlegung von Projektarbeiten,
  6. Ziffer 6
    die Aufnahme von allfälligen Anrechnungszeiten.

Zuweisung zu Grundausbildungen

Paragraph 8,

  1. Absatz eins,Die Zuweisung zu Grundausbildungen erfolgt durch die Dienstbehörde.
  2. Absatz 2,Bundesbedienstete, die nicht dem Bundesministerium für Inneres angehören, sowie Bedienstete anderer Gebietskörperschaften können an Ausbildungsmaßnahmen nach Maßgabe freier Plätze gegen Kostenersatz teilnehmen.

Dienstprüfung

Paragraph 9,

Die Dienstprüfung ist abgelegt, wenn alle im Ausbildungsplan festgelegten Ausbildungsteile erfolgreich abgeschlossen wurden.

  1. Ziffer eins
    Für die in Paragraph 5, Absatz 2, Ziffer eins, 2 und 5 vorgesehenen Fachbereiche (ausgenommen IT-Module) durch erfolgreich bestandene Teilprüfungen.
  2. Ziffer 2
    Für die in Paragraph 5, Absatz 2, Ziffer 3 und 4 vorgesehenen Fachbereiche durch Teilnahmescheine, wobei die Teilnahme und die aktive Mitarbeit während der Ausbildung Grundvoraussetzungen darstellen.

Prüfungsordnung

Paragraph 10,

  1. Absatz eins,Ist ein Prüfungserfolg in einem Ausbildungsmodul als ausgezeichnet zu bewerten, so ist dieser Umstand im Zeugnis zu vermerken. Die praktische Verwendung ist zu beschreiben.
  2. Absatz 2,Eine Teilprüfung kann als Klausurarbeit, Hausarbeit oder mündliche Prüfung stattfinden und vor einem Einzelprüfer abgelegt werden. Nähere Details sind im Ausbildungsplan festzulegen.
  3. Absatz 3,Eine nicht bestandene Teilprüfung kann zweimal wiederholt werden. Die Reprobationsfrist für Klausurarbeiten und mündliche Prüfungen ist mit mindestens zwei Wochen und höchstens drei Monaten festzusetzen, jene für Hausarbeiten mit höchstens sechs Monaten.

Zeugnis

Paragraph 11,

  1. Absatz eins,Über die bestandene Dienstprüfung ist vom Vorsitzenden der Dienstprüfungskommission ein Zeugnis auszustellen. Im Zeugnis sind sämtliche Teilprüfungen der Dienstprüfung zu bezeichnen und die jeweilige Beurteilung festzuhalten. Wenn eine Projektarbeit erstellt wurde, ist das Thema der Arbeit anzuführen.
  2. Absatz 2,Das Original des Zeugnisses ist dem Bediensteten auszuhändigen. Eine Kopie des Zeugnisses ist im Personalakt abzulegen.

Prüfungskommission

Paragraph 12,

  1. Absatz eins,Die Bestellung der Prüfungskommission erfolgt durch den Bundesminister für Inneres für die Periode von 5 Jahren. Bei Bedarf kann die Prüfungskommission für den Rest ihrer Funktionsdauer um neue Mitglieder ergänzt werden.
  2. Absatz 2,Vorsitzender der Prüfungskommission ist der Direktor der SIAK, im Falle seiner Verhinderung sein Stellvertreter.
  3. Absatz 3,Einzelprüfer für die Abnahme der Klausurarbeiten oder der mündlichen Prüfungen müssen der Prüfungskommission angehören. Nach Möglichkeit sollen diese auch die Lehrbeauftragten der entsprechenden Ausbildungsmodule im betreffenden Grundausbildungslehrgang sein.
  4. Absatz 4,Für die Durchführung von Wiederholungsprüfungen sind durch den Vorsitzenden der Prüfungskommission Prüfungssenate einzurichten.
  5. Absatz 5,Prüfungssenate bestehen aus drei Mitgliedern. Mindestens ein Mitglied des Prüfungssenates ist aus dem Kreis der Vortragenden im jeweiligen Ausbildungslehrgang zu bestimmen.
  6. Absatz 6,Die Zugehörigkeit zur Dienstprüfungskommission endet mit dem Ausscheiden aus dem Personalstand des Bundes. Sie ruht vom Tag der Einleitung eines Disziplinarverfahrens bis zu dessen rechtskräftigem Abschluss, während der Zeit der (vorläufigen) Suspendierung vom Dienst bzw. bei einer Außerdienststellung.

Anrechnungsbestimmungen

Paragraph 13,

  1. Absatz eins,Aus Gründen der Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit können auch von anderen Bundesdienststellen und von Einrichtungen außerhalb des Bundes organisierte Ausbildungsmodule in Anspruch genommen werden.
  2. Absatz 2,Der erfolgreiche Abschluss solcher Ausbildungsmodule und anderer Ausbildungen oder Qualifizierungsmaßnahmen, Berufserfahrungen und selbständige Arbeiten kann nach Anhörung der SIAK gemäß Paragraph 30, BDG 1979 angerechnet werden.

Sprachliche Gleichbehandlung

Paragraph 14

. Soweit in dieser Verordnung auf natürliche Personen bezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise. Bei der Anwendung der Bezeichnung auf bestimmte natürliche Personen ist die jeweils geschlechtsspezifische Form zu verwenden.

Schlussbestimmung

Paragraph 15,

Diese Verordnung tritt mit 1. September 2004 in Kraft.

Strasser