Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Verweis auf diese Darstellung: RIS - Justiz - Rechtssätze und Entscheidungstext Bsw21279/02 (Bsw36448/02)
  • Verweis auf diesen Rechtssatz: RIS - Justiz - Rechtssatz für 4Ob75/94
    4Ob2118/96s
    4O...
    Gericht
    OGH, AUSL EGMR, AUSL EKMR
    Dokumenttyp
    Rechtssatz
    Rechtssatznummer
    RS0075696
    Geschäftszahl
    4Ob75/94; 4Ob2118/96s; 4Ob2247/96m; 4Ob2382/96i; 6Ob41/01z; 6Ob138/01i; 1Ob260/01v; Bsw15773/89 (Bsw15774/89); Bsw15974/90; Bsw25060/94; Bsw19983/92; Bsw25181/94; Bsw20834/92; Bsw22714/93; Bsw25405/94; Bsw24662/94; Bsw26958/95; Bsw29032/95; Bsw26229/95; Bsw31611/96; Bsw44179/98; Bsw39394/98; Bsw25337/94; Bsw36961/02; Bsw49418/99; Bsw42571/98; Bsw58547/00; Bsw69698/01; Bsw10520/02; Bsw68354/01; Bsw5266/03; 13Os130/10g (13Os136/10i); Bsw21279/02 (Bsw36448/02); Bsw12556/03; Bsw20620/04; Bsw33629/06; Bsw36109/03; Bsw78060/01; 15Os81/11t; 15Os151/10k; 15Os106/10t (15Os49/11m, 15Os50/11h); Bsw31276/05; Bsw15615/07; Bsw18788/09; Bsw2933/03; Bsw28955/06 (Bsw28957/06, Bsw28959/06, Bsw28964/06); 4Ob172/14v
    Entscheidungsdatum
    28.06.1994
    Norm
    MRK Art10 Abs2 IV3c
    StGB §111
    Rechtssatz

    Vorbehaltlich des Art 10 Abs 2 MRK findet die Freiheit der Meinungsäußerung nicht nur auf "Informationen" oder "Ideen" Anwendung, die positiv aufgenommen oder als harmlos oder als indifferent angesehen werden, sondern auch auf solche, die verletzen, schockieren oder beunruhigen. Dies verlangen Pluralismus, Toleranz und Aufgeschlossenheit, ohne die es keine "demokratische Gesellschaft" gibt. Art 10 MRK schützt nicht nur den Inhalt der geäußerten Ideen oder Informationen, sondern auch die Form, in der sie dargestellt werden. Die Grenzen zulässiger Kritik sind demgemäß in bezug auf einen Politiker, der in seiner öffentlichen Funktion handelt, weiter als in bezug auf eine Privatperson.

    EGMR vom 23.09.1991, Nr 6/1990/197/257 im Fall Oberschlick gegen Österreich; Veröff: ÖJZ 1991,641

    Entscheidungstexte
    • 4 Ob 75/94
      Entscheidungstext OGH 28.06.1994 4 Ob 75/94
      Auch; Veröff: SZ 67/114
    • 4 Ob 2118/96s
      Entscheidungstext OGH 14.05.1996 4 Ob 2118/96s
      Auch; nur: Vorbehaltlich des Art 10 Abs 2 MRK findet die Freiheit der Meinungsäußerung nicht nur auf "Informationen" oder "Ideen" Anwendung, die positiv aufgenommen oder als harmlos oder als indifferent angesehen werden, sondern auch auf solche, die verletzen, schockieren oder beunruhigen. (T1) Beisatz: Der Schutz dieser Bestimmung erfaßt Tatsachenäußerungen ebenso wie reine Meinungskundgaben. (T2) Veröff: SZ 69/116
    • 4 Ob 2247/96m
      Entscheidungstext OGH 17.09.1996 4 Ob 2247/96m
      Auch; Beisatz: Als Spitzenkandidat einer wahlwerbenden Partei muß sich der Kläger eine Kritik seiner Wahlkampfaussagen gefallen lassen, auch wenn sie, um besonders einprägsam zu sein, seinen Wahlkampfstil nachahmt und seine Aussagen persifliert. Die Grenzen zulässiger politischer Kritik werden dadurch nicht überschritten. (T3)
    • 4 Ob 2382/96i
      Entscheidungstext OGH 28.01.1997 4 Ob 2382/96i
      nur: Die Grenzen zulässiger Kritik sind demgemäß in bezug auf einen Politiker, der in seiner öffentlichen Funktion handelt, weiter als in bezug auf eine Privatperson. (T4); Beisatz: Jeder Politiker setzt sich selbst unvermeidlich und willentlich einer genauen Beurteilung jeder seiner Worte und Taten nicht nur durch Journalisten und das breitere Publikum, sondern insbesondere auch durch den politischen Gegner aus. (T5)
    • 6 Ob 41/01z
      Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 41/01z
      Auch; nur T1
    • 6 Ob 138/01i
      Entscheidungstext OGH 21.06.2001 6 Ob 138/01i
      Vgl auch; nur T4; Beisatz: Wertungen gegenüber Politikern genießen in höherem Maße den Schutz des Grundrechts der freien Meinungsäußerung nach Art 10 MRK. Insbesondere in Wahlkampfzeiten werden die Äußerungen von Politikern nicht auf die "Goldwaage" gelegt. (T6); Beisatz: Nach der Judikatur des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) ist die freie und offene Diskussion politischer Fragen das Herzstück der Konvention. Politiker, die sich freiwillig in das Licht der Öffentlichkeit stellten und ihre Anliegen mit Hilfe der Medien durchzusetzen versuchten, müssten deutlich weitere Grenzen annehmbarer Kritik dulden. (T7)
    • 1 Ob 260/01v
      Entscheidungstext OGH 22.10.2001 1 Ob 260/01v
      Vgl; Beisatz: Die Urteile des EGMR [Oberschlick II], [Oberschlick I] und [Lingens]) sind nicht so zu verstehen, dass im Interesse der durch die Konvention gewährleisteten Freiheit der Meinungsäußerung der in der Rechtsordnung vorgesehene Persönlichkeitsschutz gegen eine nach dem Strafgesetzbuch (objektiv) tatbildliche üble Nachrede oder Beleidigung bei allen Akten staatlicher Vollziehung unter allen Umständen zurückzutreten habe, sobald sich die üble Nachrede oder Beleidigung gegen einen Politiker richtet. Die innerstaatlichen Behörden haben bei ihren Entscheidungen einen gewissen Ermessensspielraum, ob und in welchem Ausmaß eine Notwendigkeit für einen Eingriff in die Freiheit der Meinungsäußerung besteht. (T8)
    • Bsw 15773/89
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.04.1995 Bsw 15773/89
      nur T1; Beisatz: Teilweise abweichend: Eingriffe in das Recht von Volksvertreter sind vom Gerichtshof besonders genau zu betrachten. (Piermont gegen Frankreich) (T9)
      Veröff: NL 1995,125
    • Bsw 15974/90
      Entscheidungstext AUSL EGMR 26.04.1995 Bsw 15974/90
      nur T1; Beisatz: Das Recht auf Freiheit der Meinungsäußerung umfasst gemäß Art. 10 (2) EMRK nicht nur Informationen und Gedanken, die wohlwollend aufgenommen oder als unschädlich bzw. indifferent angesehen werden, sondern auch solche, die beleidigen, schockieren oder vom Staat bzw. Teilen der Gesellschaft als störend empfunden werden (vgl. Urteile Castells/E , § 42 und Vereinigung demokratischer Soldaten Österreichs und Gubi/A, § 36) (Prager und Oberschlick gegen Österreich). (T9a)
      Veröff: NL 1995,121
    • Bsw 25060/94
      Entscheidungstext AUSL EKMR 18.10.1995 Bsw 25060/94
      nur T2; Beisatz: Dies gilt besonders dann, wenn diese Politiker selbst öffentlich durchaus kritisierbare Aussagen treffen (vgl. Urteil Lingens/A, A/103 § 42; Oberschlick/A, A/204 §§ 58 f.). (Haider gegen Österreich) (T10); Veröff: NL 1996,21
    • Bsw 19983/92
      Entscheidungstext AUSL EGMR 24.02.1997 Bsw 19983/92
      nur: Art 10 MRK schützt nicht nur den Inhalt der geäußerten Ideen oder Informationen, sondern auch die Form, in der sie dargestellt werden. (T11); Veröff: NL 1997,50
    • Bsw 25181/94
      Entscheidungstext AUSL EGMR 09.04.1997 Bsw 25181/94
      nur: Dies verlangen Pluralismus, Toleranz und Aufgeschlossenheit, ohne die es keine "demokratische Gesellschaft" gibt. (T12); Veröff: NL 1997,173
    • Bsw 20834/92
      Entscheidungstext AUSL EGMR 01.07.1997 Bsw 20834/92
      nur T12; Veröff: 1997,213
    • Bsw 22714/93
      Entscheidungstext AUSL EGMR 29.08.1997 Bsw 22714/93
      GlRS; nur T1; nur T11; nur T12; vgl aber nur T4; Beisatz: Obwohl die Grenzen eines zulässigen Werturteils bei Personen des öffentlichen Lebens (public figures), insb. bei Politikern, weiter gesteckt werden als bei Privatpersonen, gelten auch für erstere die Garantien eines fairen Verfahrens. (T13); Veröff: NL 1997,221
    • Bsw 25405/94
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.05.1998 Bsw 25405/94
      nur T11; Beisatz: Dies verlangt ein Abwägen zwischen den betroffenen Interessen (hier: Erfordernisse einer ordnungsgemäßen Rechtspflege und der Würde des Standes einerseits und Recht der Öffentlichkeit, Nachrichten über die Rechtspflege zu empfangen andererseits). (Schöpfer gegen die Schweiz) (T14)
      Veröff: NL 1998,102
    • Bsw 24662/94
      Entscheidungstext AUSL EGMR 23.09.1998 Bsw 24662/94
      nur T1; nur T11; Veröff: NL 1998,195
    • Bsw 26958/95
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.02.2001 Bsw 26958/95
      Vgl; Veröff: NL 2001,52
    • Bsw 29032/95
      Entscheidungstext AUSL EGMR 12.07.2001 Bsw 29032/95
      Vgl; Veröff: NL 2001,149
    • Bsw 26229/95
      Entscheidungstext AUSL EGMR 14.03.2002 Bsw 26229/95
      Vgl auch; Veröff. NL 2002,53
    • Bsw 31611/96
      Entscheidungstext AUSL EGMR 21.03.2002 Bsw 31611/96
      Vgl auch; nur T1; nur T12; Beisatz: Eine Einschränkung der Meinungsfreiheit von Rechtsanwälten, wenn auch in Form einer gemäßigten strafrechtlichen Sanktion, kann in einer demokratischen Gesellschaft nur in außergewöhnlichen Fällen akzeptiert werden. (T15); Veröff: NL 2002,60
    • Bsw 44179/98
      Entscheidungstext AUSL EGMR 10.07.2003 Bsw 44179/98
      nur T1; nur T11; Veröff: NL 2003,203
    • Bsw 39394/98
      Entscheidungstext AUSL EGMR 13.11.2003 Bsw 39394/98
      nur T1; nur T4; Vgl auch T10; Veröff: NL 2003,307
    • Bsw 25337/94
      Entscheidungstext AUSL EGMR 17.07.2003 Bsw 25337/94
      Vgl auch; nur T13; Veröff: NL 2003,211
    • Bsw 36961/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 13.05.2004 Bsw 36961/02
      Vgl Beis wie T8; Veröff: NL 2004,113
    • Bsw 49418/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.07.2004 Bsw 49418/99
      nur T4; Veröff: NL 2004,188
    • Bsw 42571/98
      Entscheidungstext AUSL EGMR 13.09.2005 Bsw 42571/98
      vgl auch; nur T1; nur T12; Veröff: NL 2005,229
    • Bsw 58547/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.10.2005 Bsw 58547/00
      nur T1; nur T4; nur T12; Beis wie T2; Beis wie T10; Veröff: NL 2005,246
    • Bsw 69698/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 25.04.2006 Bsw 69698/01
      Vgl auch; Veröff: NL 2006,97
    • Bsw 10520/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 14.12.2006 Bsw 10520/02
      nur T11; Beisatz: Dies bezieht sich auch auf die Veröffentlichung von Fotos. (T16); Veröff: NL 2006,313
    • Bsw 68354/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 25.01.2007 Bsw 68354/01
      Beisatz:Künstler und Personen, die Kunstwerke fördern, sind von Möglichkeit einer in Art. 10 Abs 2 MRK vorgesehenen Einschränkung sicherlich nicht ausgenommen. Wer immer diese Freiheit ausübt, übernimmt dabei Pflichten und Verantwortung, deren Reichweite von seiner Situation und den von ihm eingesetzten Mitteln abhängt. (Vereinigung Bildender Künstler gegen Österreich) (T17); Beisatz: Satire ist eine Form des künstlerischen Ausdrucks und des gesellschaftliches Kommentars, die durch die ihr innewohnende Übertreibung und Verzerrung der Realität natürlich darauf abzielt, zu provozieren und aufzuregen. Jeder Eingriff in das Recht eines Künstlers auf eine solche Meinungsäußerung muss daher mit besonderer Sorgfalt geprüft werden. (Vereinigung Bildender Künstler gegen Österreich) (T18); Veröff: NL 2007,19
    • Bsw 5266/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.02.2007 Bsw 5266/03
      Vgl; Beis wie T18; Beisatz: Ist bereits an der Aufmachung erkennbar, dass es sich um einen ironischen und humorvollen Kommentar handelt und kann der Durchschnittsleser den satirischen Charakter des Texts erfassen, so handelt es sich bestenfalls um ein Werturteil und bewegt sich innerhalb der Grenzen einer demokratischen Gesellschaft. (Nikowitz und Verlagsgruppe News GmbH gegen Österreich) (T19); Veröff: NL 2007,36
    • 13 Os 130/10g
      Entscheidungstext OGH 16.12.2010 13 Os 130/10g
      Auch; Beisatz: Sicherstellung von einem Medium recherchierten Materials stellt einen Eingriff in das Grundrecht auf Freiheit der Meinungsäußerung nach Art 10 Abs 1 MRK dar. (T20)
    • Bsw 21279/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.10.2007 Bsw 21279/02
      Vgl; Beis wie T10 nur: Dies gilt besonders dann, wenn diese Politiker selbst öffentlich durchaus kritisierbare Aussagen treffen. (T21); Beisatz: Hier: Diffamierende Äußerungen gegen Politiker in einer Novelle. (Lindon, Otchakovsky-Laurens und July gegen Frankreich) (T22); Veröff: NL 2007,261
    • Bsw 12556/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 15.11.2007 Bsw 12556/03
      nur: Vorbehaltlich des Art 10 Abs 2 MRK findet die Freiheit der Meinungsäußerung nicht nur auf "Informationen" oder "Ideen" Anwendung, die positiv aufgenommen oder als harmlos oder als indifferent angesehen werden, sondern auch auf solche, die verletzen, schockieren oder beunruhigen. Dies verlangen Pluralismus, Toleranz und Aufgeschlossenheit, ohne die es keine "demokratische Gesellschaft" gibt. Art 10 MRK schützt nicht nur den Inhalt der geäußerten Ideen oder Informationen, sondern auch die Form, in der sie dargestellt werden. Die Grenzen zulässiger Kritik sind demgemäß in bezug auf einen Politiker, der in seiner öffentlichen Funktion handelt, weiter als in bezug auf eine Privatperson. (T23); Beis wie T21; Veröff: NL 2007,307
    • Bsw 20620/04
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.03.2008 Bsw 20620/04
      Vgl auch; nur Beis wie T13; Veröff: NL 2008,84
    • Bsw 33629/06
      Entscheidungstext AUSL EGMR 08.07.2008 Bsw 33629/06
      Vgl; nur T1; Beisatz: Nach Ansicht des GH würdigt ein Rechtssystem, das Einschränkungen der Menschenrechte vorsieht, um dem Diktat der öffentlichen Gefühle – realer oder imaginärer Natur – zu folgen, nicht die in einer demokratischen Gesellschaft anerkannten dringenden gesellschaftlichen Bedürfnisse. (Vajnai gegen Ungarn) (T24); Veröff: NL 2008,208
    • Bsw 36109/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 02.10.2008 Bsw 36109/03
      Beis wie T18; Beisatz: Dennoch ist unbestritten, dass ein Autor, der sich für politische bzw. militante Äußerungen entscheidet, von den Einschränkungen des Art 10 Abs 2 EMRK nicht ausgenommen ist. (Leroy gegen Frankreich) (T25); Veröff: NL 2008,273
    • Bsw 78060/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 14.10.2008 Bsw 78060/01
      nur T1; nur T12; Veröff: NL 2008,287
    • 15 Os 81/11t
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 81/11t
      Auch; Beis ähnlich wie T2; Beisatz: Ein Eingriff in das Recht auf freie Meinungsäußerung ist nach Art 10 Abs 2 MRK nur dann zulässig, wenn er gesetzlich vorgesehen ist, einem der im Katalog des Abs 2 abschließend aufgezählten Ziele dient und verhältnismäßig, also zur Erreichung des Ziels in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist; er muss einem dringenden gesellschaftlichen Bedürfnis dienen. (T26); Beisatz: Für Einschränkungen politischer Äußerungen oder Diskussionen in Angelegenheiten des öffentlichen Interesses billigt der EGMR den Vertragsstaaten nur einen sehr engen Beurteilungsspielraum zu. (T27)
    • 15 Os 151/10k
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 151/10k
      Vgl; Beisatz: Die Grenzen strafloser Kritik an einem Politiker sind jedenfalls überschritten, wenn ein abfälliges Werturteil ohne hinreichendes Tatsachensubstrat geäußert wird. (T28); Beisatz: Hier: Impliziter Vorwurf der zweckwidrigen Verwendung von Vereinsgeldern durch die Funktionäre im (europaweiten) Kampf um eine faire Entlohnung. (T29)
    • 15 Os 106/10t
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 106/10t
      Vgl auch; Beisatz: Im Rahmen politischer Auseinandersetzungen und bei „Public Figures“ genügt bereits ein „dünnes Tatsachensubstrat“ für die Zulässigkeit einer Wertung, siehe RS0127027. (T30)
    • Bsw 31276/05
      Entscheidungstext AUSL EGMR 03.02.2009 Bsw 31276/05
      nur T1; nur T11; nur T12; Beisatz: In bestimmten Situationen können Art und Weise der Verbreitung von solcher Bedeutung sein, dass eine Einschränkung die Substanz der zu vermittelnden Ideen und Informationen in erheblicher Weise zu beeinträchtigen vermag. (Bem: Women on Waves u.a. gegen Portugal) (T31); Beisatz: Hier: Verbot der Einfahrt eines Schiffes, mit dem gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen demonstriert werden sollte, in die Hoheitsgewässer des belangten Staates. (Bem: Women on Waves u.a. gegen Portugal) (T32); Veröff: NL 2009,31
    • Bsw 15615/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 16.07.2009 Bsw 15615/07
      Auch; nur T1; Beisatz: Der politische Diskurs bedarf eines besonderen Schutzes und politische Parteien haben das Recht, ihre Positionen in der Öffentlichkeit zu verteidigen, auch wenn diese einen Teil der Bevölkerung verletzen, schockieren oder beunruhigen. Sie dürfen Lösungen zu den Problemen der Immigration anpreisen, müssen es aber vermeiden, rassenbedingte Diskriminierung zu befürworten und auf demütigende und erniedrigende Aussagen zurückzugreifen, da ein solches Verhalten riskiert, Reaktionen hervorzurufen, die mit einem ruhigen sozialen Klima unvereinbar sind und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen schädigen könnten. (Bem: Feret gegen Belgien) (T33)
      Veröff: NL 2009,216
    • Bsw 18788/09
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.04.2010 Bsw 18788/09
      nur T1; Beis wie T9; Veröff: NL 2010,143
    • Bsw 2933/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.05.2010 Bsw 2933/03
      nur T1; Veröff: NL 2010,160
    • Bsw 28955/06
      Entscheidungstext AUSL EGMR 12.09.2011 Bsw 28955/06
      Auch; nur T4; Veröff: NL 2011,267
    • 4 Ob 172/14v
      Entscheidungstext OGH 21.10.2014 4 Ob 172/14v
      Auch; nur T11
    European Case Law Identifier (ECLI)
    ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0075696
    Im RIS seit
    15.06.1997
    Zuletzt aktualisiert am
    17.12.2014
    Dokumentnummer
    JJR_19940628_OGH0002_0040OB00075_9400000_003
  • Verweis auf diesen Rechtssatz: RIS - Justiz - Rechtssatz für 6Ob22/95
    6Ob2300/96w
    6O...
    Gericht
    OGH, AUSL EGMR
    Dokumenttyp
    Rechtssatz
    Rechtssatznummer
    RS0054817
    Geschäftszahl
    6Ob22/95; 6Ob2300/96w; 6Ob245/97s; 6Ob93/98i; 6Ob21/99b; 6Ob289/98p; 6Ob130/99g; 6Ob171/99m; 4Ob55/00t; 6Ob75/00y; 6Ob265/00i; 6Ob138/01i; 6Ob149/01g; 6Ob176/01b; 6Ob168/01a; 4Ob295/01p; 4Ob38/02w; 6Ob47/02h; 6Ob192/02g; 6Ob296/02a; 6Ob56/03h; 6Ob22/03h; 6Ob244/02d; 6Ob39/04k; 6Ob74/04g; 6Ob40/04g; 6Ob211/05f; 6Ob273/05y; 6Ob245/04d; 4Ob71/06d; 6Ob159/06k; 6Ob321/04f; 6Ob250/06t; 6Ob79/07x; 4Ob98/07a; 6Ob285/07s; 6Ob110/08g; 6Ob51/08f; 6Ob123/08v; 6Ob218/08i; 6Ob62/09z; Bsw49418/99; Bsw46572/99; Bsw72713/01; 4Ob132/09d; 4Ob39/10d; 4Ob100/10z; Bsw21279/02 (Bsw36448/02); 4Ob83/11a; 15Os81/11t; 6Ob258/11a; 6Ob243/11w; 6Ob162/12k
    Entscheidungsdatum
    01.06.1995
    Norm
    ABGB §1330 A
    MRK Art10 Abs2 IV3b
    MRK Art10 Abs2 IV4a
    MRK Art10 Abs2 IV4c
    Rechtssatz

    Solange bei wertenden Äußerungen die Grenzen zulässiger Kritik nicht überschritten werden, kann auch massive, in die Ehre eines anderen eingreifende Kritik, die sich an konkreten Fakten orientiert, zulässig sein.

    Entscheidungstexte
    • 6 Ob 22/95
      Entscheidungstext OGH 01.06.1995 6 Ob 22/95
    • 6 Ob 2300/96w
      Entscheidungstext OGH 18.12.1996 6 Ob 2300/96w
    • 6 Ob 245/97s
      Entscheidungstext OGH 29.10.1997 6 Ob 245/97s
      Beisatz: "Tierquälerei" (Zootierhaltung). (T1)
    • 6 Ob 93/98i
      Entscheidungstext OGH 27.05.1998 6 Ob 93/98i
      Beisatz: "Schweine-KZ". (T2) Veröff: SZ 71/96
    • 6 Ob 21/99b
      Entscheidungstext OGH 25.02.1999 6 Ob 21/99b
      Beisatz: Es dürfen aber nicht die Grenzen zulässiger Kritik überschritten werden (Wertungsexzess). (T3); Veröff: SZ 72/39
    • 6 Ob 289/98p
      Entscheidungstext OGH 25.03.1999 6 Ob 289/98p
      Beis wie T3
    • 6 Ob 130/99g
      Entscheidungstext OGH 15.07.1999 6 Ob 130/99g
      Vgl; Beisatz: Bringt der Beklagte in einem Medium für den verständigen, unbefangenen Durchschnittsleser erkennbar seine Auffassung zum Ausdruck, die Zusammenarbeit mit der Klägerin sei (nun) nicht mehr partnerschaftlich und (wirtschaftlich) erfolgreich, er befürchte, dass ihre Vorgangsweise zu einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage und einem wirtschaftlichen Niedergang des Unternehmens führen werde, wird ein verständiger, unbefangener Durchschnittsleser dieser Äußerung aus ihrem Gesamtzusammenhang hingegen nicht entnehmen, dass die Klägerin tatsächlich vor dem wirtschaftlichen Niedergang stehe und Arbeitsplätze gefährdet wären. Diese wertende Meinungsäußerung des Beklagten ist nicht tatbestandsmäßig im Sinn des § 1330 Abs 2 ABGB. (T4)
    • 6 Ob 171/99m
      Entscheidungstext OGH 29.09.1999 6 Ob 171/99m
      Beis wie T3; Beisatz: Die Grenzen zulässiger Kritik sind bei Politikern weiter gezogen als bei Normalbürgern. (T5); Beisatz: Hier: "Hinterbänkler", "erblödet". (T6)
    • 4 Ob 55/00t
      Entscheidungstext OGH 14.03.2000 4 Ob 55/00t
      Vgl auch; Beisatz: Dem Recht auf zulässige Kritik und ein wertendes Urteil im geistigen Meinungsstreit aufgrund konkreter Tatsachen, kommt in der Interessenabwägung gegenüber der ehrenbeleidigenden Rufschädigung nur so lange ein höherer Stellenwert zu, als die Grenzen zulässiger Kritik nicht überschritten werden und kein massiver Wertungsexzess vorliegt. (T7)
    • 6 Ob 75/00y
      Entscheidungstext OGH 17.05.2000 6 Ob 75/00y
      Beisatz: Hier: Leserbrief. (T8)
    • 6 Ob 265/00i
      Entscheidungstext OGH 23.11.2000 6 Ob 265/00i
    • 6 Ob 138/01i
      Entscheidungstext OGH 21.06.2001 6 Ob 138/01i
      Vgl auch; Beisatz: Wertungen gegenüber Politikern genießen in höherem Maße den Schutz des Grundrechts der freien Meinungsäußerung nach Art 10 MRK. Insbesondere in Wahlkampfzeiten werden die Äußerungen von Politikern nicht auf die "Goldwaage" gelegt. (T9)
    • 6 Ob 149/01g
      Entscheidungstext OGH 05.07.2001 6 Ob 149/01g
      Beisatz: Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern in Ausübung ihres öffentlichen Amtes sind weiter gesteckt als dies bei Privatpersonen, weil Politiker sich unweigerlich und wissentlich der eingehenden Beurteilung ihrer Worte und Taten durch die Presse und die allgemeine Öffentlichkeit aussetzen. Politiker müssen daher einen höheren Grad an Toleranz zeigen, im Speziellen, wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen. (T10); Veröff: SZ 74/117
    • 6 Ob 176/01b
      Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 176/01b
      Auch; Beisatz: Insbesondere in Wahlkampfzeiten werden die Äußerungen von Politikern nicht auf die "Goldwaage" gelegt (6 Ob 138/01i). (T11)
    • 6 Ob 168/01a
      Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 168/01a
    • 4 Ob 295/01p
      Entscheidungstext OGH 29.01.2002 4 Ob 295/01p
    • 4 Ob 38/02w
      Entscheidungstext OGH 13.03.2002 4 Ob 38/02w
      Auch; Beisatz: Das Recht auf freie Meinungsäußerung (worunter auch die Pressefreiheit fällt) findet in der Interessenabwägung gegenüber der ehrenbeleidigenden Rufschädigung seine Grenze in einer unwahren Tatsachenbehauptung. (T12)
    • 6 Ob 47/02h
      Entscheidungstext OGH 16.05.2002 6 Ob 47/02h
      Auch; Beis wie T7; Beisatz: Der Kläger hat durch seine herabsetzende und provokante Schreibweise über die Anhänger der buddhistischen Lehre beziehungsweise den Dalai Lama selbst die Kritik seines Buches ausgelöst (unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), der die Ansicht ablehnt, ein Werturteil sei nur zu berücksichtigen, wenn es sich zumindest an Tatsachen anlehne). (T13)
    • 6 Ob 192/02g
      Entscheidungstext OGH 10.10.2002 6 Ob 192/02g
      Auch
    • 6 Ob 296/02a
      Entscheidungstext OGH 23.01.2003 6 Ob 296/02a
      Auch; Beis wie T7; Beisatz: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dessen Rechtsprechung die innerstaatlichen Gerichte zu beachten haben (6 Ob 47/02h = MR 2002, 213) legt zugunsten des Rechtes auf freie Meinungsäußerung und des Interesses der Öffentlichkeit an der Diskussion von Fragen allgemeinen öffentlichen Interesses einen großzügigen Maßstab an. (T14)
    • 6 Ob 56/03h
      Entscheidungstext OGH 20.03.2003 6 Ob 56/03h
      Vgl; Beis wie T12
    • 6 Ob 22/03h
      Entscheidungstext OGH 21.05.2003 6 Ob 22/03h
      Vgl
    • 6 Ob 244/02d
      Entscheidungstext OGH 18.12.2003 6 Ob 244/02d
      Beis wie T7; Beisatz: Für die Interessenabwägung ist auch die Gewichtigkeit des Themas, zu dem die zu beurteilende Kritik geäußert wurde, von Bedeutung. (T15); Beisatz: Hier: Organisierte Tätigkeit einer katholischen Laienbewegung gegen Abtreibung vor dem Haus, in dem eine Ärztin ihre Ordination hat und (rechtlich zulässige) Abtreibungen vornimmt. (T16); Beisatz: Der Schutz werdenden menschlichen Lebens bleibt in erster Linie dem Gesetzgeber überlassen. Ein Beitrag im geistigen Meinungskampf zur Willensbildung in dieser die Öffentlichkeit besonders berührenden Frage ist wegen der grundlegenden Bedeutung der Meinungsfreiheit für die Demokratie grundsätzlich auch dann hinzunehmen, wenn die geäußerte Meinung extrem erscheint. (T17)
    • 6 Ob 39/04k
      Entscheidungstext OGH 29.04.2004 6 Ob 39/04k
    • 6 Ob 74/04g
      Entscheidungstext OGH 29.04.2004 6 Ob 74/04g
      Vgl; Beisatz: Hier: Diskussion über die Kosten des Gesundheitswesens. (T18)
    • 6 Ob 40/04g
      Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 40/04g
      Auch; Beis wie T14; Beis wie T15; Beis wie T17
    • 6 Ob 211/05f
      Entscheidungstext OGH 15.12.2005 6 Ob 211/05f
      Vgl; Beisatz: Grundsätzlich kommt der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit und dem Informationsbedürfnis der Allgemeinheit ein besonders hoher Stellenwert zu. Für die Interessenabwägung ist auch die Gewichtigkeit des Themas von Bedeutung, zu dem die bekämpfte Meinungsäußerung gefallen ist. (T19)
    • 6 Ob 273/05y
      Entscheidungstext OGH 26.01.2006 6 Ob 273/05y
      Beisatz: Auch für wertende Äußerungen ist es Voraussetzung, dass das ehrverletzende Werturteil auf der Basis eines wahren Sachverhalts geäußert wurde. Hier: Herabsetzung durch unwahre Tatsachenbehauptungen, mit denen jemand eines verwerflichen Verhaltens - des „Durchdrehens" und der Verschleuderung von Gemeindevermögen - bezichtigt wird. (T20)
    • 6 Ob 245/04d
      Entscheidungstext OGH 16.02.2006 6 Ob 245/04d
      Beis wie T10; Beisatz: Der Grundsatz, dass Politiker einen höheren Grad an Toleranz zeigen müssen, gilt auch für Privatpersonen und Vereinigungen, sobald sie die politische Bühne betreten. Hier: Journalist. (T21)
    • 4 Ob 71/06d
      Entscheidungstext OGH 20.06.2006 4 Ob 71/06d
      Auch; Beis wie T12; Beis wie T20 nur: Auch für wertende Äußerungen ist es Voraussetzung, dass das ehrverletzende Werturteil auf der Basis eines wahren Sachverhalts geäußert wurde. (T22); Beisatz: Hier: Die Formulierung „Geschäftemacherei" und „Profitgier" in Bezug auf Holocaust-Bilder, die gegen Entgelt angeboten werden und aus objektiv bedenklichen Quellen stammen - kein Wertungsexzess. (T23)
    • 6 Ob 159/06k
      Entscheidungstext OGH 12.10.2006 6 Ob 159/06k
      Beis wie T5; Beis wie T10 nur: Politiker müssen daher einen höheren Grad an Toleranz zeigen, im Speziellen, wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen. (T24); Beisatz: Hier: Inserat in einer Faschingszeitung im Zuge einer politischen Auseinandersetzung. (T25)
    • 6 Ob 321/04f
      Entscheidungstext OGH 12.10.2006 6 Ob 321/04f
      Beisatz: Hier: Wanderausstellung mit dem Titel „Der Holocaust auf Ihrem Teller". Dort wurden auf mehreren quadratmetergroßen Tafeln jeweils unmittelbar nebeneinander Bilder (Fotos) aus Konzentrationslagern der Nazizeit mit Bildern aus Massentierhaltung und Tierschlachtung gegenübergestellt. (T26)
    • 6 Ob 250/06t
      Entscheidungstext OGH 30.11.2006 6 Ob 250/06t
      Auch; Beis wie T5; Beis wie T12; Beis wie T21 nur: Der Grundsatz, dass Politiker einen höheren Grad an Toleranz zeigen müssen, gilt auch für Privatpersonen und Vereinigungen, sobald sie die politische Bühne betreten. (T27); Beis wie T24; Beisatz: Hier: Behauptung erfolgte im Rahmen eines öffentlich geführten und den Lesern der Website zweifellos bekannten Meinungsstreits über Sinn und Zweck von Tiergärten. (T28)
    • 6 Ob 79/07x
      Entscheidungstext OGH 21.06.2007 6 Ob 79/07x
      Beisatz: Hier: In Artikeln von Branchenzeitungen ausgetragene Auseinandersetzung zwischen zwei Medieninhabern. (T29)
    • 4 Ob 98/07a
      Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 98/07a
      Auch; Beis wie T15; Veröff: SZ 2007/139
    • 6 Ob 285/07s
      Entscheidungstext OGH 10.04.2008 6 Ob 285/07s
      Auch; Beis wie T15; Beisatz: Für die Abgrenzung zwischen ehrenbeleidigender Rufschädigung einerseits und zulässiger Kritik und Werturteil andererseits ist die Art der eingeschränkten Rechte, die Schwere des Eingriffs, die Verhältnismäßigkeit zum verfolgten Zweck, der Grad der Schutzwürdigkeit des Interesses aber auch der Zweck der Meinungsäußerung entscheidend. (T30); Beisatz: Selbst überspitzte Formulierungen und massive Kritik sind hinzunehmen, soweit kein massiver Wertungsexzess vorliegt. (T31); Beisatz: Hier: Vorwurf in Zeitungsartikel, dass Pädagogen auf Weisung orange Flugblätter während des Unterrichts austeilen mussten und dadurch der parteipolitische Missbrauch auf die Spitze getrieben würde und dies ein diktatorisches Verhalten wäre. (T32)
    • 6 Ob 110/08g
      Entscheidungstext OGH 07.07.2008 6 Ob 110/08g
      Vgl; Beisatz: Hauptverfahren zum Provisorialverfahren 6 Ob 159/06k mit Bezugnahme auf die Entscheidung MR 2007, 419 (Lindon und Otchakovsky-Laurens/Frankreich) des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. (T33)
    • 6 Ob 51/08f
      Entscheidungstext OGH 05.06.2008 6 Ob 51/08f
      Vgl; Beis wie T7; Beis wie T15; Beisatz: Der EGMR steckt die Grenzen zulässiger Kritik nicht nur an Politikern, sondern auch an Privatpersonen, die sich zu Themen allgemeinen Interesses öffentlich äußern, weiter als dies sonst bei Privatpersonen der Fall ist. Sie müssen einen höheren Grad an Toleranz vor allem dann zeigen, wenn sie selbst in der Öffentlichkeit Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen. Diese Grundsätze sind auch auf gesundheitsbezogene Werbeaussagen in öffentlichen Medien anzuwenden. (T34)
    • 6 Ob 123/08v
      Entscheidungstext OGH 07.08.2008 6 Ob 123/08v
      Beis wie T21; Beis wie T24; Beisatz: Dieser Grundsatz gilt auch für Privatpersonen und Vereinigungen, sobald sie die politische Bühne betreten, insbesondere auch für Journalisten und Medieninhaber. (T35); Beisatz: Diese müssen daher einen höheren Grad an Toleranz zeigen, im Besonderen dann, wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen, wie etwa dann, wenn der Verletzte durch eine herabsetzende provokante (!) Schreibweise selbst Kritik seines Werks ausgelöst hat. (T36); Beisatz: Bezugnahme auf die Entscheidung MR 2007, 419 (Lindon und Otchakovsky-Laurens/Frankreich), nach der auch die Art der verwendeten Begriffe, insbesondere die zugrundeliegende Absicht, die andere Seite zu stigmatisieren, und der Umstand zu berücksichtigen ist, ob sie von ihrem Inhalt her Gewalt und Hass schüren und damit über das hinausgehen, was in einer politischen Debatte tolerierbar ist. (T37)
    • 6 Ob 218/08i
      Entscheidungstext OGH 15.01.2009 6 Ob 218/08i
      Beis wie T5; Beis wie T10; Beis wie T31; Beisatz: Hier: Vorwürfe im Zusammenhang mit der "Eurofighter-Anschaffung". (T38); Beisatz: Der von den Vorinstanzen angenommene Bedeutungsinhalt der Äußerungen des Beklagten, dieser habe den Klägern den Vorwurf der Beteiligung an einer strafbaren Handlung, nämlich der verdeckten Parteienfinanzierung, gemacht, überschreitet insbesondere dann die Auslegungsgrenzen, wenn - wie dargestellt - von Politikern (wozu auch der Erstkläger gehört) ein größeres Maß an Toleranz verlangt wird. Ein massiver Wertungsexzess liegt jedenfalls nicht vor. (T39)
    • 6 Ob 62/09z
      Entscheidungstext OGH 02.07.2009 6 Ob 62/09z
      Beis wie T5; Beis wie T10; Beisatz: Hier: Amtsmissbrauchsvorwürfe gegenüber dem Bürgermeister einer Gemeinde im Zusammenhang mit einer Bauverhandlung. (T40); Beisatz: Das Recht auf freie Meinungsäußerung deckt unwahre Tatsachenbehauptungen nicht. (T41); Beisatz: Werturteile, die konkludente Tatsachenbehauptungen sind, dürfen nicht schrankenlos geäußert werden. Allerdings sind angesichts der heutigen Reizüberflutung selbst überspitzte Formulierungen unter Umständen hinzunehmen, soweit kein massiver Wertungsexzess vorliegt. (T42)
    • Bsw 49418/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.07.2004 Bsw 49418/99
      Vgl; Veröff: NL 2004,188
    • Bsw 46572/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 28.09.2004 Bsw 46572/99
      Vgl; Veröff: NL 2004,228
    • Bsw 72713/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 29.03.2005 Bsw 72713/01
      Veröff: NL 2005,77
    • 4 Ob 132/09d
      Entscheidungstext OGH 20.10.2009 4 Ob 132/09d
      Vgl; Beis ähnlich T12; Beis wie T21; Beis wie T42
    • 4 Ob 39/10d
      Entscheidungstext OGH 13.07.2010 4 Ob 39/10d
      Vgl auch; Beis ähnlich wie T12
    • 4 Ob 100/10z
      Entscheidungstext OGH 05.10.2010 4 Ob 100/10z
      Vgl auch
    • Bsw 21279/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.10.2007 Bsw 21279/02
      Vgl; Beis wie T37; Veröff: NL 2007,261
    • 4 Ob 83/11a
      Entscheidungstext OGH 21.06.2011 4 Ob 83/11a
      Vgl auch; Beis wie T7
    • 15 Os 81/11t
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 81/11t
      Vgl auch; Beis ähnlich wie T10; Beisatz: Damit eine beleidigende Äußerung gegenüber einem Politiker noch vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sein kann, bedarf es des Konnexes zu einer politischen bzw im allgemeinen Interesse liegenden Debatte. Eine bewusst ehrverletzende Äußerung, bei der nicht die Auseinandersetzung mit der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht, wird nicht geschützt. (T43)
    • 6 Ob 258/11a
      Entscheidungstext OGH 12.01.2012 6 Ob 258/11a
      Beis wie T31
    • 6 Ob 243/11w
      Entscheidungstext OGH 22.06.2012 6 Ob 243/11w
      Beis wie T7; Beis wie T35; Beis wie T41; Beisatz: Hier: Bezeichnung als fundamentalistischer Moslem und Hassprediger. (T44)
    • 6 Ob 162/12k
      Entscheidungstext OGH 15.10.2012 6 Ob 162/12k
      Beis wie T10; Beis wie T21; Beis wie T29; Beisatz: Art 10 MRK schützt nicht nur stilistisch hochwertige, sachlich vorgebrachte und niveauvoll ausgeführte Bewertungen, sondern jedwedes Unwerturteil, dass nicht in einem Wertungsexzess gipfelt. (T45); Beisatz: Hier: „journalistischer Bettnässer“. (T46)
    European Case Law Identifier (ECLI)
    ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0054817
    Im RIS seit
    15.06.1997
    Zuletzt aktualisiert am
    29.11.2012
    Dokumentnummer
    JJR_19950601_OGH0002_0060OB00022_9500000_001
  • Verweis auf diesen Rechtssatz: RIS - Justiz - Rechtssatz für Bsw21980/93
    Bsw41205/98...
    Gericht
    AUSL EGMR, OGH
    Dokumenttyp
    Rechtssatz
    Rechtssatznummer
    RS0125053
    Geschäftszahl
    Bsw21980/93; Bsw41205/98; Bsw53984/00; Bsw49418/99; Bsw46572/99; Bsw53678/00; Bsw49017/99; Bsw55120/00; Bsw53886/00; Bsw46389/99; Bsw37464/02; Bsw13540/04; Bsw21279/02 (Bsw36448/02); 15Os175/10i; Bsw821/03; Bsw17265/05; Bsw2933/03; Bsw37520/07
    Entscheidungsdatum
    20.05.1999
    Norm
    MRK Art10 Abs2 IV2e
    Rechtssatz

    Art. 10 EMRK schützt das Recht der Journalisten, Informationen zu Fragen von allgemeinen Interesse zu verbreiten, sofern sie sich im guten Glauben und auf Grundlage exakter Tatsachen äußern, die journalistische Berufsethik gewahrt ist, sowie zuverlässige und sachliche Informationen liefern. (Bladet Tromso & Stensaas gegen Norwegen)

    Entscheidungstexte
    • Bsw 21980/93
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.05.1999 Bsw 21980/93
      Veröff: NL 1999,96
    • Bsw 41205/98
      Entscheidungstext AUSL EGMR 06.02.2001 Bsw 41205/98
      Vgl auch; Veröff: NL 2001,29
    • Bsw 53984/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 30.03.2004 Bsw 53984/00
      Beisatz: Stützt sich eine Radiomeldung auf eine ausführliche und durch Dokumente belegte Reportage eines renommierten Wochenjournals, so ist alleine die Tatsache, dass sie unter Zitierung der Informationsquelle ausgestrahlt wurde, nicht geeignet, den guten Glauben des Journalisten in Frage zu stellen. (Radio France gegen Frankreich) (T1); Beisatz: Im Falle einer landesweite Ausstrahlung bedarf es eines besonderen Maßes an Sorgfalt und Behutsamkeit bei deren Abfassung einer Meldung. (Radio France gegen Frankreich) (T2) Veröff: NL 2004,76
    • Bsw 49418/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.07.2004 Bsw 49418/99
      Veröff: NL 2004,188
    • Bsw 46572/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 28.09.2004 Bsw 46572/99
      Vgl; Veröff: NL 2004,228
    • Bsw 53678/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 16.11.2004 Bsw 53678/00
      Vgl aber; Veröff: NL 2004,289
    • Bsw 49017/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 17.12.2004 Bsw 49017/99
      Vgl; Veröff: NL 2005,10
    • Bsw 55120/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 16.06.2005 Bsw 55120/00
      Vgl.aber; Veröff: 2005,132
    • Bsw 53886/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 24.11.2005 Bsw 53886/00
      Veröff: NL 2005,293
    • Bsw 46389/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 19.01.2006 Bsw 46389/99
      Veröff: NL 2006,20
    • Bsw 37464/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.02.2007 Bsw 37464/02
      Veröff: NL 2007,32
    • Bsw 13540/04
      Entscheidungstext AUSL EGMR 08.02.2007 Bsw 13540/04
      Vgl auch; Veröff: NL 2007,65
    • Bsw 21279/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.10.2007 Bsw 21279/02
      Beisatz: Es müssen daher besondere Gründe vorliegen, wenn Medien von ihrer allgemeinen Verpflichtung entbunden werden, den Ruf und das Ansehen von Privatpersonen beeinträchtigende Tatsachenbehauptungen zu überprüfen. (Lindon, Otchakovsky-Laurens und July gegen Frankreich) (T3) Veröff: NL 2007,261
    • 15 Os 175/10i
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 175/10i
      Vgl; Beis ähnlich wie T3
    • Bsw 821/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 15.12.2009 Bsw 821/03
      Auch; Beisatz: Die von Journalisten ergriffenen Schritte zur Überprüfung der Verlässlichkeit einer Information können ein Faktor gerichtlicher Erwägung sein, wenn es um die Rechtfertigung einer einstweiligen Verfügung auf Offenlegung von Quellen geht. (Bem: Fiancial Times Ltd. u.a. gegen das Vereinigte Königreich) (T4) Veröff: NL 2009,368
    • Bsw 17265/05
      Entscheidungstext AUSL EGMR 06.05.2010 Bsw 17265/05
      Veröff: NL 2010,147
    • Bsw 2933/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.05.2010 Bsw 2933/03
      Ähnlich; Beisatz: Art 10 MRK umfasst auch das Recht, Informationen zu verbreiten. (T5) Veröff: NL 2010,160
    • Bsw 37520/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 06.07.2010 Bsw 37520/07
      Auch; Beisatz: Verantwortungsvoller Journalismus beinhaltet das Überprüfen der Quellen. (Bem: Niskasaari u.a. gg. Finnland) (T6) Veröf: NL 2010,215
    European Case Law Identifier (ECLI)
    ECLI:AT:AUSL000:1999:RS0125053
    Im RIS seit
    19.06.1999
    Zuletzt aktualisiert am
    10.09.2012
    Dokumentnummer
    JJR_19990520_AUSL000_000BSW21980_9300000_001
  • Verweis auf diesen Rechtssatz: RIS - Justiz - Rechtssatz für 6Ob149/01g
    6Ob176/01b
    6...
    Gericht
    OGH, AUSL EGMR
    Dokumenttyp
    Rechtssatz
    Rechtssatznummer
    RS0115541
    Geschäftszahl
    6Ob149/01g; 6Ob176/01b; 6Ob168/01a; 6Ob191/01h; 6Ob313/02a; 6Ob56/03h; 6Ob250/03p; 6Ob273/05y; 6Ob245/04d; 6Ob159/06k; 6Ob250/06t; 6Ob79/07x; 6Ob258/07w; 6Ob285/07s; 6Ob110/08g; 6Ob218/08i; 6Ob62/09z; Bsw26958/95; Bsw29032/95; Bsw65924/01; Bsw49418/99; Bsw46572/99; Bsw53678/00; Bsw49017/99; Bsw58547/00; Bsw66298/01; 4Ob132/09d; Bsw13071/03; Bsw19710/02; 6Ob128/10g; Bsw68354/01; Bsw3138/04; Bsw21279/02 (Bsw36448/02); 8ObA51/10y; Bsw78060/01; 15Os81/11t; 15Os106/10t (15Os49/11m, 15Os50/11h); 6Ob114/11z; 6Ob216/11z; Bsw34438/04; Bsw5380/07; 6Ob243/11w; Bsw20928/05; Bsw17265/05; Bsw37520/07; 6Ob162/12k; Bsw2034/07; Bsw18990/05; Bsw34702/07; Bsw33497/07 (Bsw3401/07); Bsw27306/07 (Bsw 1593/06)
    Entscheidungsdatum
    05.07.2001
    Norm
    ABGB §1330 A
    ABGB §1330 BI
    MedG §6 Abs1
    MRK Art10 Abs2 IV4b
    StGB §111 Abs1
    Rechtssatz

    Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern in Ausübung ihres öffentlichen Amtes sind im Allgemeinen weiter gesteckt als bei Privatpersonen, weil sich Politiker unweigerlich und wissentlich der eingehenden Beurteilung ihrer Worte und Taten durch die Presse und die allgemeine Öffentlichkeit aussetzen. Politiker müssen daher einen höheren Grad an Toleranz zeigen, besonders wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen. Dieser Grundsatz gilt - im Sinne der neuesten Rechtsprechung des EGMR (Susanne Jerusalem gegen Österreich, MR 2001,89) - aber auch für Privatpersonen und private Vereinigungen, sobald sie die politische Bühne (die Arena der politischen Auseinandersetzung) betreten.

    Entscheidungstexte
    • 6 Ob 149/01g
      Entscheidungstext OGH 05.07.2001 6 Ob 149/01g
      Veröff: SZ 74/117
    • 6 Ob 176/01b
      Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 176/01b
      Auch
    • 6 Ob 168/01a
      Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 168/01a
      Auch; Beisatz: Die Zeitschrift der Kläger hat durch die nicht gerade zimperliche Darstellungsweise des im Bericht massiv angegriffenen Politikers selbst die Kritik des Beklagten ausgelöst. Die Kläger, Medieninhaber, Herausgeber und Chefredakteure des die Kritik provozierenden Mediums müssen sich daher einen höheren Grad an Toleranz gegenüber der Kritik des angegriffenen politischen Gegners zurechnen lassen. Nach diesen Gesichtspunkten überschreitet die Kritik des Beklagten nicht den Rahmen des in einem politischen Meinungsstreit Zulässigen. (T1)
    • 6 Ob 191/01h
      Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 191/01h
      Auch; Beis wie T1
    • 6 Ob 313/02a
      Entscheidungstext OGH 23.01.2003 6 Ob 313/02a
    • 6 Ob 56/03h
      Entscheidungstext OGH 20.03.2003 6 Ob 56/03h
      Auch
    • 6 Ob 250/03p
      Entscheidungstext OGH 19.02.2004 6 Ob 250/03p
      Beis wie T1; Beisatz: Politiker müssen einen höheren Grad an Toleranz zeigen, vor allem dann, wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen, wie etwa dann, wenn der Verletzte durch eine herabsetzende und provokante Schreibweise selbst die Kritik seines Werkes ausgelöst hat. (T2); Beisatz: Hier: "Enthüllungsjournalist"-Verdächtigungen gegen FPÖ-Funktionäre. (T3)
    • 6 Ob 273/05y
      Entscheidungstext OGH 26.01.2006 6 Ob 273/05y
      Beisatz: Das Recht auf freie Meinungsäußerung findet in der Interessenabwägung gegenüber der ehrenbeleidigenden Rufschädigung seine Grenze in einer unwahren Tatsachenbehauptung. Hier: Herabsetzung durch unwahre Tatsachenbehauptungen, mit denen jemand eines verwerflichen Verhaltens - des „Durchdrehens" und der Verschleuderung von Gemeindevermögen - bezichtigt wird. (T4)
    • 6 Ob 245/04d
      Entscheidungstext OGH 16.02.2006 6 Ob 245/04d
      Beisatz: Hier: Journalist. (T5)
    • 6 Ob 159/06k
      Entscheidungstext OGH 12.10.2006 6 Ob 159/06k
      Auch; nur: Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern in Ausübung ihres öffentlichen Amtes sind im Allgemeinen weiter gesteckt als bei Privatpersonen, weil sich Politiker unweigerlich und wissentlich der eingehenden Beurteilung ihrer Worte und Taten durch die Presse und die allgemeine Öffentlichkeit aussetzen. Politiker müssen daher einen höheren Grad an Toleranz zeigen, besonders wenn sie selbst öffentliche Äußerungen tätigen, die geeignet sind, Kritik auf sich zu ziehen. (T6); Beisatz: Hier: Inserat in einer Faschingszeitung im Zuge einer politischen Auseinandersetzung. (T7)
    • 6 Ob 250/06t
      Entscheidungstext OGH 30.11.2006 6 Ob 250/06t
      Auch; nur T6; Beisatz: Hier: Behauptung erfolgte im Rahmen eines öffentlich geführten und den Lesern der Website zweifellos bekannten Meinungsstreits über Sinn und Zweck von Tiergärten. (T8)
    • 6 Ob 79/07x
      Entscheidungstext OGH 21.06.2007 6 Ob 79/07x
      Beisatz: Hier: In Artikeln von Branchenzeitungen ausgetragene Auseinandersetzung zwischen zwei Medieninhabern. (T9)
    • 6 Ob 258/07w
      Entscheidungstext OGH 24.01.2008 6 Ob 258/07w
      Beisatz: Hier: Vorwurf gegen einen Landeshauptmann, Beihilfe zur Vertuschung geleistet zu haben. (T10)
    • 6 Ob 285/07s
      Entscheidungstext OGH 10.04.2008 6 Ob 285/07s
      Auch; Beisatz: Hier: Vorwurf in Zeitungsartikel, dass Pädagogen auf Weisung orange Flugblätter während des Unterrichts austeilen mussten und dadurch der parteipolitische Missbrauch auf die Spitze getrieben würde und dies ein diktatorisches Verhalten wäre. (T11)
    • 6 Ob 110/08g
      Entscheidungstext OGH 07.07.2008 6 Ob 110/08g
      Vgl; Beisatz: Hauptverfahren zum Provisorialverfahren 6 Ob 159/06k mit Bezugnahme auf die Entscheidung MR 2007, 419 (Lindon und Otchakovsky-Laurens/Frankreich) des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. (T12)
    • 6 Ob 218/08i
      Entscheidungstext OGH 15.01.2009 6 Ob 218/08i
      Beisatz: Der von den Vorinstanzen angenommene Bedeutungsinhalt der Äußerungen des Beklagten, dieser habe den Klägern den Vorwurf der Beteiligung an einer strafbaren Handlung, nämlich der verdeckten Parteienfinanzierung, gemacht, überschreitet insbesondere dann die Auslegungsgrenzen, wenn - wie dargestellt - von Politikern (wozu auch der Erstkläger gehört) ein größeres Maß an Toleranz verlangt wird. Ein massiver Wertungsexzess liegt jedenfalls nicht vor. (T13)
    • 6 Ob 62/09z
      Entscheidungstext OGH 02.07.2009 6 Ob 62/09z
      Beisatz: Hier: Amtsmissbrauchsvorwürfe gegenüber dem Bürgermeister einer Gemeinde im Zusammenhang mit einer Bauverhandlung. (T14)
    • Bsw 26958/95
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.02.2001 Bsw 26958/95
      Vgl; Veröff: NL 2001,52
    • Bsw 29032/95
      Entscheidungstext AUSL EGMR 12.07.2001 Bsw 29032/95
      Vgl; nur T6; Veröff: NL 2001,149
    • Bsw 65924/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 09.10.2003 Bsw 65924/01
      Vgl auch; nur T6; Veröff: NL 2003,253
    • Bsw 49418/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 20.07.2004 Bsw 49418/99
      Vgl; nur T6; Veröff: NL 2004,188
    • Bsw 46572/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 28.09.2004 Bsw 46572/99
      Vgl; Veröff: NL 2004,228
    • Bsw 53678/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 16.11.2004 Bsw 53678/00
      Veröff: NL 2004,289
    • Bsw 49017/99
      Entscheidungstext AUSL EGMR 17.12.2004 Bsw 49017/99
      Beisatz: Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass Beamte sich im selben Maße bewusst einer strengen Beobachtung ihrer Worte und Taten unterwerfen wie Politiker. (T15); Veröff: NL 2005,10
    • Bsw 58547/00
      Entscheidungstext AUSL EGMR 27.10.2005 Bsw 58547/00
      nurT6; Veröff: NL 2005,246
    • Bsw 66298/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 13.12.2005 Bsw 66298/01
      Veröff: NL 2005,298
    • 4 Ob 132/09d
      Entscheidungstext OGH 20.10.2009 4 Ob 132/09d
      Vgl; Beisatz: Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern sind erheblich weiter gezogen als bei Privatpersonen. Dieser Grundsatz gilt auch für Privatpersonen und private Vereinigungen, sobald sie die politische Bühne betreten. (T16)
    • Bsw 13071/03
      Entscheidungstext AUSL EGMR 02.11.2006 Bsw 13071/03
      Vgl; nur T6
    • Bsw 19710/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 02.11.2006 Bsw 19710/02
      Vgl; nur T6; Veröff: NL 2006,291
    • 6 Ob 128/10g
      Entscheidungstext OGH 17.11.2010 6 Ob 128/10g
      Vgl; Beisatz: Dem Beklagten darf nicht das Risiko der Unrichtigkeit der Medienberichterstattung auferlegt werden. (T17); Beisatz: Anderes gilt naturgemäß für den Fall, dass dem Äußernden die Unrichtigkeit der Berichterstattung bekannt war oder leicht erkennbar war. (T18)
    • Bsw 68354/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 25.01.2007 Bsw 68354/01
      nur T6; Veröff: NL 2007,19
    • Bsw 3138/04
      Entscheidungstext AUSL EGMR 25.01.2007 Bsw 3138/04
      nur T6; Beisatz: Vorwurf der Zerstörung des Gesundheitssystems und Bezeichnung als „technischer Wunderwuzzi“ im Zuge einer politischen und öffentlichen Debatte über die Zukunft der Landeskrankenanstalten. (Arbeiter gegen Österreich) (T19); Veröff: NL 2007,23
    • Bsw 21279/02
      Entscheidungstext AUSL EGMR 22.10.2007 Bsw 21279/02
      nur T6; Veröff: NL 2007,261
    • 8 ObA 51/10y
      Entscheidungstext OGH 22.03.2011 8 ObA 51/10y
      Vgl auch
    • Bsw 78060/01
      Entscheidungstext AUSL EGMR 14.10.2008 Bsw 78060/01
      Veröff: NL 2008,287
    • 15 Os 81/11t
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 81/11t
      Vgl auch
    • 15 Os 106/10t
      Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 106/10t
      Auch; Beisatz: Im Rahmen politischer Auseinandersetzungen und bei „Public Figures“ genügt bereits ein „dünnes Tatsachensubstrat“ für die Zulässigkeit einer Wertung, siehe RS0127027. (T20)
    • 6 Ob 114/11z
      Entscheidungstext OGH 18.07.2011 6 Ob 114/11z
      Auch
    • 6 Ob 216/11z
      Entscheidungstext OGH 13.10.2011 6 Ob 216/11z
      Auch
    • Bsw 34438/04
      Entscheidungstext AUSL EGMR 16.04.2009 Bsw 34438/04
      Vgl; Beis: Die Situation einer verurteilten Straftäterin ist nicht mit der einer Person vergleichbar, die sich in ihrer Rolle als Politiker, als eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens oder als Teilnehmer an einer im allgemeinen Interesse gelegenen öffentlichen Debatte der Öffentlichkeit aussetzt. (Bem: Egeland und Hanseid gegen Norwegen) (T21)
      Veröff: NL 2009,104
    • Bsw 5380/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 01.12.2009 Bsw 5380/07
      Auch; nur T1; Beisatz: Dies gilt auch für Wissenschafter, die sich als Autoren von Beiträgen in Tageszeitungen an einer öffentlichen Debatte beteiligen. (Bem: Karsai gegen Ungarn) (T22)
      Veröff: NL 2009,346
    • 6 Ob 243/11w
      Entscheidungstext OGH 22.06.2012 6 Ob 243/11w
    • Bsw 20928/05
      Entscheidungstext AUSL EGMR 30.03.2010 Bsw 20928/05
      Vgl auch; Veröff: NL 2010,109
    • Bsw 17265/05
      Entscheidungstext AUSL EGMR 06.05.2010 Bsw 17265/05
      Auch; Beisatz: Dies gilt auch für Wissenschafter, die ihre Ideen und Überzeugungen in Vorträgen öffentlich machen. (Bem: Brunet Lecomte und Lyon Mag gg. Frankreich) (T23)
      Veröff: NL 2010,147
    • Bsw 37520/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 06.07.2010 Bsw 37520/07
      Auch; Beisatz: Die Vertreterin einer NGO, die deren Ziele öffentlich fördert und über Jahre in den Medien präsent ist, kann nicht als völlig private Person angesehen werden, auch wenn sie nicht in die Gruppe der Personen des öffentlichen Lebens fällt. (Bem: Niskasaari u.a. gg. Finnland) (T24)
      Veröff: NL 2010,215
    • 6 Ob 162/12k
      Entscheidungstext OGH 15.10.2012 6 Ob 162/12k
      Beisatz: Im Sinne der angeführten Grundsätze müssen auch Medieninhaber, Herausgeber und Chefredakteure des die Kritik provozierenden Mediums sich einen höheren Grad an Toleranz gegenüber der Kritik des angegriffenen politischen Gegners zurechnen lassen. (T25); Beisatz: Art 10 MRK schützt nicht nur stilistisch hochwertige, sachlich vorgebrachte und niveauvoll ausgeführte Bewertungen, sondern jedwedes Unwerturteil, dass nicht in einem Wertungsexzess gipfelt. (T26); Beisatz: Hier: „journalistischer Bettnässer“. (T27)
    • Bsw 2034/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 15.03.2011 Bsw 2034/07
      nur: Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern in Ausübung ihres öffentlichen Amtes sind im Allgemeinen weiter gesteckt als bei Privatpersonen, weil sich Politiker unweigerlich und wissentlich der eingehenden Beurteilung ihrer Worte und Taten durch die Presse und die allgemeine Öffentlichkeit aussetzen. (T28)
      Veröff: NL 2011,78
    • Bsw 18990/05
      Entscheidungstext AUSL EGMR 05.07.2011 Bsw 18990/05
      nur: Die Grenzen zulässiger Kritik an Politikern in Ausübung ihres öffentlichen Amtes sind im Allgemeinen weiter gesteckt als bei Privatpersonen. (T29)
      Veröff: NL 2011,208
    • Bsw 34702/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 10.01.2012 Bsw 34702/07
      Vgl auch; Beisatz: Ein Mitglied der Treasury-Abteilung einer Bank ist keine Figur des öffentlichen Lebens. (Bem: Standard Verlags GmbH gg. Österreich [Nr. 3]) (T30)
      Veröff: NL 2012,3
    • Bsw 33497/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 17.01.2012 Bsw 33497/07
      Vgl auch; Beisatz: Dadurch, dass eine Person Opfer einer strafbaren Handlung wurde, die beachtliche Aufmerksamkeit auf sich lenkt, betritt sie nicht die öffentliche Bühne.. (Bem: Krone Verlag GmbH & Co KG und Krone Multimedia GmbH & Co KG gg. Österreich und Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH gg. Österreich) (T31)
      Veröff: NL 2012,28
    • Bsw 27306/07
      Entscheidungstext AUSL EGMR 19.06.2012 Bsw 27306/07
      Auch; nur T16; Beisatz: Eine Person betritt nicht dadurch die Bühne des öffentlichen Lebens, dass sie Opfer eines Sorgerechtsstreits wird, der erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit erregt. (Bem: Krone Verlag GmbH gg, Österreich und Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH gg. Österreich [Nr. 2]) (T32)
      Veröff: NL 2012,187
    European Case Law Identifier (ECLI)
    ECLI:AT:OGH0002:2001:RS0115541
    Im RIS seit
    04.08.2001
    Zuletzt aktualisiert am
    17.10.2014
    Dokumentnummer
    JJR_20010705_OGH0002_0060OB00149_01G0000_001
Verweis auf diesen Entscheidungstext: RIS - Justiz - Entscheidungstext Bsw21279/02 (Bsw36448/02)
Gericht
AUSL EGMR
Dokumenttyp
Entscheidungstext
Geschäftszahl
Bsw21279/02 (Bsw36448/02)
Entscheidungsdatum
22.10.2007
Kopf

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Große Kammer, Beschwerdesache Lindon, Otchakovsky-Laurens und July gegen Frankreich, Urteil vom 22.10.2007, Bsw. 21279/02 und Bsw. 36448/02.

Spruch

Art. 6 Abs. 1 EMRK, Art. 10 EMRK - Diffamierende Äußerungen gegen Politiker in einer Novelle.

Zulässigkeit der Beschwerde unter Art. 10 EMRK (einstimmig).

Zulässigkeit der Beschwerde unter Art. 6 Abs. 1 EMRK (einstimmig). Keine Verletzung von Art. 10 EMRK (13:4 Stimmen).

Keine Verletzung von Art. 6 Abs. 1 EMRK (einstimmig).

Text

Begründung:

Sachverhalt:

Die vorliegenden Beschwerden wurde von dem Schriftsteller Mathieu Lindon (ErstBf.) und dem Vorstandsvorsitzenden des P.O.L.-Verlags (ZweitBf.) bzw. vom Herausgeber der Tageszeitung Libération (DrittBf.) eingebracht.

1998 veröffentlichte P.O.L. eine Novelle des ErstBf. mit dem Titel „Jean-Marie Le Pen vor Gericht". Sie schildert das Gerichtsverfahren gegen Ronald Blistier, einen militanten Anhänger der Front National, der einen kaltblütigen Mord an einem jungen Afrikaner begeht und offen zugibt, er habe aus rassistischen Motiven gehandelt. Die Erzählung beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich den 1995 begangenen Morden an zwei jungen Afrikanern durch militante Anhänger der Front National.

Im Mittelpunkt der Novelle steht Pierre Mine, ein linksgerichteter Rechtsanwalt jüdischer Abstammung, der Ronald Blistier im Strafverfahren vertritt und immer mehr in politische Debatten hinsichtlich der Frage verwickelt wird, was wohl die effektivste Strategie zur Bekämpfung der extremen Rechten sei. So stellt er etwa zu Beginn der Erzählung die Frage, ob nicht Jean-Marie Le Pen in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Front National für einen Mord verantwortlich zu machen sei, den ein von seiner politischen Rhetorik beeinflusster militanter Teenager begangen habe.

In der Folge erstatteten die Front National und Herr Le Pen Strafanzeige gegen die beiden ersten Bf. wegen Schädigung ihres guten Rufes. Am 11.10.1999 sprach das Pariser Strafgericht den ZweitBf. der Rufschädigung und den ErstBf. der Beihilfe zu diesem Delikt schuldig und trug ihnen die Leistung von Schadenersatz im Gegenwert von €

3.811,23 an die Geschädigten auf. Ferner verhängte es Geldstrafen in Höhe von jeweils umgerechnet € 2.286,74.

Das Gericht sah folgende vier Passagen als rufschädigend an: 1. „ein effektiver Weg der Bekämpfung von Le Pen würde darin bestehen, ihn auf die Anklagebank zu bringen und darzulegen, dass er nicht der Führer einer politischen Partei, sondern der Anführer einer Mordbande ist"; 2. „niemand verlässt die Front National ungestraft" (Anm.: In einem fiktiven Gespräch mit einem Freund wird Pierre Mine vor der Strategie der Front National gewarnt, austretende Parteimitglieder mit brutaler oder sogar tödlicher Gewalt zu verfolgen.); 3. „hinter jeder Äußerung von Jean-Marie Le Pen ragt bedrohlich das Schreckgespenst der schlimmsten Scheußlichkeiten in der Geschichte der Menschheit hervor"; 4. „Jean-Marie Le Pen ist wie ein Vampir, der großes Kapital aus der Verbitterung seiner Wählerschaft schlägt, aber manchmal auch deren Blut saugt, so wie das seiner Feinde."

Mit Urteil vom 13.9.2000 bestätigte das Gericht zweiter Instanz die Entscheidung des Erstgerichts mit der Einschränkung, dass die Wendung „niemand verlässt die Front National ungestraft" nicht notwendigerweise die Meinung des Autors widerspiegle und daher nicht diffamierenden Charakter habe. Ein dagegen erhobenes Rechtsmittel wurde vom Cour de cassation abgewiesen.

Mittlerweile hatte Libération in der Ausgabe vom 16.11.1999 ein von 97 Schriftstellern unterzeichnetes Kommuniqué veröffentlicht, in dem diese gegen die Verurteilung des Erst- und des ZweitBf. Protest einlegten. Die relevanten Textpassagen, deren diffamierender Charakter von den Unterzeichnenden ausdrücklich in Abrede gestellt wurde, wurden wörtlich wiedergegeben. Herr Le Pen und seine Partei erstatteten daraufhin Strafanzeige gegen den DrittBf. wegen Rufschädigung.

Am 7.9.2000 wurde Herr July vom Pariser Strafgericht der Begehung des vorgenannten Delikts für schuldig gesprochen und ihm die Leistung von Schadenersatz bzw. Zahlung einer Geldstrafe aufgetragen. Ein dagegen erhobenes Rechtsmittel an das Gericht zweiter Instanz wurde am 21.3.2001 abgewiesen.

Rechtliche Beurteilung

Rechtsausführungen:

Die Bf. behaupten, ihre Verurteilung wegen Rufschädigung habe sie in ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung gemäß Art. 10 EMRK verletzt. Der DrittBf. rügt außerdem eine Verletzung seines von Art. 6 Abs. 1 EMRK garantierten Rechts auf ein faires Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.

Zur Zulässigkeit der Beschwerde:

Da die Beschwerde nicht offensichtlich unbegründet ist und auch sonst

keinerlei Unzulässigkeitsgründe vorliegen, ist sie für zulässig zu

erklären (einstimmig).

Zur behaupteten Verletzung von Art. 10 EMRK:

Es liegt unstrittig ein Eingriff in die Meinungsäußerungsfreiheit der Bf. vor. Dieser war in den §§ 29 und 32 des Gesetzes betreffend die Freiheit der Presse vom 29.7.1881 gesetzlich vorgesehen und verfolgte ein legitimes Ziel, nämlich den Schutz des Rufes und der Rechte anderer. Zu prüfen ist, ob der Eingriff in einer demokratischen Gesellschaft notwendig war.

1. Zur Verurteilung der beiden ersten Bf.:

Es besteht kein Zweifel, dass es sich bei Romanen und Erzählungen um eine künstlerische Ausdrucksform handelt, die in den Schutzbereich von Art. 10 EMRK fällt.

Die vorliegende Novelle spricht offen die Verantwortung der Front National und ihres Vorsitzenden für das Erwachen des Rassismus in Frankreich und die Schwierigkeiten seiner Bekämpfung an. Sie betraf damit eine Debatte von allgemeinem öffentlichen Interesse. In seinem Urteil vom 13.9.2000 sah das Gericht zweiter Instanz die in der Novelle gestellte Frage „Wie kann Jean-Marie Le Pen effektiv bekämpft werden?" nicht als diffamierend per se, sondern als legitimes Mittel politischen Kampfes in einer demokratischen Gesellschaft an. Die über die beiden Bf. verhängten Sanktionen richteten sich daher nicht gegen die in der Novelle dargelegten Argumente, sondern vielmehr gegen den Inhalt gewisser Aussagen. Die Bf. bringen vor, das Gericht zweiter Instanz sei zu seinem Ergebnis anhand der Prüfung der Frage gekommen, ob der Autor sich in der Novelle von den Bemerkungen seiner fiktiven Charaktere distanziert habe. Ein derartiger Ansatz sei mit der Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerungsfreiheit unvereinbar. Der GH vermag sich dieser Argumentation nicht anzuschließen. Die vom Gericht zweiter Instanz angewendeten Kriterien zur Ermittlung des rufschädigenden Charakters gewisser Passagen sind ebenso mit Art. 10 EMRK vereinbar wie dessen Aussage, die umstrittenen Äußerungen könnten die Ehre und das Ansehen von Herrn Le Pen und seiner Partei nachhaltig beeinträchtigten. Dazu kommt, dass der Inhalt der umstrittenen Passagen überaus aggressiv war und Herr Le Pen und seine Partei darin namentlich genannt wurden.

Für den ErstBf. war das vom Gericht zweiter Instanz zusätzlich angewendete Kriterium, nämlich aus den Äußerungen der Romanfiguren Rückschlüsse auf die Gedankengänge des Autors zu ziehen und jene Bemerkungen, von denen sich dieser in seinem Werk distanzierte, für nicht strafwürdig zu erachten, auch insofern von Vorteil, als eine der vier Passagen nicht als diffamierend eingestuft wurde. Auch die Auffassung des Gerichts zweiter Instanz, die Bf. hätten die gegenständlichen Passagen vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Übereinstimmung mit der Realität überprüfen müssen, steht mit der einschlägigen Rechtsprechung des GH durchaus im Einklang. Zwar trifft es zu, dass Äußerungen von Personen im Zuge von Debatten von öffentlichem Interesse einen gewissen Grad der Übertreibung oder sogar der Provokation aufweisen dürfen. Die Grenzen zulässiger Kritik sind außerdem bei Politikern und politischen Parteien weiter gesteckt als im Verhältnis zu Privatpersonen. Dies gilt insbesondere für führende Politiker wie Herrn Le Pen, der für seine Hetzreden und seine rechtsextremen Ansichten bekannt ist und die zu strafrechtlichen Verurteilungen etwa wegen Anstiftung zum Rassenhass und Verharmlosung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit geführt haben. Er muss sich insofern harte Kritik an seiner Person gefallen lassen und hat daher einen besonders hohen Grad an Toleranz zu zeigen.

Der GH ist dennoch der Ansicht, dass das Gericht zweiter Instanz die Sachlage adäquat beurteilte, indem es die Überzeugung vertrat, die fraglichen Äußerungen würden die Grenzen zulässiger Kritik überschreiten. Er hält fest, dass politische Auseinandersetzungen, mögen sie auch naturgemäß heftig ausfallen, sich innerhalb eines Mindestrahmens an Gemäßigtheit und Korrektheit bewegen müssen. In diesem Zusammenhang ist auch Bezug auf den Charakter bzw. den Inhalt der strittigen Äußerungen zu nehmen. Sie verfolgten offensichtlich das Ziel, die andere Seite zu stigmatisieren und zu Gewalt und Hass aufzustacheln, was auch bei Politikern mit extremen Positionen jenseits der Grenzen akzeptabler Kritik in öffentlichen Debatten liegt.

Was schließlich die über die Bf. verhängten Sanktionen (Geldstrafe, Schadenersatz, Bekanntgabe des Urteils) anlangt, war die von den Gerichten dafür abgegebene Begründung durchaus ausreichend und angemessen.

2. Zur Verurteilung des DrittBf.:

Der GH erinnert daran, dass der Schutz von Journalisten bei der Weitergabe von Informationen von allgemeinem Interesse voraussetzt, dass sie in gutem Glauben und auf Basis von sorgfältig recherchierten Fakten handeln. Es müssen daher besondere Gründe vorliegen, wenn Medien von ihrer allgemeinen Verpflichtung entbunden werden, den Ruf und das Ansehen von Privatpersonen beeinträchtigende Tatsachenbehauptungen zu überprüfen.

Im vorliegenden Fall beruhte die Verurteilung des DrittBf. auf der Veröffentlichung eines Kommuniqués durch Libération, in dem Auszüge aus der Novelle wiedergegeben wurden, die schwerwiegende Behauptungen und beleidigende Bemerkungen gegen Herrn Le Pen und seine Partei enthielten. Die Unterzeichner drückten darin nicht nur ihre Zustimmung zu den genannten Äußerungen aus, sondern leugneten auch deren diffamierenden Charakter ungeachtet eines in der Zwischenzeit ergangenen Urteils gegen den Erst- und den ZweitBf. Der GH hat bereits bekräftigt, dass er die Feststellungen des Gerichts zweiter Instanz im Fall des Erst- und des ZweitBf. teilt. Der DrittBf. überschritt daher die Grenzen zulässiger Provokation durch die Wiedergabe der besagten Äußerungen, dies nicht zuletzt angesichts ihrer potentiellen Auswirkungen auf die Öffentlichkeit aufgrund ihrer Verbreitung in einer auflagenstarken Tageszeitung und der Tatsache, dass eine derartige Form der Berichterstattung über die Verurteilung des Erst- und des ZweitBf. einschließlich der damit einhergehenden Kritik nicht notwendig war.

Abschließend ist festzuhalten, dass auch die über den DrittBf. verhängten Sanktionen moderat ausfielen.

3. Schlussfolgerung:

Der GH kommt zu dem Ergebnis, dass die gerügten Maßnahmen verhältnismäßig gegenüber dem gesetzlich verfolgten Ziel und somit in einer demokratischen Gesellschaft notwendig waren. Keine Verletzung von Art. 10 EMRK (13:4 Stimmen; im Ergebnis übereinstimmendes Sondervotum von Richter Loucaides; Sondervotum der Richter Rozakis, Bratza und Sikuta sowie von Richterin Tulkens).

Zur behaupteten Verletzung von Art. 6 Abs. 1 EMRK:

Der DrittBf. bringt vor, dass zwei der drei Richter des Gerichts zweiter Instanz, die seinen Fall prüften, bereits Mitglieder jener Richterbank gewesen wären, die die Verurteilung der beiden ersten Bf. bestätigt hatte. Unter diesen Umständen mussten die betreffenden Richter ihm gegenüber notwendigerweise eine vorgefasste Meinung haben.

Da die Beschwerde nicht offensichtlich unbegründet ist und auch sonst keinerlei Unzulässigkeitsgründe vorliegen, ist sie für zulässig zu erklären (einstimmig).

Der GH vermag in der Urteilsbegründung des Gerichts zweiter Instanz keinerlei Anzeichen zu entdecken, dass besagte Richter sich durch den verletzenden Zeitungsartikel persönlich angegriffen fühlten. Von einer persönlichen Voreingenommenheit kann daher keine Rede sein. Er räumt allerdings ein, dass der Umstand, dass zwei Richter sowohl bei der Bestätigung der Verurteilung des Erst- und des ZweitBf. als auch bei jener des DrittBf. mitwirkten, Zweifel beim DrittBf. hinsichtlich ihrer Unparteilichkeit erwecken musste.

Sie sind jedoch im vorliegenden Fall nicht gerechtfertigt: So wiesen die Fakten in beiden Fällen zwar Gemeinsamkeiten auf, waren jedoch nicht ident. Ferner war der „Angeklagte" jeweils ein anderer. In seinem ersten Urteil hatte das Gericht zweiter Instanz bestimmte Passagen als rufschädigend gewertet. Dieser Teil des Urteilsspruchs wurde zur rechtskräftig entschiedenen Sache. Dies hatte zur Folge, dass das Gericht zweiter Instanz in seinem zweiten Urteil an diese seine Rechtsansicht gebunden war, während die Frage, ob Herr July im guten oder im bösen Glauben gehandelt hatte, offen und somit vom ersten Urteil unbeeinflusst blieb. Es bestehen keinerlei Anzeichen, dass die Richter in der Frage des guten Glaubens an ihre im ersten Urteil dargelegte Rechtsansicht gebunden waren.

Die Zweifel des DrittBf. hinsichtlich einer Unparteilichkeit der betreffenden Richter waren somit objektiv nicht gerechtfertigt. Keine Verletzung von Art. 6 Abs. 1 EMRK (einstimmig).

Vom GH zitierte Judikatur:

Lingens/A v. 8.7.1986, A/103, EuGRZ 1986, 424.

Thomann/CH v. 10.6.1996, NL 1996, 110; ÖJZ 1996, 874. Oberschlick/A (Nr. 2) v. 1.7.1997, NL 1997, 213; ÖJZ 1997, 956. Wirtschafts-Trend Zeitschriften-Verlags GmbH/A v. 27.10.2005, NL 2005, 246; ÖJZ 2006, 385.

Hinweis:

Das vorliegende Dokument über das Urteil des EGMR vom 22.10.2007, Bsw. 21279/02 und Bsw. 36448/02, entstammt der Zeitschrift "Newsletter Menschenrechte" (NL 2007, 261) bzw. der entsprechenden Datenbank des Österreichischen Institutes für Menschenrechte, Salzburg, und wurde von diesem dem OGH zur Aufnahme in die Entscheidungsdokumentation Justiz im RIS zur Verfügung gestellt.

Das Urteil im englischen Originalwortlaut (pdf-Format):

www.menschenrechte.ac.at/orig/07_5/Lindon.pdf

Das Original des Urteils ist auch auf der Website des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (www.echr.coe.int/hudoc) abrufbar.

Anmerkung
EGM00758 Bsw21279.02-U
Dokumentnummer
JJT_20071022_AUSL000_000BSW21279_0200000_000