Bundesverwaltungsgericht (BVwG)

.

Entscheidungstext W104 2154548-1

Gericht

Bundesverwaltungsgericht

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

W104 2154548-1

Entscheidungsdatum

06.07.2017

Norm

B-VG Art.133 Abs4
Horizontale GAP-Verordnung §23 Abs2
MOG 2007 §6
VwGVG §24
VwGVG §28 Abs1
VwGVG §28 Abs2

Spruch

W104 2154548-1/4E

 

IM NAMEN DER REPUBLIK!

 

Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Christian Baumgartner als Einzelrichter über die Beschwerde von XXXX, BNr. XXXX, gegen den Bescheid der Agrarmarkt Austria (AMA) vom 5.1.2017, AZ XXXX, betreffend die Gewährung von Direktzahlungen für das Antragsjahr 2016 zu Recht:

 

A)

 

Die Beschwerde wird abgewiesen.

 

B)

 

Die Revision ist unzulässig.

Text

ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:

 

I. Verfahrensgang

 

1. Die Beschwerdeführerin stellte einen Mehrfachantrag-Flächen für das Antragsjahr 2016, beantragte die Gewährung von Direktzahlungen und spezifizierte zu diesem Zweck in der Internet-Applikation INVEKOS-GIS eine Reihe von landwirtschaftlichen Nutzflächen, wobei sie für 10,8644 ha als Nutzung "Hanf, Sorte: USO-31" wählte.

 

2. Mit dem angefochtenen Bescheid wurden der Beschwerdeführerin Direktzahlungen in der Höhe von EUR 9.639,00 gewährt. Dabei erfolgte bei der Basisprämie ein Abzug wegen Sanktionen bei Übererklärung von 39,11%, d.i. EUR 3.595,88.

 

Begründend wird entscheidungswesentlich ausgeführt, Hanfpflanzen müssten unter normalen Wachstumsbedingungen bis zehn Tage nach Ende der Blüte gepflegt werden. Hanf könne jedoch ab Beginn der Blüte und vor Ablauf von 10 Tagen nach Ende der Blüte geerntet werden, wenn die betreffende Fläche bereits hinsichtlich des Tetrahydrocannabinolgehalts (THC-Gehalt) des Hanfs kontrolliert worden sei. Die Beschwerdeführerin habe die betreffende Fläche mit der FS-Nr. 101, Schlag 1 vor Ablauf von 10 Tagen nach Ende der Blüte umgebrochen oder geerntet, ohne dass es zuvor eine Vor-Ort-Kontrolle der AMA hinsichtlich des THC-Gehalts des Hanfs gegeben hätte. Diese Fläche sei daher nicht beihilfenfähig (Hinweis auf Art. 45 VO 809/2014, § 23 Abs. 2 GAP-VO). Aufgrund der Differenzfläche von 10,8645 Hektar ergebe sich eine Flächenabweichung von 26,0756 % (Differenzfläche/ermittelte Fläche Basisprämie x 100). Dabei handle es sich um eine Flächenabweichung von über 3 % oder über 2 Hektar. Daher werde der Betrag für die Basisprämie um das 1,5fache der Differenzfläche gekürzt (Hinweis auf Art. 19a Abs. 1 VO 640/2014).

 

3. Im Rahmen ihrer online gestellten Beschwerde vom 30.1.2017 machte die Beschwerdeführerin geltend, die Fläche sei am 10. Juli geerntet worden, da die Futterreserven aus der Ernte 2015 auf Grund der trockenen Witterung des Jahres 2015 am Betrieb knapp gewesen sein. Das Erntegut sei zur Fütterung im Rinderbereich eingesetzt worden. Da die Wachstumsbedingungen im Frühjahr des Jahres 2016 optimal gewesen seien, sei der Hanf bereits abgeblüht gewesen und deshalb für Futterzwecke abgeerntet worden.

 

4. Bei der Beschwerdevorlage erklärte die Behörde, gemäß mündlicher Auskunft der AGES komme sie zum Ergebnis, dass bei einer Aussaat von Hanf mit 1. Mai 2016 die Blüte mit Ende Juni 2016 (wie von der Beschwerdeführerin behauptet) unmöglich abgeschlossen gewesen sein habe können. Dazu hätte der Hanf bereits Anfang Juni 2016 zu blühen beginnen müssen. Dies sei entwicklungsphysiologisch unmöglich. Die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin sei daher als nicht plausibel einzustufen und der Antrag abzulehnen.

 

5. Am 27.6.2016 fand am Bundesverwaltungsgericht eine mündliche Verhandlung statt. Im Beisein eines Amtssachverständigen für Pflanzenbau wurde der Sachverhalt detailliert besprochen.

 

II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen: 1. Feststellungen (Sachverhalt) und Beweiswürdigung:

 

1.1. Die Beschwerdeführerin stellte einen Mehrfachantrag-Flächen für das Antragsjahr 2016, beantragte die Gewährung von Direktzahlungen und spezifizierte zu diesem Zweck in der Internet-Applikation INVEKOS-GIS eine Reihe von landwirtschaftlichen Nutzflächen, wobei sie für 10,8644 ha als Nutzung "Hanf, Sorte: USO-31" wählte.

 

Diese Feststellungen ergeben sich aus dem Akt.

 

1.2. Der Anbau des Hanfs erfolgte am 1.5.2016, die Ernte erfolgte am 10.7., noch vor Ende der Blüte. Dies ergibt sich – entgegen der Behauptung in der Beschwerde – aus den Aussagen des Vertreters der Beschwerdeführerin in der Verhandlung, die auch vom Gutachten des pflanzenbautechnischen Sachverständigen in der Verhandlung bestätigt werden, wonach davon auszugehen ist, dass USO-31 im Jahr 2016 in Drosendorf frühestens Ende Juni oder Anfang Juli zu blühen begonnen hat. Die Blühdauer eines Hanfbestandes beträgt zumindest 2 Wochen. Am 10.7.2016 konnte das Blühende deshalb nicht 10 Tage vorüber gewesen sein.

 

In den Anbaumonaten Mai und Juni herrschten im Gebiet durchschnittliche Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse. Selbst wenn die Behauptung der Beschwerdeführerin in der Verhandlung zutrifft, dass diese Monate in der Region trockener waren als im übrigen Wald- und Weinviertel, so kann dieser Unterschied im eher feuchteren und durchschnittlich warmen Jahr 2016 nicht die (alleinige) Ursache dafür gewesen sein, dass der Hanf, wie von der Beschwerdeführerin ebenfalls behauptet wurde, nur kniehoch wurde (woran das Bundesverwaltungsgericht keinen Grund zu zweifeln hat) und nicht verkauft werden konnte, sondern verfüttert werden musste. In der Beschwerde hatte die Beschwerdeführerin noch behauptet, die Wachstumsbedingungen seien "optimal" gewesen.

 

2. Rechtliche Beurteilung:

 

2.1. Maßgebliche Rechtsgrundlagen in der für das betroffene Antragsjahr maßgeblichen Fassung:

 

Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 mit Vorschriften über Direktzahlungen an Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe im Rahmen von Stützungsregelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 637/2008 des Rates und der Verordnung (EG) Nr. 73/2009 des Rates, ABl. L 347 vom 20.12.2013, S. 608, im Folgenden VO (EU) 1307/2013:

 

"Artikel 32

 

Aktivierung von Zahlungsansprüchen

 

(1) Eine Stützung im Rahmen der Basisprämienregelung wird den Betriebsinhabern bei Aktivierung eines Zahlungsanspruchs je beihilfefähige Hektarfläche mittels Anmeldung gemäß Artikel 33 Absatz 1 in dem Mitgliedstaat, in dem der Zahlungsanspruch zugewiesen wurde, gewährt. Bei aktivierten Zahlungsansprüchen besteht Anspruch auf die jährliche Zahlung der darin festgesetzten Beträge, unbeschadet der Anwendung von Haushaltsdisziplin, Kürzung von Zahlungen gemäß Artikel 11 sowie linearen Kürzungen gemäß Artikel 7, Artikel 51 Absatz 2 und Artikel 65 Absatz 2 Buchstabe c der vorliegenden Verordnung sowie der Anwendung von Artikel 63 der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013.

 

(2) Im Sinne dieses Titels bezeichnet der Begriff "beihilfefähige Hektarfläche"

 

a) jede landwirtschaftliche Fläche des Betriebs, [ ], die für eine landwirtschaftliche Tätigkeit genutzt wird oder, wenn die Fläche auch für nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten genutzt wird, hauptsächlich für eine landwirtschaftliche Tätigkeit genutzt wird;

 

[ ]

 

(4) Die Flächen gelten nur dann als Hektarflächen, wenn sie - außer im Falle höherer Gewalt oder außergewöhnlicher Umstände - jederzeit während des Kalenderjahres die Begriffsbestimmung für die beihilfefähige Hektarfläche erfüllen.

 

[ ]

 

(6) Zum Hanfanbau genutzte Flächen sind nur beihilfefähig, wenn der Tetrahydrocannabinolgehalt der verwendeten Sorten nicht mehr als 0,2 % beträgt.

 

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 640/2014 der Kommission vom 11. März 2014 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013, ABl. L 181 vom 20.6.2014, S. 48, im Folgenden VO (EU) 640/2014:

 

"Artikel 2

 

Begriffsbestimmungen

 

Für die Zwecke des integrierten Systems im Sinne von Artikel 67 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013 gelten die Begriffsbestimmungen in Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 und Artikel 67 Absatz 4 der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013.

 

Zudem gelten folgende Begriffsbestimmungen:

 

[ ].

 

23. "ermittelte Fläche":

 

a) im Rahmen flächenbezogener Beihilferegelungen die Fläche, die alle Förderkriterien oder anderen Auflagen im Zusammenhang mit den Voraussetzungen für die Beihilfegewährung erfüllt, ungeachtet der Zahl der Zahlungsansprüche, über die der Begünstigte verfügt, [ ]."

 

"Artikel 18

 

Berechnungsgrundlage in Bezug auf flächenbezogene Zahlungen

 

(1) Für Beihilfeanträge im Rahmen der Basisprämienregelung, der Kleinerzeugerregelung, der Umverteilungsprämie, der Zahlung für Gebiete mit naturbedingten Benachteiligungen und gegebenenfalls der Regelung für Junglandwirte in den Mitgliedstaaten, die die Basisprämienregelung anwenden, gilt Folgendes:

 

[ ]

 

(6) Ist im Falle von Beihilfeanträgen und/oder Zahlungsanträgen für flächenbezogene Beihilferegelungen oder Stützungsmaßnahmen die angemeldete Fläche größer als die ermittelte Fläche für eine Kulturgruppe gemäß Artikel 17 Absatz 1, so wird die Beihilfe oder Stützung unbeschadet etwaiger nach Artikel 19 vorzunehmender Verwaltungssanktionen auf der Grundlage der für diese Kulturgruppe ermittelten Fläche berechnet.

 

[ ]

 

"Artikel 19a

 

Verwaltungssanktionen bei Übererklärungen von Flächen für die Basisprämienregelung, die Regelung für die einheitliche Flächenzahlung, die Umverteilungsprämie, die Regelung für Junglandwirte, die Zahlung für Gebiete mit naturbedingten Benachteiligungen, die Kleinerzeugerregelung, die Zahlungen im Rahmen der Natura-2000- und der Wasserrahmenrichtlinie und die Zahlungen für aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete

 

(1) Übersteigt bei einer Kulturgruppe gemäß Artikel 17 Absatz 1 die für die Beihilferegelungen gemäß Titel III Kapitel 1, 2, 4 und 5 und Titel V der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 und für die Stützungsmaßnahmen gemäß den Artikeln 30 und 31 der Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 gemeldete Fläche die gemäß Artikel 18 der vorliegenden Verordnung ermittelte Fläche, so wird die Beihilfe oder Stützung auf der Grundlage der ermittelten Fläche berechnet und um das 1,5fache der festgestellten Differenz gekürzt, wenn diese Differenz mehr als 3 % der ermittelten Fläche oder mehr als 2 ha beträgt. Die Verwaltungssanktion darf sich nicht auf mehr als 100 % der auf der Grundlage der gemeldeten Fläche berechneten Beträge belaufen.

 

(2) Wurde gegen den Begünstigten noch keine Verwaltungssanktion gemäß Absatz 1 wegen Übererklärung von Flächen für die betreffende Beihilferegelung oder Stützungsmaßnahme verhängt, so wird die in Absatz 1 genannte Verwaltungssanktion um 50 % gekürzt, wenn die Differenz zwischen der gemeldeten Fläche und der ermittelten Fläche nicht mehr als 10 % der ermittelten Fläche beträgt.

 

(3) Wurde die gegen einen Begünstigten verhängte Verwaltungssanktion gemäß Absatz 2 gekürzt und muss gegen diesen Begünstigten für die betreffende Beihilferegelung oder Stützungsmaßnahme für das folgende Antragsjahr eine weitere Verwaltungssanktion gemäß vorliegendem Artikel und Artikel 21 verhängt werden, so muss er die Verwaltungssanktion für das folgende Antragsjahr in voller Höhe und den Betrag bezahlen, um den die gemäß Absatz 1 berechnete Verwaltungssanktion im Einklang mit Absatz 2 gekürzt wurde. [ ]."

 

Durchführungsverordnung (EU) Nr. 809/2014 der Kommission vom 17. Juli 2014 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) Nr. 1306/2013, ABl. L 227 vom 31.7.2014, S. 69, im Folgenden VO (EU) 809/2014:

 

"Artikel 45

 

Prüfung des Tetrahydrocannabinolgehalts von angebautem Hanf

 

(1) Für die Zwecke von Artikel 32 Absatz 6 der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 richten die Mitgliedstaaten das in Anhang I der vorliegenden Verordnung dargelegte System zur Bestimmung des Gehalts an Tetrahydrocannabinol (nachstehend "THC") ein.

 

(2) Die zuständige Behörde des Mitgliedstaats bewahrt die Aufzeichnungen über Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem THC-Gehalt auf. Diese Aufzeichnungen umfassen für jede Sorte zumindest den ermittelten THC-Gehalt jeder Probe, ausgedrückt als Prozentsatz mit zwei Dezimalstellen, das angewendete Verfahren, die Zahl der durchgeführten Analysen, den Zeitpunkt der Probenahme und die auf nationaler Ebene getroffenen Maßnahmen.

 

(3) Überschreitet der durchschnittliche THC-Gehalt aller Proben einer bestimmten Sorte den in Artikel 32 Absatz 6 der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 festgesetzten Gehalt, so wenden die Mitgliedstaaten auf die betreffende Sorte während des folgenden Antragsjahres das in Anhang I der vorliegenden Verordnung beschriebene Verfahren B an. Dieses Verfahren wird während der nächsten Antragsjahre angewendet, es sei denn, alle Analyseergebnisse für die betreffende Sorte weisen einen THC-Gehalt aus, der unter dem in Artikel 32 Absatz 6 der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 festgesetzten Gehalt liegt.

 

Überschreitet der durchschnittliche THC-Gehalt aller Proben einer bestimmten Sorte in zwei aufeinander folgenden Jahren den in Artikel 32 Absatz 6 der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013 festgesetzten Gehalt, so unterrichtet der betreffende Mitgliedstaat die Kommission über die Ermächtigung, das Inverkehrbringen dieser Sorte gemäß Artikel 18 der Richtlinie 2002/53/EG des Rates zu verbieten. Diese Unterrichtung muss bis spätestens 15. November des jeweiligen Antragsjahres erfolgen. Ab dem folgenden Antragsjahr können für die unter diesen Antrag fallende Sorte in dem betreffenden Mitgliedstaat keine Direktzahlungen mehr geleistet werden.

 

(4) Hanfpflanzen müssen unter normalen Wachstumsbedingungen nach ortsüblichen Normen mindestens bis zehn Tage nach Ende der Blüte gepflegt werden, so dass die in den Absätzen 1, 2 und 3 genannten Kontrollen vorgenommen werden können.

 

Die Mitgliedstaaten können allerdings zulassen, dass Hanf nach Beginn der Blüte, jedoch vor Ablauf des zehntägigen Zeitraums nach Ende der Blüte geerntet wird, sofern die Kontrollbeauftragten für jede Parzelle die repräsentativen Teile angeben, die im Hinblick auf die Kontrolle gemäß dem Verfahren des Anhangs I mindestens bis zehn Tage nach Ende der Blüte gepflegt werden müssen.

 

[ ]"

 

Verordnung des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft mit horizontalen Regeln für den Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik (Horizontale GAP-Verordnung), BGBl. II Nr. 100/2015:

 

"Besondere Vorschriften für bestimmte Nutzungen

 

§ 23. [ ]

 

(2) Hanf kann ab Beginn der Blüte und auch vor Ablauf von zehn Tagen nach der Blüte geerntet werden, wenn die betreffende Fläche bereits nach Art. 45 Abs. 4 Unterabsatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 809/2014 kontrolliert wurde."

 

2.2. Rechtliche Würdigung:

 

Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin für jene Flächen, auf denen ein Anbau von Hanf erfolgte, nicht alle Förderkriterien bzw. Auflagen im Zusammenhang mit den Voraussetzungen für die Beihilfegewährung erfüllt. Hanfpflanzen müssen unter normalen Wachstumsbedingungen nach ortsüblichen Normen mindestens bis zehn Tage nach Ende der Blüte gepflegt werden; es kann aber ab Beginn der Blüte auch vor Ablauf von zehn Tagen nach der Blüte geerntet werden, wenn die betreffende Fläche bereits nach Art. 45 Abs. 4 Unterabsatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 809/2014 kontrolliert wurde.

 

Da im nördlichen Niederösterreich keine außergewöhnlichen Wachstumsbedingungen vorliegen und die angeführten Fristen nicht eingehalten wurden, erfolgte die Kürzung zu Recht.

 

Dass ein Fall höherer Gewalt oder außergewöhnlicher Umstände gem. Art. 2 Abs. 2 der VO (EU) 1306/2013 vorliegt, wurde nicht glaubhaft gemacht. Nach ständiger Rechtsprechung der Europäischen Gerichtshofs ist der Begriff der höheren Gewalt im Bereich der Agrarverordnungen im Sinne von vom Willen des Wirtschaftsteilnehmers unabhängigen ungewöhnlichen und unvorhersehbaren Umständen zu verstehen, deren Folgen trotz aller aufgewandten Sorgfalt nicht hätten vermieden werden können (vgl. etwa schon EuGH 5.2.1987, Rs 145/85 Denkavit, Rz 11). Dabei besteht die Verpflichtung, die Folgen des ungewöhnlichen Ereignisses mit allen geeigneten Mitteln zu begrenzen (VwGH 7.11.2005, 2005/17/0086). Dies wurde nicht substantiiert vorgebracht.

 

Aus diesem Grund war spruchgemäß zu entscheiden.

 

Zu Spruchpunkt B (Revision):

 

Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig, weil die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt. Zwar liegt für den konkreten Fall naturgemäß noch keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vor, es liegt aber eine klare und eindeutige Rechtslage vor (VwGH 3.7.2015, Ra 2015/03/0041).

 

Es war daher spruchgemäß zu entscheiden.

Schlagworte

beihilfefähige Fläche, Beihilfefähigkeit, Direktzahlung,
einheitliche Betriebsprämie, Flächenabweichung, Frist, INVEKOS,
Kontrolle, Kürzung, Mehrfachantrag-Flächen, mündliche Verhandlung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:BVWG:2017:W104.2154548.1.00

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2017

Dokumentnummer

BVWGT_20170706_W104_2154548_1_00