Landesrecht Kärnten: Gesamte Rechtsvorschrift für Pilzverordnung, Fassung vom 20.04.2014

Verweis auf die gesamte Rechtsvorschrift: RIS - Landesrecht Kärnten - Gesamte Rechtsvorschrift für Pilzverordnung
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  • Langtitel
    Verordnung der Kärntner Landesregierung vom 25. Juni 1996 über vollkommen und teilweise geschützte Pilze (Pilzverordnung)
    StF: LGBl Nr 53/1996
    Änderung

    idF:

    LGBl Nr 31/1999

    LGBl Nr 73/2010

    Sonstige Textteile

    INHALTSVERZEICHNIS

    § 1 Allgemeiner Pilzschutz in Kärnten

    § 2 Vollkommen geschützte Pilze

    § 3 Teilweise geschützte Pilze

    § 4 Maßnahmen zum Schutz des Nachwuchses und der Nachzucht

        teilweise geschützter Pilze

    § 5 Nutzung teilweise geschützter Pilze

    § 6 Ausnahmen

    § 7 Strafen

    § 8 In- und Außerkrafttreten

     

    Anlage 1

     

    Anlage 2

    Präambel/Promulgationsklausel

    Auf Grund der §§ 17 Abs 1, 18 Abs 1, 3 und 4 sowie 22 Abs 1 und 2 des Kärntner Naturschutzgesetzes, LGBl Nr 54/1986, in der Fassung der Gesetze LGBl Nr 4/1988, 104/1993, 87/1995 und der Kundmachungen LGBl Nr 52/1987 und 60/1994, wird verordnet:

  • Text

    § 1

    Allgemeiner Pilzschutz in Kärnten

     

    (1) Das mutwillige Entfernen, Beschädigen oder Vernichten von wildwachsenden Pilzen und ihrer Wurzel-(Myzel-)Systeme ist verboten.

     

    (2) Zum Schutz des Lebensraumes vollkommen und teilweise geschützter Pilze ist es in der freien Landschaft verboten, mutwillig chemische Stoffe jeglicher Art, Düngemittel jeglicher Art (Kunst- und Naturdünger) und Pflanzenschutzmittel (Herbizide, Insektizide u. dgl.) ein- oder aufzubringen.

     

    (3) Das Sammeln von teilweise geschützten Pilzen in Naturschutzgebieten und in Kernzonen der Nationalparks ist verboten.

     

    (4) Organisierte Veranstaltungen zum Sammeln von wildwachsenden teilweise geschützten Pilzen sind nicht zulässig.

  • § 2

    Vollkommen geschützte Pilze

     

    (1) Die in der Anlage 1 angeführten wildwachsenden Pilze sind im gesamten Landesgebiet ganzjährig vollkommen geschützt.

     

    (2) Vollkommen geschützte Pilze dürfen weder ausgegraben, von ihrem Standort entfernt, beschädigt oder vernichtet noch in frischem oder getrocknetem Zustand erworben, weitergegeben, befördert oder feilgeboten werden. Auch darf nicht die Bereitschaft zum Erwerb dieser Pilze öffentlich angekündigt werden. Der Schutz bezieht sich auf sämtliche unter- und oberirdische Teile.

  • § 3

    Teilweise geschützte Pilze

     

    (1) Die in der Anlage 2 angeführten Pilze sind im gesamten Landesgebiet ganzjährig teilweise geschützt.

     

    (2) Unterirdische Teile (Myzel) teilweise geschützter Pilze dürfen nicht, oberirdische Teile (Fruchtkörper) teilweise geschützter Pilze dürfen nur im Rahmen des Abs 3 sowie der Bestimmungen der §§ 4 und 5 für den Eigengebrauch gesammelt werden.

     

    (3) Oberirdische Teile teilweise geschützter Pilze dürfen nur in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September von 7 bis 18 Uhr und nur in einer Gesamtmenge von höchstens zwei Kilogramm pro Person und Tag von ihrem Standort entfernt werden. Der Erwerb, die Weitergabe, die Beförderung, der Handel oder das Feilbieten von oberirdischen Teilen teilweise geschützter Pilze darf nur in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September eines jeden Jahres und nur in einer Gesamtmenge von höchstens zwei Kilogramm pro Person und Tag erfolgen.

  • § 4

    Maßnahmen zum Schutz des Nachwuchses und der

    Nachzucht teilweise geschützter Pilze

     

    (1) Zum Schutz des Nachwuchses und der Nachzucht teilweise geschützter Pilze ist verboten:

    a)

    die Entnahme von Pilzen unter 2 cm Größe sowie alter Fruchtkörper;

    b)

    die Verwendung von Harken, Hacken, Rechen und Gegenständen, welche die humushaltige Bodenschicht zerstören könnten.

     

    (2) Die gesammelten Pilze sind am Fundort grob zu säubern.

  • § 5

    Nutzung teilweise geschützter Pilze

     

    (1) Das Erwerben, Feilbieten, Handeln, die Weitergabe und Beförderung teilweise geschützter einheimischer Pilze in einer Gesamtmenge von mehr als täglich zwei Kilogramm ist nur in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September eines jeden Jahres zulässig für

    a)

    Inhaber eines Handelsgewerbes im Rahmen der Ausübung dieses Gewerbes;

    b)

    Pilzverarbeitungsbetriebe und dergleichen;

    c)

    Pilzsammelstellen, die als häusliche Nebenerwerbsbetriebe gelten oder von Kleinunternehmern betrieben werden.

     

    (2) Gastronomiebetrieben und Großküchen ist der Erwerb, die Weitergabe und die Beförderung von einheimischen, teilweise geschützten Pilzen in einer Gesamtmenge von mehr als täglich zwei Kilogramm in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September eines jeden Jahres gestattet.

  • § 6

    Ausnahmen

     

    (1) Die Bestimmungen dieser Verordnung gelten nicht für Maßnahmen, die der zeitgemäßen, auf die naturräumlichen Voraussetzungen abgestimmten land- und forstwirtschaftlichen Nutzung zuzurechnen sind.

     

    (2) Ausnahmebewilligungen von den Bestimmungen dieser Verordnung können von der Bezirksverwaltungsbehörde für wissenschaftliche Zwecke, Lehrzwecke oder für Maßnahmen, deren Durchführung im öffentlichen Interesse liegt, erteilt werden.

  • § 7

    Strafen

     

    Übertretungen dieser Verordnung werden nach § 67 des Kärntner Naturschutzgesetzes bestraft.

  • § 8

    In- und Außerkrafttreten

     

    (1) Diese Verordnung tritt mit dem Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft (17.7.1996).

     

    (2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung der Landesregierung vom 16. Juni 1992, LGBl Nr 79/1992, über vollkommen und teilweise geschützte Pilze (Pilzverordnung) außer Kraft.

     

    (3) Die auf Grund der Verordnung der Landesregierung vom 16. Juni 1992, LGBl Nr 79/1992, für das Jahr 1996 erteilten Erlaubnisscheine gelten als Ausnahmebewilligung im Sinne des § 5 Abs 1 dieser Verordnung.

  • Anlage 1

     

     

    Vollkommen geschützte Pilze

     

    Düsterer Röhrling, Porphyrröhrling (Porphyrellus porphyrosporus)

    Strubbelkopf, Schwarzer Schuppenröhrling (Strobilomyces strobilaceus)

    Schwarzhütiger Steinpilz, Bronzeröhrling (Boletus aereus) Anhängselröhrling (Boletus appendiculatus) Sommer-Röhrling, Silberröhrling (Boletus fechtneri) Fahler Röhrling (Boletus impolitus)

    Schwarzblauender Röhrling (Boletus pulverulentus) Glattstieliger Hexenröhrling (Boletus queletii) Königsröhrling (Boletus regius)

    Dunkler Purpurröhrling (Boletus rhodopurpureus) Blasshütiger Purpurröhrling (Boletus rhodoxanthus) Weinroter Purpurröhrling (Boletus rubrosanguineus) Satansröhrling (Boletus satanas)

    Hasenröhrling, Zimtröhrling (Gyroporus castaneus) Kornblumenröhrling (Gyroporus cyanescens)

    Gelbporiger Raufußröhrling (Leccinum crocipodium) Pappelröhrling, Härtlicher Birkenröhrling (Leccinum duriusculum)

    Weißer Birkenpilz, Moorbirkenpilz (Leccinum holopus) Schwärzlicher Birkenpilz (Leccinum melaneum) Eichenrotkappe (Leccinum quercinum)

    Europäisches Goldblatt (Phylloporus pelletieri) Goldporiger Röhrling (Pulveroboletus gentilis) Nadelholzröhrling (Pulveroboletus lignicola) Moorröhrling, Blaßgelber Röhrling (Suillus flavidus) Beringter Zirbenröhrling (Suillus sibiricus)

    Mährischer Filzröhrling (Xerocomus moravicus)

    Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus)

    Braunschwarzer Lackporling (Ganoderma carnosum)

    Glänzender Lackporling (Ganoderma lucidum)

    Kupferroter Lackporling (Ganoderma pfeifferi)

    Lärchenschwamm (Laricifomes officinalis)

    Ochsenzunge (Fistulina hepatica)

    Samtiger Leistling, Samtpfifferling (Cantharellus friesii)

    Erdsterne (Geastrum) alle Arten

    Scharlachroter Gitterling (Clathus ruber)

    Erbsenstreuling (Pisolithus arhizius)

    Moorbovist (Bovista paludosa)

    Stielboviste (Tulostoma) alle Arten

    Saftlinge (Hygrocybe) alle Arten

    Krokodilritterling (Tricholoma caligatum)

    Hartpilz, Wurzelmöhrling (Catathelasma imperiale)

    Kaiserling (Amanita caesarea)

    Eierwulstling (Amanita ovoidea)

    Südlicher Ackerling (Agrocybe cylindrica)

    Schleiereule (Cortinarius praestans)

    Glockenverpel, Fingerhutverpel (Verpa conica)

    Leuchtender Prachtbecher (Caloscypha fulgens)

    Erdzungen (Trichoglossum, Microglossum, Geoglossum) alle Arten Trüffel (Tuber, Choiromyces, Terfezia, Balsamia) alle Arten

  • Anlage 2

     

     

    Teilweise geschützte Pilze

     

    Steinpilz, Herrenpilz, Fichten-Steinpilz (Boletus edulis) Sommersteinpilz (Boletus aestivalis)

    Kiefernsteinpilz (Boletus pinophilus)

    Föhrenrotkappe, Fuchsrotkappe (Leccinum vulpinum)

    Elfenbeinröhrling (Suillus placidus)

    Schmarotzerröhrling (Suillus parasiticus)

    Erlengrübling (Gyrodon lividus)

    Rosenroter Schmierling (Gomphidius roseus)

    Zierlicher Schmierling (Gomphidius gracilis)

    Eierschwamm (Cantharellus cibarius)

    Starkriechender Pfifferling, Gelber Trompetenpfifferling

    (Cantharellus aurora)

    Schweinsohr (Gomphus clavatus)

    Eichhase, Ästiger Büschelporling (Dendropolyporus umbellatus)

    Klapperschwamm (Gifola frondosa)

    Russgrauer Porling (Boletopsis leucomelaena) Ziegenfußporling (Albatrellus pes-caprae)

    Stachelbärte (Hericium, Creolophus) alle Arten Riesenbovist (Calvatia gigantea)

    Graubrauner Schneckling (Hygrophorus camarophyllus) Schwarzfaseriger Schneckling (Hygrophorus atramentosus) Seidiger Ritterling (Tricholoma columbetta)

    Rötlinge (Entoloma) alle Arten

    Üppiger Träuschling (Stropharia hornemannii)

    Gold-Täubling (Russula aurea)

    Brätling (Lactarius volemus)

    Speisemorchel (Morchella esculenta)

    Spitzmorchel (Morchella elata) alle Variationen

    Käppchenmorchel (Morchella gigas)

    Böhmische Verpel, Runzelverpel (Verpa bohemica) Morchelbecherling (Disciotis venosa)