Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Staatsgrenze Österreich - Liechtenstein (Grenzzeichen), Fassung vom 29.08.2014

Verweis auf die gesamte Rechtsvorschrift: RIS - Bundesrecht konsolidiert - Gesamte Rechtsvorschrift für Staatsgrenze Österreich - Liechtenstein (Grenzzeichen)
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  • Langtitel
    Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein zur Feststellung der Staatsgrenze und Erhaltung der Grenzzeichen.
    StF: BGBl. Nr. 228/1960 (NR: GP IX RV 223 AB 253 S. 37. BR: S. 163.)
    Sonstige Textteile

    Nachdem der Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein zur Feststellung der Staatsgrenze und Erhaltung der Grenzzeichen, welcher also lautet: ... die verfassungsmäßige Genehmigung des Nationalrates erhalten hat, erklärt der Bundespräsident diesen Vertrag für ratifiziert und verspricht im Namen der Republik Österreich die gewissenhafte Erfüllung der in diesem Vertrag enthaltenen Bestimmungen.

    Zu Urkund dessen ist die vorliegende Ratifikationsurkunde vom Bundespräsidenten unterzeichnet, vom Bundeskanzler, vom Bundesminister für Inneres, vom Bundesminister für Justiz, vom Bundesminister für Handel und Wiederaufbau und vom Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten gegengezeichnet und mit dem Staatssiegel der Republik Österreich versehen worden.

    Geschehen zu Wien am 20. Juli 1960.

    Ratifikationstext

    Der vorliegende Vertrag ist gemäß seinem Artikel 18 am 1. Oktober 1960 in Kraft getreten.

    Präambel/Promulgationsklausel

    Der Bundespräsident der Republik Österreich und Seine Durchlaucht der Regierende Fürst von Liechtenstein, von dem Wunsche geleitet, die gesamte gemeinsame Staatsgrenze im gegenseitigen Einverständnis festzustellen und für diese Grenze unter Bedachtnahme auf die Arbeiten einer gemischten österreichisch-liechtensteinischen Grenzkommission ein neues Grenzurkundenwerk zu schaffen, ferner von dem Wunsche geleitet, die so festgestellte Staatsgrenze auch in Hinkunft sichtbar zu erhalten, haben beschlossen, zu diesem Zwecke einen Vertrag zu schließen und haben hiefür als Bevollmächtigte ernannt:

    Der Bundespräsident der Republik Österreich

    Herrn außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister

    Dr. Paul Wilhelm-Heininger, Leiter der Rechtssektion im Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten.

    Seine Durchlaucht der Regierende Fürst von Liechtenstein

    Herrn Alexander Frick, Regierungschef des Fürstentums

    Liechtenstein.

    Die Bevollmächtigten haben nach Prüfung ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten nachstehendes vereinbart:

  • Text

    ABSCHNITT I

    Verlauf und Beurkundung der Staatsgrenze

    Artikel 1

     

    (1) Der Verlauf der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein wird durch die nachstehend angeführten Urkunden bestimmt:

    a)

    Beschreibung des Grenzverlaufes

    b)

    Verzeichnis der Grenzzeichen

    c)

    Koordinatenverzeichnis der Grenzpunkte

    d)

    Grenzkarte im Maßstab 1 : 10.000

    e)

    Karteiblätter der Grenzzeichen.

    (2) Die vorangeführten Urkunden bilden in ihrer Gesamtheit das Grenzurkundenwerk.

    (3) Die im Abs. 1 unter lit. a, b und c genannten Urkunden bilden einen integrierenden Bestandteil dieses Vertrages.

  • Artikel 2

     

    Die Staatsgrenze verläuft

    a)

    in gerader Linie von einem der zahlenmäßig im Grenzurkundenwerk ausgewiesenen Grenzpunkte zum nächsten,

    b)

    in Gräben in der sich aus dem Grenzurkundenwerk ergebenden Mittellinie oder

    c)

    entlang der Wasserscheide, Gratlinie (Kammlinie) oder Tiefenlinie (Tobel).

  • Artikel 3

     

    Gräben, in deren Mitte die Grenze verläuft, werden im Grenzurkundenwerk als Grenzgräben bezeichnet.

  • Artikel 4

     

    Die im Artikel 2 lit. a erwähnten Grenzpunkte sind durch Grenzsteine oder Felsmarken, bei besonderer Wichtigkeit durch Spezialgrenzzeichen kenntlich gemacht (direkte Vermarkung), Grenzgräben sind nur an wichtigen Stellen durch einander gegenüberstehende Grenzzeichen kenntlich gemacht (indirekte Vermarkung).

  • Artikel 5

     

    Durch die auf der Erdoberfläche vermarkte Grenzlinie in Verbindung mit Lotlinien ist das Hoheitsgebiet auch unter und über der Erdoberfläche abgegrenzt.

  • ABSCHNITT II

    Schutz und Erhaltung der Grenzzeichen

    Artikel 6

     

    Die Vertragsstaaten werden die Grenzzeichen sowie andere der Bezeichnung der Staatsgrenze dienende Einrichtungen gegen Zerstörung und Beschädigung schützen.

  • Artikel 7

     

    (1) Zur Sichtbarmachung des Grenzverlaufes dürfen:

    a)

    in einem Geländestreifen von 10 m Breite zu beiden Seiten der Staatsgrenze keine Baulichkeiten und - vorbehaltlich der Bestimmung des Artikels 14 - keine Betriebe errichtet werden;

    b)

    bei Grenzgräben Baulichkeiten und - vorbehaltlich der Bestimmung des Artikels 14 - Betriebe nur bis zu 5 m vom nächstgelegenen Grabenrand errichtet werden.

    (2) Provisorische Zäune dürfen bis auf 1 m an die Staatsgrenze herangeführt werden.

    (3) Die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten können im gegenseitigen Einvernehmen, wenn dadurch die Erkennbarkeit der Staatsgrenze nicht behindert wird, Ausnahmen von den Bestimmungen des Abs. 1 lit. a und b zulassen.

    (4) Die Bestimmungen des Abs. 1 finden auf gegenwärtig bestehende Baulichkeiten und Betriebe solange keine Anwendung, als diese nicht verfallen sind oder völlig zerstört oder aufgelassen werden.

  • Artikel 8

     

    (1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß beiderseits der Grenzlinie ein Streifen von 1 m Breite und um jedes neben die Grenzlinie gesetzte Grenzzeichen (indirekte Vermarkung) ein Kreis mit dem Radius von 1 m von Bäumen, Sträuchern und anderen, die Sichtbarkeit der Grenzzeichen und des Verlaufes der Staatsgrenze beeinträchtigenden Pflanzen freigehalten werden. Diese Bestimmung findet auf Bann- und Schutzwälder keine Anwendung.

    (2) Die Kommission (Artikel 11) kann in besonderen Fällen Ausnahmen von den Bestimmungen des Absatzes 1, erster Satz, zulassen, wenn und solange die Erkennbarkeit der Staatsgrenze nicht beeinträchtigt wird.

    (3) Die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten der an oder in der Nähe der Staatsgrenze liegenden Grundstücke sind verpflichtet, den Zugang zu den im Absatz 1 erwähnten Gebietsteilen nicht zu behindern.

    (4) Entschädigungsansprüche auf Grund von Arbeiten und Maßnahmen nach Absatz 1 sind gegen den Vertragsstaat geltend zu machen, auf dessen Hoheitsgebiet die Grundstücke liegen, und nach dessen Recht zu beurteilen.

  • Artikel 9

     

    In der Grenzlinie dürfen keine privaten Eigentumsgrenzzeichen errichtet werden; anstoßende Eigentumsgrenzen dürfen daher nur durch Richtungssteine vermarkt werden, wobei diese einen Normalabstand von mindestens 2 m von der Grenzlinie aufweisen müssen.

  • Artikel 10

     

    (1) Die Erhaltung der Grenzzeichen wird wie folgt geregelt:

    a)

    Jeder Vertragsstaat erhält auf seine Kosten die zur Gänze auf seinem Hoheitsgebiete stehenden Grenzzeichen.

    b)

    Die in der Grenzlinie liegenden gemeinsamen Grenzzeichen werden wie folgt erhalten:

    Das Fürstentum Liechtenstein erhält auf seine Kosten die Abschnitte: Naafkopf - Galinakopf sowie die Steine 58 und 59 am Zigerberg, ferner Schellenbergwand ab Felsmarke 72 bis zum Rhein.

    Die Republik Österreich erhält auf ihre Kosten die Abschnitte:

    Galinakopf (ab Felsmarke 60) - Mistelmark - Tisis/Schaanwald - Zollamt Binsen - Schellenbergwand bis einschließlich Felsmarke 71/9.

    (2) Die Verpflichtung zur Erhaltung der Grenzzeichen umfaßt auch deren Neubeschaffung, Beförderung und Aufstellung.

    (3) Auf Grund besonderer Vereinbarungen können jedoch die Wiederherstellungsarbeiten auch vom anderen Vertragsstaat gegen entsprechende Kostenvergütung übernommen werden.

    (4) Sollte eine Beschädigung oder Vernichtung eines Grenzzeichens durch einen Staatsangehörigen jenes Vertragsstaates verursacht werden, der für die Erhaltung des betreffenden Abschnittes nicht Sorge zu tragen hat, sind die Kosten für die Erneuerung von diesem Vertragsstaat zu tragen.

    (5) Den Grenzzeichen sind hinsichtlich der Erhaltung andere der Bezeichnung der Staatsgrenze dienende Einrichtungen gleichzuhalten.

  • Artikel 11

     

    (1) Zur Durchführung der nach diesem Vertrag erforderlichen Aufgaben wird die Österreichisch-Liechtensteinische Grenzkommission - im Vertrag Kommission genannt - eingesetzt. Die Kommission gibt sich ihre Geschäftsordnung selbst.

    (2) Die Kommission besteht aus einer österreichischen und einer liechtensteinischen Delegation von je vier Mitgliedern. Jeder Vertragsstaat bestellt einen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter sowie die übrigen Mitglieder und deren Stellvertreter. Jede Seite kann Experten und Hilfskräfte beiziehen. Die Vorsitzenden sind berechtigt, unmittelbar miteinander in Verbindung zu treten.

    (3) Jeder Vertragsstaat trägt die Kosten der von ihm bestellten Mitglieder einschließlich der Kosten der von ihm beigezogenen Experten und Hilfskräfte.

    (4) Die Kommission tritt zu Tagungen und Grenzbesichtigungen zusammen, wenn sie es selbst beschließt oder wenn es einer der Vertragsstaaten auf diplomatischem Wege verlangt. Die Kommission tritt, wenn nicht etwas anderes vereinbart ist, zu ihren Tagungen abwechselnd auf dem Hoheitsgebiet eines der beiden Vertragsstaaten zusammen.

    (5) Die Tagungen werden vom Vorsitzenden der Delegation des Vertragsstaates geleitet, auf dessen Hoheitsgebiet die Tagung stattfindet. Die Grenzbesichtigungen werden von den Vorsitzenden der beiden Delegationen gemeinsam geleitet.

    (6) Über jede Tagung und jede Grenzbesichtigung ist eine Niederschrift in zwei Originalen zu verfassen. Diese sind von den Vorsitzenden beider Delegationen zu unterzeichnen.

    (7) Zu einem Beschluß der Kommission ist die Übereinstimmung der beiden Delegationen erforderlich.

    (8) Die Kommission ist nicht befugt, den Verlauf der Staatsgrenze zu ändern, sie kann jedoch Vorschläge zur Änderung der Staatsgrenze den Vertragsstaaten unterbreiten.

  • Artikel 12

     

    (1) Die Vertragsstaaten werden die Grenzzeichen in der Regel in Zeitabständen von zehn Jahren einer periodischen Revision unterziehen.

    (2) Im Zuge der periodischen Revision sind der Zustand der Grenzvermarkung zu überprüfen und die Behebung allfälliger Mängel zu veranlassen. Insbesondere können, wo dies erforderlich ist, zusätzliche Grenzzeichen gesetzt, Grenzzeichen auf sichere Stellen versetzt und direkte Vermarkungen der Grenzlinie in indirekte abgeändert werden oder umgekehrt.

    (3) Die Vertragsstaaten werden überdies Vermarkungsschäden laufend einander mitteilen. Deren Behebung wird durch die Kommission veranlaßt.

    (4) Über sämtliche Arbeiten sind Niederschriften und erforderlichenfalls Feldskizzen zu verfassen, die von der Kommission zu genehmigen sind. Bei Änderungen und Ergänzungen der Vermarkung sowie bei Berichtigungen von Fehlern im Grenzurkundenwerk ist durch die Kommission eine Urkunde „Ergänzung und Berichtigung des Grenzurkundenwerkes” zu erstellen.

    (5) Die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten von an oder in der Nähe der Staatsgrenze liegenden Grundstücken sowie ober- und unterirdischen Bauten und Anlagen sind verpflichtet, die zur Durchführung der nach den Absätzen 1, 2 und 3 sowie nach Artikel 10 erforderlichen Arbeiten und Maßnahmen, insbesondere das Setzen oder Anbringen von Grenz- und Vermessungszeichen, zu dulden.

    (6) Die Vermessungs- und Vermarkungsarbeiten sind unter möglichster Schonung bestehender öffentlicher und privater Interessen vorzunehmen.

    (7) Entschädigungsansprüche auf Grund von Arbeiten und Maßnahmen nach Absatz 5 sind gegen den Vertragsstaat geltend zu machen, auf dessen Hoheitsgebiet die Grundstücke, Bauten und Anlagen liegen, und nach dessen Recht zu beurteilen.

  • ABSCHNITT III

    Privatrechtsverhältnisse

    Artikel 13

     

    Die gegenwärtig bestehenden Rechte und Verbindlichkeiten natürlicher und juristischer Personen bleiben durch diesen Vertrag, soweit er nichts anderes bestimmt, unberührt.

  • ABSCHNITT IV

    Allgemeine Bestimmungen

    Artikel 14

     

    Sollen zum Zwecke der Erschließung oder Ausbeutung von Lagerstätten innerhalb eines Streifens von je 50 m beiderseits der Staatsgrenze Arbeiten verrichtet oder innerhalb eines Streifens von 2 km beiderseits der Staatsgrenze Erdöl- oder Erdgaslagerstätten aufgeschlossen werden, so werden die Vertragsstaaten gemeinsam die Maßnahmen treffen, die bei der weiteren Erschließung und Ausbeutung zur Sicherung des Grenzverlaufes notwendig sind.

  • Artikel 15

     

    Entsteht über die Auslegung oder Anwendung dieses Vertrages eine Streitigkeit, so wird diese auf Verlangen eines Vertragsstaates einem Schiedsgericht zur Entscheidung vorgelegt werden. Dies gilt auch für die Vorfrage, ob sich die Streitigkeit auf die Auslegung oder Anwendung des Vertrages bezieht. Die Entscheidung des Schiedsgerichtes hat verbindliche Kraft. Das Schiedsgericht wird für jeden Streitfall in der Weise gebildet, daß jeder Vertragsstaat einen seiner Staatsangehörigen zum Schiedsrichter ernennt und beide Schiedsrichter einen Angehörigen eines dritten Staates zum Obmann wählen. Einigen sie sich nicht binnen sechs Monaten, nachdem das Begehren auf schiedsgerichtliche Entscheidung beim anderen Vertragsstaat eingegangen ist, über die Wahl des Obmannes, so kann jeder Vertragsstaat den Präsidenten des Internationalen Gerichtshofes um Ernennung des Obmannes ersuchen. Die aus der Mitwirkung der Schiedsrichter entstehenden Kosten trägt jeder Vertragsstaat für den von ihm bestellten Schiedsrichter. Die übrigen Kosten tragen beide Vertragsstaaten je zur Hälfte.

  • Artikel 17

     

    Personen, die zu Arbeiten und Maßnahmen nach diesem Vertrag an der Staatsgrenze eingesetzt werden, sind berechtigt, zur Erfüllung ihrer Aufgaben die Staatsgrenze auch außerhalb der zugelassenen Grenzübertrittsstellen zu überschreiten. Sie haben ein Reisedokument, das zum Grenzübertritt berechtigt, sowie einen schriftlichen Dienstauftrag mit sich zu führen.

  • Artikel 18

     

    Dieser Vertrag bedarf der Ratifikation. Die Ratifikationsurkunden sollen sobald als möglich in Wien ausgetauscht werden. Der Vertrag tritt am ersten Tag des auf den Austausch der Ratifikationsurkunden folgenden Kalendermonats in Kraft.

    Zu Urkund dessen haben die beiden Bevollmächtigten diesen Vertrag unterzeichnet und mit Siegeln versehen.

    Geschehen zu Vaduz, am 17. März 1960 in doppelter Urschrift.

  • Beschreibung des Grenzverlaufes

    Grenzabschnitt: Naafkopf - Mistelmark

    Mistelmark - Rhein

     

    Beschreibung des Grenzverlaufes der Staatsgrenze

    Liechtenstein-Österreich vom Naafkopf bis zum Rhein

     

    Die Staatsgrenze Liechtenstein-Österreich, die gleichzeitig die Grenze zwischen dem Bundesland Vorarlberg und dem Fürstentum Liechtenstein bildet, kann in zwei Abschnitte geteilt werden, welche infolge ihrer verschiedenen Höhenlagen charakteristische Unterscheidungsmerkmale aufweisen.

    I. Der Abschnitt Naafkopf - Mistelmark umfaßt die Alp- und Hochgebirgsregion, wo die Grenze größtenteils mit der Wasserscheide des Einzugsgebietes des Mengbaches (Gamperdonatal) und des Saminabaches sowie vom Garsellakopf an mit der Wasserscheide zwischen dem Rhein- und Saminatal zusammenfällt.

    II. Im Abschnitt Mistelmark - Rhein ist die Grenze in einen vorwiegend geradlinigen Linienzug aufgelöst und wegen der intensiveren Bewirtschaftung in der Tallage auch enger vermarkt. Die gesamte Grenze ist, gemäß den in den Niederschriften der Gemischten Grenzkommission festgelegten Grundsätzen, neu vermarkt, einheitlich bezeichnet und zahlenmäßig der Lage und Höhe nach festgelegt.

     

    I. Grenzabschnitt: Naafkopf - Mistelmark

     

    Die Grenze beginnt am Dreiländerpunkt Naafkopf und folgt der Wasserscheide entlang dem ausgeprägten Nordostgrat des Naafkopfes hinab zum Bettlerjoch (Pfälzer Hütte) und weiter in nördlicher Richtung ansteigend bis zirka 400 m vor dem Augstenberggipfel. Dann biegt die Grenze von der Wasserscheide scharf nach Osten über den Gorvionsattel auf den markanten Block des Gorviongipfels. Über den Nordostgrat des Gorvion steil gegen den Kellaboden abfallend, verläuft die Grenzlinie vom Fuß der Felswand in der geradlinigen Verbindung der Grenzzeichen von den Sieben Brunnen zur Stafeldonalpe, wendet sich dann an der Füliwand scharf nach Norden und quert den Osthang der Sareiser Alpe bis zum Trübbachtobel.

    Von hier entlang der Tiefenlinie des Trübbachtobels aufwärts bis zum Wildmannskirchle erreicht die Grenze in nunmehr gerader Linie den Kamm des Gamsgrates und folgt diesem bis zur Vereinigung mit dem vom Sareiser Joch heraufführenden, die Wasserscheide zwischen dem Samina- und Gamperdonatal bildenden Grat. Die Grenzlinie entlang der Wasserscheide ist am Ochsenkopf, Scheienkopf, Bödele, Wurmtalkopf und Galinakopf festgelegt. An den breiten Grenzübergängen im Matler- und Guschgfieljoch macht ein dicht vermarkter Linienzug die Wasserscheide kenntlich.

    Am Galinakopf, dem dreifachen Grenzpunkt zwischen den Gemeinden Balzers, Frastanz und Nenzing, verläßt die Grenze neuerlich die Wasserscheide und folgt dem in südwestlicher Richtung zum Zigerbergsattel abzweigenden Kamm, um zirka 1000 m nordwestlich des Zigerberges, von Kote 1630, durch Legföhren- und Bergwald steil abwärts zum Falleck, Kote 900, zu gelangen.

    Von der Falleckschlucht steigt die Grenze gegen Nordwesten in gerader Linie zum Oberen Band, Kote 1841,3, und erreicht auf der Kammlinie über die Garsellatürme am Garsellakopf die Wasserscheide zwischen Rhein- und Saminatal.

    Von hier biegt die Grenze scharf nach Nordosten zu den Drei Schwestern ab und folgt dann weiter der Wasserscheide in nördlicher Richtung über Sarojasattel - Sattelspitz zur Kote 1659,3 auf der Sarojahöhe.

    Dem Steilabbruch der Formerzüge und dem Kracha entlang, über den Frastanzer Sand und weiter abwärts am Rande des Abbruches zu den Bärenlöchern führt die Grenze immer längs der Wasserscheide zur Mistelmark, dem dreifachen Gemeindegrenzpunkt Feldkirch, Frastanz und Mauren.

    Die Vermarkungsart und die Anzahl der Grenzzeichen ist je nach der Höhenlage und den örtlichen Gegebenheiten verschieden. So sind vom Naafkopf bis zum Gorvion in Höhen zwischen 2571 - 2109 m und auf einer Länge von 2860 m 12 Grenzzeichen (1 Spezialgrenzzeichen am Naafkopf, 7 große Steine 20/20/90 cm und 4 kleine Steine 16/16/70 cm) sowie eine Grenztafel bei der Abzweigung des Liechtensteiner Höhenweges vom Fußweg zum Naafkopf aufgestellt. Im anschließenden Teilstück bis zum Gamsgrat befinden sich zwischen den beiden hochgelegenen Endpunkten auf 4370 m Länge 27 Grenzzeichen (9 große und 11 kleine Steine, 1 von früher belassener Stein vom Typ 12/12/50 cm und 6 Felsmarken). Zur besseren Sichtbarkeit in der Legföhrenregion ergänzen die Vermarkung 9 abwechselnd in den Landesfarben blau-rot und rot-weiß gestrichene Eisenstangen und 1 Grenztafel am Schnittpunkt des Weges vom Nenzinger Himmel zum Sareiser Joch mit der Grenzlinie. Die Wasserscheide zwischen Gamsgrat und Galinakopf (Länge 6302 m) ist in Höhen von 2286 - 1850 m nur auf den wichtigen Punkten und im weniger ausgeprägten Matler- und Guschgfieljoch enger vermarkt. In diesem Grenzstück stehen 4 große, 10 kleine und 7 von früher belassene Steine der Type 12/12/50 cm sowie der österreichische K. T. Stein am Ochsenkopf, zusammen 22 Grenzzeichen. Eine Grenztafel im Matlerjoch und eine Eisenstange an der Südbegrenzung des Guschgfieljoches ermöglichen eine bessere Orientierung.

    Im abgelegensten, 5862 m langen Teil der Grenze vom Galinakopf zum Garsellakopf mit Gipfeln über 2100 m an den beiden Endpunkten dienen 12 Grenzzeichen (1 Spezialgrenzzeichen am Garsellakopf, 1 Stein 20/20/90 cm im Falleck, 3 Steine 16/16/70 cm, 4 Steine 12/12/50 cm, 2 Felsmarken und 1 trigonometrischer Punkt) der Grenzmarkierung. Am Wegübergang im Falleck steht außerdem eine Grenztafel.

    Im Abschnitt Garsellakopf bis zur Mistelmark befinden sich auf 4531 m Länge und in Höhen zwischen 2107 und 1379 m 54 Grenzzeichen. Im einzelnen aufgegliedert sind dies: 1 Stein der großen Type 20/20/90 cm, 32 Steine 16/16/70 cm, 16 von früher belassene Steine, 3 Felsmarken mit Bronzebolzen und 2 trigonometrische Punkte (je einer durch Stein bzw. Eisenrohr vermarkt.) Den vielbegangenen Sarojasattel und den Wegübergang in Richtung Gafadura unterhalb der Sarojahöhe markieren Grenztafeln.

    Der gesamte Grenzabschnitt Naafkopf - Mistelmark ist 23.925 m lang und durch 127 Grenzzeichen festgelegt; darunter sind 2 Spezialgrenzzeichen, 22 Steine 20/20/90 cm, 60 Steine 16/16/70 cm, 28 von früher belassene Steine, 11 Felsmarken und 4 zu Grenzzeichen erklärte trigonometrische Punkte. 6 Grenztafeln und 10 Eisenstangen erleichtern die Sichtbarkeit der Grenzlinie in diesem Abschnitt.

     

    II. Grenzabschnitt: Mistelmark - Rhein

     

    Von der Mistelmark bis zum Steilabbruch des Tisner- oder Maurer Tobels und in diesen hinab verläuft die Grenze in ungefähr nördlicher Richtung. Sie folgt dann der Tiefenlinie des Tobels erst steil abwärts und nach dessen Verflachung in der geradlinigen Verbindung der Grenzzeichen immer entlang der Gemeindegrenze Feldkirch - Mauren zu den Straßenzollämtern Tisis und Schaanwald.

    Von hier überquert der Grenzzug in nordwestlicher Richtung zuerst die Bahnlinie Buchs - Feldkirch, dann auf längeren Strecken der Mittellinie der Entwässerungsgräben (Grenzgräben) folgend das Maurer-, bzw. Tisner- und Tostner Riet.

    Vom Zollamt Binsen, beim Straßenübergang Hub/Tosters, steigt die Grenze den Osthang des Schellenberges, der eng vermarkten Gemeindegrenze Feldkirch - Mauren folgend, schräg hinan. Im ersten Teil der Schellenbergwand verläuft die Grenze in einer Länge von zirka 150 m am oberen Rand der immer mächtiger hervortretenden Felswand. Der Übergang vom oberen Rand zum 12 m tiefer gelegenen Fuß der Schellenbergwand beim Grenzzeichen Nr. 72 erfolgt an jener Stelle, wo ein von der Ortschaft Hub heraufführender Fußweg die Grenze trifft. Von hier folgt die Grenzlinie auf 1,5 km Länge der Schellenbergwand und quert diese beim Grenzzeichen Nr. 80 schräg nach oben zum nordöstlichen Ausläufer des Gantensteins, dem dreifachen Grenzpunkt der Katastralgemeinden Nofels, Tosters und der liechtensteinischen Gemeinde Schellenberg.

    Die Grenze zieht nunmehr in nordwestlicher Richtung über mehrere Geländestufen erst durch Wald, dann über Wiesenhänge, den Fahrweg Egg - Hinterschellenberg und die Zollstraße Fresch querend, sodann einen steilen Hochwaldhang abwärts zum Anfang des Frickgrabens im Schellenberger Riet. Durchwegs der Mittellinie des regulierten Frickgrabens folgend, erreicht die Grenzlinie vorerst die Straße Nofels - Ruggell und durchquert im Schellenberger-, Ruggeller- und Nofler Riet ein vollkommen ebenes Riet- und Wiesengelände. Beim Grenzzeichen 105 RM, vor der Einmündung des regulierten Frickgrabens in den Spirsbach, wendet sich die Grenze gegen Norden und dann allmählich nach Westen, entlang dem alten Spirsbach zum neuen Spirsbach. Von hier verläuft die Grenze fast geradlinig entlang des Bangserfeldes über den Rheinbinnendamm und endet schließlich beim dreifachen Grenzpunkt in der Mitte des Rheinstromes, dem Dreiländerpunkt Liechtenstein - Österreich - Schweiz.

    Charakteristisch für die Dichte der Vermarkung des um die Hälfte kleineren Abschnittes Mistelmark - Rhein gegenüber dem Abschnitt Naafkopf - Mistelmark ist die Tatsache, daß die Anzahl der Grenzzeichen 2,2fach größer ist, obwohl die Grenzlinie auf weiten Strecken des ebenen Rietgeländes in der Mittellinie von Grenzgräben verläuft.

    Von der Mistelmark bis zur Straße Tisis/Schaanwald, Länge 1913 m, befinden sich 35 Grenzzeichen, wovon die überwiegende Anzahl (33 Steine) nach der Ergänzung der Beschriftung in unveränderter Lage wieder einbetoniert worden ist. Neben 3 Steinen der Type 20/20/90 cm gehören zur Vermarkung des Grenzteiles 2 Doppelfelsmarken, welche an markanten Stellen die Mittellinie des Tisner- oder Maurer Tobels fixieren. Der leichteren Auffindung des Grenzverlaufes im Wald dienen 16 Eisenstangen.

    Im ebenen Teilabschnitt bis zum Zollamt Binsen (Länge 1949 m) ist die Grenzlinie durch ein Spezialgrenzzeichen am Straßenübergang Tisis/Schaanwald, 17 große Steine 20/20/90 cm, 15 kleine Steine 16/16/70 cm und 4 von früher belassene Steine, zusammen 37 Grenzzeichen, vermarkt. 12 Eisenstangen erleichtern bei höherer Rietvegetation das Aufsuchen der Grenzgräben, deren Mittellinie nur an 8 wichtigen Punkten durch Doppelsteine gekennzeichnet ist.

    Vom Zollamt Binsen zur Schellenbergwand aufsteigend, stehen auf 806 m Grenzlänge 49 Grenzzeichen, das sind 6 große und 15 kleine Steine, 18 von früher belassene, umgearbeitete Steine sowie 7 Felsmarken. In der Schellenbergwand selbst (Länge 1683 m) befinden sich 108 Grenzzeichen, und zwar 1 großer Stein am Aufstieg der Grenzlinie über die Wand des Gantensteins, 6 Steine 16/16/70 cm, 13 von früher belassene Grenzsteine und 88 Felsmarken mit Bronzebolzen. Eine Eisenstange bezeichnet das Ende dieses Abschnittes am oberen Rand des Gantensteins. Die Darstellung der Vermarkung des Grenzteiles vom Zollamt Binsen bis zum Ende der Schellenbergwand, in welchem sich auf einer Länge von 2,5 km 157 Grenzzeichen befinden, erfolgt in einem Detailplan 1 : 2500 zur Grenzkarte 1 : 10.000.

    Im Grenzverlauf vom Schellenberg ins Bangserfeld ist in einer Länge von 4047 m die frühere Vermarkung nur unwesentlich erweitert worden. Es sind nunmehr 33 Grenzzeichen (10 große, 3 kleine sowie 20 von früher belassene Steine) und 5 Sichtstangen vorhanden (früher 29 Grenzsteine). Von den 33 Grenzzeichen sind 14 Doppelsteine, welche auf größere Strecken die Mittellinie des regulierten Frickgrabens wie des nicht regulierten Spirsbaches festlegen.

    In dem anschließenden Grenzteil Bangserfeld - Rhein stehen auf einer Länge von 717 m 5 große, 2 kleine und 22 von früher belassene Steine, insgesamt 29 Grenzzeichen, in unveränderter Lage. Zur Vermeidung von Senkungen sind die Grenzsteine, soweit sie im Moorboden waren, auf Bruchsteinschüttungen gehoben und am gleichen Ort wieder errichtet worden. Wegen der hochstehenden Rietvegetation ergänzen 9 Sichtstangen aus Holz die Grenzvermarkung.

    Der Grenzabschnitt Mistelmark - Rhein ist 11.115 m lang und durch 294 Grenzzeichen (davon 20 Doppelgrenzzeichen) festgelegt; im einzelnen sind dies: 1 Spezialgrenzzeichen, 42 große und 44 kleine Steine, 110 von früher belassene Steine sowie 97 Felsmarken. Außerdem sind zur besseren Sichtbarmachung der Grenzlinie in diesem Abschnitt 43 Stangen aufgestellt.

    Der Verlauf der Staatsgrenze ist im Gelände durch Spezialgrenzzeichen, Grenzsteine, Felsmarken, Grenztafeln und in unübersichtlichen Gebieten zusätzlich durch Markierungsstangen gekennzeichnet. Die Grenzzeichen sind durchwegs einbetoniert.

    Im gesamten Verlauf der Staatsgrenze Liechtenstein-Österreich vom Naafkopf bis zum Rhein gibt es demnach auf einer Länge von 35.040 m 421 der Lage und Höhe nach festgelegte Grenzpunkte. Die Vermarkung besteht aus 3 Spezialgrenzzeichen, 306 Grenzsteinen, 108 Felsmarken mit Bronzebolzen und 4 trigonometrischen Punkten. Zur zusätzlichen Kennzeichnung der Grenzlinie sind 6 Grenztafeln aus Denkmalbronze, 44 Eisenstangen und 9 Holzpfähle errichtet.

    Der Verlauf der Staatsgrenze ist in der Grenzkarte 1 : 10.000 dargestellt und wird durch die technischen Angaben im Verzeichnis der Grenzzeichen wirksam erläutert.

    Wien am 14. März 1959

  • Verzeichnis der Grenzzeichen

    Grenzabschnitt: Naafkopf-Mistelmark

    (Anm.: Anlage 2 ist als PDF dokumentiert.)

  • Verzeichnis der Grenzzeichen

    Grenzabschnitt: Mistelmark-Rhein

    (Anm.: Anlage 3 ist als PDF dokumentiert.)

  • Koordinatenverzeichnis der Grenzpunkte

    Grenzabschnitt: Naafkopf-Mistelmark

    (Anm.: Anlage 4 ist als PDF dokumentiert.)

  • Koordinatenverzeichnis der Grenzpunkte

    Grenzabschnitt: Mistelmark-Rhein

    (Anm.: Anlage 5 ist als PDF dokumentiert.)