Landesrecht konsolidiert Vorarlberg: Gesamte Rechtsvorschrift für Kindergartenbildungs- und -erziehungsplan, Fassung vom 26.09.2016

§ 0

Langtitel

Verordnung der Landesregierung über die pädagogische Kindergartenarbeit

StF: LGBl.Nr. 53/2008

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 11 Abs. 4 des Kindergartengesetzes, LGBl.Nr. 52/2008, wird verordnet:

§ 1

Text

§ 1
Aufgaben des Kindergartens

(1) Der Kindergarten ist eine vorschulische Bildungseinrichtung und hat die häusliche Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter in einer Atmosphäre der Offenheit und Wertschätzung zu unterstützen und ergänzen. Im Rahmen der Persönlichkeitsbildung ist jedes einzelne Kind als eigene Persönlichkeit in seiner Ganzheit anzunehmen und altersgerecht zu stärken. Seine Würde, Freude und Neugierde sind zu achten und zu fördern. Dabei sind die veränderten Umwelten der Kinder sowie neue Gesellschafts- und Familienstrukturen zu erkennen, zu akzeptieren und mit Empathie für Kinder und Eltern zu berücksichtigen. In der Gruppengemeinschaft soll sich das Kind selbstbewusst lernend und kommunizierend entwickeln und sich durch das Bewusstsein der Zugehörigkeit sicher fühlen.

(2) In der Kindergartenpädagogik bilden Betreuung, Bildung und Erziehung jederzeit eine untrennbare Einheit und haben auf den Erfahrungen der Erziehungswissenschaft, der Lern- und Hirnforschung und der Kinderpsychologie aufzubauen, wonach gerade die ersten Lebensjahre eines Menschen für die Bildung der Persönlichkeitsanlagen von ausschlaggebender Bedeutung sind. Im Zusammenwirken mit den Eltern ist die Entwicklung der Kinder durch geeignete Spielangebote und gruppendynamische Prozesse sowie durch physische, psychische und kognitive Begleitung bestmöglich zu fördern. Voraussetzung hiefür ist ein möglichst kontinuierlicher Kindergartenbesuch.

(3) Kinder mit speziellen Begabungen, mit Verhaltensauffälligkeiten bzw. mit Defiziten jeder Art sind in Zusammenarbeit mit den Eltern frühestmöglich, gegebenenfalls interdisziplinär unter Beiziehung geeigneter Fachleute, zu fördern und so weit wie möglich in die Gemeinschaft der Gruppe zu integrieren.

(4) Als interkulturell sensible Institution soll der Kindergarten im Hinblick auf eine grundlegende religiöse und ethische Bildung die Kinder zu einem achtsamen Umgang mit Lebewesen und Natur führen und befähigen, in Freiheits- und Friedensliebe anderen Kulturen und Menschen zu begegnen.

(5) Unter Berücksichtigung der frühkindlichen Lernformen – Spielen, Arbeiten, Forschen, Erfinden, Gestalten und Experimentieren – sind Lernfähigkeit, Lernbereitschaft und soziale Reife vorzugsweise in altersgemischten Gruppen zu fördern und die Kinder ohne Zeit- und Leistungsdruck auf die Schule vorzubereiten. Die hiefür notwendigen Grundlagen sind in allen Bildungsbereichen zu erarbeiten, miteinander zu vernetzen und zu festigen. Die Bildungsangebote sind nicht als Unterricht im Sinne der Schule zu gestalten.

(6) Im Bildungs- und Beziehungsgefüge Kind, Eltern, Kindergarten und Schule ist die Kindergartenarbeit transparent zu gestalten. Der Kindergarten hat durch geeignete Maßnahmen für die Kinder einen harmonischen Übergang in die Schule anzustreben. Um den Kindern Sicherheit zu vermitteln, soll den Kindern und Lehrpersonen durch gegenseitige Besuche sowie gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen ein Kennenlernen ermöglicht werden. Eltern, Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) und Lehrpersonen sollen regelmäßig Informationen austauschen und gemeinsam Fragen klären.

§ 2

Text

§ 2*)
Didaktische Prinzipien

(1) Im Rahmen der längerfristigen und auf Kontinuität aufbauenden Bildungsprozesse ist das Spiel in Verbindung mit der Sprache die dominante Lernform und in allen Bildungsbereichen anzuwenden. Durch das Spiel soll die Grundlage für die spätere Lern- und Arbeitshaltung geschaffen und dem Kind die Möglichkeit gegeben werden, seine Wünsche zu erfüllen, Ängste zu bearbeiten und den seelischen Ausgleich zu gewinnen. Raum und Zeit des Spielens sowie die dabei verwendeten Spielmaterialien sind dem Entwicklungsstand und Interesse des Kindes anzupassen. Von besonderer Bedeutung für die Kinder ist ein entsprechendes Eingewöhnen und Kennenlernen in der Gruppe. Folgende weitere didaktische Prinzipien sind anzuwenden:

-

Förderung der Gesamtpersönlichkeit und Individualität,

-

Orientierung am Kind und seiner Lebenssituation,

-

Lernen in der Gruppe,

-

Integrative Sprachförderung,

-

Motivieren zum Entdecken, Forschen und Experimentieren,

-

Förderung kreativer Verhaltensweisen,

-

Förderung der Autonomie durch einen partnerschaftlichen Erziehungsstil,

-

Vereinfachung der Lehrinhalte unter Beachtung der Sachrichtigkeit und

-

Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit in belastenden Lebenssituationen und gegenüber Entwicklungsrisiken.

(2) Die Sprachförderung von Kindern mit Sprachförderbedarf hat grundsätzlich durch die Kindergartenpädagogin (den Kindergartenpädagogen) im Rahmen der vorschulischen Bildungsarbeit als durchgängiges Prinzip zu erfolgen. Bei der Umsetzung der frühen sprachlichen Förderung ist der bundesländerübergreifende Bildungsrahmenplan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich und der Bildungsplan-Anteil zur sprachlichen Förderung in elementaren Bildungseinrichtungen anzuwenden.

*) Fassung LGBl.Nr. 57/2012

§ 3

Text

§ 3*)
Bildungsbereiche

(1) Im vorschulischen Bildungsprozess sollen die Kinder vielseitige Kompetenzen wie z.B. soziale Fähigkeiten, Arbeitshaltungen, Sprache, motorisches Geschick, Wahrnehmung, Denk- und Merkfähigkeit usw. erwerben. Das Kind soll lernen, Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, ein Verantwortungsgefühl für sein eigenes Verhalten zu entwickeln und eine positive Kommunikation aufzubauen. Darüber hinaus sind die freudige Gestimmtheit des Kindes, seine geistige Wachheit, Freude an der Tätigkeit und die Fähigkeit zu einem intensiven und konzentrierten Spiel – frei und angeleitet – als Merkmale für seine Lernbereitschaft zu beachten und zu fördern.

(2) Im Rahmen der Aufgabenstellung gemäß § 1 ist in ganzheitlicher, ausgewogener und geschlechtergerechter Weise die Förderung der Kinder in folgenden Bereichen zu beachten:

a)

Emotionalität:

-

Gefühlsansprechbarkeit

-

Erlebnisfähigkeit

-

Liebes- und Bindefähigkeit

-

Umgang mit Aggressivität

-

Verarbeitung und Abbau von Frustration

-

Suchtprävention

b)

Sozialkompetenz:

-

Kontaktfähigkeit

-

Zusammenarbeit in der Gruppe

-

Konflikt- und Friedensfähigkeit

-

Gewaltprävention

-

Mitverantwortung für die Gruppe

-

Demokratiefähigkeit

-

Verständnis für die Verschiedenartigkeit von Menschen und Kulturen

c)

Werte und Orientierungskompetenz:

-

Verständnis der Grundrechte des Menschen, insbesondere der Kinderrechte

-

Moralisches Wertebewusstsein

-

Soziale und ökologische Verantwortung

-

Bezug zur regionalen Umwelt

-

Tradition und Heimatbewusstsein

-

Interkultureller Austausch

d)

Religiöse Erziehung:

-

Grundlagen der Religion

-

Achtung vor Natur und Lebewesen

-

Respekt gegenüber anderen Religionen

e)

Sexualerziehung:

-

Natürliche Einstellung zur Geschlechtlichkeit

-

Partnerschaftliches Rollenverständnis

-

Basiswissen über menschliches Leben

-

Prävention gegen sexuellen Missbrauch

f)

Sprachbildung und frühe Sprachförderung gemäß den „Bildungsstandards zur Sprech- und Sprachkompetenz zu Beginn der Schulpflicht“:

-

Sprache als Ausdrucks- und Verständigungsmittel

-

Annehmen kindlicher Ausdrucksweise

-

Gesprächsverhalten und Kommunikation

-

Sprechfreude

-

Bewusstsein für Sprachen

-

Hebung des Sprachniveaus

-

Sprachverständnis

-

Sprechtechnik

-

Regionale Mundart

-

Hinführung zur Hochsprache

-

Wertschätzung der Erstsprache

-

Deutsch als Zweitsprache

-

Mehrsprachigkeit als Chance

-

Fremdsprachen im Rahmen von Projekten

-

Spielerisches Heranführen an die Kulturtechniken Lesen und Schreiben

g)

Gesundheits- und Bewegungserziehung:

-

Hygiene, Ernährung, Körper- und Gesundheitspflege

-

Erleben des eigenen Körpers

-

Körperbezogene Kompetenzen und Ressourcen

-

Anstrengung und Entspannung

-

Grundbewegungsformen

-

Gleichgewichtssinn

-

Feinmotorik als Vorerfahrung für das Erlernen der Kulturtechniken

-

Spiel, Spaß und Freude bei regelmäßiger Bewegung

-

Bewegung in der freien Natur

h)

Rhythmisch-musikalische Erziehung:

-

Singen und Musizieren

-

Traditionelle und neue Lieder

-

Rhythmik

-

Tanzen

-

Umgang mit Instrumenten

i)

Lern- und Leistungsfähigkeit:

-

Lerninteresse und Lernmotivation

-

Lernmethodische Kompetenzen

-

Positive Arbeitshaltungen wie Konzentration, Ausdauer, Sorgfalt und Selbständigkeit

-

Phonologische Bewusstseinsbildung

j)

Denk- und Merkfähigkeit:

-

Intensivierung der Beobachtungsfähigkeit

-

Wahrnehmungsschulung

-

Sensomotorische Förderung

-

Konzentrationsschulung

-

Mathematisch-logisches Denken

-

Problemlösungsstrategien

k)

Kreativität:

-

Förderung kreativer Fähigkeiten

-

Ästhetische Bildung

-

Bildnerisches Gestalten und Werken

-

Planen, Legen, Bauen und Konstruieren

-

Freies Experimentieren ohne Vorgabe

-

Rollenspiel

l)

Umweltwissen und -verständnis:

-

Orientierung des Kindes in seiner Umwelt

-

Grundwissen über die Natur

-

Umweltgerechtes Verhalten

-

Sachgerechter Umgang mit Materialien und Arbeitsgeräten

-

Experimentelles Erfahren von physikalischen Naturgesetzen

-

Altersgemäße Fertigkeiten und Arbeitsweisen

-

Ansätze zu einem kritischen Konsumverhalten

-

Umgang mit Medien

-

Verkehrserziehung mit praktischen Übungen

*) Fassung LGBl.Nr. 57/2012

§ 4

Text

§ 4*)
Voraussetzungen der pädagogischen Kindergartenarbeit

(1) Erfolgreiche Kindergartenarbeit verlangt vom gesamten Team das Bewusstsein und Bestreben, Vorbild zu sein. Professionelle Arbeit erfordert daher ein wertschätzendes Miteinander im Team und die Gelegenheit zur Psychohygiene, für die der Dienstgeber erforderlichenfalls zu sorgen hat.

(2) Zur Sicherung der Qualität der Kindergartenarbeit haben sich die Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) regelmäßig durch Fortbildung und Studium der einschlägigen Fachliteratur mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und sich täglich gewissenhaft vorzubereiten. Sie haben insbesondere die pädagogische Kindergartenarbeit schriftlich zu dokumentieren (Abs. 3), die Planungen zu erstellen (Abs. 5 und 6) und mit den Eltern (Abs. 7) und Schulen (§ 1 Abs. 6) engen Kontakt zu pflegen. Die Dokumentationen und Planungen sind der Kindergarteninspektorin (dem Kindergarteninspektor) auf Verlangen vorzulegen oder zu übermitteln.

(3) Die Dokumentation der pädagogischen Kindergartenarbeit ist für jede Gruppe schriftlich zu führen und hat aus Anwesenheitslisten, Vorbereitungen, Einzel- und Gruppenbeobachtungen sowie Reflexionen zu bestehen.

a)

Die Vorbereitungen haben zu beinhalten:

-

eine Jahresplanung einschließlich einer pädagogischen Konzeption und allfälliger Projekte,

-

die Langzeitplanungen mit thematischen Schwerpunkten und didaktischen Reihen,

-

die Wochenplanungen und

-

die detaillierten Tagesplanungen.

b)

Die Einzel- und Gruppenbeobachtungen haben sich zu beziehen auf den sprachlichen und sonstigen Entwicklungsstand, die Entwicklungsphasen, Lernschritte sowie das Verhalten der Kinder in Einzel- und Gruppensituationen. Die Einzelbeobachtungen werden in den von der Kindergarteninspektorin (dem Kindergarteninspektor) approbierten Beobachtungsbögen für jedes einzelne Kind standardisiert dokumentiert und zusammenfassend dargestellt. Die Erhebung des Sprachstandes hat insbesondere die expressive und rezeptive Sprachentwicklung sowie die Fähigkeit zur akustisch-phonematischen, kinästhetisch-artikulatorischen und rhythmischen Differenzierung zu beinhalten; die Kindergarteninspektorin (der Kindergarteninspektor) kann für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache auch hievon abweichende, auf deren Sprachhintergrund Bedacht nehmende Beobachtungsbögen approbieren. Der sonstige Entwicklungsstand ist jedenfalls in den Bereichen Sinneswahrnehmungen, Bewegungsplanung/Körperschema, Handpräferenz, Gedächtnis/Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit/ Konzentration/Ausdauer sowie soziale Kompetenz und Gefühlserleben zu erfassen.

c)

Die Reflexionen beziehen sich auf das gesamte Bildungsgeschehen und haben zu beinhalten:

-

die Beobachtungen und Einschätzungen der Bildungswirksamkeit der kindlichen Lern- und Entwicklungsprozesse, insbesondere der Sprachentwicklung,

-

die Elternarbeit und

-

die Auseinandersetzung mit Evaluationsfragen.

Die Beobachtungen und Dokumentationen gemäß lit. b und c bilden die Basis für nachfolgende Vorbereitungsarbeiten, Elterneinzelgespräche, individuelle Fördermaßnahmen und erforderlichenfalls für die Unterstützung durch externe Fachleute.

(4) Die Beobachtungen beginnen grundsätzlich bei jedem Kind mit dem Kindergarteneintritt. Die standardisierte Dokumentation gemäß Abs. 3 lit. b hat bei den vierjährigen Kindern ab Beginn des Kindergartenjahres zu erfolgen (Erstbeobachtung). Die Kindergartenpädagogin (der Kindergartenpädagoge) hat die Ergebnisse und die notwendigen Fördermaßnahmen mit den Eltern zu besprechen. Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf oder mit erheblichem sonstigen Förderbedarf haben, sofern dieser Förderbedarf nicht auf eine Behinderung zurückzuführen ist, an den Fördermaßnahmen im Kindergarten teilzunehmen; das zeitliche Ausmaß richtet sich nach dem vom Rechtsträger des Kindergartens für die der Besuchspflicht unterliegenden Kinder festgelegten Stundenausmaß unter Einhaltung der Kernzeit (§ 16 Abs. 3 des Kindergartengesetzes). Die Wirkung der Fördermaßnahmen ist im darauffolgenden Herbst für jedes einzelne Kind nach demselben Modus (§ 4 Abs. 3 lit. b) standardisiert zu dokumentieren und zusammenfassend darzustellen (Nachbeobachtung). Die Kindergartenpädagogin (der Kindergartenpädagoge) hat die Ergebnisse der Einzelbeobachtungen jedes Kindes mit Förderbedarf der Landesregierung oder einem von ihr beauftragten Dritten bis spätestens Ende März (Erstbeobachtung) bzw. Ende November (Nachbeobachtung) des jeweiligen Kindergartenjahres in anonymisierter Form zu übermitteln.

(5) Bis zum Beginn des Kindergartenjahres hat die Kindergartenpädagogin (der Kindergartenpädagoge) eine schriftliche Jahresplanung mit einer pädagogischen Konzeption zu erstellen und die praktischen Vorbereitungen für den Kindergartenbeginn abzuschließen. Die Konzeption ist aufgrund einer Situationsanalyse nach Maßgabe der Rahmenbedingungen im Kindergarten, der Gruppenstruktur, des familiären Umfeldes und der örtlichen Gegebenheiten spezifisch für jede Kindergartengruppe zu erstellen. Sie hat insbesondere pädagogisch relevante Unterschiede der Kinder sowie die dadurch bedingten Handlungsnotwendigkeiten zu enthalten.

(6) Die Langzeit-, Wochen- und detaillierten Tagesplanungen hat jede Kindergartenpädagogin (jeder Kindergartenpädagoge) – gegebenenfalls in Abstimmung mit Kolleginnen (Kollegen) – selbst außerhalb des Kinderdienstes zu erstellen; dasselbe gilt für die Anpassung der pädagogischen Konzeption, Führung der Elterneinzelgespräche und Teambesprechungen. Für Teilzeitpädagoginnen (Teilzeitpädagogen) ist die Teilnahme an Teambesprechungen im notwendigen Ausmaß ebenfalls verpflichtend. Bei mehrgruppigen Kindergärten sind auch die koordinierenden bzw. gruppenübergreifenden Arbeiten der Kindergartenleitung, insbesondere die pädagogische Steuerung, außerhalb des Kinderdienstes durchzuführen. Die organisatorischen Maßnahmen sind im Rahmen des Dienstplanes zu regeln.

(7) Zwischen Kind, Eltern und Kindergartenpädagogin (Kindergartenpädagoge) soll sich ein Beziehungsdreieck entwickeln. Die Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) haben daher die Kindergartenarbeit für die Eltern transparent zu gestalten und sie über Verhalten und Entwicklung ihres Kindes zu informieren. Erforderlichenfalls haben sie den Eltern zu empfehlen, sich an geeignete Fachleute zu wenden. Pro Jahr sind mindestens drei Elternabende sowie zusätzliche andere geeignete Formen der Elternarbeit anzubieten, die der Information, der Beratung, dem Austausch, der Stärkung der elterlichen Kompetenzen, der elterlichen Mitarbeit sowie der Erleichterung von Übergängen dienen. Elterneinzelgespräche sind anzubieten, um im geschützten Rahmen einen das Kind betreffenden Informationsaustausch zu gewährleisten.

(8) Für die schriftlichen Dokumentationen (Abs. 3) sowie die Planungen, Elterneinzelgespräche, Teambesprechungen und bei mehrgruppigen Kindergärten für die koordinierenden bzw. gruppenübergreifenden Arbeiten der Kindergartenleitung (Abs. 5 und 6) sind jeder Gruppenleiterin (jedem Gruppenleiter) acht bis zehn Dienststunden wöchentlich – Teilzeitkräften jedoch mindestens ein Viertel ihrer Dienstzeit – kinderdienstfrei zur Verfügung zu stellen. Weiteren Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) ist zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben – entsprechend der jeweiligen Teamsituation, der internen Absprachen und einer allfälligen organisatorischen Entlastung – die notwendige kinderdienstfreie Dienstzeit zu gewähren. Unabhängig davon sind für Dokumentation, Elterneinzelgespräche, Planung der Förderung und Koordination im Zusammenhang mit dem Beobachtungsinstrument gemäß Abs. 3 lit. b der zuständigen Kindergartenpädagogin (dem zuständigen Kindergartenpädagogen) für jedes Kind einmalig zusätzlich zwei Stunden kinderdienstfrei zur Verfügung zu stellen.

(9) Den Leiterinnen (Leitern) von Ganztageskindergärten mit Mittagessen oder von mehrgruppigen Kindergärten ist zur Tragung des zusätzlichen, allenfalls gruppenübergreifenden Organisationsaufwandes die hiefür zusätzlich notwendige kinderdienstfreie Dienstzeit, die bei Kindergärten mit vier oder mehr Gruppen mindestens zwei weitere Dienststunden/Woche umfasst, zu gewähren.

*) Fassung LGBl.Nr. 37/2010, 57/2012

§ 5

Text

§ 5*)
Voraussetzungen der pädagogischen Kindergartenarbeit
unter besonderen Verhältnissen

(1) Ab vier Kindern mit Sprachförderbedarf oder mit erheblichem sonstigen Förderbedarf, sofern dieser nicht auf eine Behinderung zurückzuführen ist, ist für deren Förderung je Gruppe zusätzlich eine Kindergartenpädagogin (ein Kindergartenpädagoge) oder eine andere hiefür qualifizierte Person im Ausmaß von mindestens drei Stunden pro Woche beizuziehen.

(2) In Kindergartengruppen mit ausschließlich dreijährigen Kindern dürfen einer Kindergartenpädagogin (einem Kindergartenpädagogen) höchstens sieben Kinder und zwei Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) acht bis höchstens 15 Kinder anvertraut werden. Ein allfälliger Förderbedarf ist nach Maßgabe des Abs. 1 zu berücksichtigen.

(3) In altersgemischten Kindergartengruppen sind, wenn der Anteil an Dreijährigen und Kindern mit Sprachförderbedarf oder mit erheblichem sonstigen Förderbedarf, sofern dieser nicht auf eine Behinderung zurückzuführen ist, ein Drittel der Gruppengröße übersteigt, zusätzliche Stundenkontingente pro Gruppe und Kindergartenjahr zur Verfügung zu stellen. Die Einteilung ist nach Maßgabe der pädagogischen Konzeption und der besonderen Gruppensituation durchzuführen.

Das Stundenkontingent beträgt

a)

bei einer Kindergartenpädagogin (einem Kindergartenpädagogen) mit 12 bis 16 Kindern mindestens 640 Stunden und

b)

bei zwei Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen) oder einer Kindergartenpädagogin (einem Kindergartenpädagogen) und einer Kindergartenhelferin (einem Kindergartenhelfer) mit 17 bis 23 Kindern mindestens 320 Stunden.

(4) Wenn in den Fällen der Abs. 1 bis 3 keine Kindergartenpädagogin (kein Kindergartenpädagoge) oder keine andere hiefür qualifizierte Person zusätzlich zur Verfügung steht, hat die Gruppenleiterin (der Gruppenleiter) die Fördermaßnahmen durchzuführen. In diesem Fall ist zur Unterstützung eine Kindergartenhelferin (ein Kindergartenhelfer) zur Verfügung zu stellen. Den die Fördermaßnahmen durchführenden Personen ist die notwendige Vorbereitungszeit zu gewähren. Bei der Anstellung von zusätzlichem Kindergartenpersonal ist – gegebenenfalls kindergarten- bzw. gemeindeübergreifend – ein Beschäftigungsausmaß von zumindest 50 % anzustreben.

*) Fassung LGBl.Nr. 37/2010, 57/2012

§ 5a

Text

§ 5a*)
Prüfung des Sprachförderbedarfs nicht angemeldeter Kinder

Die Prüfung des Sprachförderbedarfs nicht zum Kindergartenbesuch angemeldeter Kinder gemäß § 13a des Kindergartengesetzes hat sich insbesondere auf die Bereiche Spontansprache, Sprachverständnis, Sprachproduktion, Wortschatz, Laut- und Begriffsbildung sowie Grammatik zu beziehen. Sie erfolgt mit einem von der Kindergarteninspektorin (dem Kindergarteninspektor) approbierten Erhebungsbogen.

*) Fassung LGBl.Nr. 37/2010

§ 6

Text

§ 6*)
Schlussbestimmungen

(1) Unter „Kinderdienst“ sind jene Zeiten zu verstehen, in denen für die Kindergartenpädagogin (den Kindergartenpädagogen) eine Aufsichtspflicht über Kinder des Kindergartens besteht.

(2) An die Stelle der Eltern treten gegebenenfalls die jeweiligen Erziehungsberechtigten.

(3) Diese Verordnung tritt am 1. September 2008 in Kraft.

(4) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt der Kindergartenbildungs- und -erziehungsplan, LGBl.Nr. 30/2004, außer Kraft.

(5) § 4 Abs. 4 letzter Satz betrifft im Jahr 2010 ausschließlich die Ergebnisse der Erstbeobachtungen.

*) Fassung LGBl.Nr. 37/2010