Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes (Ungarn), Fassung vom 18.10.2017

§ 0

Langtitel

ABKOMMEN zwischen der Österreichischen Bundesregierung und der Regierung der Republik Ungarn über die Zusammenarbeit bei den freiwilligen Leistungen der Republik Österreich an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes
StF: BGBl. III Nr. 21/2000

Ratifikationstext

Die Mitteilungen gemäß Art. 7 des Abkommens wurden am 5. bzw. am 19. Dezember 2000 abgegeben; das Abkommen tritt gemäß seinem Art. 7 mit 1. Jänner 2001 in Kraft.

Präambel/Promulgationsklausel

DIE ÖSTERREICHISCHE BUNDESREGIERUNG UND DIE REGIERUNG DER REPUBLIK UNGARN,

im folgenden „die Vertragsparteien“ genannt,

IN DER ERKENNTNIS, daß Diktatur und Intoleranz den Fremdenhaß, die Unfreiheit, Rassismus, Krieg und Massenmord brachten und die Einmaligkeit und Unvergleichbarkeit des Verbrechens des Holocaust Mahnung zu ständiger Wachsamkeit gegen alle Formen von Diktatur und Totalitarismus sind,

IN DER ÜBERZEUGUNG, daß nur durch einen Geist der Gerechtigkeit und Versöhnung dauerhafte Stabilität und ein friedliches und sicheres Miteinander gewährleistet werden können sowie das Wissen und die Sensibilität für die Strukturen und Mechanismen des nationalsozialistischen Unrechtssystems den künftigen Generationen als Mahnung für die Zukunft weitergegeben werden müssen,

VON DEM WUNSCHE GELEITET, Zusammenarbeit zwischen den Vertragsparteien zu schaffen, um durch eine freiwillige Leistung der Republik Österreich eine Entschädigung ehemaliger Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes auf dem Gebiete der heutigen Republik Österreich unter Berücksichtigung der Verantwortung der betroffenen Unternehmen allgemein und endgültig zu gewährleisten,

IN DER ERKENNTNIS, daß durch diese freiwillige Leistung der Republik Österreich ein wesentlicher Beitrag zu Versöhnung, Frieden und Verständigung der Völker in Europa gesetzt wird,

SIND WIE FOLGT ÜBEREINGEKOMMEN:

Art. 1

Text

Artikel 1

Definitionen

Für die Zwecke dieses Abkommens

(1) bezeichnet der Begriff “Fonds” den durch österreichisches Bundesgesetz eingerichteten Fonds für freiwillige Leistungen der Republik Österreich an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes (Versöhnungsfonds).

(2) bezeichnet der Begriff “Stiftung” die von der Republik Ungarn gegründete Stiftung “Jüdisches Erbe in Ungarn”.

Art. 2

Text

Artikel 2

Gegenstand des Abkommens

Die Österreichische Bundesregierung wird dafür Sorge tragen, daß der Fonds in einem Höchstmaß von ÖS 672 Millionen über die Stiftung einmalige finanzielle Beiträge an natürliche Personen leistet, die vom nationalsozialistischen Regime auf das Gebiet der heutigen Republik Österreich deportiert und zur Sklaven- oder Zwangsarbeit verpflichtet wurden, im Zeitpunkt ihrer Deportation ungarische Staatsbürger waren und am 15. Februar 2000 ihren ständigen Wohnsitz in der Republik Ungarn oder die ungarische Staatsbürgerschaft hatten.

Art. 3

Text

Artikel 3

Grundsätze für die Erbringung der Leistung

Nähere Einzelheiten der Leistungserbringung sind im Einklang mit den im österreichischen Bundesgesetz über den Fonds für freiwillige Leistungen der Republik Österreich an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes enthaltenen Grundsätzen hinsichtlich des Empfanges und des Umfanges der Leistungen in Verträgen zwischen dem Fonds und der Stiftung zu regeln.

Art. 4

Text

Artikel 4

Datenschutz

(1) Die Stiftung und der Fonds sind berechtigt, von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen Auskünfte einzuholen, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich sind. Eine Auskunftserteilung unterbleibt, soweit besondere gesetzliche Bestimmungen dem entgegenstehen oder die schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen des Betroffenen die berechtigten Informationsinteressen der Stiftung oder des Fonds überwiegen.

(2) Die eingeholten Auskünfte dürfen nur für die Erfüllung der Zwecke nach diesem Abkommen, personenbezogene Daten eines Antragstellers nur für das Verfahren zur Leistungsgewährung verwendet werden. Die Verwendung dieser Daten für andere Zwecke ist zulässig, wenn der Antragsteller ausdrücklich zustimmt.

Art. 5

Text

Artikel 5

Vertretung

(1) Die Regierung der Republik Ungarn kann einen Vertreter in das Kuratorium des Versöhnungsfonds entsenden.

(2) Die Republik Ungarn wird dafür Sorge tragen, daß vom Fonds zu benennenden Personen gestattet wird, in die Arbeiten der Stiftung, die mit der Durchführung dieses Abkommens zusammenhängen, Einsicht zu nehmen.

Art. 6

Text

Artikel 6

Rechtssicherheit

Die Republik Ungarn wird weitere Forderungen gegen die Republik Österreich und österreichische Unternehmen aus dem Titel ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeit unter dem nationalsozialistischen Regime auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich nicht geltend machen und weder vertreten noch unterstützen. Andere Rechte ungarischer Staatsbürger bleiben hievon unberührt.

Art. 7

Text

Artikel 7

Inkrafttreten

Dieses Abkommen tritt am ersten Tag des Monats in Kraft, welcher der letzten Mitteilung folgt, mit denen einander die Vertragsparteien über die Erfüllung der innerstaatlichen Voraussetzungen, die im Falle der Republik Österreich das Inkrafttreten des Bundesgesetzes über den Fonds für freiwillige Leistungen der Republik Österreich an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes einschließen, für das Inkrafttreten des Abkommens in Kenntnis gesetzt haben.

GESCHEHEN zu Wien, am 24. Oktober 2000, in zwei Urschriften, jede in deutscher und ungarischer Sprache, wobei jeder Wortlaut gleichermaßen authentisch ist.