Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 11Os126/04 14Os28/05g 1...

Gericht

OGH, AUSL EGMR

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0119618

Geschäftszahl

11Os126/04; 14Os28/05g; 15Os25/05y; 12Os67/05b; 12Os69/05x; 11Os37/06k; 13Os11/07b; 15Os55/07p; 15Os72/07p; 13Os73/08x; 15Os5/10i; 14Os156/10p; 12Os53/12d; 11Os45/13x; 14Os132/13p; 14Os110/13b; 17Os30/14m; 12Os39/15z; 14Os113/15x; 11Os40/16s; 12Os5/16a; 13Os19/16t; Bsw54648/09

Entscheidungsdatum

11.01.2005

Norm

MRK Art6 V3
MRK Art6 Abs1 II5c
MRK Art6 Abs2 III
MRK Art34
StPO §5 Abs3 B
StPO §25
StPO §281 Abs1 Z9
StGB §32

Rechtssatz

Art 6 MRK hindert nicht, dass der Angeklagte im Fall des gesetzlichen Nachweises seiner Schuld (Art 6 Abs 2 MRK) selbst im Fall einer einem staatlichen Organwalter zurechenbaren Tatprovokation dennoch für die Tat verurteilt wird. Denn aus diesem Konventionsverstoß ist kein materieller Straflosigkeitsgrund für die provozierte Straftat abzuleiten. Allerdings kann das Vorliegen einer Tatprovokation durch Organwalter des Staates bei der Sanktionsfindung angemessen in Rechnung gestellt und ein gerechter Ausgleich dafür gefunden werden, dass der Angeklagte das - dessen ungeachtet - verpönte Verhalten ohne diese Einflussnahme nicht gesetzt hätte.

Entscheidungstexte

  • 11 Os 126/04
    Entscheidungstext OGH 11.01.2005 11 Os 126/04
  • 14 Os 28/05g
    Entscheidungstext OGH 07.06.2005 14 Os 28/05g
    Vgl auch
  • 15 Os 25/05y
    Entscheidungstext OGH 21.04.2005 15 Os 25/05y
    Auch
  • 12 Os 67/05b
    Entscheidungstext OGH 04.08.2005 12 Os 67/05b
    Vgl auch
  • 12 Os 69/05x
    Entscheidungstext OGH 15.09.2005 12 Os 69/05x
    Auch; Beisatz: Eine nach § 25 StPO unzulässige und das fair-trial-Gebot des Art 6 Abs 1 MRK verletzende Tatprovokation bewirkt nach gefestigter Judikatur keinen materiellen Straflosigkeitsgrund, sondern ist (bloß) bei der Strafzumessung zu berücksichtigen. (T1)
  • 11 Os 37/06k
    Entscheidungstext OGH 30.05.2006 11 Os 37/06k
    nur: Art 6 MRK hindert nicht, dass der Angeklagte im Fall des gesetzlichen Nachweises seiner Schuld (Art 6 Abs 2 MRK) selbst im Fall einer einem staatlichen Organwalter zurechenbaren Tatprovokation dennoch für die Tat verurteilt wird. Denn aus diesem Konventionsverstoß ist kein materieller Straflosigkeitsgrund für die provozierte Straftat abzuleiten. (T2)
  • 13 Os 11/07b
    Entscheidungstext OGH 07.03.2007 13 Os 11/07b
    Auch; Beis wie T1; Beisatz: Auch kein prozessuales Verfolgungshindernis. (T3)
  • 15 Os 55/07p
    Entscheidungstext OGH 30.05.2007 15 Os 55/07p
    Auch
  • 15 Os 72/07p
    Entscheidungstext OGH 08.08.2007 15 Os 72/07p
    Beisatz: Dabei ist der mit Blick auf die Beseitigung der sog Opfereigenschaft aus Art 34 MRK folgenden Verpflichtung zu entsprechen, die Berücksichtigung einer solchen Tatprovokation durch eine ausdrückliche und messbare Strafmilderung zum Ausdruck zu bringen. (T4)
  • 13 Os 73/08x
    Entscheidungstext OGH 23.07.2008 13 Os 73/08x
    nur T2; Beis wie T3; Beis wie T4; Beisatz: Daran änderte auch das Strafprozessreformgesetz (BGBl I 19/2004) nichts. (T5)
    Bem: Mit ausführlicher Auseinandersetzung mit der höchstgerichtlichen Judikatur, mit jener des EGMR sowie mit der Lehre. (T6)
    Beisatz: In unzulässiger, dem Staat zuzurechnender Tatprovokation gelegener Konventionsverstoß (Art 6 Abs 1 MRK) ist ausdrücklich im Urteil festzustellen und durch eine ausdrückliche und messbare Strafmilderung auszugleichen. (T7)
  • 15 Os 5/10i
    Entscheidungstext OGH 21.04.2010 15 Os 5/10i
    Vgl auch
  • 14 Os 156/10p
    Entscheidungstext OGH 28.12.2010 14 Os 156/10p
    Vgl auch
  • 12 Os 53/12d
    Entscheidungstext OGH 23.05.2012 12 Os 53/12d
    Auch
  • 11 Os 45/13x
    Entscheidungstext OGH 16.04.2013 11 Os 45/13x
  • 14 Os 132/13p
    Entscheidungstext OGH 01.10.2013 14 Os 132/13p
    Vgl
  • 14 Os 110/13b
    Entscheidungstext OGH 05.11.2013 14 Os 110/13b
    Vgl
  • 17 Os 30/14m
    Entscheidungstext OGH 13.10.2014 17 Os 30/14m
    Vgl; Beisatz: Die Tatprovokation (hier: § 304 StGB) durch Journalisten ist nicht mildernd, weil sie nicht staatlich veranlasst war. (T8)
  • 12 Os 39/15z
    Entscheidungstext OGH 09.04.2015 12 Os 39/15z
    Auch
  • 14 Os 113/15x
    Entscheidungstext OGH 26.01.2016 14 Os 113/15x
    Auch
  • 11 Os 40/16s
    Entscheidungstext OGH 14.06.2016 11 Os 40/16s
    Vgl
  • 12 Os 5/16a
    Entscheidungstext OGH 14.07.2016 12 Os 5/16a
    Vgl aber; Beisatz: Die am 1. Juni 2016 mit BGBl I 2016/26 in Kraft getretene Bestimmung des § 133 Abs 5 StPO sieht nunmehr ein Verfolgungshindernis bei Vorliegen unzulässiger Tatprovokation vor. (T9)
  • 13 Os 19/16t
    Entscheidungstext OGH 18.05.2016 13 Os 19/16t
    Auch; Beis wie T7
  • Bsw 54648/09
    Entscheidungstext AUSL EGMR 23.10.2014 Bsw 54648/09
    Abweichend; Beis wie T4; Beisatz: Eine angemessene Wiedergutmachung, die zum Wegfall der Opfereigenschaft führt, verlangt den Ausschluss aller durch polizeiliche Verleitung erlangten Beweise oder die Anwendung eines Verfahrens mit ähnlichen Konsequenzen. Selbst eine erhebliche Milderung der Strafe kann nicht als Verfahren mit ähnlichen Folgen wie ein Ausschluss der umstrittenen Beweise angesehen werden. (Furcht gg. Deutschland) (T10)
    Veröff: NL 2014,406

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2005:RS0119618

Im RIS seit

10.02.2005

Zuletzt aktualisiert am

26.07.2017

Dokumentnummer

JJR_20050111_OGH0002_0110OS00126_0400000_001